Stines Kaninchen hatte sieben Junge bekommen. Zwei davon durfte ich mir aussuchen. Jeden Tag fuhr ich mit meinem klapperigen Fahrrad zu Stine. Stundenlang saß ich dann vor dem Kaninchenstall. Wie waren sie doch auch süß, die kleinen Kaninchen im Nest voller Wolle. Die Tage vergingen nur schleppend. Endlich war es soweit. Die Kaninchen waren inzwischen sechs Wochen alt geworden und hoppelten durch den Stall. Opa hatte mir für die Kaninchen zwei Mark geschenkt. Mit hochrotem Kopf und voller Aufregung fuhr ich so schnell es ging mit meinem Fahrrad zu Stine. Es war wohl der schönste Tag in meinem siebenjährigen Leben. Voller Stolz zeigte ich meinen Freunden meine Kaninchen. Das Eine war schwarz/weiß, das andere war rabenschwarz. In dieser Nacht träumte ich von tausend Kaninchen und von guten Geschäften. Auch meine Freunde, die Brüder Sibo und Gerd wollten ein Kaninchen. So begann sich das erste Geschäft meines Lebens anzubahnen. Sibo und Gerd hatten heimlich ihr Sparschwein geplündert und boten mir einen raffinierten Handel mit Bedingungen an. Da sich die Beiden kein Kaninchen kaufen durften, machten sie es anders. Sie schenkten mir fünf Mark. Ich schenkte ihnen dafür eines meiner Kaninchen. Dafür sollte ich mit ihnen nach Hause kommen um ihren Eltern von einem geschenkten Kaninchen zu erzählen.
Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Nur die Oma der Beiden war zu Hause. Längst war die Plünderung des Sparschweins bemerkt worden.
Bevor ich zum Fall geschenktes Kaninchen was sagen konnte, bekamen wir alle drei einen Schlag hinter die Löffel. Erst Sibo, dann Gerd und ich gleich mit. Schnell machte ich mich aus dem Staub. Für Sibo und Gerd kam es noch viel schlimmer. Erst bekamen sie noch anständig den Arsch versohlt, dann mussten sie das Kaninchen zurückbringen. Mir haben sie das Kaninchen nicht zurückgebracht, zu groß war die Scham der Beiden.Sie setzten das Tier einfach bei Onkel Willi und Tante Mimi in den Hausflur und verschwanden.
Onkel Willi und Tante Mimi reinigten zu der Zeit in der Küche ihren Stangenherd. Asche und Ruß wurden aus dem riesigen Stangenherd entfernt. Die Essenstöpfe waren im Flur abgestellt. Das schwarze Kaninchen hoppelte zwischen den Töpfen rum. Leider stand vom großen Bratentopf der Deckel auf die Kippe. Das Kaninchen sprang auf den wackeligen Deckel und rutschte in den Topf. Beim Versuch, sich aus den Topf zu befreien, wurde der Deckel in Normallage gebracht und war verschlossen.
Nach beendeter Reinigung, heizte Onkel Willi den Herd an und Tante Mimi stellte die Töpfe auf den Herd. Im Bratentopf wurde es laut. Der Deckel klapperte, obwohl der Topf noch nicht einmal heiß war. Tante Mimi war dem Herzinfarkt nahe als sie den Deckel vom Bratentopf nahm. „ Eine Ratte im Topf,“ schrie sie. Onkel Willi schleuderte in großer Panik den Topf in den Garten. Der schöne Braten lag im Sand und ein kleines Kaninchen voller Soße kam zum Vorschein. Der Tante Mimi und dem Onkel Willi zitterten die Knochen. Dann die große Frage! Was will ein so kleines Kaninchen bei uns im Bratentopf, dazu noch angezogen. Fragen über Fragen gab es für die alten Leute. Langsam beruhigten sich die Gemüter. Sohn Gerd wusch das Kaninchen in Seifenlauge, trocknete es und setzte es in einem warmen Stall.
Als Sibo und Gerd am nächsten Morgen auf drängen der Eltern ihr Kaninchen wieder abholen mussten, gab es auf alle Fragen eine Antwort.
Rolf Grebener
Rolf Grebener, Ostfriesland, Südgeorgsfehn
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.05.2006.
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Das Mädchen aus Oberschlesien
von Brigitte Hanisch
Das kleine Mädchen Brigitte wächst wohlbehütet in einer Großfamilie im katholischen Oberschlesien auf. 1938 siedeln die Eltern mit Brigitte nach Kiel um. Dort wird Ihre Schwester Eva-Maria geboren. 1939 beginnt der Krieg und Kiel wird besonders gebeutelt. Entsetzliche Jahre für das kleine Mädchen. Tag und Nacht Bombenangriffe. Hungersnot und immer die Angst um den Vater. Das Mädchen ist seelisch in einem so schlechtem Zustand, dass die Eltern Brigitte nach Oberschlesien zur Schwester der Mutter schicken. Dort wird sie eingeschult und geht auch in Schomberg zur ersten heiligen Kommunion. In den nächsten Jahren pendelt sie hin und her. Kinderlandverschickung nach Bayern, Kriegserlebnisse in Kiel, danach wieder zurück nach Oberschlesien zur Erholung. Dort aber hat sie große Sehnsucht nach ihrer Schwester und den Eltern und fährt deshalb Weihnachten 1944 nach Kiel zurück. Das ist ihr Glück, denn im Januar 1945 marschieren die Russen in Beuthen ein.
Die Nachkriegsjahre und der Aufbau der jungen Bundesrepublik prägen Brigitte. Sie lernt einen Flüchtling aus Pommern kennen und lieben. Sie heiratet ihn nach vielen Hindernissen 1954. Ein Jahr später ziehen sie nach Stuttgart. Dort endet das Buch.
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