Ann-Kathrin Zwiesler

Breakable XII - Silvester

Kapitel 12
 
Silvester
 
 
„Chrishihihiiiiiiiiiiiis“ flötete meine Mutter mit ihrer Es-ist-ein-Feiertag-und-alle-sind-glücklich Stimme als sie meine Zimmertüre aufriss. „Komm doch schon mal runter, die Summers müssen gleich da sein“ „Ja, ja“ murmelte ich und betrachtete sie skeptisch wie sie da stand, in ihr grauenhaftes schwarzes Abendkleid gezwängt und die Haare zu einer blonden Explosion toupiert.
Mich hatte dieses dämliche traditionelle Silvesteressen mit Jeans Familie schon immer angekotzt – was eigentlich hauptsächlich an meiner eigenen Familie lag -
doch heute war es besonders schlimm. Seit seinem biestigen Abgang am Donnerstag hatte ich Jean nicht mehr gesehen und die Aussicht darauf einen ganzen Abend mit meiner stressigen Familie und einem pubertierenden 17-Jährigen zu verbringen stimmte mich nicht gerade fröhlicher.
„Siiiiiiiiiiiiiiehst duuu? Es klihingelt schoooooooon!“ jubelte meine Mutter in höchstem Sirenenton und stakste auf ihren Absatzsandalen die Treppe hinunter. Ich seufzte und blieb regungslos auf meinen Stuhl sitzen. Ich hatte einfach keine Lust auf dieses Wir-sind-doch-eine-Familie-und-haben-uns-alle-lieb Getue. Unten konnte ich die Türe aufgehen hören und vernahm auch sofort Nells fröhliche Begrüßung und Lilys sinnloses Dahergebrabbel. Nur von Jean war nichts zu hören – ob er zu Hause geblieben war? Aber nein, Jean redete nie viel. Ein letztes Mal atmete ich tief ein, dann begab ich mich auch nach unten bevor mein Vater auf die Idee kommen würde mich dazu zu zwingen.
Die nächsten zwei Stunden saß ich schweigend am Esstisch und lauschte halbherzig den Gesprächen der Erwachsenen. Zum einschlafen. Ab und zu warf ich Jean verstohlene Blicke zu, doch er reagierte nicht. Den ganzen Abend schon saß er mit ausdruckslosem Gesicht am Tisch, starrte seinen Teller an und stocherte gedankenverloren in seinem Essen herum. An was er wohl dachte?
„Sooooooooo!“ sagte meine Mutter endlich den nächsten Programmpunkt an „Jetzt schauen wir alle gemeinsam Dinner for One“ Meine Mutter strahlte wie ein Honigkuchenpferd und sogar Nell schaffte es erstaunlich gut Interesse zu heucheln. Mich kotzte das alles einfach nur an. Jedes Jahr der selbe Mist! Genervt stöhnte ich auf und sah meine Mutter flehend an. Vielleicht hatte sie ja dieses Jahr Erbarmen mit mir? „Wenn Chris nicht mitschauen will, dann kann er ja schon mal die Küche wieder in Ordnung bringen“ grinste mein Bruder hämisch. Danke! Danke, danke, danke!!! Auch wenn er ein Arschloch war: Im Moment war ich einfach nur dankbar! So eine gute Idee hatte der lange nicht gehabt. Meine Mutter war auch begeistert und so sammelte ich erleichtert die Teller ein und brachte sie in die Küche.
Endlich alleine stellte ich das Geschirr klirrend auf der Arbeitsplatte ab und ließ Wasser in das Spülbecken laufen. Lustlos griff ich nach einem der Töpfe und wollte ihn in die Spüle stellen als er mir aus der Hand glitt und mit einem lauten Scheppern platschend ins Wasser fiel. „Fuck!“ fluchte ich aufgrund der Überschwemmung die ich verursacht hatte.
„So kommst du aber nicht weit“ lachte plötzlich jemand hinter mir. Ich fuhr herum und an die geschlossene Türe gelehnt stand Jean und lächelte mich freundlich an. „Stimmt“ reagierte ich perplex und sah verwirrt zu wie er sich daran machte die Sauerei aufzuwischen. „Ich helf dir mal lieber, sonst beginnst du das neue Jahr in der Küche“ feixte er und gemeinsam hatten wir schon wenig später unsere Arbeit vollendet. „So“ meinte Jean zufrieden und blickte sich in der tadellos gesäuberten Küche um. ER legte das Geschirrtuch weg, dass er in der Hand gehabt hatte und lehnte sich an die Spüle. Eine Weile sagte keiner von uns etwas doch gerade als die Stille unerträglich zu werden schien öffnete sich Jeans Mund „Wenn…Wenn du wieder ins Wohnzimmer willst dann… aber wenn nicht… also…“ druckste er rum. Ich musste grinsen - Was hatte er schon wieder vor? „eigentlich bin ich nicht besonders scharf darauf da wieder ein zu gehen“ antwortete ich ehrlich und lächelte. „Weise Entscheidung!“ grinste er frech „Sehr weise Entscheidung!“ Bevor ich mich versah ergriff er einen Arm und zog mich aus der Küche, am Wohnzimmer vorbei durch den Flur und hinaus in die kalte, schwarze Nacht. „Was wird das?“ fragte ich ihn während wir zitternd vor Kälte durch den tiefen Schnee die Straße entlangstapften. „Warts ab“ lachte er und bog in eine Seitengasse ein. Ich sah mich genau um. Irgendwie kam mir diese Straße bekannt vor aber ich wusste nicht woher ich sie kannte. Als ich um eine weitere Ecke gezogen wurde kam es mir plötzlich: Das war der Weg zu Jeans Zuhause. Und richtig – am Ende der langen Allee konnte ich das riesige, alte Haus der Summers erkennen. Als wir wenig später völlig durchgefroren den Flur betraten und unsere durchweichten Schuhe auszogen, bekam ich plötzlich wieder so ein irres Kribbeln im Bauch. Aufgeregt folgte ich Jean durch das ausgestorbene Treppenhaus in sein Zimmer im dritten Stock. Er öffnete die Türe und ließ mich eintreten. Dann folgte er mir und schloss sie vorsichtig wieder. Während ich versuchte in dem dunklen Zimmer etwas zu erkennen spürte ich seine Hand an meiner und ließ mich von ihm sanft zu seinem gemütlichen Sofa unter dem riesigen Erkerfenster ziehen. Er drückte mich zaghaft in die Kissen und beugte sich kurz über mich und schaltete eine Lampe ein, die ein warmes, angenehmes Licht von sich gab. Dann sah er mich an. „Verzeihst du mir?“ hauchte er und ich nickte. Ich wusste zwar nicht, was genau ich ihm gerade verziehen hatte, aber bei diesem Blick würde ich ihm wohl alles verzeihen. Er lächelte mich an und strich mir liebevoll die Haare aus dem Gesicht. Während seine weichen Lippen sanft meine Haut berührten hatte ich das Gefühl bald platzen zu müssen. Das Kribbeln war unerträglich geworden und ich wollte einfach nur schreien vor Glück. Also liebte er mich doch!!!
Auf einmal ließ er von mir ab und grinste. „Es ist jetzt elf Uhr“, teilte er mir mit „das heißt, du bist noch genau eine Stunde minderjährig – gibt es irgendwas, was du noch tun willst bevor du alt wirst?“ Er sah mich herausfordernd an. „Einiges“ lachte ich „Aber vieles davon sollte ich wohl besser lassen“ Er lachte auf und wuschelte mir durch die Haare. „Ich will dich zu nichts überreden“ feixte er und wir blödelten noch eine Weile herum. Als ich Jean gerade mal wieder gnadelnlos durchkitzelte leuchtete plötzlich etwas Rotes am Himmel auf. Ich schrak auf und blickte auf die Uhr. „Fünf vor 12… Jetzt hätten wir doch beinahe den Rutsch ins neue Jahr verpasst“ lachte ich und ließ ihn frei. „Und deinen Geburtstag“ Ich lehnte mich seufzend gegen die Kissen und genoss es, nicht bei meinen Eltern in unserem peniblen Wohnzimmer sitzen zu müssen, sondern hier zu sein, ganz alleine mit Jean.  Hibbelig hüpfte dieser neben mir auf und ab und brachte mich mit seiner Ungeduld zum lachen. „Mensch Jean! Du tust ja gerade so als hättest du selbst Geburtstag“ meinte ich liebevoll und er lächelte. „Nein, das wäre nicht so lustig“ erwiderte er und umarmte mich. Gerade als er seine Arme wieder von mir löste begannen die Glocken das neue Jahr einzuläuten und die gesamte Stadt war innerhalb weniger Sekunden in buntes Feuerwerk gehüllt. „Alles Gute zum Geburtstaaaaaaaag!!!!!“ schrie Jean fröhlich und fiel mir gleich wieder um den Hals. Lachend drückte ich ihm ganz fest an mich. „Und dir ein gutes neues Jahr“
Er ließ mich los und lächelte „Danke“, dann beugte er sich zu mir und küsste mich lange und innig. Irgendwann ließ er von mir ab und wir beobachteten aneinander gekuschelt die vielen bunten Raketen die am Himmel funkelten. Eigentlich war Silvester doch etwas Schönes… Früher hatte ich mir immer eingeredet, die vielen Leute würden die Raketen nur für mich abschießen… Kinder können schon manchmal naiv sein, dachte ich und musste grinsen. „Was ist?“ fragte Jean und ich sah ihn an. „Nichts“ lächelte ich und strich ihm über die Wange. Überraschenderweise gab er sich mit dieser Antwort zufrieden und legte zärtlich seine Arme um meinen Hals. Während er mir in die Augen schaute näherte sich sein Gesicht meinem und er küsste mich wieder. Ich schloss die Augen und strich ihm sanft über den Rücken. Irgendwie hörte in diesem Moment mein Gehirn auf zu arbeiten und ich ließ das alles einfach geschehen.
 
Schon früh wachte ich am nächsten Morgen auf und blinzelte in die strahlende Sonne. Jean lag eingerollt an mich gekuschelt und schlief noch tief und fest. Ich musste Lächeln als ich ihn ansah. Seine weichen Gesichtszüge sahen aus wie die eines Engels. Zärtlich strich ich über die warme Haut seiner Schulter und küsste ihn sanft auf den Hals. Dann legte ich meinen Arm um seinen Bauch der sich langsam und gleichmäßig hob und senkte. Ich lauschte seinem beruhigenden Atmen und legte meinen Kopf vorsichtig auf seinem Hals ab. Er roch angenehm nach… nach Jean eben. Ich schloss die Augen und war einfach nur glücklich.
 
Fortsetzung folgt…
 
 
 

Anmerkung:
Ich werde die Geschichte hier nicht weiter veröffentlichen, wer sie dennoch gerne fertig lesen möche, schreibt mir einfach eine e-mail^^
Ann-Kathrin Zwiesler, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.05.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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