Nadine Richters

Ein Wiedersehen in München

 

Nun ist es schon Samstagmorgen dachte ich, als ich auf meine silbern funkelnde Armbanduhr sah die mittlerweile schon halb 6 Uhr morgens anzeigte. Ich war mit meiner besten Freundin Louisa am Freitagabend in den Club gegangen. Obwohl ich erst widerwillig, mich langezeit überreden lassen musste um mitzugehen, bereue ich es im Nachhinein doch nicht.

Louisa war eine hübsche junge Frau Anfang 20, genau wie ich. Doch sie sah meiner Meinung nach bedeutet besser aus als ich und bekam auch einfacher die Männerblicke auf sich. Denn mit ihren langen brünetten Locken und ihrem zauberhaften Lächeln schmolzen die Männer dahin, wie Eis am Stiel.

Bei mir hingegen war das ein bisschen anders. Ich möchte ja nicht behaupten, dass ich eine graue Maus sei, aber wenn ich Louisa mithatte stahl sie mir eigentlich immer die Show.

So war es aber nicht gestern Abend gewesen. Ein komischer Abend halt.

Ich musste noch bis 8 Uhr arbeiten und war danach schon ziemlich erschöpft, doch als Louisa mit einer Flasche Sekt bei mir vor der Wohnungstür wartete war mir klar, dass der Abend zu Hause vor dem Fernseher flach fallen würde.

Ein wenig gestresst ging ich mit ihr rein. Wir zwei machten uns hübsch, legten gute Musik auf und prosteten den Sekt dazu. Mittlerweile überkam mich dann auch die Laune noch raus zu gehen.

Zum Glück wohnte ich ziemlich Zentral von München, sodass wir unseren Lieblingsclub, das Olé in wenigen Minuten erreichten.

Im Club war die Stimmung ausgezeichnet und der Laden war bereits gut gefüllt mit vielen hübschen Studenten. Louisa und ich sahen uns kurz um und erblickten hinten in der Ecke einen kleinen Stehtisch, der letzte der noch zu haben war. Sie schaute mich mit einem fragenden Blick an, ich nickte ihr nur zu und wir drängten uns durch dir Masse an den kleinen Tisch.

Nach einer Weile kam Ralph, ein wunderschöner, netter, aber leider schwuler Barkeeper zu uns rüber und brachte uns unsere Tequila Sunrise mit den Worten: Bitte sehr. Wie immer Mädels.

Mit einem Dankenden Lächeln von uns drehte er sich wieder um und ging zur Bar zurück.

Zu dieser Zeit war es noch sehr früh, wir hatten es gerade halb 1, als ich meinen Blick wieder durch den Raum wandern ließ. Er blieb bei einem jungen, attraktiven Mann stehen. Irgendwoher schien ich ihn zu kennen. Doch woher? Er war groß, muskulös gebaut und sein lockiges blondes Haar hatte er frech hochgegeelt. Woher kannte ich diesen Mann? Seine Augen leuchteten in einem dunklem blau und sein Lächeln war einfach atemberaubend.

Ich stupste Louisa in die Seite, welche sich schon wieder mit zwei Männern unterhielt.

Mit einem entschuldigenden Blick schaute ich sie an und als sie wieder lächelte, zeigte ich ihr den Typ an der Bar. Sie zuckte nur mit den Achseln und zog mich mit einer Hand Richtung Bar. Nein, was tat sie denn da? Ich hätte mich doch auch vielleicht getäuscht haben können. Vielleicht kannte ich ihn ja doch nicht. Aber das war Louisa anscheint völlig egal. Mit einem zielstrebigen Gang ging sie auf den Typ zu und stellte sich neben ihm an die Bar.

Sie stand direkt mit dem Rücken zu ihm und grinste mich nur frech an. Ohh nein dachte ich mir nur, peinlicher geht es wohl kaum noch.

Sie bestellte bei Ralph noch 2 Gläser Prosecco, während ich mit behutsamen Blicken meinen Unbekanten musterte. Woher kannte ich ihn bloß? Es musste zumindest so lange her sein, dass Louisa ihn nicht kannte. Denn Louisa hatte ich erst kennengelernt als ich mit 18 nach München gezogen bin.

Als ich Pascal, ein Freund von ihm aus seiner Männerrunde sah, war es mir klar geworden woher ich ihn kannte. Ich musste schmunzeln, als ich an diese Zeit zurück dachte.

Ich zog Louisa mit auf die Damentoilette. Dort eingetroffen erzählte ich ihr, dass ich jetzt wüsste wer er ist. Louisa war absolut neugierig. Na ja, der Typ mit den hübschen blauen Augen und dem schwarzen Polo- Shirt, war meine erste Jugendliebe gewesen gestand ich ihr und ich war wahrscheinlich das erste Mal so richtig verliebt in ihn gewesen.

 

Doch was machte er hier in München? In meinem Lieblingsclub?

Mit grinsendem Blick verließen wir zwei die Toiletten; doch im Flur kam Marc mir entgegen. Plötzlich fing mein Herz an zu rasen und ich konnte fast nicht mehr atmen. Er schaute mir so tief in die Augen. Man sah er gut aus, verdammt gut. Viel besser als damals, dachte ich. Er stand direkt vor mir und ich konnte sein Parfüm in meiner Nase riechen. Ein starker männlicher, aber auch sportlicher Duft. Irgendwie schien er mir vertraut zu sein, obwohl ich wusste, dass es nicht mehr das Parfüm war, welches er damals trug.

Doch nach einem kurzen Blick ging er an mir vorbei in Richtung Herrentoilette. Nein konnte es sein, dass er mich nicht mehr kannte? Was war los mit ihm? Hatte er mich vergessen?

 

„Hey Chantal?“ Auf einmal drang ein warmer Schauer durch meinen Körper, denn ich wusste, dass er es war.

Wie verrückt schlug mein Herz in meiner Brust, ich fühlte mich wie damals, ein kleiner naiver Teenager, der sich über alles in einen ältern Jungen verliebt hatte.

Ich wandte mich um und lächelte ihn freundlich an. Da war er wieder dieser Blick der mich damals schon so glücklich gemacht hat und der mich alles vergessen ließ.

Mit einem einfachen Small Talk vor der Toilette über meinen Beruf, unsere damalige Zeit in Hülsten, mein Umzug nach München und sein fertiges Studium waren eigentlich weniger interessant. Charmant war er immer noch, mit diesem leichtem prickeln von Erotik was er hatte, wenn er von der damaligen Zeit sprach.

Nach einer langen Unterhaltung gingen Marc und ich zurück an die Bar. Ich fühlte mich so glücklich, so vollkommen in seiner Nähe, dass ich am liebsten immer bei ihm bleiben wollte.

Wir gingen rüber zu seiner Männerrunde, wovon ich bestimmt die Hälfte von damals noch kannte. Verändert hatten sie sich gewiss. Wenn auch einige nicht unbedingt ins Positive, so wie Marc es getan hatte. Auch ich bekam viel Positives zu hören, dass ich doch viel erwachsener geworden wäre und doch einiges aus mir geworden wäre. Na ja da waren die Meinungen meinerseits anders, aber das war im Moment eher unwichtig.

Ich wollte alleine sein mit ihm, die Zeit die wir damals nicht gehabt haben nachholen und die Stunden, die er hier war mit ihm genießen, denn ich wusste nicht wie lange er bleiben würde.

Auch er schien dasselbe zu fühlen, als er mir ins Ohr flüsterte ob ich nicht noch andere hübsche Orte in München kenne, wo nicht mehr so viel los sei.

Ich nickte und wir verabschiedeten uns von den anderen.

Von Louisa bekam ich vorm Ausgang nur ein breites grinsen und ein: „Wir telefonieren morgen.“ Es war schön ihr nicht immer alles erklären zu müssen. Wir verstanden uns einfach blind.

Langsam schlenderte ich in Marcs Arm die Fürstenbergstraße hinab zur Altstadt. Ich erinnerte mich an die wunderbare Zeit in Hülsten. Die vielen Partys dort und den ersten Kuss mit Marc.

Es war ein schöner Gedanke ihn wieder hier zu haben, neben ihm zu laufen und sein starken, schützenden Arm über meinen Schultern zu fühlen. Einfach ein Stück Geborgenheit die er mir damit gab, als wir durch die kalte, stürmische Septembernacht liefen.
Das Wetter erinnerte mich wieder an unseren ersten Kuss. Auf einem Open Air Konzert bei dem das Wetter so mies war, dass es fast zum zweiten Mal ausgefallen wäre. Die Band, die spielte, daran hatte ich keine Erinnerungen mehr. Die hatte ich nur noch an Marc, an den See und die Wiese wo er mich das erste Mal geküsst hat. So leidenschaftlich, liebevoll, wie er mich damals küsste war so unbeschreiblich, dass es mir heute noch ein Kribbeln im Bauch versetzt wenn ich daran denke. Diese Situation werde ich vermutlich nie in meinem Leben vergessen. Vielleicht wäre an diesem Abend mehr gelaufen, doch damals war ich so jung und naiv. Ich hätte es nicht gewusst, ob mehr passiert wäre, wenn ich nicht mit Claudia und Franzi nach Hause gemusst hätte.

Doch jetzt. Ich war Erwachsen geworden, reifer. Und ich wollte wissen ob er noch genau so leidenschaftlich küssen kann, wie er es damals getan hatte im nassen Gras.

Ich war mitten in meinen Gedanken versunken, als Marc vorsichtig meine Hand nahm und unter einer Straßenlaterne anhielt. Er schaute mir wieder tief in die Augen sodass mein Herz durch diesen Blick einfach aufhören wollte zu schlagen. Ich wollte am liebsten diesen Moment einfrieren, sodass ich ihn immer wieder genießen konnte.

Als er langsam auf mich zu kam und seine zarten Lippen meine berührten, dachte ich, dass ich explodieren würde. Dieses Warme Gefühl durch meinen Körper und dieser Kalte Schauer zugleich auf meiner Haut waren einfach unbeschreiblich.

Er küsste so zart, so liebevoll und doch mit voller Leidenschaft. In meinem Kopf drehte sich die ganze Welt und ich wusste nicht mehr was ich tat. Völlig hypnotisiert knutschten wir mitten in der Nacht herum. Seine Küsse waren so erotisch, dass mich ein kribbelndes Gefühl durchströmte und sich meine Nackenhärchen aufstellten. Er hielt kurze Zeit inne und ich schaute ihn verliebt an. Von Jetzt an wollte ich mich nur noch von meinen Gefühlen und meinem Herzen leiten lassen. Ich schaute ihm tief in seine blauen Augen. Er küsste mich wieder sanft auf meine Lippen. Wieder kam dieser warme Strom durch meinen Körper.

Ich wusste, dass ich dieses mal bereit war mehr einzugehen.

Doch warum hab ich die Chance damals nicht schon genutzt.

Marc nahm mich wieder in seinen Arm, als es langsam begann zu tröpfeln. Wir liefen zu mir nach Hause. Vor dem Eingang blieb ich stehen. Sollte ich das wirklich tun?

Ich meine es ist so lange her? Empfinde ich immer noch so viel für ihn? Auf der andern Seite was habe ich als Single denn zu verlieren? Damals habe ich die Chance schon nicht genutzt. Da sollte ich die zweite wenigstens annehmen. Denn so etwas muss doch Schicksaal sein.

Irgendwie war ich mir unsicher geworden. Genau wie damals. Ich wusste nicht was ich tun sollte. Wieder alleine gehen und ihn stehen lassen? Warum? Er sieht so charmant aus und ist immer noch so freundlich.

Ich wusste es trotzdem nicht. Schließlich war er spätestens in ein paar Tagen wieder weg und dann würde ich hier sitzen. Wahrscheinlich mit Liebeskummer und Louisa vor mir, die mich zu trösten versuchte.
Sollte ich es diesmal riskieren und ihn mit rauf nehmen in meine Wohnung?

 

(TEIL 2 folgt)

Wenn das Intresse an einer Fortseztung besteht bitte ich um einen Kommentar darum.
Vielen Dank und schöne Grüße
Nadine Richters
Nadine Richters, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.05.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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