Nadine Richters

Ein einzigster Kuss

Es war spät, die Sonne verschwand langsam hinter den grau verschleierten Wolken. Der Himmel verfärbte sich dabei wunderschön rotorange. Es war schon recht kühl geworden. Ein leichter Windstoß ließ meine Haut zittern. Ich legte mein Buch zur Seite und schaute den zwei zwitschernden Vögeln hinterher, die liebevoll miteinander durch die Luft flogen.
Mein kleiner Balkon war voll gewuchert mit kleinen Blümchen. Wild durcheinander gewachsen und in keiner Ordnung. Es sah genauso aus wie in meinem Leben, dachte ich.
Ich war jetzt 27, seit 2 Jahren führte ich eine Beziehung, doch es kam mir jetzt schon so vor als wenn ich mit diesem Mann ewig zusammen wäre. Die Beziehung die ich führe mag ich ganz gewiss, daran besteht ja eigentlich kein Zweifel. Es ist nur das Monotone was mich ein wenig stört. Und das Problem, dass er nicht der einzige Mann ist in meinem Leben. Vor zwei Wochen hab ich ihn kennen gelernt. Und seit dem ist mein Leben nur noch ein Trümmerhaufen.
Ich dachte an die Geschichte, die ich las. Es war ein Liebesroman. Warum haben es da die Leute immer so einfach? Der Mann, den die Frau haben will, verliebt sich in sie und die beiden heiraten und leben ein Leben lang glücklich zusammen. Aber kann man das überhaupt? Ich meine nach so 50 Jahren? Das ist für mich einfach unvorstellbar.
Was mache ich denn hier bloß? Ich könnte doch auch so glücklich sein. Warum kommen die Männer immer dann zu mir wenn ich vergeben bin?
Es klingelte an der Tür. Ich überlegte ob ich aufstehen sollte, denn ich wusste, nicht wer so spät noch kommen wollte. Doch ich beschloss aufzustehen, denn wahrscheinlich hatte der Unbekannte das Licht auf dem Balkon schon gesehen.
Ich ging in meine Wohnung, durch den dunklen Flur.
Ich öffnete die Tür und völlig fassungslos schaute ich den Unbekannten an. Da stand er. Er schaute mich so liebevoll an mit seinen blauen Augen. Ich konnte nicht glauben, dass er hier war. Was wollte er von mir? Hier vor meiner Haustür?
Die Sprache war weg und mein Herz raste, als wenn ich einen 1000 Meter Lauf hinter mir hätte. Ich sah ihn nur an, er war auf einmal so vollkommen. Sein längeres blondes Haar, wovon ihm eine Strähne sanft über das Gesicht viel, die leuchtenden Augen mit der er mich ansah und das strahlende Lächeln was sein Gesicht einfach unwiderstehlich machte. Da stand er abends um 11.00 Uhr vor meiner Haustür. Einfach so?
Ich kam nur langsam wieder zu mir. Was tue ich da eigentlich? Hallo, denk mal an deinen Freund in Berlin. Der ist am Freitag auch wieder da, ratterte es in meinem Kopf.
Aber nein, heute war nicht Freitag und mein Freund war nicht da und außerdem hatte ich diesen Mann ja nicht jeden Tag vor meiner Tür stehen.
Dann sagte er mir, dass er gekommen sei nur um mich noch einmal zu sehen.
Dieser Satz ließ ein warmes Lächeln in mir hochkommen. Genau so etwas hatte ich mir doch immer erträumt. Da stand er nun. Doch ich war mir unsicher ob ich ihn hineinbeten sollte. Denn was wusste ich von ihm? Außer das er irgendwann mal studiert hat und jetzt Ingenieur ist, bei einer großen Firma. Er war 2 Jahre älter als ich und kam auch aus Hannover.
Sollte ich ihn wirklich hinein bitten? Was würde dann passieren? Wir redeten vielleicht eine ganze Weile, aber ich wusste einfach nichts mehr. Ich konnte keinen klaren Gedanken treffen.
 
Er machte dann endlich den ersten Schritt nachdem wir seit 5 Minuten schon hier draußen standen. Er fragt ob er noch kurz herein kommen dürfte. Jetzt konnte ich ja nicht mehr abstreiten. Ich führte ihn zurück in meine Wohnung durch den dunklen Flur, in mein kleines Wohnzimmer. Ich schaltete die kleine Leuchte hinter dem Sofa an. Es war recht ordentlich hier, eigentlich ungewöhnlich für mich. Ich hatte ein recht modern eingerichtetes Wohnzimmer, da ich erst vor kurzem hierher gezogen war. Er setzte sich aufs rote Sofa, eine coole Pose wie er da saß. Fast wie ein Model, dachte ich und dieser Gedanken brachte mir ein Lächeln auf den Lippen. Er hatte eine so starke erotische Ausstrahlung, die mich einfach verrückt machte sobald ich ihn sah.
 
 
Er sah mich an, wieder dieser Blick. Ich kannte ihn diesen Blick hatte auch gehabt als das Geschehen ist was ich meinem Freund einfach verschwiegen hatte. Diese unvergessliche Nacht, die wir gemeinsam gehabt hatten. Ich wusste jetzt warum er da war. Er hatte genau wie ich Sehnsucht gehabt und starken Drang das Verbotene, Geheime wieder zu tun. Doch sollte ich das wirklich?  Ich hatte einen Freund. Vor dem hatte ich schließlich nachher auch ein schlechtes Gewissen gehabt und etwas in mir sagte mir, dass ich es besser sein lassen sollte.
Dann stand er auf, kam zu mir und setzte sich ganz nah neben mir. Ich spürte schon wie er mich mit seinen Blicken auszog. Ich wollte nicht rüberschauen, weil ich wusste, dass ich ihm dann wieder sofort erlegen war. Doch dann küsste er mich sanft in den Nacken. Ich spürte seinen Atem sanft auf meiner Haut. Ein kribbelndes Gefühl durchströmte meinen Körper und mein Atem stockte. Jetzt ließ ich mich einfach von meinen Gefühlen, von meinem Herzen leiten. Ich schaute rüber zu ihm. Das Knistern in der Luft muss so laut gewesen sein, dass wir es beide hätten hören können. Er küsste mich sanft auf meine Lippen. Wieder kam dieser warme Strom durch meinen Körper.
Es war zum verrückt werden. Mein Verstand sagte nein und mein Herz ja. Was sollte ich nun tun? Mir ist gerade zum heulen zu mute. Ich unterbrach den Kuss. Er schaute mich verwirrt an. Ich konnte das nicht tun.
Er wusste was ich dachte, das sah ich an seinem Blick. Seine Augen wurden traurig. Das kannst du mir nicht antun, ich würde alles für dich tun. Ich werde für dich kämpfen, mein Kleines, antwortete er mir. Ich konnte nicht mehr. Genau das wollte ich gerade nicht hören oder doch? War es das was ich erwartet hatte? Ich wusste es doch nicht. Er redete mir weiter zu wie sehr er mich liebte und das er nicht aufgeben würde, nie. Mein Kopf, meine Gedanken, meine Gefühle für die beiden Männer drehten sich wild durcheinander. Was sollte ich jetzt tun. Beide erwarten von mir das ich sie Liebe und beide liebe ich. Wenn auch auf unterschiedliche Weisen. Mein Kloß im Hals wurde immer größer. Und meine Augen wurden langsam feucht. Ich war so hilflos, wie ein Kind ohne seine Eltern. Wie gerne würde ich jetzt einfach vor allem weglaufen und alles hinter mir lassen. Aber es geht nicht. Die Tränen kullerten mir jetzt über meine Wangen. Dieser Blick den er hatte, so mitfühlend und vertraut. Er küsste mir sanft die Tränen von den Lippen und Wangen. Ich wehrte mich nicht dagegen.
Ich wollte das nicht, aber ich  kann doch auch nichts für meine Gefühle für dich, sagte er mir dann. Die Wörter dämmerten nur langsam in meinem Kopf.
Er stand auf und sagte nichts mehr, als er zur Tür ging. Nein das wollte ich nicht schrie mein inneres doch bevor ich was sagen konnte war er schon aus der Tür. Dann saß ich alleine im Wohnzimmer und wusste nicht weiter. Es waren vielleicht 10 Minuten die er da war. Aber in diesen 10 Minuten hat er es geschafft mein ganzes Leben auf den Kopf zu stellen. Das was soll ich meinem Freund jetzt sagen? Liebe ich ihn überhaupt noch? Oder liebe ich ihn? Ich legte mich auf das Sofa und fing nur noch an zu weinen. Denn Was sollte ich jetzt tun?
 

Ich möchte meine Leser doch bitte auch zu meinen Geschichten ein Kommentar abzugeben, wenn sie euch gefallen oder auch gerade dann wenn ihr Kritik habt.
Liebe Grüße und Vielen Dank
Nadine Richters
Nadine Richters, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.05.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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