Johannes Schlögl

Der Supergau des Super – DAU ...

Der Supergau des Super – DAU
oder
Daunenbergs Kernschmelze

Verlängerte Wochenenden sind eine gute Sache. Vor allem dann, wenn man viele unerledigte Angelegenheiten zu einem zufriedenstellenden Ende bringen möchte. Das dachte sich auch Jaroslaw Daunenberg. Von Donnerstag Abend bis Sonntag wollte er endlich seine Steuererklärung machen, danach Online abschicken und Ordnung in seine Bilder-, Film- und Musiksammlung bringen. Außerdem musste Daunenberg endlich einmal ein Backup aller seiner Daten vom Computer machen. Dazu hatte er sich extra eine externe USB - Festplatte im Internet ersteigert. Seit vier Jahren stand nun seine Computeranlage im 6 Quadratmeter kleinen Kämmerchen neben dem Schlafzimmer auf einem alten halbierten Tapezierertisch. Ein ganzer hatte im kleine Zimmer einfach keinen Platz gefunden. Gepflegt wurde die Anlage von seiner Frau, die den Geräten regelmäßig einen Frühjahrsputz angedeihen ließ. Mit nassem Schwamm und einem trockenen Tuch reinigte sie die Gerätschaft vom gröbsten Schmutz. Das war auch schon alles, was der PC an Pflege bekam. Aber der Computer war eine genügsame Anlage, die froh war, wenn Daunenbergs Frau einmal pro Jahr die Teer- und Nikotinschicht von Bildschirm, Midi – Tower und Tastatur entfernte. Frohen Mutes begann Daunenberg am Donnerstag Abend mit der Arbeit. Nach dem Abendessen zog er sich in sein kleines Kämmerlein zurück und startete den Computer. Das Steuererklärungsprogramm öffnete sich ohne Probleme und wartete auf Eingaben. Es war eine langwierige Sache, doch das Programm half Daunenberg über die größten Probleme hinweg. Und wenn sich die Software am Schluss vielleicht um 100 Euro verrechnete, war es auch nicht schlimm. Schließlich ersparte sich Jaroslaw mit dem Programm einen Steuerberater – so dachte er es sich zumindest. Nach etwa 2 Stunden hatte er bereits ein Drittel der Steuererklärung erledigt, als es plötzlich schwarz auf dem Bildschirm wurde und der Rechner neu startete. Das Betriebssystem fuhr hoch und Daunenberg lachte nach kurzer Zeit wieder die grüne Standardwiese auf dem Display entgegen. Es musste nur noch das Steuererklärungsprogramm gestartet werden. Das geschah problemlos und die Software erschien wieder mit allen ihren steuertechnischen Features. Da Daunenberg die automatische Abspeicherung seiner Daten nicht aktiviert hatte, war die Arbeit von 2 Stunden beim Teufel. Um eine Erfahrung reicher, aktivierte er das Feature und begann erneut mit der mühseligen Arbeit. Doch nun verabschiedete sich das System schon nach einer Stunde. Daunenberg fluchte und überlegte, wo sich der Fehler möglicherweise versteckte. Vor etwa einer Woche hatte er im Fernsehen gesehen, dass Überspannung zu Problemen bei elektronischen Geräten führen konnte. Also stand er auf und ging zu seiner Frau, die gerade bügelte und zog den Stecker des Bügeleisens aus der Dose. Dann ging er in die Küche, schaltete den Wasserkocher und die Kaffeemaschine aus. Auf den fragenden Blick seiner Frau antwortete er ihr, dass wahrscheinlich eine Überspannung im Haushalt vorherrschend sei und ihm deshalb der Computer immer wieder abstürze. Kopfschüttelnd stellte sie das Bügeleisen weg und setzte sich vor den Fernseher. Daunenberg verschwand wieder in seiner Kammer und arbeitete weiter. Doch nach kurzer Zeit intensiver Arbeit öffnete sich plötzlich ein blaues Fenster auf dem Bildschirm, das nichts Gutes verhieß. Aufmerksam las er die Botschaft. In dieser hieß es, dass das Betriebssystem sich angehalten hat, um die Hardware nicht zu beschädigen. Daunenberg solle gefälligst nachsehen, was da nicht funktionierte, so weiter im Text. Etwa 60 Sekunden später startete der Rechner erneut. Alles schien wieder zu funktionieren – eine Stunde lang. Dann kam wieder der blaue Bildschirm. Doch diesmal stand es etwas genauer, was nicht funktionierte. Eine Datei mit Namen win32k.sys konnte nicht so recht arbeiten wie es wollte. Nach dem Neustart ging Daunenberg so schnell wie möglich über sein Modem ins Internet, um sich zu informieren, was es mit dieser Fehlermeldung auf sich hat. Bei mehreren Foren wollte er sich schlau machen. Aber überall bekam er die annähernd gleiche Antwort: Er solle doch gefälligst das Service Pack 2 erst einmal installieren, ehe er an solchen Diskussionsrunden mitmache. Inzwischen war es schon sehr spät geworden. Wo konnte er bloß ein solches Update her bekommen? Daunenberg hatte sich nie um so etwas gekümmert. Die Hauptsache war für ihn, dass der Rechner funktionierte. Und das tat er ja auch – bis zu diesem Donnerstag Abend. Aber wo bekommen Männer spät in der Nacht noch Dinge her, die sie unbedingt benötigen? Daunenberg überlegte. Dann hatte er einen Gedankenblitz. Natürlich an der Tankstelle! Etwa 5 Gehminuten von seiner Wohnung entfernt befand sich eine solche, die auch in der Nacht geöffnet hatte. Seine Frau sah in ganz verdutzt an, als Daunenberg ihr erklärte, er wolle mal schnell zur Tankstelle gehen, um sich ein Service Pack 2 zu besorgen. Sie meinte, dass das Auto erst vor einer Woche in der Werkstatt gewesen sei und eigentlich kein Service benötige. Außerdem könnte er dieses Service Paket ja auch am Montag noch besorgen. Daunenberg schüttelte den Kopf und meinte, dass sie keine Ahnung von Autos und Computern habe und verließ die Wohnung in Richtung Tankstelle. Dort angekommen erklärte er dem Verkäufer im Shop sein Anliegen. Der lächelte, ging zu den Zeitschriften und holte ihm ein Heft. Er erklärte Daunenberg, dass auf der CD in diesem Heft dieses besagte Update enthalten sei. Er solle sie einfach in das CD Laufwerk einlegen. Der Rest erledigt sich von selbst. Daunenberg bezahlte und eilte nach Hause. Wie durch ein Wunder war der Rechner noch nicht abgestürzt. Also legte er die besagte CD ins Fach und wartete. Tatsächlich erledigte sich die ganze Sache beinahe von ganz allein. Mit sich und der Welt wieder zufrieden bootete Daunenberg den Rechner erneut. Inzwischen war es Mitternacht. Da Freitag ein Feiertag war, spielte Zeit zum Glück keine Rolle, denn er musste ja nicht zur Arbeit fahren. Das Problem mit Win32k.sys schien sich endlich erledigt zu haben. Und so begann Daunenberg wieder mit der Arbeit an seiner Steuererklärung. 30 Minuten später erschien wieder der blaue Bildschirm mit einer unheilvollen Nachricht. Die Software wurde angehalten, um, wie es in der Mitteilung angezeigt wurde, die Hardware nicht zu beschädigen. Doch diesmal stand kein Dateinamen im unteren Teil des Textes. Es stand lediglich ein Wort: Stop. Dahinter befanden sich noch ein paar kryptische Zeichen mit denen Daunenberg nichts anfangen konnte. Also drückte er wieder die RESET Taste auf dem Rechner. Aber diesmal funktionierte diese Handlung nicht mehr. Es blinkten lediglich die Lichter des CD- und DVD Laufwerks, das Diskettenlaufwerk spielte verrückt und aus dem Inneren des Rechners kamen unheimliche Piepsgeräusche. Sie erinnerten irgendwie an Morsezeichen, die Daunenberg aber beim besten Willen nicht verstand. Was sollte er nun tun? Es gab nur eine Möglichkeit: Den Rechner komplett vom Netz trennen und es anschließend erneut zu versuchen. Danach funktionierte alles wieder bestens – zumindest für 10 Minuten. Dann kam wieder das übliche Prozedere. Wohl oder übel musste Daunenberg die Gebrauchsanleitung des Computers zu Rate ziehen. Dort wurde er auch prompt fündig. Wahrscheinlich musste das BIOS neu konfiguriert werden. Gelesen und getan. Das half aber auch nicht weiter. Nun wurde Daunenberg allmählich sauer. Nicht nur, dass die Zeit im Fluge verging. Es funktionierte nun rein gar nichts mehr. Der Computer blinkte und piepste wie es ihm gerade in den Sinn kam. Von einem Arbeiten – auch in den nächsten Tagen – konnte wahrscheinlich keine Rede mehr sein. Daunenbergs Wut im Bauch wurde immer größer. Und wenn dies bei Männern geschieht, dann denken sie nicht mehr nach, sondern handeln nur mehr! So auch Daunenberg. Also ging er in die Küche und holte sich ein paar Schraubenzieher, die im Besteckfach neben den Messern lagen. Nach vier Jahren zufriedener Arbeit mit dem PC war es soweit. Die Elektronik der Informationstechnologie hatte Probleme und Daunenberg fühlte sich dazu berufen, diese zu lösen. Das konnte ja nicht so schwer sein. Zwei Stunden nach Mitternacht begann er mit seiner Arbeit. Die vier Schrauben waren schnell raus gedreht und die Verschalung des Computers entfernt. Das Innere des elektronischen Wunderwerks ließ Daunenberg erschaudern. Spinnweben, Staub und sonstiger Dreck hatten sich über die gesamten Innereien gelegt. Diese mussten zunächst einmal beseitigt werden. Und so holte er den Staubsauger und eine mittelgroßen sauberen Malerpinsel. Nach etwa 20 Minuten hatte Daunenberg mit dem Pinsel den ganzen Dreck gelöst und mithilfe des Saugers entfernt. Es interessierte ihn zu dieser Zeit nicht mehr, dass seine Frau mit einem verschlafenen Blick im Zimmer auftauchte und sich an die Stirne tippte. Sie wusste aber, dass es in einer solchen Situation zwecklos sein würde, ihrem Mann zu sagen, er solle zu Bett gehen, das Problem am nächsten Tag durchdenken und erst dann lösen. Sie wusste auch, dass ihr Mann am liebsten Dinge repariert, von denen er keine Ahnung hat. Nichts schien für ihn so kompliziert zu sein, dass er keine einfache Lösung dafür finden konnte. Vor drei Monaten hat ihr Mann die Waschmaschine repariert. Nun steht eine Neue im Badezimmer. Vorige Woche hatte er sich am Bügeleisen vergangen. Jetzt darf sie mit einem funkelnagelneuen Gerät die Wäsche glätten. Jaroslaws Ehefrau gab dem Computer noch ein paar Stunden zu leben. Sie schloss die Tür von außen und überließ das Schicksal des Rechners Daunenbergs Fachwissen. Dieser startete nach der Reinigung den Rechner neu. Diesmal piepste nichts und auch der Lüfter auf der CPU drehte sich wieder, doch der Bildschirm blieb schwarz. Das war für Daunenberg zuviel. Nun ging es ans Eingemachte. Um drei Uhr Früh begann er den Computer komplett auseinander zu nehmen, ganz genau zu reinigen und wieder zusammen zu stellen. Ob Daunenberg wusste, dass statische Aufladungen nicht gut für elektronische Bauteile sind, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Im kleinen Zimmer war ein billiger Spannteppich verlegt worden und Jaroslaws Pantoffeln waren geradezu prädestiniert, Spannungen zu produzieren. Jedenfalls war der Rechner um 4 Uhr Morgens wieder zusammengebaut und betriebsbereit. Daunenberg startete und nichts geschah. Also gab es für ihn nur mehr eine Alternative: Den BIOS Chip aus seiner Fassung nehmen, nach Fehlern untersuchen und wieder einbauen. Gedacht - gehandelt. Mit einer handelsüblichen Zange entfernte er den Chip aus seiner Verankerung und reinigte ihn. Dass Daunenberg überhaupt wusste, wo sich das Element befand, hatte er einer wirklich guten Gebrauchsanleitung zu verdanken, die noch dazu in einem akzeptablen chinesischem Deutsch geschrieben worden war. Und dann steckte er den Chip (verkehrt) wieder in die Verankerung ... Daunenberg startete den Rechner wieder voller Hoffnung. Doch nichts geschah – nicht einmal der Lüfter auf der CPU drehte sich. Doch etwas Anderes tat sich schon auf dem Board. Der Aufkleber auf dem BIOS Chip begann kleine komische Bläschen zu werfen und wurde ganz schön heiß. Jaroslaw verbrannte sich beinahe seinen Finger, als er darauf griff. Dann kam der unausweichliche Showdown. Plötzlich knallte es irgendwo unter dem Lüfter der CPU und aus dem Netzteil trat weißer Rauch aus. Inzwischen war es 5 Uhr Morgen und Daunenbergs Stolz war gebrochen. Deprimiert schaltete er alles im Zimmer ab und zog sämtliche Netzstecker aus den Steckdosen. Dann schlich er sich ins Schlafzimmer. Er war gerade dabei, sich die wärmende Daunendecke bis zum Kopf hoch zu ziehen, als seine Frau wach wurde. Sie gähnte herzhaft und drehte ihren Kopf in Richtung Jaroslaw. Dann sprach sie folgende Sätze: In 3 Stunden wird ein Multimedia Supermarkt trotz des Feiertags in der Gerstenstraße am Rande der Stadt eröffnet. Schlafe ein paar Stunden und hol dir das Sonderangebot um 599 Euro.
Als Jaroslaw dies gehört hatte, stand er wieder auf, zog sich an und verließ das Zimmer. Schließlich wollte er diesen Computer um 599 Euro haben und nicht nach 8 Uhr vor leeren Regalen stehen. Warum sollte er jetzt ein paar Stunden schlafen? Sein Selbstwertgefühl war plötzlich wieder in bester Ordnung. Und wie sagte schon seinerzeit Daunenbergs Schwiegermutter: Männer denken nicht – sie handeln einfach wie es ihnen in den Kram passt. Bei ihrem Schwiegersohn hatte sie zumindest Recht.
Und wie bekam Daunenberg die Dateien von der Festplatte des alten Rechners auf die neue Maschine? Ganz einfach. Er hatte doch eine externe Festplatte mit USB Anschluss im Internet ersteigert. Was lag da für Daunenberg näher, als die Festplatte in diesem Gerät durch seine alte aus dem kaputten Computer zu tauschen. Happy Crashday DAUnenberg!

(Anm. d. Autors:
Diese Geschichte ist (beinahe) komplett frei erfunden. Ähnlichkeiten mit Namen, Orten, Personen, Softwareprodukten und Ähnlichem wären rein zufällig (oder zufällig gewählt), nicht beabsichtigt und auch nicht im Sinne des Autors. Im Übrigen vertritt der Autor die Meinung, dass man bei Problemen der Hardware im PC einen Fachmann zu Rate ziehen sollte. Es sei denn, man weiß wirklich, was man tut! Ansonsten treten nämlich Murphys Gesetze schneller in Kraft, als man glaubt.)

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.05.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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