Christian Tobias Krug

Mein erstes Mal



Ausschnitt aus einer Jugendzeitschrift:
Teenager schildern ihr erstes Erlebnis

 

Alles begann im letzten Sommer auf der Geburtstagsparty meines besten Kumpels. Dort traf ich das tollste Mädchen, das mir jemals begegnet war. Ich war damals siebzehn und lebte in Köln. Da mein Kumpel nur zwei Straßen weiter wohnte, stand ich schon morgens bei ihm auf der Matte, um ihm mit den Vorbereitungen, dem Essen und den Getränken zu helfen. Die Sommertage letztes Jahr waren meist sogar noch bis in die Nacht hinein heiß und schwül, so war es praktisch, dass seine Eltern ein großes Haus mit Garten besaßen, dessen Terrasse wir mit einer Girlande und einer bunten Partylichterkette geschmückt hatten.
   Um den frühen Abend herum trudelten die ersten Gäste ein. Die meisten kannte ich aus der Schule. Verena hingegen, deren Namen ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht kannte und die ich nun zum allerersten Mal sah, erschien so gegen Zehn, zusammen mit einer Freundin und einer großen Schüssel Gurkensalat in den Händen. Ich war sofort fasziniert von ihren dunkelblauen Augen, den schulterlangen blonden Haaren und diesen endlos langen Beinen. In ihrem Gesicht strahlte ein freches Lächeln, beinahe schon etwas zickig. Ihr Auftreten verriet Selbstbewusstsein. Ich selber fühlte mich eher eingeschüchtert, denn das, was ich in diesem Moment empfand, verwirrte mich zunächst. Immerhin war sie ein Mädchen – ein sehr hübsches Mädchen sogar – und das alles war neu für mich.
Nachdem ich meinen ganzen Mut zusammengenommen hatte, sprach ich sie an. Sie kam auch aus Köln und war ein Jahr älter als ich. Offenbar kannten sie und mein Kumpel sich aus einem Basketball-Verein. Wir waren den ganzen Abend nicht mehr voneinander wegzukriegen und amüsierten uns prächtig – lachten viel, alberten herum und quatschten über alles Mögliche. Ich genierte mich ein wenig, als sie mich fragte, ob ich mit ihr tanzen wolle. Der Gedanke kam mir wohl zuerst ein wenig befremdlich vor. Tatsächlich ernteten wir sogar ein paar schräge Blicke, als wir uns schließlich zu einem leisen Schmusesong eng umschlungen auf der Terrasse zwischen den anderen Gästen hin und her bewegten, doch im Grunde kümmerte es mich nicht weiter, viel zu schön war das Gefühl, ihren Körper so nah an meinem eigenen zu spüren, Arm in Arm, Wange an Wange.
Letztendlich tauschten wir unsere Telefonnummern aus und versprachen, uns bald wieder zu sehen.
   Allmählich wurde mir klar, dass es bei mir mächtig gefunkt hatte. Ich schwebte auf Wolke Sieben und konnte die ganze Nacht kaum schlafen, weil sich meine Gedanken nur um Verena kreisten und um die prickelnde Vorstellung, wie es wäre, ihre Lippen zu küssen, ihren Busen zu berühren und sanft ihren Körper zu streicheln. Gleichzeitig zitterte ich regelrecht vor Aufregung. Immerhin hatte ich mit Mädchen keinerlei Erfahrung. Wie so ein Kuss wohl schmecken würde, wenn er von einem Mädchen kam?
   Am nächsten Morgen rief ich sie mit pochendem Herzen an. Ich hoffte, dass es für sie auch mehr als nur eine flüchtige Bekanntschaft war. Doch als Verena den Hörer abnahm, ich mit ihr sprach und ihre Stimme hörte, war ich mir plötzlich ziemlich sicher, dass sie die gleichen Gefühle für mich empfand wie ich für sie.
   Wir verabredeten uns am drauffolgenden Tag fürs Kino. Ich war schon eine halbe Stunde eher an der Kasse, um die Karten zu besorgen. Offen gestanden hätte ich zwar eigentlich lieber einen anderen Film gesehen, doch war mir das in diesem Moment ziemlich schnuppe – Hauptsache, ich war mit Verena zusammen! Nachdem wir uns mit Cola und Popcorn eingedeckt hatten, betraten wir lächelnd den Kinosaal und nahmen in der vorletzten Reihe Platz. Während einer besonders romantischen Szene in der Mitte des Films legte sie mit einem Male überraschend ihren Arm um mich und zog mich sanft zu sich heran. Dann küssten wir uns das erste Mal. Es war himmlisch! Ihr Kuss schmeckte süß. Die Lippen der meisten Jungen sind sicherlich rauer und nicht so weich wie ihre, flog es mir so durch den Kopf. Als sie versuchte, zärtlich ihre Zunge zwischen meine Lippen zu schieben, stellte ich mich ein wenig ungeschickt dabei an, so dass ich spürte, wie meine Wangen erröteten. Betreten wandte ich den Blick ab und wieder dem Film auf der Leinwand zu. Es war mir ein wenig peinlich. Doch Verena grinste nur frech und versetzte mir einen aufmunternden Klaps auf die Schulter.
   Seitdem waren wir ein Paar und sahen uns jeden Tag, verbrachten fast jede freie Minute miteinander. Arm in Arm schlenderten wir durch die Stadt, knutschten auf einer Bank im Park oder hielten Händchen im Café. Nie zuvor waren wir beide so verliebt gewesen. Ja, das war schon eine verdammt coole Zeit! Sogar unsere Eltern reagierten viel lockerer, als ich zunächst vermutet hatte. Vor allem bei meinem Vater machte ich mir Sorgen. Tatsächlich meldete er zuerst Bedenken an, was beim täglichen gemeinsamen Abendessen mehr als einmal zu einem lauteren Gespräch bei Tisch führte. Er wollte wissen, ob ich mir meiner Gefühle zu Verena tatsächlich gewiss und mir sicher sei, ob dies zwischen uns beiden wirklich mehr wäre als nur eine experimentelle Spaßbeziehung. Schließlich aber war auch das geklärt und mein Vater gönnte uns unser gemeinsames Glück. Mittlerweile hat er Verena sogar regelrecht ins Herz geschlossen.
   Eines Samstags, zwei Monate später, waren meine Eltern übers Wochenende weggefahren, ich hatte also sturmfreie Bude. Als Verena abends zu mir kam – aufreizend aufgestylt – konnte ich mich vor Erregung kaum bremsen und riss ihr bereits im Treppenhaus das enge Top vom Leib. In der Wohnung angekommen, legten wir uns zusammen auf das breite Sofa im Wohnzimmer und begannen langsam, uns gegenseitig auszuziehen. Zärtlich streifte ich ihr mit der Hand über ihre vollen Brüste, die ein wenig kleiner und rundlicher waren als meine eigenen.
„Hattest du schon mal eine Freundin?“, fragte sie mich, wobei ihre schönen blauen Augen direkt in meine blickten.
„Nein“, antwortete ich leise.
„Aber doch sicher mal einen Freund?“
„Naja, nicht wirklich. Ich war zwar mal eine Zeit lang mit einem Jungen aus der Schule zusammen, aber es war nicht dasselbe wie mit dir. Ich konnte nie wirklich offen mit ihm reden, kein Vertrauen aufbauen. Am Ende wollte er wohl nur mit mir ins Bett. Jedenfalls hat er ziemlich schnell Schluss gemacht, als ich ihm sagte, dass ich noch nicht bereit sei, mit ihm zu schlafen.“
„Tja, Männer sind eben Schweine“, erwiderte sie und küsste mich. „Deshalb ist das mit uns auch etwas ganz Besonderes.“
Wir waren unheimlich glücklich an diesem Abend.
   Ein paar Wochen darauf erlaubten mir meine Eltern, bei Verena zu übernachten. Irgendwie wusste ich genau, dass es wohl in dieser Nacht geschehen und für mich das erste Mal sein würde. Über Sex hatten wir schon gesprochen. So wusste ich auch, dass Verena bereits Erfahrung hatte – in beiderlei Hinsicht.
   Es war eisig kalt draußen, als ich mich abends auf den Weg zum Haus von Verenas Eltern machte. Eine dicke Wollmütze thronte auf meinem Kopf, während ich selber fast vollkommen in eine gefütterte Winterjacke eingepackt war. Als ich mit klopfendem Herzen ihr Zimmer betrat, blickte ich in ein Meer aus Kerzen. Verena hatte den Raum unterm Dachboden, in dem sie wohnte, besonders gemütlich hergerichtet. Auf einem kleinen Tisch neben dem Bett stand ein kleines Duftlämpchen und verbreitete den angenehmen Geruch von Zimt und Orange.
Einen Moment sah sie mir tief in die Augen und hauchte zart: „Ich liebe dich, Jessica.“
Ich antwortete mit einem leidenschaftlichen Kuss, während wir uns gegenseitig die Klamotten auszogen. Vollkommen nackt legten wir uns in ihr Bett und zogen uns die weiche Federdecke über die Ohren. Für einen winzigen Moment zuckte ich zusammen, als Verena anfing, meinen Rücken und schließlich meinen gesamten Leib zu streicheln. Wir rückten näher zusammen, so dass unsere Körper eng aneinandergeschmiegt unter der warmen Bettdecke lagen. Stürmisch küsste ich ihr Gesicht, tastete mich mit den Lippen nach unten und leckte ihren prallen Busen. Meine Erregung wuchs mit jeder Minute. Dicht an meinem Ohr konnte ich Verenas keuchenden Atem hören. Ich spürte, wie ihre Scheide feucht wurde, während – so kam es mir vor – meine eigene Lust zwischen meinen Schamlippen förmlich hervorzutriefen schien. Sanft glitt ihre zarte Hand über die harten Nippel meiner Brüste, dann langsam über den Bauch zu meinem Geschlecht.
„Darf ich es tun?“, fragte sie mit kaum hörbarer Stimme, fast einem leisen Stöhnen ähnlich.
Ich nickte nur und strich mir eine vom Schweiß durchtränkte Haarsträhne aus dem Gesicht.
Es schmerzte einen Augenblick, als Verenas Finger mein Jungfernhäutchen zerstieß, doch was dann folgte, war wunderschön. Ich schloss die Augen und genoss, wie sie sich im stummen Rhythmus in mir bewegte. Nach einer Weile nahm sie einen zweiten Finger hinzu. Meine Scheide wurde immer feuchter, schien regelrecht auszulaufen, während Verena mich befriedigte, bis ich mit einem Male zu einem Höhepunkt kam, unbeschreiblich, als würde ich innerlich jeden Augenblick explodieren …
   Als Verena später eine CD mit Kuschelmusik auflegte und wir wieder angezogen auf dem Bett saßen und ich eine Zigarette rauchte, schworen wir uns ewige Liebe und Treue, was vielleicht kindisch klingen mag, doch so glücklich waren wir zusammen in dieser Nacht.
   Das erste Mal hätte nicht schöner sein können. Möglicherweise war es ein etwas anderes erstes Mal, als es die meisten anderen Mädchen erleben mögen, doch ganz sicher war es nicht bei jeder dieser anderen so wundervoll wie bei mir gewesen. Verenas und meine Liebe hält bis heute an.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.05.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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