Klaus-D. Heid

Endlos senil

„Vergessen Sie nicht, was Sie sagen wollten...!“

„Dann unterbrechen Sie mich doch einfach nicht!“

„Ist doch aber so wichtig, Herr Grübelmann!“

„So? Und was ich gerade sagen wollte, ist nicht wichtig?“

„Keine Ahnung. Ich hab’s ja noch nicht gehört.“

„Wie denn auch, wenn Sie mich ständig unterbrechen?“

„Tue ich das? Sehen Sie’s mir nach?“

„Nachsehen? Ich dachte, ich solle zuhören?“

„Das sagt man doch nur so, wenn man sich entschuldigen möchte!“

„Sie möchten sich entschuldigen?“

„Eigentlich nicht. Warum auch.“

„Egal. Und? Was wollten Sie sagen?“

„Sie zuerst. Ich weiß ja, was sich gehört.“

„Ich? Wollte ich etwas sagen?“

„Ich dachte?“

„Ich wollte sagen ‚Ich dachte’?“

„Unsinn! Ich dachte, dass Sie etwas sagen wollten!“

„Wollte ich ja auch!“

„Dann sagen Sie’s doch endlich!“

„Hab’s vergessen...!“

„Was haben Sie vergessen?“

„...was ich sagen wollte!“

„War’s denn wichtig?“

„Wenn ich das noch wüsste.“

„Dann darf ich also jetzt etwas sagen?“

„Von mir aus.“

„Ich sage jetzt mal, dass Sie senil sind!“

„Tatsächlich? Ich bin senil? Ist das was Schlimmes?“

„Nicht direkt. Tut auch nicht weh, mein Bester!“

„Da bin ich aber froh. Und wie äußert es sich, wenn man senil ist?“

„Man vergisst immer, was man sagen wollte.“

„Ich vergesse gar nichts!“

„Nein? Und wie heiße ich?“

„Sie haben sich noch nicht vorgestellt.“

„Habe ich doch. Ätsch!“

„Haben Sie nicht!“

„...und doch!“

„...und nein!“

„Sie sind Herr Schnabeltasser.“

„Der bin ich nicht. Na sehen Sie, wie senil Sie sind?“

„Dann sind Sie eben Herr Battermann?“

„Der bin ich auch nicht!“

„Herr Schuster? Herr Biegemüller? Herr Steinbrecher? Herr Klammer? Herr Gerhardt? Herr...“

„Sie raten ja! Das gilt nicht. Wissen tun Sie’s jedenfalls nicht.“

„Ich gebe es zu. Sie haben gewonnen!“

„Haben wir denn gespielt?“

„Ich glaube, ja!“

„Und wie hieß das Spiel?“

„Sagten Sie nicht ‚Senil’?

„Ein komischer Name für ein Spiel. Erklären Sie mir die Regeln?“

„Wissen Sie die denn nicht?“

„Was weiß ich nicht?“

„Die Regeln!“

„Zwei hoch, drei fallen lassen. Nur mit rechts schießen – und dann Peng!“

„So spielt man ‚Senil’?“

„Wenn man will, ja!“

„Und wenn man nicht will?“

„Dann lässt man’s.“

„Darf ich’s lassen? Ich hab’s im Knie.“

„Selbstverständlich.“

„Danke.“

„Sehen wir uns morgen früh?“

„Wenn Sie bis dahin nicht erblinden?“

„Ich tue mein möglichstes, Herr äh...“

„Ja?“

„Wie heißen Sie bitte?“

„Wer? Ich?“

„Ja. Sie!“

„Lassen Sie mich nur einen Moment nachdenken...!“

„Soll ich’s Ihnen sagen?“

„Oh ja, bitte!“

„Sie heißen... äh...“

„Ich heiße Äh?“

„Warum eigentlich nicht! Also dann bis Morgen, Äh!“

„Bis Morgen. Und grüßen Sie Ihre Frau Gemahlin!“

„Bin ich denn verheiratet?“

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