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Eine afrikanische Hochzeit, Teil 4

 

Als wir denn endlich wieder mobil waren, stand dann zur Abwechslung mal ein richtig typischer Urlaubstag an, nämlich der Ausflug zu Victoria Island, die Gegend wo es in Lagos schön und teuer ist und zum Strand, von dem Nigeria so einige hat, aber trotzdem komischerweise nicht touristisch erschlossen ist.


Warum, das war mir aber schnell klar: Eintritt für auf das Gelände fahren, Parkwächtergebühr, und wenn man sich setzten wollte am Strand, garantiert auch erst einmal „Sitzgeld“. Ich erwähnte es ja schon mehrfach: Nigeria ist teuer!


Dazu kommt, das der Strand als solcher zwar durchaus schön ist, also schön heller Strand, Palmen etc. aber für Europäer eher hektisch als entspannend und nicht allzu breit. Außerdem flankiert von einer durchgehenden Linie von Bude an Bude, aus denen in unterschiedlicher Lautstärke und stark verzerrt Musik aus größtenteils leicht bis schwer beschädigten Lautsprechern plärrte. Am Strand auch wieder die für Nigeria anscheinend typische Menschenmenge, und darunter auch sehr viele, die man, auch nach Aussage unserer Begleiter, durchaus in die kriminelle Ecke einordnen konnte und schon von daher nicht wirklich eine entspannte Atmosphäre aufkommen ließ. Kaum fünf Minuten am Strand wurden wir dann auch Zeugen, wie ein Mann seine Frau mit dem Kopf brutal in den Sand drückte. Wenig später sah ich dann auch Blut in den Sand tropfen und als die Frau sich aufrichten konnte, nachdem einige andere Strandbesucher den Mann weggezogen hatten, sah ich das, was vorher ihr Gesicht gewesen war, eine blutige Masse einer Seite. Es war wohl passiert weil der Mann ihr wegen einem Streit um die Kinderbeaufsichtigung eine Bierflasche im Gesicht zerschmettert hatte. Aber so richtig schien sich keiner darum kümmern zu wollen. Und als ich meine Frau dann mehr scherzhaft fragte „ob das so normal wäre in Nigeria“, sagte mir meine Frau doch tatsächlich „Ja, das ist normal hier. Der Mann darf mit seiner Frau alles machen was er will. Die ist halt sein Eigentum. Und wenn er meint sie hat das verdient........ Das kümmert hier keinen“. Achso!Hmm?


Bettler und Strandverkäufer in Massen, die natürlich sofort den, übrigens einzigen, anwesenden „Oyibo“ (weißer Mann) ausmachten und fleißig belagerten. Und zwischen all dem Trubel preschten auch noch Pferde am Strand auf und ab, auf denen man einen Strandausritt hinlegen konnte.


Für meine Frau hingegen war das eine tolle Erfahrung, denn erstmals überhaupt in ihrem Leben hat sie einen Strand betreten und livehaftig das Meer gesehen. Welches von uns leider nur kurz besucht wurde, denn wir hatten unsere Badesachen leider im Hotel vergessen, so das wir nur immer wieder mal mit den Füßen in den badewannenwarmen und kristallklaren Ozean eintauchen konnten. Was aber schon reichte um meine Frau zu verängstigen, denn Wellen hatte sie noch nie gesehen und waren ihr doch unheimlich, ebenso das die Füße immer weiter im Sand versanken, wenn das Meer sich mal wieder zurückzog. Bis ich ihr erklärte, das sie nicht im Sand versinken wird, da wurd sie etwas lockerer.


So locker, das sie schließlich den Entschluß faßte, ein Pferd zu besteigen. Übrigens auch das erste mal in ihrem Leben. Also allen Mut zusammengenommen und sich von einem Pferdeführer in den Sattel helfen lassen. Und ab gings den Strand entlang, im gemächlichen Tempo.


Was mich dazu veranlasste, den Sattel mit ihr teilen zu wollen, weil so gefährlich sah das gar nicht aus (ja, ich hab Respekt vor Pferden), war es aber! Denn kaum wollte ich aufsteigen, zog der Pferdeführer falsch am Zügel und das Pferd fühlte sich genötigt, sein Hinterbein zu heben und mit seiner Hufe genau auf meinem nackten Fuß wieder abzustellen. Aua! Gottseidank sank mein Fuß in den lockeren Sand ein und es blieb bei kleineren Macken. Quetschung meiner Zehen und Schürfwunden an eben diesen, die mich bluten ließen wie ein Schw....... Also erst mal ab ins Meer zur Salzwasserspülung und danach die Erfahrung gemacht das man in Nigeria also durchaus tatsächlich 3 Tage auf ein ordinäres Pflaster warten kann. Wollte lieber gar nicht erst wissen, welche Art medizinischer Versorgung dann erst der doch schwerer verletzten oben genannten Frau zukam!


Naja, dieses Andenken an den Strandbesuch trage ich auch noch mit mir herum, während ich diese Zeilen hier Schreibe. Also durchaus ein Andenken der unvergesslicheren Art.


Holzboote und Armreifen als Andenken haben natürlich auch den Weg mit nach Deutschland gefunden.


Für den nächsten Tag stand dann in aller Herrgottsfrühe eine Fahrt zur deutschen Botschaft in Lagos an, um den Antrag für das Visum auf Familienzusammenführung abzuholen. Um 6.00 Uhr morgens ging es mit unserem neuen fahrbaren Untersatz los, weil wir dachten, das um diese Uhrzeit noch nicht soviel Verkehr sein würde. Ja, dachten wir, aber das Chaos war schneller.
 
++++++++++++++++++Fortsetzung folgt!!!+++++++++++++++++++++++++++++++++++

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.04.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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