Klaus-D. Heid

Macht doch nichts!

Wurst ist nicht mehr Wurst, Fleisch ist nicht mehr Fleisch. Das, was eigentlich von Kuh, Huhn, Rind, Schwein, Pute oder Truthahn stammen sollte, hat kaum noch etwas mit ‚tierischen Ursprüngen’ zu tun. Stattdessen konsumieren wir brav Wachstums- oder Sexualhormone in Bratwürsten, verzehren artig krebserregende Basisstoffe der chemischen Industrie und genießen ohne Murren all jene hochgiftigen Inhaltsstoffe, deren Auswirkungen man wohl erst erkennen wird, wenn unsere Kinder und Enkelkinder mit drei Köpfen, acht Tentakelärmchen und vier Augen im Hinterkopf zur Welt kommen.

Ist das denn so schlimm?

Natürlich nicht! Unsere Gesellschaft akzeptiert, duldet und erträgt klaglos. Schlimmer noch: sie verschlingt wissentlich Industrieabfälle, damit die gesellschaftlichen Kosten der Sondermüllentsorgung gleichmäßig vom Verbraucher getragen werden können. Braves Deutschland! Lass es Dir schmecken! Hat nicht jüngst eine grüne (schon vergiftet?) Politikerin die ‚bunte Gesellschaft’ gefordert? Wir sind auf dem besten Wege, gute Frau! Bestimmt werden auch ein paar farbige Pünktchen dafür sorgen, dass mehr Bunt ins genetische Allerlei kommt.

Was ich eigentlich will?

Ich? Gar nichts! Mir ist das alles egal. Ich brate, koche und grille auch weiterhin jede mit Penizillinchloratzetiensulfatimmunitatderivatmorphingiftolaroma angereicherte Kuh, die wahrscheinlich schon vor dem Schlachten so tot ist, wie ein vertrocknetes Stück Baumholz. Wichtig ist nur, dass das Ergebnis schön braun auf dem Grill wird. Soll ich armer Verbraucher etwa den Kampf gegen Goliath, den Chemieriesen, aufnehmen? Ist doch klar, wer der Stärkere ist, oder? Da ergebe ich mich lieber in mein unvermeidliches Schicksal – und tue einfach so, als ob alles in bester Butter sei.

Ich Ignorant?

Mach Sie mal halblang, lieber Kritiker! Seit etwa zehn Jahren brabbeln Hausfrauen hinter vorgehaltenen Händen Sätze wie: „Was soll man bloß noch essen? Ich weiß gar nicht mehr, was ich noch kochen soll!“. Und? Gab’s seitdem nur Erbseneintopf? Pustekuchen. Es gab ein paar lächerliche Erklärungen korrupter Ernährungswissenschaftler, die bestätigten, dass ‚alles unter den Grenzwerten’ angesiedelt sei. Bedauerlicherweise vergaßen sie zu erwähnen, dass bei Weitem nicht alle gesundheitlich bedenklichen Stoffe in sogenannten schwarzen Listen auftauchen. Ergo? Was nicht namentlich benannt ist, kann auch nicht so schlimm sein!

Haben Sie was gegen Heizöl im Rumpsteak? Stört Sie der Geschmack von WC-Reiniger im Käse? Ist es Ihnen unangenehm, Klarlack in der Mortadella zu schmecken? Sind Sie ein Gegner von Haarspray in Nudeln?

Dagegen gibt’s was!

Eine kleine Fabrik in Belgien hat nun endlich das non plus ultra der Geschmacksmanipulation kreiert. Egal, was sie zu sich nehmen – es schmeckt immer wie Erdbeerkuchen. Und gegen Rumpsteaks, Mortadella, Käse und Nudeln mit Erdbeerkuchengeschmack haben Sie doch wohl nicht? Na sehen sie! Ist Chemie nicht ein Segen für uns alle? Niemand braucht auf die Straßen gehen, um gegen imaginäre, böse und skrupellose Giftmischer zu demonstrieren. Die tun was für uns! Die lieben uns! Die wissen, was wir wirklich wollen!

Danke, Chemie! Danke auch an alle verunreinigenden Betriebe, in denen ein Bottich genutzt wird, um heute darin Gummibärchen und morgen Schuhsohlen herzustellen. Ihr seid ja so unendlich effizient. Und das alles zum Wohl des Verbrauchers!

Guten Appetit!

Klaus – D. Heid

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