Richard Hetzer

Das Kleine Licht (Teil 5)

Der nächste Tag war verregnet. Dennis hatte Besuch von August gehabt. Sie trafen sich in der letzten Zeit öfters am großen Spielplatz. Heute hatte August einfach all seinen Mut zusammen genommen und hatte bei Dennis angeklingelt. Dennis hatte , als er August rein ließ, vorsichtshalber noch einmal vor der Tür nachgesehen, ob es niemand gesehen hätte, dass er August rein gelassen hat.
Eigentlich , dachte er im ersten Augenblick.........aber dann verbrachten sie den Nachmittag ohne Langeweile gemeinsam.
Nach dem Abendbrot ging Dennis in sein Zimmer. Er stand noch eine Weile am Fenster und sah in den verregneten Abendhimmel.. Der Nachmittag war zwar sehr schön gewesen, aber ihm fehlten die Geschichten von Gordon.
Nach einer Weile kippte er sein Fenster, zog die Vorhänge bis auf einen Spalt zu und krabbelte in sein Bett. Der Spalt zwischen den Vorhängen musste sein, damit er das KL noch sehen konnte, was wie immer auf der Fensterbank stand.
Dennis konnte mal wieder nicht gleich einschlafen. Er sah dem leichten Flackern des KL’s zu.
Über Gordons Geschichte von gestern dachte er noch einmal nach." Müssen Drachen eigentlich immer wütend und böse sein? " fragte er das KL.
"Immer waren sie es gar nicht" begann das KL zu erzählen. "Vor vielen tausend Jahren war ihr Lebensraum, die breiten langen sumpfigen Flussufer und weiten Wiesen in den Tälern. Dort fanden sie genug Nahrung und in den Höhlen der Berge konnten sie ihre recht empfindliche Haut vor der Sonne schützen.
Irgendwann drangen Menschen in ihre Gebiete ein. Störten ihre Ruhe und ließen sich an den nahrungsreichen Flüssen nieder. Die Menschen verjagten die Drachen aus den Höhlen um selber dort zu wohnen und auch die nahe gelegenen Wiesen zu nutzen.
Im Laufe der Jahrhunderte, wurden die Geschichten der Feuerspuckenden Bestien mit immer schlimmeren Details versehen und überliefert. So glaubte jeder sie seien die schrecklichsten Tiere die man sich denken konnte.
Doch welches Tier würde nicht seinen Lebensraum verteidigen, wenn es verjagt werden soll und dabei noch seine Familie verlieren würde?!
Diese Eigenschaft wollten sich einige Menschen zu Nutze machen. Zur Verteidigung einzelner Länder, wurden die jungen Drachen eingefangen und in steinige enge Täler verschleppt, die für Menschen schlecht zu verteidigen waren. Das Drachen ein verflixt hohes Alter erreichen konnte, wusste niemand und hatte keiner bedacht.
In den meisten Tälern war aber nicht genug Nahrung für einen Drachen vorhanden. Somit stieg ihre Angriffslust durch den Hunger. Sie griffen alles an was ihnen essbar erschien. Also auch die Menschen, die versuchten durch diese Täler zu ziehen."
Dennis sah das KL erstaunt an. Irgendwie tat ihm plötzlich der Drache aus der Geschichte von Gordon leid.
"Ich sehe du möchtest dem Drachen aus Gordons Geschichte helfen", bemerkte das KL. " Ja, aber wie kann ich es tun?", Fragte Dennis. "Versuche doch einmal selber diese Geschichte von Gordon weiter zu erzählen", ermunterte ihn das KL. "Ach, ich bin zu müde.......ich habe mir noch nie eine Geschichte ausgedacht.......ich kann das doch gar nicht.", versuchte sich der Junge rauszureden. Das KL musste herzhaft lachen "Was meinst Du was für tolle Geschichten du in Deinem Kopf hast. Versuche dir doch einmal den Drachen vorzustellen....."
Eine kurze Pause die mit einem Seufzen von Dennis beendet wurde. "Dem Drachen ging es ganz schlecht"  begann Dennis zögernd. "Ihm tat alles weh. Er war schon ein sehr alter Drache. Eigentlich wollte er in den nächsten Wochen dieses Tal verlassen. Jeden Tag träumte er von anderen Drachen. Immer stärker wurde sein Wunsch einmal einem zu begegnen. Jetzt aber ist er verletzt und kann kaum gehen. Wenn er sich doch nur tief in matschigen Sumpf setzen könnte, dann heilten die Wunden sehr schnell. Da erinnert er sich an das fast ausgetrocknete Sumpfgelände hinter seinem Tal. Der kürzeste Weg dorthin ging durch eine der Höhlen. Nur welche es war, wusste er nicht mehr so genau. Damals hatte er kaum durch die schmalen Felsengänge gepasst, aber er hatte diesen Sumpf gefunden. Doch es zog ihn zurück in seine Schlafhöhle, darum ist er nicht dort geblieben.
Es war seine einzige Chance diese Gang zu finden......."
Applaus ließ Dennis hier abbrechen. Auf der Fensterbank saß einer der Kobolde von Gordons Gefolge. Als er sich erwischt fühlte, verschwand er sofort durch den offenen Fensterspalt.
"Beruhige dich", sagte das KL "deinem Drachen wird schon nichts passieren. Der kleine Kobold ist Geschichtensammler.
Nun schlaf. Vielleicht ist das Wetter morgen besser und du kannst Gordon treffen."
Dennis war sich nicht sicher, ob sein Versuch, eine Geschichte über Drachen zu erzählen gut war und bei diesem Gedanken tauchte prompt Gordon mit seinem Gefolge auf. Das Wetter war immer noch sehr regnerisch, also typisch für Sonntage...
Dennis bedrängte sofort Gordon, von dem Drachen zu erzählen, und dieser fing auch sofort damit an...
Nachdem der Drache, in einem Käfig eingesperrt, von dem Gaukler und seinen Helfern, zu einem Ort gebracht wurde, wo nur dunkle Gestalten verkehrten... eilte die Kunde schnell durch das Land...
Einen Drachen lebendig zu sehen war schon immer der Traum von vielen Bewohnern in dieser Gegend!!
So war schon bald ein riesiges Gedränge vor dem Zelt, in dem der Drache in dem Käfig gefangen war... Sein gewaltiger Kopf war mit Seilen gefesselt und mit Stöcken auf ein Minimum an Bewegungsfreiheit fixiert.
Am ersten Tag waren schon Hunderte von Schaulustigen vor Ort und bezahlten eine Menge Geld für die angekündigte Show. Es hieß: Der Drache wird Feuer spucken...und dann wurde der Einlass geöffnet...die Meute ging ins Zelt und ehrfürchtig nahmen sie auf den Bänken Platz.
Der Drache wirkte irgendwie gar nicht so furchtbar, aber er war ja auch gefesselt und geknebelt...aber als alle Besucher saßen, wurde der Knebel entfernt...
Sofort spuckte der Drache wütend Feuer und ein großes Raunen und Geschrei kam auf! Aber es passierte nichts Schlimmes, die Flammen verpufften im leeren Raum zwischen dem Käfig und den Zuschauern...Weil der Drache immer wieder mit spitzen Stöcken gepiesackt wurde, spuckte er kräftig weiter mit Feuer...
Nach einer Weile war die Show vorbei und der Drache wurde wieder geknebelt. Täglich wurde die Show wiederholt und der Boss dieses Spektakels verdiente einen Haufen Geld.
Eines Tages war ein Junge unter den Besuchern, der ein kleines Licht in seiner Tasche mitführte und dieses Licht hatte Verbindung mit einem anderen Licht in einem anderen Landstrich, in dem auch ein sehr, sehr alter Drache hauste...
Durch eine Gedankenübertragung der Lichter kam die Info, dass ein gefangener Drache hier gedemütigt wurde und natürlich auch gequält...
Das weit entfernte Licht saß gerade bei dem alten Drachen
auf dem Schädel und flüsterte diesem ins gewaltige Ohr, dass ein Artgenosse gefangen gehalten und zur Schau gestellt wurde...und dass er auch zuwenig zu Fressen hatte und dadurch schwächer wurde, was zufolge hatte, dass der Zustand lebensgefährlich wurde.
Der Drache, mit feuerroten Schuppen und einem orangefarbenen Bauch, wurde wütend und machte sich auf den Weg, diesen zu befreien, da es nur noch einige wenige von Artgenossen gab. Das war er der Drachenehre schuldig!!!
Nach einigen Stunden eines gewaltigen Fluges kam das große Zelt in Sicht...
Gordon räusperte sich und mit einer Geste seiner Hand an seine Kehle, bedeutete er, dass er Durst hatte...
Dennis sprang schnell von seinem Bett auf und rannte aus dem Zimmer, um etwas zu trinken zu holen... und als er wieder zurückkam, saßen alle Kobolde auf dem Bett und auch Gordon... und neben dem Bett stand Dennis' Mutter!!!
Dennis erschrak sehr, aber seine Mutter sah ihn ruhig an und fragte nur, ob es ihm gut ginge und da dachte Dennis nur: "Oh, Mama kann die Kobolde und Gordon nicht sehen, gut. " Nur das Licht hätte sie sehen können, aber dies war nicht am Leuchten, seit Dennis' Mutter ins Zimmer gegangen war...Dennis sprach trotz Ungeduld ganz ruhig zu seiner Mutter, dass er nur Durst hätte und jetzt gerne lernen würde. Da freute sich seine Mutter und ging wieder runter ins Erdgeschoss.
Nachdem Gordon und alle Kobolde aus der Flasche mit einem seltsamen süßen Getränk getrunken hatten, es war ein koffeinhaltiges Getränk, ging es weiter...mit der spannenden Erzählung!!!
Der Drache, der zwar alt war, aber noch sehr, sehr gute Augen hatte, sah im Anflug schon, dass schwer bewaffnete Wachen rund um das Zelt postiert waren und setzte sich daher in sicherem Abstand erst mal auf einen großen Felsen und überlegte...
Das Licht, das noch in seinem Panzer steckte, war ja noch in Verbindung mit dem anderen Licht, das in der Tasche des Jungen verborgen war...und die beiden heckten schon was aus...
Das Licht vor Ort drängte den Jungen dazu, zur Zeltplane zu schleichen und dort setzte das kleine Licht sofort den Stoff in Brand...
Der Junge verdünnisierte sich eiligst und schnell kam Panik auf... die Massen drängten sich panikartig zum Ausgang und von dem Brand weg und zogen durch diese Flucht die Aufmerksamkeit der Wachen auf sich...
Dadurch wurde dem "roten Drachen" die Chance beschert, relativ unbeobachtet bis kurz vor das Zelt zu fliegen und schließlich mit vollem Karacho gegen den Käfig zu plumpsen. Dieser Käfig hielt diesem Stoß natürlich nicht stand, brach zusammen und gleichzeitig fielen die Fesseln des gepeinigten Drachen und plötzlich war dieser frei. Zwar schwach, und von einigen Pfeilen von den restlichen Wachen abgeschossen getroffen, aber voll motiviert durch die plötzliche Freiheit, schwang sich der braune Drache in die Lüfte und flog hinter dem roten Drachen hinterher in die wieder gewonnene Freiheit...
Nach einigen Tagen stellte sich heraus, dass der rote Drache sowohl ein mutiges Drachenmädchen war, als auch ein männlicher... das war in dem damaligen Drachenzeitalter noch möglich und deshalb war es kein Wunder, dass der befreite Drache als der männliche Part sich mit dem roten Drachen vereinte und dieses Paar zog sich in weit entfernte Höhlen und saftigen Wiesen davor zurück und wenn sie nicht gestorben sind...
Das war der Schluss-Satz von Gordon und auch der letzte Besuch bei Dennis, der dies zwar nicht wusste, aber sowieso noch ganz gefesselt war, von der Dramatik der Drachenbefreiung...
Gordon und die Kobolde verabschiedete sich gebührend und schon bald schlief Dennis entspannt ein und auch das Kleine Licht war glücklich über den Ausgang der Geschichte, das ja eine entscheidende Wende durch zwei seiner Vorfahren bekam...
Und ob das Kleine Licht noch lange bei Dennis bleiben musste oder durfte, musste wohl das Verhalten von Dennis selbst entscheiden...!!!
Nachdem Dennis wieder aufwachte, den Drachen in Freiheit wusste, sich somit sehr gut fühlte und seinen Alltag ab jetzt bewusster und feinfühliger gegenüber seinen Mitmenschen lebte, verblasste so langsam aber sicher die Erinnerung an das KL. In seinem Herzen aber trägt er die Bedeutung des KL weiter in sich!!!
 
@richi
(mit 'fantastischer' und tatkräftiger Unterstützung von Barbara und Katja)
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.04.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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