Annie Krug

bis der Hahn dreimal kräht...

 

Meine Freundin und ich hatten schon frühzeitig das Rauchen beigebracht bekommen (von fürsorglichen älteren Geschwistern usw.) und  nutzten fortan jede sich bietende Gelegenheit, uns in dieser neuerworbenen Fertigkeit zu üben. 
Nicht, weil´s grad so außerordentlich gut schmeckte, sondern, weil´s verboten war, natürlich!

Der Nervenkitzel war das Entscheidende, aber wir waren auch immer ganz schön auf der Hut

Einmal wäre es aber beinahe doch schiefgegangen, meine Mutter hätte uns um ein Haar erwischt... 
 
Ritschi und ich hatten so lange rümm´bemmst  (gequengelt), bis wir auch campen durften wie die älteren Kinder. Bemmsen konnten wir gut.
 Bei mir daheim im Obstgarten schlugen wir unser Zelt auf. Aber  was für eines!
In tagelanger, schweißtreibender Arbeit selbstgebaut aus Plastik-Kunstdüngersäcken!

Von Schadstoffen war damals noch nicht die Rede, auch wenn wir schon fanden, daß es darin reichlich komisch roch.

Gegen Abend schleppten wir alte Matratzen - "echt Seegras" , Decken und Kissen hinein. Leider durften wir kein Lagerfeuer anzünden - Feuer machen war für uns tabu! Wir waren zwar durchaus der Meinung, daß das zu einem stilechten Zeltplatz dazugehörte, aber auf dem Ohr war meine Mutter taub. Und uns über dieses klare "Nein" hinwegzussetzen, wäre uns im wahrsten Sinne des Wortes zu heiß gewesen. Zumindest in direkter Sichtnähe.

Da drückten wir uns denn lieber zwischen die Großen, die hinter der Maschinenhalle an ihrem Feuerchen Schwarz`Fleisch (Geräuchertes) brieten. Wenn sie auch zunächst noch etwas unwillig herummurrten, gegen den einen oder anderen Handlangerdienst waren sie dann schon bereit, uns zu dulden. Rumkommandieren zu können, war eben doch zu verlockend.
 Wenn wir auch nur die von ihnen verschmähten Fettränder abbekamen, es war uns egal.
 So rustikal, nach Wildwest - Manier auf Stöckchen gespießt über der Glut gebraten, zusammen mit angerösteten Brot, schmeckte es einfach unübertroffen gut.
 
Und in der Nacht fürchteten wir uns auch kein bißchen, schließlich hatten  wir einen gefährlichen Wachhund mit im Zelt - meinen Dackel  Waldi!
Kaum waren wir endlich eingenickt, begann das Hundevieh, drohend zu knurren.          Beunruhigt setzten wir uns auf und horchten nach draußen.
Da raschelte doch etwas im Getreidefeld nebenan!
 Waldi fuhr aus unserer Kunstdünger - Laube und führte sich auf wie tollwütig. Aufgestört rasten wir hinter ihm her und stolperten in der Finsternis über alles mögliche. Es war aber auch zu ärgerlich, daß man keine Taschenlampe besaß! 
 
 Der Dackel kläffte jetzt wie ein Irrsinniger den Gartenzaun an, da drang  ein wohlbekanntes Kichern an unser Ohr. Schnell hielten wir Waldi die Schnauze zu, denn aus dem Draa (Getreidefeld) leuchteten uns recht seltsame, rote Glühwürmchen entgegen.
Natürlich! Die Große wollte die Kleinen ein wenig aufmischen! Und brachte die Glimmstengel gleich angezündet mit - na das sah ihr gleich.
 So wohl hatten wir uns schon lange nicht mehr gefühlt - die Nacht war lau, die Ferien hatten gerade erst begonnen, - und schon waren wir mitten drin im aufregendsten Abenteuer! Vergnügt grinsend hockten wir beidseits des Zaunes, qualmten und stopften uns dabei mit Schokolade voll, denn Schwesterchen hatte heute ihren spendablen Tag.
 Geschmacklich ließ diese Mischung zwar eindeutig zu wünschen übrig, aber "...man muß die Feste feiern, wie sie fallen!" erklärte unser „Besuch“ mit vollem Munde. Wir prusteten los - wo sie recht hatte, hatte sie recht! Und wir genossen den Augenblick wahrhaftig - in vollen Zügen, sozusagen!
Nur leider konnte der Köter die Schnauze nicht halten und fing immer wieder an zu blaffen. Gerade hatten wir die Kippen ausgedrückt und diskret in einem Mauseloch verschwinden lassen, da zuckten wir zusammen, daß uns beinahe die letzte Schokoladenrippe aus den Händen gefallen wäre.
 Meine Mutter, fuchsteufelswild über den nicht enden wollenden Krawall unter ihrem Fenster, war aus dem Bett gesprungen und schrie herunter:  "is etz do ball amoll a Ruh, ihr Saubonkatn – süst treib´i  euch mit´n Steckn!" (ist da jetzt endlich mal Ruhe, sonst helf ich mit dem Rohrstock nach!)  Wir zogen es vor, darauf lieber nicht zu antworten.
 
Die Große raschelte von dannen und wir krochen mit ein paar unfreundlich in Richtung Schlafzimmerfenster gemurmelten Bemerkungen zurück in unser Luxuszelt. 
 Viel Schlaf fanden wir jetzt allerdings nicht mehr, denn durch die Aufregung waren wir wieder hellwach geworden.
Lange Zeit lagen wir nebeneinander und lauschten fasziniert hinaus in die Dunkelheit - so direkt hatten wir die Geräusche der Nacht noch nie vernommen.
Nie hätten wir gedacht, daß "Nachtstille" dermaßen aufregend sein konnte.
 Ein Käuzchen schrie, mal ganz nahe, mal weiter entfernt. Im nahen Wald "bellte" ein Fuchs und unter den Johannisbeersträuchern murkelte ein Igel herum. Sein schnarchendes Umherschnüffeln war mir seit langem vertraut. Seit ich denken konnte, beherbergte unser Schupfm (Schuppen) alljährlich eine Igelfamilie. Nachts machten sie sich mit besonderer Vorliebe über das Katzen-schüsselchen her. Wenn man sie drunten im Hof grunzen und fauchen hörte, holte die Mutter uns Kinder bisweilen aus dem Bett und trug uns huckepack hinaus in den Garten, damit wir die stacheligen Gesellen im Schein der Taschenlampe bewundern konnten.
Ganz langsam duselten wir doch wieder hinüber in´s Reich der Träume, da  fuhren wir erneut mit gesträubten Haaren hoch - in nächster Nähe hatte ein Reh geschreckt. Wie konnte ein solch niedliches Tierchen bloß derart ekelhaft brüllen! Dagegen war das Raunzen des Nachbarkaters, der liebeshungrig durch den Garten strich, direkt eine Erholung.
Bloß Waldi war darüber anderer Meinung und mußte mit Nachdruck an der Verfolgung gehindert werden.  
 
Als sich dann die Dunkelheit langsam etwas hob, von Osten her in lichtes Grau umschlug und die Luft allmählich taufeucht wurde, begannen sich überall die Vögel in ihren Nestern zu regen.
Zuerst ein leises, schläfrig-zärtliches Piepsen, als würde "Frau Vogel" ihren Mann ermuntern:  
"Schätzchen, Zeit aufzustehen und das Revier zu verteidigen!". Dann setzte unvermittelt lautes klares Zwitschern ein - der "Chef des Nestes" hatte seinen Dienst angetreten und begrüßte den neuen Tag. 
 Gleich darauf fielen auch schon die munteren Fanfaren der zahlreichen Hähne in´s morgentlichen Konzert ein. Das gefiel uns ganz besonders gut! 
 
 
Und es inspirierte mich in den folgenden Nächten zu weiteren „Ruhestörungen“...
Wegen des Lärms, den wir angeblich veranstaltet hatten, durften wir nämlich nicht weiter zelten, sondern mußten künftig wieder schön brav in unseren Betten schlafen.
 "Eine Ungerechtigkeit!" wie wir fanden.  Na, hatten wir vielleicht gebellt?
 Mitten in der Nacht stand ich auf, lehnte mich aus dem Fenster und krähte, so gut ich´s hinbekam hinaus in die Finsternis. Der Erfolg war sagenhaft!
Nachbars Gockel fuhr wahrscheinlich aus den schönsten Träumen, wähnte, er habe verschlafen und erhob pflichtschuldigst die Stimme. Das ließen sich seine angrenzenden Kollegen natürlich nicht zweimal krähen und gaben energisch Bescheid. Wie eine Kettenreaktion pflanzte sich das Hahnengeschrei durch die ganze Ortschaft fort.
Sämtliche Güger  (Gockel) im  Dorf hatte ich rebellisch gemacht - ich legte die Stirn auf´s Fensterbrett und gluckste vor Vergnügen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.04.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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