Ann-Kathrin Zwiesler

Breakable V - Geständnis

Kapitel 5
 
Geständnis
 
Ich wachte auf als mich jemand unsanft an der Schulter rüttelte. „Chris schwing deinen Hintern aus dem Bett es ist drei Uhr nachmittags“ Hörte ich einem Vater rufen.
Ich brummelte etwas vor mich hin und zog mir die Decke über den Kopf. „Mach dass du aus dem Bett kommst! Nell hat gerade angerufen, sie fährt um fünf los zum Flughafen um Jean zu holen, wenn du mit willst, dann beweg jetzt deinen Hintern!“
Ach wie ich meine Eltern liebe! „Ja Mann! Ich steh ja schon auf!“ knurrte ich und wühlte mich aus der warmen Decke.
Mein Vater verließ das Zimmer und auch ich schlurfte ins Bad um mich anzuziehen. Ich wusste nicht ob ich mit zum Flughafen wollte… Ich wusste nicht, ob Jean das überhaupt wollte.
Noch ziemlich verschlafen trottete ich in unsere viel zu saubere Küche und ließ mich an den Tisch fallen. „Wenn du glaubst ich mach dir jetzt noch Frühstück hast du dich geschnitten!“ giftete meine Mutter mich zur Begrüßung an und ging an die Türe an der es gerade geläutet hatte.
Ich verdrehte die Augen und lehnte mich zurück. Ich hatte sowieso keinen Hunger.
„Hi Chris“ strahlte mich Nell, Jeans Mutter an als sie die Küche betrat. „Siehst ja sehr fit aus“ „Er hat bis eben geschlafen“ teile meine Mutter ihr mit.
Und wieder einmal fragte ich mich wie die so nette und einfach coole Nell mit einer Spießerin wie meiner Mutter befreundet sein konnte.
„Na dann iss mal was, wir fahren doch früher, die Straßen sind zu“ lächelte Nell und ließ sich neben mir auf einen Stuhl fallen „ich fahr nicht mit“ entschied ich. „Wie du fährst nicht mit?“ meinte Nell entsetzt „Natürlich fährst du mit!“ „Nein tu ich nicht, mir ist nich gut“ murmelte ich und vermied es sie anzusehen. „Hab dich nicht so! Du fährst mit“ Und ehe ich mich versah saß ich neben Lily, Jeans elfjähriger Schwester im Auto und starrte missmutig aus dem Fenster auf die vorbeirasenden Autos. Lily und Nell sangen die ganze Fahrt über irgendwelche dämlichen Lieder und versuchten mich aufzumuntern, doch mit jedem Kilometer den wir näher an den Flughafen kamen wurde meine Laune schlechter. Als wir schließlich aus dem Auto aussteigen und mir ein kalter Windhauch entgegenwehte klopfte mein Herz wie verrückt und ich verspürte schon wieder das dringende Bedürfnis mich zu übergeben.
Ich ließ mich von Nell in die Wartehalle manövrieren und ertrug sogar Lilys nerviges Gerede ohne jegliche Reaktion.
„Das is der Flieger wo er drin is oder?“ fragte Lily und deutete auf die riesige Tafel auf der die eingehenden Maschinen standen. „Ja“ freute sich Nell während meine Eingeweide einen geeigneten Weg aus meinem Körper zu suchen scheinten. Mir war schwindlig und so ließ ich mich auf einen der unbequemen Plastiksitze fallen. Lilly hüpfte neben mir wie wild herum um Jean auch ja als erste zu sehen und so war es dann auch. „DA!“ schrie sie und rannte auf eine schwarzhaarige Gestalt los.
Ich sah wie Jean sie umarmte und hochhob. Die beiden hatten wirklich ein außergewöhnlich gutes Verhältnis dafür dass sie Geschwister waren… wenn ich so an meinen Bruder dachte… nein lieber nicht dran denken!
Auch Nell eilte nun zu ihrem Sohn um ihn zu umarmen nur ich blieb regungslos sitzen und versuchte meine Eingeweide davon zu überzeugen an ihrem Platz zu bleiben. Die drei kamen auf mich zu und als ich Jeans Gesicht erkannte begann mein Herz noch stärker zu pochen. Er war dünner geworden und sah blass aus… fast schon krank.
„Hi“ begrüßte er mich knapp. „Hey“ entgegnete ich ohne ihn anzusehen. Nell schnappte sich ihre Tochter und schon waren sie beide weg um Jeans Koffer zu holen. Er ließ sich in den Sitz neben mir fallen. „guten Flug gehabt?“  fragte ich um das Schweigen zu brechen. „Ja“ erwiderte er und wieder schwiegen wir. Ich öffnete den Mund um etwas zu sagen doch da sprach Jean „ Ich hab nicht mit Josh geschlafen!“ flüsterte er ohne mich anzuschauen. „Ich weiß“ antwortete ich leise, obwohl das nicht stimmte. Plötzlich schaute er mich an, mir direkt in die Augen. „Es tut mir leid“ hauchte er. „Mir auch“ antwortete ich und wir sahen uns einen Moment an bevor wir uns in die Arme fielen. Ich vergaß alles um mich herum und hielt ihn einfach nur fest. Ich wollte ihn nie mehr wieder loslassen!
Doch da kamen auch schon Jeans Verwandte mit seinem Koffer wieder. „So, jetzt aber nichts wie heim!“ strahlte Nell. „Du siehst aus als hättest du seit einer Ewigkeit nicht geschlafen!“ „Hab ich auch nicht.“ Grinste Jean und ließ mich los. Wir stiegen wieder ins Auto und fuhren nach Hause.
„Schläfst du heute Nacht bei uns?“ fragte mich Nell und ich sah zu Jean. Er nickte und ich sagte „ja“.
Wenig später bogen wir in die Einfahrt des Saundersschen Anwesens ein.
Es war natürlich kein richtiges Anwesen sondern viel mehr ein uraltes, riesiges Haus in einem verwilderten, scheinbar unendlichen Garten.
Ich leibte dieses Haus mit seinen Balken und Giebeln.
Wir stiegen aus und schleppten gemeinsam Jeans Gepäck über den knirschenden Kies.
 
In seinem Zimmer angekommen hievte er seinen Koffer auf das Bett und ließ sich daneben fallen. Ich zögerte einen Moment, dann setzte ich mich neben ihn. „Wie war’s?“ fragte ich nach einiger Zeit. „Schön“ gab er erschöpft Antwort. „Bist du müde?“ „Ja ziemlich, aber du kannst ruhig noch aufbleiben.“ er richtete sich mühsam auf. „Nein ich geh auch gleich schlafen.“ beschloss ich. Wir standen beide auf und machten uns gemeinsam daran seinen Koffer notdürftig auszuräumen. Wir machten uns fertig und während Jean in sein Bett stieg machte ich es mir auf seinem Sofa am Fenster gemütlich. „Chris?“ fragte Jean plötzlich in die Stille hinein „Ja?“ „Ich denke wir haben einiges zu bereden“ „Ja… das denke ich auch“ meinte ich niedergeschlagen. „Kommst du?“ fragte er und ich stand auf um zu ihm in sein Bett zu krabbeln. Wieder klopfte mein Herz so laut, dass ich das Gefühl hatte er müsste es hören. „Wieso hast du mich angelogen?“ fragte ich leise „Weil ich… es war mir peinlich“ flüsterte er. „Aber wieso hast du dich so aufgeregt? Nur weil ich dir etwas verschwiegen habe?“ fragte er nun wohl berechtigt. „Weil…“ ich konnte ihm das doch jetzt nicht einfach so sagen „Ich weiß es nicht“ log ich stattdessen. Wir unterhielten uns noch lange über diesen Streit und über das was zwischen Jean und Josh gewesen war. Irgendwann wurden wir dann beide still und jeder hing seinen eigenen Gedanken nach. Nach einer Ewigkeit wie es mir schien fragte Jean ganz leise „Chris, was ist nur los mit dir?“ ich ließ mir Zeit mit einer Antwort. Ich konnte ihm die Wahrheit sagen und unsere Freundschaft aufs Spiel setzten und es riskieren, dass er nie wieder mit mir reden würde, oder ich konnte ihn weiter belügen und glücklich und zufrieden bis an das Ende meines Lebens mit unterdrückten Gefühlen weiterleben. „Ich liebe dich“ hauchte ich so leise als würde ich hoffen er verstände es nicht. „Ach Chris“ seufzte er nach einiger Zeit und ich spürte wie sich ein Arm um mich legte. Mit pochendem Herzen und rebellierenden Eingeweiden kuschelte ich mich an ihn und schlief bald in seinen Armen ein.
 
Fortsetzung folgt…

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.04.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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