Im Februar 2006 wurde ich 60 Jahre alt. Wo ist die Zeit geblieben. Oft denke ich an Tante Mimi. Viele Geschichten und Streiche werden wieder in mir lebendig.
Es war an einem Sonntag im April 1953. Es war fast wie immer. Wir Kinder hatten unsere guten Sonntagskleider an und durften uns nicht dreckig machen. Die Langeweile war vorprogrammiert. Der Alltag war viel spannender und voller Abenteuer.
Doch heute sollte alles ganz anders kommen.
Auch die größeren Jungen auf der Brücke hatten Langeweile und suchten ihren Spaß.
Sie riefen mich zu sich und erzählten mir von ihrem Vorhaben. Jeden Tag wollten sie eine gute Tat zu vollbringen und ich durfte dabei sein. Wir übten zusammen einen Spruch, bis ich ihn kannte. Diesen Spruch sollte ich meiner Oma erzählen um sie zum Lachen zu bringen. Das ist eine gute Tat, sagten die Jungen.Oma würde mir dann bestimmt etwas schönes schenken. Als ich dann nach Hause rannte, um Oma zum Lachen zu bringen, gackerten die Jungen auf der Brücke wie die Hühner.
Von weitem sah ich Omas beste Freundin Tante Mimi auf ihr Fahrrad steigen. Die liebe alte Tante Mimi! Oft schenkte sie mir eine Stange Sahnebonbon. Sie hatte es verdient, belohnt zu werden. Endlich hatte ich die Gelegenheit, sie fröhlich zu machen. Die erste gute Tat war in Aussicht.
Tante Mimi war auf dem Weg zur Kirche. Als sie an mir vorbeiradelte, rief ich ihr voller Freude zu: „Fräulein, haben sie einen Hund bei sich, oder pissen sie selbst am Baum.“
Die Jungen auf der Brücke schrieen vor lachen. Tante Mimi jedoch konnte ihre Freude wohl sehr gut verbergen. Sie warf ihr Fahrrad in unsere Hecke, lief zu meinem Vater und beschimpfte ihn heftig wegen seine Erziehung. Ob dieser Spruch wirklich das gelbe vom Ei war? Sicher war ich mir nicht mehr. Auch die gute Tat stellte ich sehr in Zweifel. Meinem Vater jetzt unter die Augen zu treten, war nicht gerade ratsam. Meine Zuflucht war wie immer bei Oma und Opa. Verständnisvoll hörten sich die Beiden meine Geschichte an. Opa drehte sich zum Fenster. Sein Bauch schüttelte sich verdächtig und sein Kopf wurde rot bis blau. Oma aber, nahm mich in den Arm und tröstete mich. Sie meinte, dieser Spruch wäre eher nicht geeignet, einen Menschen wirklich glücklich zu machen. Bei Tante Mimi brachte Oma alles wieder in Ordnung. So ging ein aufregender Sonntag zu Ende.
Rolf Grebener
Rolf Grebener, Ostfriesland, Uplengen, Südgeorgsfehn
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.05.2006.
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