Klaus-D. Heid

Ein Versehen

„Sie hätten Kalluschke nicht gleich erschießen müssen, Biestig. Er war unbewaffnet!“

„Tatsache? Soll ich den Mann vielleicht erst durchsuchen, bevor er mich abknallt?“

„Er konnte sie nicht abknallen, da er unbewaffnet war! Sie waren voreilig!“

„Unsinn! Ich war vielleicht ein bisschen übereifrig. Na und?“

„Kalluschke ist tot. Tun Sie das nicht so locker ab, Biestig!“

„Mal halblang, Chef! Kalluschke war ein gesuchter Schwarzfahrer.“

„Stimmt. Er wurde bereits dreimal wegen Schwarzfahrens verurteilt.“

„Sag ich doch. Also sollten wir die Sache nicht so eng sehen, oder?“

„Darum geht’s ja auch gar nicht. Mich stört nur, dass Sie ihn hier, auf dem Revier, erschossen haben. Ich kann jetzt sehen, wie die Schweinerei wieder aus dem Teppich gehen soll. Sie haben einfach nicht kostenbewusst gehandelt!“

„So nicht, Chef! Ich habe dem Steuerzahler eine Menge Geld gespart. Kein Prozess, keine Gefängniskosten und auch keine Probleme mit seinem Anwalt.“

„Sie wissen genau, dass Kalluschke ohnehin erschossen worden wäre. Auf Schwarzfahren steht nun mal der Tod durch Erschießen. Probleme mit dem Anwalt hätte es auch nicht gegeben, da Schwarzfahrern anwaltliche Hilfe untersagt ist.“

„So? Und was soll ich jetzt Ihrer Meinung nach machen? Soll ich vielleicht einen Wiederbelebungsversuch bei Kalluschke starten? Ich habe ihn vor einer halben Stunde zwölfmal in den Kopf geschossen. Ich glaube kaum, dass er noch eine Chance hat...!“

„Lassen Sie diese Ironie, Biestig! Ich will, dass Sie sich jetzt auf Ihren Hintern setzen und den Bericht schreiben. Ich muss einen Antrag auf Reinigung des Teppichbodens stellen. Am besten wäre es, wenn Sie im Bericht schreiben, dass Sie Kalluschke mit einem Einwegfeuerzeug bedroht hat und Sie in Notwehr handeln mussten. Das erleichtert mir die Argumentation. Sie verstehen?“

„Klar, Chef. Soll ich in dem Bericht auch erwähnen, dass Sie Kalluschkes Brieftasche an sich genommen haben und ihm den Ringfinger abgeschnitten haben, weil der Diamantring sich nicht vom Finger lösen ließ?“

„Schreiben Sie, was Sie wollen, Biestig! Aber dann schreiben Sie auch, dass Sie Kalluschkes Goldzähne ausgebrochen haben, ja? Und vergessen Sie nicht zu erwähnen, dass Sie Kalluschkes Nieren entnommen haben, um sie fachmännisch in unserem Getränkeeiskübel zu lagern.“

„Verstehe, Chef. Einwegfeuerzeug. Notwehr. Ich schreibe jetzt den Bericht.“

„Brav, Biestig! Sagen Sie mal... – weswegen hatten Sie Kalluschke eigentlich festgenommen? Ist er wieder beim Schwarzfahren erwischt worden?“

„Schwarzfahren? Nein. Diesmal nicht, Chef. Ich habe ihn in flagranti erwischt, als er gerade seine Frau, seine drei Kinder und zwei seiner Nachbarn erschoss.“

„WAS? Er ist nicht schwarzgefahren? Es war nur Mord? Und SIE IDIOT erschießen ihn dafür? Sind Sie denn wahnsinnig geworden, Biestig? Kalluschke wäre vor jedem Richter mit einer Verwarnung davon gekommen! Kein Schwein ersetzt uns jetzt den Teppichboden!“

„...tut mir echt leid, Chef!“

„So schlimm ist’s auch wieder nicht! Den Teppichboden zahlen Sie! Aus eigener Tasche! Basta! Und was Kalluschkes Leiche angeht, erwarte ich von Ihnen, dass Sie keinen grünen Müllsack verwenden. Nehmen Sie unbedingt einen blauen Sack, Biestig! Den Bericht vergessen wir am besten. Haben wir uns verstanden?“

„Klar, Chef. Und was ist mit den Nieren?“

„Halbe/halbe. Wie immer. Gleiches Konto. Los, an die Arbeit, Biestig!“

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