Jacqueline Kaiser

Happy new year

Es war Silvester. Da ich wie jedes Jahr nichts vor hatte, schleppte mich meine Clique zu einer Silvesterparty in die Kölner Innenstadt. Wenigstens waren meine Freunde bei mir. Vor ein paar Wochen bekamen wir sogar zwei Neuzugänge. Der erste war Hans aus Erfurt und der zweite war Sven aus einer Kleinstadt in der Nähe von Halle. Hans war schrecklich- er sah schrecklich aus, war dick- nichts gegen Dicke, aber bei ihm hat alles zusammengewirkt- und lispelte ganz fürchterlich. Dazu kam, dass ich wahrscheinlich ein viel zu gutmütiger Mensch bin und er sich deshalb andauernd in meiner Nähe aufhielt. Sven war ein  süßer Kerl, blonde Haare, blaue Augen und ganz nett.
 
Wirklich kennen lernen konnte ich ihn und Hans noch nicht, denn sie waren ja noch nicht so lange bei uns.
 
Wie gesagt, wir waren an diesem Silvesterabend auf der besagten Party. Es waren alle aus unserer Clique da: Lara, Lena, Jenny, Marco, Oli, den alle nur Schnuffel nannten, weil er ständig irgendwelche Allergien hatte und sich deshalb andauernd die Nase schnäuzen musste, Sven und Hans. Wir hatten Glück, es gab noch zwei freie Tische, die wir aneinander stellen konnten. Es war mittlerweile 10 Uhr, wir waren alle eingehüllt von Luftschlangen und Konfetti und zündeten das nächste Tischfeuerwerk. Dazu stellten wir uns alle um den Tisch. Hans nutzte seine Chance, stellte sich hinter mich und umfasste meine Taille. Doch ich sagte nichts. Das Tischfeuerwerk wurde „gesprengt“ und ich fing einen Minischornsteinfeger in meiner Hand auf.
 
„Hey, das bedeutet Glück.“, flüsterte mir Hans ins Ohr.
 
„Das bedeutet alles Glück, falls es dir noch nicht aufgefallen ist, oder glaubst du, die stecken ein Messer im Miniformat rein?“, sagte ich.
 
„Hey, Jessy, beruhig dich doch mal wieder.“ Er küsste meinen Nacken.
 
Lara schien das ganze beobachtet zu haben und fragte mich: „Kommst du mit, noch ein Glas Bowle holen?“
 
Liebend gern ging ich mit ihr mit.
 
„Was ist denn das für ein Draufgänger?“, fragte sie.
 
„Oh man, in letzter Zeit hab ich nur Pech. Erst wird mein Fahrrad vom Müllauto zu Schrott gefahren und dann kommt so ein komischer Heinz aus Erfurt...“
 
„Hans, er heißt Hans, Jessy.“
 
„Meinetwegen. Da kommt so ein Hans aus Erfurt und knetet meine Hüfte fast zu Tode. Wenn es wenigstens Sven wäre.“
 
„Hmmm.... kann dich gut verstehen.“, entgegnete Lara.
 
Wir gingen zurück. Die ersten Leute waren auf der Tanzfläche verschwunden, nur noch Oli und Hans saßen am Tisch. Ganz toll. Noch mehr Pech hatte ich, als Oli Lara zum Tanzen aufforderte. Sie schaute mich an, aber ich nickte ihr zu. Das würde ich auch noch irgendwie schaffen. Hans setzte sich zu mir. Oh mein Gott, er kam mir immer näher! Ich schlürfte an meiner Bowle. Plötzlich lag eine Hand auf meinem Oberschenkel.
 
„Nimm die sofort weg!“, ha, das dachte ich aber auch bloß.
 
„Na, geht’s dir gut?“
 
„Mir würde es besser gehen, wenn du nicht da wärst.“ Aber auch das dachte ich bloß.
 
Sven kam auf uns zu. Er setzte sich auf den Stuhl, der neben mir noch frei war. Jetzt war ich wenigstens nicht mehr alleine und Hans nahm auch seine Hand weg.
 
„Wie bist du eigentlich nach Köln gekommen?“, fragte ich Sven. Daraufhin erzählte er mir seine Geschichte, dass seine Eltern sich beruflich weiterentwickeln wollten und hier im Westen bekamen sie eindeutig mehr Geld. Ich erfuhr mehr über ihn und Hans ließ mich in Ruhe. Ich hatte zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen! Doch da kam Jenny und zog Sven zur Tanzfläche. Warm wollte denn keiner Hans haben? Er suchte erneut den Kontakt zu mir und stieß seinen Fuß an meinen.
 
„Lass mich doch endlich in Ruhe, du hast keine Chance bei mir!“, sagte ich endlich. Er legte einen Arm um mich und entschuldigte sich.
 
„Oh, mein lieber Gott, hilf mir!“, flehte ich.
 
Doch Gott hörte mich und schickte einen seiner Engel zu mir. Sven kam auf mich zu.
 
„Hast du Lust zu tanzen?“, fragte er mich.
 
„Nichts lieber als das!“ Und das war mein völliger Ernst.
 
Als wir weit genug von Hans weg waren, bedankte ich mich mindestens tausend Mal bei ihm.
 
„Danke, danke, danke, danke.“
 
„Ja ja, ist gut jetzt. Außerdem konnte ich das nicht länger mit ansehen, wie du da mit dem alleine rumsitzen musstest. Und jetzt vergiss ihn erst mal.“, sagte er.
 
„Gerne doch.“
 
Wir bewegten und zur Musik und es schien wie eine Ewigkeit, die wir tanzten.
 
Für einen kurzen Moment spürte ich seine Hände auf meinen Hüften. Diese kurze Berührung bewirkte, dass sich alles in mir zusammenzog.
 
Bei  „I love Rock ‘n’ Roll” machten wir Mädels und Marco zusammen Headbanging ( zur Erklärung: Marco war der einzige unter den Jungs, der schulterlange Haare hatte)
 
Bei „La tortura“ von Shakira versuchten wir, mit dem Hintern zu wackeln. Wie gesagt: wir versuchten es. Bei „You’re beautiful“ von James Blunt lichtete sich so langsam die Tanzfläche, nur Lena und Marco tanzten zusammen und Jenny hatte neue Bekanntschaft gemacht.
 
„Wollen wir?“, flüsterte mir Sven ins Ohr.
 
Ich nickte und etwas schüchtern legten wir unsere Arme umeinander. Einen kurzen Augenblick sah ich Lena an unserem Tisch, wie sie mir zuzwinkerte. Diesen Augenblick der Unaufmerksamkeit nutzte Sven voll aus und gab mir einen zarten Kuss auf den Mund, doch dieser endetet schließlich in einem leidenschaftlichen, langen Kuss.
 
Alle Lichter um mich herum verschwammen, tausend Schmetterlinge flogen in meinem Bauch umher und spielten Fangen. Jede Berührung löste ein angenehmes Kribbeln aus.
 
Plötzlich war um uns alles laut, von draußen klang das Feuerwerk herein.
 
„Happy new year, Jessy!”, flüsterte er und wir küssten uns wieder...
 
 
 
 
 
 
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.08.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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