Nadine Baumann

Leo und Brook Teil 1


 
Kapitel 1
 
Brook dreht sich auf die andere Seite. Hell scheint die Sonne ins Zimmer und taucht Brook in grelles Licht. Obwohl es Winter ist, scheint sie noch immer angenehm warm. Sehr zu Brooks Leidwesen.
„Mhhh! Scheiß Sonne!“, nuschelt er verschlafen in sein Kopfkissen. Er hat wirklich keine Lust zum Aufstehen, obwohl schon reges Geschirrklappern aus der Küche zu hören ist. Verschlafen blinzelt Brook dem Licht entgegen. Er sollte Leo in der Küche zur Hand gehen bevor wieder etwas in die Brüche geht.
„Ich bin echt zu weichherzig“
Brook schwingt die Beine aus dem Bett und trottet ins Badezimmer. Spätestens beim Anblick seines Spiegelbildes ist er dann hellwach. Leo wird sich gleich wieder über seine Kratzbürstigkeit beschweren. Das lässt Brook jedoch kalt, er findet sich mit Drei-Tage-Bart so attraktiv, dass er sich beherrschen muss, nicht jeden Morgen mit seinem Spiegelbild zu flirten. Leo macht sich darüber lustig. Er kann das auch nicht verstehen.
Ein verführerischer Frühstücksduft zieht durch die Wohnung. Losgerissen vom Spiegel betritt Brook die Küche. Der Tisch ist schon gedeckt, ein Adventsgesteck brennt und heißer Kaffee dampft aus zwei Tassen. Leo dreht sich zu Brook um: „Setz dich. Spiegelei ist gleich fertig.“
Lächelnd betrachtet Brook Leo. Er ist wirklich eine Hausfrau. Am liebsten würde er ihn auf den Arm nehmen, ihn ins Bett tragen und den Rest des Tages dort verbringen. Aber jetzt hat er erst mal Hunger. Die Spiegeleier brutzeln in der Pfanne, weshalb sich Leo wieder dem Herd zuwendet. Leise schleicht sich Brook von hinten an ihn heran und legt ihm die Arme um die Taille. Leo leht sich an ihn: „Na? Hast du gut geschlafen?“
„Nö, ich habe mir fast die Füße abgefroren.“
Leo kichert. „Du musst die Füße auch nicht immer aus dem Bett hängen lassen. Und jetzt musst du mich mal loslassen.“
Leo greift nach der Pfanne um die Spiegeleier auf die Teller zu legen.
„Halt! Das mache ich“ Brook nimmt ihm die Pfanne aus der Hand. „Sonst können wir wieder vom Boden essen.“
Leo macht ein ärgerliches Gesicht. „Sei froh, dass ich dir überhaupt etwas koche. Ohne mich wärst du aufgeschmissen.“
Brook verdreht die Augen. Ja, vielleicht stimmte es. Er hat nicht viel Ahnung vom Haushalt, aber er ist wenigstens nicht so gefährdet wie Leo. Natürlich muss er zugeben, dass Leo trotz seiner Behinderung sehr gut zurechtkommt. Man kann von einem Blinden schließlich keine Wunder erwarten.
„Gibst du mir die Butter?“, verlangt Leo.
„Hier“ Brook drückt ihm die Butterdose in die ausgestreckte Hand. Fasziniert beobachtet er Leo dabei wie er sein Brötchen mit Butter bestreicht. „Wollen wir heute in den Park gehen? Es hat wieder geschneit und wir könnten eine Schneeballschlacht machen.“
Leo lässt das Messer sinken. „Haha. Sehr witzig. Und wie soll ich dich treffen?“ Er findet es nicht lustig, wenn Brook spricht ohne vorher nachzudenken. Leos Blindheit ist immer noch ein wunder Punkt. Er ist seit seiner Kindheit blind, seit seiner Geburt um genau zu sein. Er sieht die Dinge und Menschen mit den Händen, mit der Stimme und dem Gefühl. Leo selbst versuchte Brook einmal seine Vorstellung eines Menschen zu verdeutlichen. Er sagte, jeder Mensch sei mit einer Art Aura umgeben, wie Nebel der am Morgen um die Küste wabbert. Man bemerke einfach, dass man nicht alleine in einem Raum sei. Leo behauptete sogar, er könne durch diese Aura Brooks Stimmung erkennen.
Natürlich war das für Brook nicht alles nachvollziehbar.
„Komm schon Leo. Heute ist Sonntag, mein freier Tag. Sei kein Frosch.“, bettelt Brook.
„Na gut. Aber wenn ich nur einen Schneeball abkriege, gehen wir nach Hause.“
 
 
 
Kapitel 2
 
Es hatte die ganze Nacht geschneit, sodass der Schnee kniehoch lag. Brook und Leo sehen komisch aus. Weil Leo angst hatte, er könne ausrutschen und über einen Stein stolpern, klammert er sich an Brooks Arm fest. Der Blindenstock steht warm und trocken zu Hause. Er würde aber auch nicht viel nützen in dem Tiefschnee.
„Nicht so schnell Brook! Wo willst du denn so eilig hin?“, jammert Leo.
„Ich will noch eine gute Bank abkriegen. Es ist bestimmt voll im Park.“ Brook zieht leo an sich und legt seinen Arm um seine Taille.
„Brook! Wenn uns so einer sieht!“ Leo hat immer noch Angst vor der wahrscheinlich negativen Meinung anderer Leute über seinen ungewöhnlichen Lebensstil.
„Was ist denn mit dir? Es kann uns doch egal sein, was andere denken. Wenn es dich so stört, dann behaupten wir eben, dass ich dich stützen muss, weil du deinen Stock vergessen hast“ Brook sieht ihn an. Leo ist ganz rot im Gesicht geworden und das liegt nicht an der Kälte.
„Oh wie süß! Dir ist das peinlich“, neckt Brook ihn.
„Du bist doof! Ich mache mich das nächste Mal auch über dich lustig!“, trotzig bleibt Leo stehen, wie ein Kind im Spielzeugladen, „Ich bin eben nicht so selbstbewusst wie du, was vielleicht auch verständlich ist. Und überhaupt…“
Brook lässt ihn gar nicht ausreden. Die Leiher kennt er schon. Er hält Leos Kopf in beiden Händen und küsst ihn.
„Bist du jetzt ruhig? Oder muss ich es dir noch deutlicher zeigen?“, fragt Brook, „Du sollst dir nicht so viele Sorgen machen darüber was andere denken. Ich weiß gar nicht warum es dich so stört. Ich meine du siehst du gar nichts.“
„Oh Mann! Wie kannst du nur so etwas sagen? Ich bin zwar schon mein ganzes Leben lang blind, aber meinst du nicht, dass es mich stört, wenn ich mir das Getuschel anhören muss. Und du sagst, ich soll mich doch nicht so anstellen?“, schreit Leo Brook an. Leo stößt ihn weg und geht mit um sich fuchtelnden Armen den Weg zurück.
„So eine Scheiße!“, flucht Brook und folgt Leo mit einigem Abstand. Er könnte es nicht verantworten ihn alleine nach Hause gehen zu lassen.
„Leo warte! So war das doch gar nicht gemeint.“
In dem Moment steuert Leo geradewegs auf einen Laternenpfahl zu.
„Leo! Stopp! Halt an!“
Zu spät. Leo ist direkt mit der Laterne zusammengestoßen und plumpst in den Schnee. Brook eilt herbei und hockt sich neben ihn.
„Alles okay? Hast du dir wehgetan?“
 Leo presst eine Hand an die Stirn und greift mit der anderen nach Brooks Ärmel: „Bring mich nach Hause.“
 
 
 
 

Hallo.
danke, dass du meine geschichte ausgesucht hast. es ist meine erste veröffentlichung und ich bin gespannt auf deine kommentare. die geschichte handelt von zwei Männern, die zusammen leben und durch ihren lebensstil in der gesellschaft ständig anecken.
ich wünsche dir viel spass beim lesen
nadine
Nadine Baumann, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 30.07.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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