Nadine Richters

Der Mann den ich schon immer Liebte!

 
Am Donnerstag regnete es eigentlich den ganzen Morgen. Ich hörte leise den Regen auf meine Dachfenster prasseln und wollte nicht raus aus meiner warmen, kuscheligen Bettdecke. Es war mein freier Tag und ich hatte vor diesen eigentlich im Bett zu verbringen. Jedoch brachten die Gedanken an meine unaufgeräumte, schmutzige Wohnung mich doch quälend aus dem Bett. Ich erwartete schließlich nachher noch Besuch. Also ging ich raus aus dem Schlafzimmer und watschelte noch etwas schlafbetrunken mit meinen nackten Füßen über den kalten Holzboden ins Badezimmer. Ich blickte in den Spiegel und da sah ich mich mit zerzausten Haaren und einem dicken Pickel im Gesicht. Warum sah ich morgens nur immer so schrecklich aus, dachte ich mir als ich mir meine Zahnbürste in den Mund steckte.
Nach einer Weile setzte ich mir einen Kaffee an und blickte auf die Uhr, die mittlerweile 12 Uhr anzeigte. Na ja es ist dein freier Tag dachte ich mir, doch es ärgerte mich schon ein wenig als ich mich erinnerte was ich heute alles erledigen wollte.
Ich arbeite für eine Designfirma, erledige aber die meisten Dinge von zu Hause aus. Es war ein entspannter Beruf den ich auch sehr gerne machte; vielleicht auch weil ich viel Zeit für mich hatte.
Da war mein Freund Jonas ganz anders. Er lebte für seine Arbeit, als Jurist und brachte sich sogar am Wochenende Akten zum durchsehen mit nach Hause. Wir waren eigentlich so unterschiedlich, aber doch passten wir perfekt zusammen. Wir kennen uns jetzt bereits 5 Jahre und ich liebte ihn noch genau wie an unserm ersten Tag.
Jonas war stets pünktlich, höflich und immer gut gekleidet. Er war groß, schlank aber nicht gerade durchtrainiert und hatte kurze schwarze Haare; er war ein Businessmann, wie aus der Werbung. Ich hingegen war schon immer der lässige Typ, der langweilige Couchabende liebt, dem das Geschirr vom Vortag in der Spüle nicht stört und der aus seinem Äußeres nicht viel machte, oder besser es nicht konnte.
Ich hatte mich heute Nachmittag zum Essen mit Jonas verabredet und da ich ihn schon seit einer Woche nicht gesehen hatte, da er beruflich in Köln gewesen war, freute ich mich riesig auf unser Wiedersehen.
Ich wollte mich für ihn sogar ein bisschen hübsch machen hatte ich beschlossen, was ja sonst so gar nicht mein Fall war. Ich duschte, rasierte mir die Beine, machte eine Haarkur, legte Parfüm auf, schminkte mich sogar dezent und suchte aus meinem Kleiderschrank mein schwarzes Spitzentop und den beigen, knielangen Faltenrock. Ich schaute wieder in den Spiegel, mir war die Verwandlung einigermaßen Gelungen und ich sah nicht mal schlecht aus.
Ich dachte darüber nach was Jonas zu meinem Outfit sagen würde und was er mir möglicherweise aus Bottrop mitgebracht hatte, als mein Telefon mich aus meinen Gedanken holte. Es klingelte und ich befürchtete das es Jonas war der mir absagen wollte. Ich ging ran und war erleichtert als ich Noahs Stimme am Telefon hörte. Das war auch nicht Jonas Art 5 Minuten bevor wir uns trafen abzusagen. Noah war ein guter Freund von mir, den ich schon seit meiner Schulzeit kannte. Wir hatten zusammen studiert, auch wenn er mir immer ein paar Semester weiter voraus war. Er ist mittlerweile schon seit drei Jahren Studienrat hier in Düsseldorf. Wir telefonierten ständig und diskutierten über alle Dinge, die wichtig und unwichtig waren.
Mittlerweile war es viertel nach drei und das hieß Jonas war, ich glaube das 2. Mal in unser Beziehung zu spät (das erste Mal war, als er seine Mutter ins Krankenhaus bringen musste!). Ich fing also an mir Sorgen zu machen, doch Noah beruhigte mich und meinte er hätte wahrscheinlich nur den Zug verpasst. Ich beendete das Telefonat mit Noah und versuchte Jonas umgehend auf dem Handy zu erreichen. „Please call again later the person you are calling is not available at present.” sprach mir die Telefonfrau am anderen Ende der Leitung entgegen. Ich seufzte, er machte doch sonst nie sein Handy aus.
Ich musste Noah natürlich versprechen wenn Jonas sich bis 4 Uhr nicht meldete; ich ihn mitnehmen sollte zum Essen.
Und da Jonas bis um fünf vor vier nicht anrief, ging ich mit Noah aus.
Noah war so ein ganz andrer Typ wie Jonas, er sah mit seinen blonden langen Haaren ein bisschen aus wie der Fußballspieler Timo Hildebrand und sein durchtrainierter, sexy Körper ließ ihn zu einem unwiderstehlichen Surferboy a la Paul Walker werden. Auch seine witzige, unverschämte Art machte ihn einfach zu einem Mann, dem wahrscheinlich keine Frau widerstehen konnte.
Nach dem Essen mit Noah, das sehr amüsant war und viel lockerer als es mit Jonas jemals hätte werden können, lief ich an den vielen Nobelgeschäften vorbei zurück zu meiner Wohnung.
Das erste was ich tat, hatte ich mir schon auf dem Weh nach Hause überlegt, war auf meinen Anrufbeantworter zu schauen und ich war entsetzt, wütend und enttäuscht das Jonas sich nicht gemeldet hatte.
Doch meine Wut verging sich langsam in Sorge und ich beschloss in Jonas Wohnung nach dem Rechten zu schauen.
Dann stand ich vor seiner Haustür und als ich aus dem inneren leise Lovesongs hörte war ich wieder wütend und klingelte Sturm. Doch niemand öffnete mir die Tür.
Ich kramte voller Zorn in meiner Tasche nach Jonas seinem 2. Schlüssel. Als ich die Tür öffnete kam mir Jonas schon in Boxershorts entgegen und meinte, was ich denn hier wollte?!
Als dann noch Josephine, Jonas Ex-Freundin splitternackt aus dem Schlafzimmer kam wurde mir einiges klar.
Ich schrie Jonas voller Empörung zusammen, beleidigte ihn und sagte ihm, dass ich ihn nie nie wieder sehen wolle. Was für ein Jonas war das da vor mir? Das hätte mein Jonas doch nie getan! Ich rannte zurück ins Treppenhaus und beim verlassen von seiner Wohnung knallte ich die Haustür so, dass seine Nachbarn es im 3. Stock wohl noch gehört haben mussten.
Ich konnte nicht mehr, doch ich wusste jetzt warum er mich versetzt hatte. Als ich im Auto saß rollten mir die ersten Tränen über die Wangen. Warum passiert mir das? Warum tut mir mein geliebter Jonas so etwas an? Er liebte mich doch oder nicht? ging mir durch den Kopf.
Ich beschloss zu Bettina zu fahren, meiner besten Freundin. Sie war in solchen Situation immer für mich da und stand mir mit Rat und Tat zur Seite.
Als sie mich sah war sie verwundert, warum ich so verheult war und als ich ihr die Story erzählte nur noch geschockt. So kannte sie Jonas auch nicht.
Nachdem ich mich zu Hause mit Schokolade und Bridget Jones zwei Wochen eingesperrt hatte, das Telefon nicht abgenommen und die Haustür nicht geöffnet hatte wurde mir klar, dass das nicht alles gewesen sein konnte.
Ich hört meine Nachrichten vom AB ab und heulte wieder, als ich die vielen Nachrichten von Noah und Bettina hörte, die immer wieder fragte wie es mir ginge.
Ich beschließe Noah zurückzurufen, der voller Erleichterung das ich überhaupt noch lebe, was ich echt süß von ihm fand, beschließt zu mir zu kommen.
 
 
Nach einer halben Stunde klingelt es auch an meiner Tür und Noah steht mit einem Strauß Blumen, einer Dvd und einem breiten, sexy Lächeln vor meiner Haustür.
Wow! denke ich ohne mir über meine Gefühle überhaupt im Klaren zu sein.
Ich bitte ihn rein und wir beschließen seine Dvd zu gucken. Den Fernseher habe ich während meiner 2 Wochen Bridget Jones Depression ins Schlafzimmer gestellt, von daher guckten wir dort.
Mir war nie zuvor aufgefallen das Noah braune Augen hat und seine Blicke einem direkt ins Herz treffen können.
Ich konnte mich gar nicht auf den Film konzentrieren immer wieder blickte ich rüber zu ihm. Was war nun los mit mir?
So hatte ich niemals zuvor für Noah empfunden. Hatte ich mich in ihm verliebt.
Bettina hatte mir immer schon gesagt, dass Noah ein Typ wäre mit dem sie gerne mal eine Nacht alleine wäre, aber das hatte ich immer ignoriert und ich konnte sie bis jetzt auch nicht verstehen. Bis jetzt!
Auf einmal schien alles anders; Noahs Geruch verdrehte mir den Kopf und seine Blicke ließen mein Herz schmelzen, wie Eiswürfel in kochendem Wasser.
Warum empfinde ich auf einmal so viel für Noah? Oder war es schon immer ein bisschen gewesen und ich traute mich nur nicht auf meine Gefühle einzugehen, weil es Jonas gab?
Am Ende des Films diskutierten wir noch über den Film, doch es war irgendwie anderes als sonst.
Kurz nach Mitternacht, als mir die Augen schon fast zu vielen verabschiedete Noah sich mit diesem sexy Lächeln wieder von mir.
Ich brachte ihn zu Tür, wo er mir ganz unerwartet einen Kuss auf dem Mund gab und sich mit den Worten, wir sehen uns Kleines, verabschiedete.
Ich schloss die Tür und sank langsam an ihr in die Hocke hinunter. Man war dass ein Abend, dachte ich noch vollkommen verwirrt. Ich hatte erkannt, dass ich Gefühle für meinen besten Freund habe und kann noch nicht mal sagen ob er genau so fühlt.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.08.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Lyrik verbindet Menschen auf der ganzen Welt. Sie gibt Glauben, Hoffnung, Zuversicht und vor allem Kraft. So viel Leid gibt es auf dieser Welt. Wir können die Welt nicht verändern, aber oft hilft es schon, wenn der Mensch spürt, dass er mit seinen Problemen nicht alleine da steht, dass es Menschen gibt die ähnlich fühlen. Ich habe mich hauptsächlich auf Mut machende Gedichte spezialisiert, doch auch Gedichte zum träumen wirst du hier finden. Gedichte über das Leben eines jeden von uns, voller Leidenschaft, Liebe, Erotik, Hoffnung , Familie und der Kampf des Lebens.

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