Birte Fröhlich

Der Kältegeist oder eine-5-Minuten-Vorlese-Geschichte

Die kleine Lisa hatte sehr hohes Fieber. Es war so hoch, dass sie sogar fantasierte.
Eines Nachts schlafwandelte Lisa. Sie stand aus ihrem warmen Bettchen aus und ging hinaus in die kalte Nacht. Es war Winter, und unter ihren nackten Füßchen knirschte der frische, kalte Schnee. Es war sehr windig und Lisa hatte nur ein dünnes Nachthemd an. Und doch spürte sie keine Kälte.
Plötzlich zog ein Sturm herauf. Als sich der aufgewirbelte Schnee legte, stand ein Geist vor ihr. Der Geist war groß und blass. In seinen Haaren hingen Eiszapfen, und auf seinem blauen Gewand glitzerten Eiskristalle. Das war der Kältegeist, der dafür sorgt dass auf der Erde Winter herrscht.
Der Kältegeist nahm Lisa auf den Arm und flog mit ihr hoch hinauf in die Wolken, zu seinem Eispalast. Dort war alles, aber auch alles aus Eis. Lisa fror und zitterte erbärmlich. Der Kältegeist hatte Mitleid und gab ihr einen dicken Pullover, der sie wie einen Teddy aussehen ließ.
Der Geist erklärte Lisa, dass sie von nun an bei ihm wohnen würde, und für ihn zu sorgen habe. Sie tat alles was er ihr auferlegte. Sie machte die Betten, räumte auf, wusch und putzte die Eisböden.
Eines Tages sagte der Geist: „Wie ich sehe kommst Du sehr gut zurecht. Und ich denke, das ich Dir vertrauen kann. Ich muss für zwei Tage weg, ein anderes krankes Kind wartet auf mich. Du kannst hier tun und lassen wozu Du Lust hast. Aber betrete nie, hörst Du, niemals das letzte Zimmer am Ende des Ganges.“. Mit diesen Worten verließ er sie.
Als der Geist weg war wuchs die Neugier in dem kleinen Mädchen. Warum durfte sie nicht in das Zimmer? Was war darin verborgen? Langsam schlich sie zu der Tür, die sie betreten sollte. „Wenn ich nur die Tür öffne und rein schaue wird schon nichts passieren“ dachte sich Lisa, und drückte ganz vorsichtig die eisige Klinke hinunter.
Im Inneren des Zimmers war es noch kälter als im restlichen Palast. Mitten im Raum stand eine große Maschine, an der viele Hebel und blinkende Knöpfe waren.
Neben den größten Hebel war eine Skala. Man konnte den Hebel auf Frühling, Sommer, Herbst, Winter oder sogar auf Eiszeit stellen. Und genau dort stand der Hebel. Auf Eiszeit.
Lisa versuchte sich zu erinnern, wie lange es nun schon Winter war. Viel zu lange jedenfalls.
Es müsste schnellstens Frühling werden, sonst würden nach und nach alle Vögel, alle Bäume, alle Blumen, und irgendwann bestimmt auch die Menschen sterben.
Also nahm Lisa ihren ganzen Mut zusammen und schob den Hebel auf Frühling.
Es dauerte nur wenige Minuten, bis sie merkte, dass sie feuchte Füße bekam. Der Boden schmolz. Auch von den Wänden tropfte das Eiswasser. Schnell lief Lisa zur Tür.
Als sie die Palasttür öffnete, hörte sie die ersten Vögel zwitschern. Sie sah tief unter sich grüne Wiesen und bunte Blumen.
Als sie spürte, dass bald auch der letzte Rest des Palastes schmelzen würde, atmete sie einmal ganz tief durch, nahm Anlauf, schloss die Augen und sprang aus der Tür. Sie sprang in die Tiefe und fiel, und fiel, und fiel…
Als Lisa ihre Augen wieder öffnete, lag sie in ihrem Bettchen. Ihre Mutter saß neben ihr, legte ihre Hand auf Lisas Stirn und lächelte beruhigt. Ihr Fieber war gesunken.
Wahrscheinlich hat Lisa das alles nur im Fieber geträumt.
Obwohl, in den Nachrichten wurde von einem plötzlichen Wintereinbruch auf Hawaii berichtet.......
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.05.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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