Rolf Grebener

Kaninchenhandel mit Hindernissen

 

 

Stines Kaninchen hatte sieben Junge bekommen. Zwei davon durfte ich mir aussuchen. Jeden Tag fuhr ich mit meinem klapperigen Fahrrad zu Stine. Stundenlang saß ich dann vor dem Kaninchenstall. Wie waren sie doch auch süß, die kleinen Kaninchen im Nest voller Wolle. Die Tage vergingen nur schleppend. Endlich war es soweit. Die Kaninchen waren inzwischen sechs Wochen alt geworden und hoppelten durch den Stall. Opa hatte mir für die Kaninchen zwei Mark geschenkt. Mit hochrotem Kopf und voller Aufregung fuhr ich so schnell es ging mit meinem Fahrrad zu Stine. Es war wohl der schönste Tag in meinem siebenjährigen Leben. Voller Stolz zeigte ich meinen Freunden meine Kaninchen. Das Eine war schwarz/weiß, das andere war rabenschwarz. In dieser Nacht träumte ich von tausend Kaninchen und von guten Geschäften. Auch meine Freunde, die Brüder Sibo und Gerd wollten ein Kaninchen. So begann sich das erste Geschäft meines Lebens anzubahnen. Sibo und Gerd hatten heimlich ihr Sparschwein geplündert und boten mir einen raffinierten Handel mit Bedingungen an. Da sich die Beiden kein Kaninchen kaufen durften, machten sie es anders. Sie schenkten mir fünf Mark. Ich schenkte ihnen dafür eines meiner Kaninchen. Dafür sollte ich mit ihnen nach Hause kommen um ihren Eltern von einem geschenkten Kaninchen zu erzählen.
Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.
Nur die Oma  der Beiden war zu Hause. Längst war die Plünderung des Sparschweins bemerkt worden.
Bevor ich zum Fall geschenktes Kaninchen was sagen konnte, bekamen wir alle drei einen Schlag hinter die Löffel. Erst Sibo, dann Gerd und ich gleich mit. Schnell machte ich mich aus dem Staub. Für Sibo und Gerd kam es noch viel schlimmer. Erst bekamen sie noch anständig den Arsch versohlt, dann mussten sie das Kaninchen zurückbringen. Mir haben sie das Kaninchen nicht zurückgebracht, zu groß war die Scham der Beiden.Sie setzten das Tier einfach  bei Onkel Willi und Tante Mimi in den Hausflur und verschwanden.
Onkel Willi und Tante Mimi reinigten zu der Zeit in der Küche ihren Stangenherd. Asche und Ruß wurden aus dem riesigen Stangenherd entfernt. Die Essenstöpfe waren im  Flur abgestellt. Das schwarze Kaninchen hoppelte zwischen den Töpfen rum. Leider stand vom großen Bratentopf der Deckel auf die Kippe. Das Kaninchen sprang auf den wackeligen Deckel und rutschte in den Topf. Beim Versuch, sich aus den Topf zu befreien, wurde der Deckel in Normallage gebracht und war verschlossen.
Nach beendeter Reinigung, heizte Onkel Willi den Herd  an und Tante Mimi stellte die Töpfe  auf den Herd. Im Bratentopf wurde es laut. Der Deckel klapperte, obwohl der Topf noch nicht einmal heiß war. Tante Mimi war dem Herzinfarkt nahe als sie den Deckel vom Bratentopf nahm. „ Eine Ratte im Topf,“ schrie sie. Onkel Willi schleuderte in großer Panik den Topf in den Garten. Der schöne Braten lag im Sand und ein kleines Kaninchen voller Soße kam zum Vorschein. Der Tante Mimi und dem Onkel Willi zitterten die Knochen. Dann die große Frage! Was will ein so kleines Kaninchen bei uns im Bratentopf, dazu noch angezogen.  Fragen über Fragen gab es für die alten Leute. Langsam beruhigten sich die Gemüter. Sohn Gerd wusch das Kaninchen in Seifenlauge, trocknete es und setzte es in einem warmen Stall.
Als Sibo und Gerd am nächsten Morgen auf drängen der Eltern ihr Kaninchen wieder abholen  mussten, gab es auf alle Fragen eine Antwort.

                             Rolf Grebener

Rolf Grebener, Ostfriesland, Südgeorgsfehn

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.05.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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