Ann-Kathrin Zwiesler

Breakable VIII - Der Traum wird wahr?

 
Kapitel 8
 
Der Traum wird wahr?
 
Wir küssten uns noch immer als Jean plötzlich von mir abließ und einige Schritte zurück stolperte. „Ich… das… Ent… Entschuldigung, ich… es tut mir Leid ich… ich wollte das nicht, ich…“ stotterte er verwirrt. Ich war überrascht durch seine abrupte Reaktion und fragte irritiert „Wolltest du das wirklich nicht?“ Er sah mich nicht an sondern starrte auf einen Punkt links von meinen Füßen. „Doch“ wisperte er. Ich beruhigte mein pochendes Herz und ging langsam auf ihn zu. Vorsichtig hob ich meine Hand und berührte seine Wange sanft mit den Fingerspitzen. „Lass den Schnee tauen Jean“ hauchte ich „Ich tu dir nicht weh“ Eine einsame Träne kullerte über sein Gesicht. „Das verwirrt mich alles so“ schniefte er und ich nahm ihn in den Arm um ihn ganz fest an mich zu drücken. Ich wusste wie es ihm ging, ich hatte schließlich dieselben Zweifel gehabt, aber ich hatte gemerkt, dass meine Liebe zu ihm stärker war als die Vernunft. Doch wusste ich nicht, was ich ihm sagen sollte und so streichelte ich ihm einfach zärtlich über den Kopf und Rücken.
Ich weiß nicht wie lange wir so dastanden aber irgendwann hörten wir in der Ferne laute Rufe. Wir ließen voneinander ab und drehten uns in Richtung Herberge. „Die suchen uns glaub ich“ vermutete Jean mit zerbrechlicher Stimme. „Ja“ pflichtete ich ihm bei „Wir sollten besser zurückgehen, sonst bleibt es nicht bei Küchendienst“ wir musste lachen und gingen zurück zum Haus wo wir schon besorgt erwartet wurden. „Wo wart ihr?“ schrie Mia uns entgegen „Ich wäre fast gestorben vor Sorge“ „Wir waren spazieren“ antworteten Jean und ich zeitgleich. Mia beschaute uns und war entsetzt „Was habt ihr nur getrieben? Ihr seid ja völlig durchnässt! Ab unter die Dusche aber schnell!“. Wir zogen unsere nassen Schuhe und Jacken aus und tapsten barfuss in unser Zimmer wo wir uns nun vollends aus den feuchten Klamotten schälten und mit Handtüchern bepackt in den großen Duschraum huschten. Die anderen waren wohl schon Schlafen geschickt worden weswegen wir alleine in der Dusche waren.
Ich ließ das heiße Wasser über meinen Körper strömen und konnte nicht anders als einen Blick auf Jean zu werfen. Er sah sogar ohne Kleider unglaublich süß aus.
Wenig später saßen wir beide in unsere Decken eingelullt auf meinem Bett und tranken heißen Tee. Jean seufzte leise und ließ seinen Kopf gegen meine Schulter sinken. Ich sah zu ihm hinunter und gab ihm einen sanften Kuss auf die Stirn. „Wie lange bist du schon in mich verliebt?“ fragte er leise „Ich weiß nicht“ antwortete ich ehrlich „Aber gemerkt habe ich es erst während du in Amerika warst“ Er lächelte und kuschelte sich an mich. „Da fällt mir gerade ein, wieso bist du gestern nicht ans Handy gegangen als och dich angerufen habe? „ fragte er und sah zu mir auf. „Ähm“ grinste ich und wurde ein wenig rosa um die Wangen „Mein Handy musste ich leider wegschmeißen“ Er sah mich fragend an „Na ja immerhin weiß ich jetzt, dass ein Durchschnittshandy den Zusammenprall mit einer Durchschnittswand nicht überlebt“ erklärte ich und mein Grinsen wurde immer breiter. „Ich glaube ich fragte besser nicht weiter nach“ lachte Jean und reckte sich um mich zu küssen. Ich erwiderte die Berührung seiner Lippen und legte behutsam meinen Arm um ihn. „Gib mir mal deine Tasse“ meinte Jean und ergriff sie. „Wieso?“ fragte ich neugierig bekam aber keine Antwort. Satt dessen stellte Jean die Getränke auf den Nachtisch und drehte sich wieder zu mir „Deswegen!“ lachte er und begann mich durchzukitzeln. Ich schrie auf und versuchte mich zu wehren doch er war zu flink für mich. Seine Arme entwischten meinen Händen immer wieder und schließlich umfasste ich einfach seinen ganzen Körper und hielt ihn fest „Willst du wohl aufhören?“ fragte ich ihn lachend. „Nein“ japste Jean und schüttelte wild den Kopf. „Na das wollen wir doch mal sehen“ rief ich und startete einen Gegenangriff. Jean war schon immer unglaublich kitzlig gewesen und wand sich kreischend unter meinen Händen. Irgendwann ließ ich ihn und er blieb erschöpft auf meinem Bauch liegen „Das war gemein“ keuchte er. „Du hast angefangen“ lächelte ich und strich ihm zärtlich die schwarzen Haare aus dem Gesicht. „Na und?“ meinte er mit gespieltem Trotz „Du musst lieb zu mir sein, ich bin sensibel“ Wir mussten beide lachen und ich hauchte einen Kuss auf seine Stirn „Du bist süß“ grinste ich und er nickte lächelnd „Ich weiß“.
Sanft strich ich ihm über das Gesicht und er kuschelte sich seufzend an meinen Bauch.  Ich fischte mit einer Hand nach einer der Decken und legte sie behutsam über uns. Zufrieden schloss ich die Augen und bald waren wir beide eingeschlafen.
 
„Aufstehen!“  schrie am nächsten morgen eine gut gelaunte Mia auf dem Gang und hämmerte an unsere Türe. „In einer halben Stunde will ich euch beim Frühstück sehen“
„Träum weiter“ murrte Jean und stützte sich mit beiden Armen über mir ab. „Guten Morgen Schlafmütze“ begrüßte er mich und küsste mich sanft auf dem Mund. Ich schlug die Augen auf und grinste ihn an. „Morgen Kleiner“. „AUFSTEHEEEEEEEEEEEEEN!!!“ hörten wir Mia noch mal schreien. „So eine Sklaventreiberin“ lachte Jean und wühlte sich aus der Decke. Ich nickte bestätigend und zog mir die Decke über den Kopf.
„Hey!“ protestierte der schon halb angezogene Jean und entriss sie mir wieder „Aufstehen angesagt!“ Ich raffte mich auf und grinste ihn an „Du bist kein Stück besser als Mia“ „Danke“ grinste er und verschwand im Waschraum.
Eine halbe Stunde später saßen wir beim Frühstück und unterhielten uns mit den anderen.
Es war ein komisches Gefühl, hier zu sitzen und genau zu wissen, dass die meisten uns nicht mal angesehen hätten, wenn sie wüssten was gestern Abend zwischen Jean und mir passiert war. Dieses Bewusstsein machte mich traurig. Wieso war es so etwas Schlimmes schwul zu sein? Was war denn schlecht daran? Ich schielte zu Jean. Er war wie immer fröhlich und zeigte nicht das Geringste Anzeichen von Unsicherheit während ich ständig das Gefühl hatte irgendwer würde mich komisch ansehen oder meinen Namen zu seinem Nachbarn wispern.
„So! Chris und Jean machen wieder Ordnung und der Rest geht Packen“ befahl Mia und scheuchte uns alle vom Tisch. Als auch sie selbst verschwunden war begannen wir den Tisch abzuräumen und die Teller in der Spülmaschine zu verstauen. Wir redeten kein Wort miteinander, die ganze Zeit. Auch als wir später nebeneinander im Bus auf dem Weg nach Hause saßen schwiegen wir. Erst als wir an der Haltestelle standen und es an der Zeit war sich zu verabschieden sah Jean lächelnd zu mir auf. (Hab ich schon erwähnt, dass mich sein Lächeln verrückt macht?) „Bis Morgen“ strahlte er und umarmte mich fest. „Ja, bis Morgen“ erwiderte ich und drückt ihn kurz an mich. Dann packte er seinen Koffer und lief ohne sich noch einmal umzudrehen die Straße hinunter.
Ich selbst ergriff mein Gepäck und marschierte gedankenverloren Richtung Heimat.
 
Fortsetzung folgt…
 
 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.04.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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