Robert Fischaleck

Und ich wünschte,du hättest es gehört.

 
Ich hab's dir gerade erzählt, ich wünschte, du hättest es gehört.
Ich bin völlig unfähig das aufzuschreiben.
Es hat mit diesem Knoten angefangen, und die Geschichte, wie er gelöst wurde.
Und diese wilde, flatternde Phantasie hat ihre Flügel ausgebreitet, und hat meine Augen geschlossen.
Und hat sich vom Boden des Kerkers, den ich mir selbst gebaut, langsam erhoben.
Und hat an den Ketten gezerrt.
Und ich habe sie plötzlich gespürt.
Wußte plötzlich, was mich gefangen hält.
Einen winzigen Augenblick nur, am Schlußakkord eines Lieds, das ich mir selbst fabulierte.
und wenn ich gerade noch wünschte, du hättest mich gehört, bin ich jetzt froh, daß wenigstens ich zugehört habe.
Und alles andere ist egal.
Es war das Lied des Knaben, der von einer wunderschönen Frau träumt.
der Sie im Traum berührt, der immer neue Gelegenheiten träumt sie zu berühren, zufällig, flüchtig, unerkannt.
..überall nimmt er sie mit, in seinem Traum...zum Badesee...an den Sandstrand...auf Wiesen...aber nie nach Hause, und immer ist er nur Wurzel seines eigenen Traums, sie endlich zu berühren, völlig eingeschlossen von diesem einen Wunsch.
Ganz durstig ist er schon vom träumen.
Ständig erzählt er ihr sein Leben, seine Sehnsucht, aber er darf sich nicht zeigen, das wäre...das würde ihn in einen Frosch verwandeln.
Und wie er so am Brunnen, und im Wasser und in der Nähe des Wassers umherhüpft und ...und lästige Fliegen fängt und Wörter übt, die er gerade noch verdauen konnte, hört er plötzlich jemand singen.
Und schnell hüpft er zum Brunnen, wie er das immer tut, wenn sich jemand nähert.
Und er sieht diese Frau, wie sie mit einem Ball spielt, oder waren es zwei?, und er erschrickt, weil sie näher zum Brunnen kommt, als jemals jemand zuvor.
Und jetzt muß er springen.
Und wie er so vom Rand aus seinen Willen zusammen nimmt und springen will, sieht er für einen Sekundenbruchtteil sein Spiegelbild.
Und er sieht einen Frosch, der mit weit aufgerissenen Augen ins Wasser springt.
Dann spürt er nur noch wie er in sich und seinem Brunnen langsam versinkt.
Und während aussen der Prinz dasteht in all seiner Pracht und die ersten zärtlichen Worte spricht, hört er wie sein Herz, ähnlich dem eines Knaben immer weiter entschwindet, in dieser gründunklen Flut, die sich über ihm auftürmt, und die sich immer schon Dschungel nannte.
Der Dschungel mit den vielen Namen, der Urwald der Unterschiede.
Der Dschungel in dem alles möglich ist und in dem nichts eine Rolle spielt.
Und er will ihr sagen, was mit ihm passiert und er öffnet seinen Mund und zu seinem großen Erstaunen, dann Entsetzen, dann Trauer und dann endlich Wut hört er seine eigenen Worte, die hab ich aufgenommen, hier sind sie. Es sollten so viele sein, aber es ist nur ein einziges:
Quak.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.05.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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