Hartmut Pollack

Dunkelrote Rosen

 
Dunkelrote Rosen
 
 
Sind seit der Hochzeit schon oder erst zwei Jahre vergangen?
Claudia schüttelte voller Erstaunen ihr dunkelblondes Haar. In einem eleganten Bogen flogen die Locken durch die Luft, bildeten für kurze Zeit einen blonden Pfauenring. Ein ungläubiges Lachen folgte der Kopfbewegung.
Phillip schaute sie erstaunt an. Er bewunderte seine wunderschöne Frau, liebte jede Körperbewegung an ihr.
Mit verträumten Augen schaute er den vollschlanken Körper seiner geliebten Lebensgefährtin an. Er blickte in blaugrüne lockende Augen, welche mit einem gewissen spöttischen Lächeln ihn betrachteten.
Plötzlich fühlte er zwei Arme um seinen Hals. Sein Kopf wurde nach unten gezogen und Claudia suchte mit ihren Lippen seinen Mund.
Mitten auf dem Gehweg, zwischen allen Menschen, die um sie herum gingen, küsste sie ihn voller Leidenschaft. Erstaunte Blicke trafen die beiden. Doch das störte sie überhaupt nicht.
Einige Menschen, die an ihnen vorbeigingen, lächelten mit einem leicht verträumten Blick. Besonders ältere Leute schauten voller Verständnis auf die beiden Verliebten. Sicherlich dachten sie an ihre eigene Jugend.
Nach den Kuss blickte Phillip erstaunt seine Frau an.
"Nanu, gibt es einen besonderen Grund für deinen Gefühlsausbruch?" hörte er sich sagen.
Verdammt, zuckte es durch seinen Kopf, warum konnte er diesen Moment nicht einfach still genießen? Es kam doch immer wieder der Naturwissenschaftler in ihm durch.
Er ärgerte sich ein wenig über sich selbst.
"Heute vor genau zwei Jahren haben wir geheiratet, mein Liebster," sagte seine geliebte Claudia mit einem lächelnden Unterton.
Ihre Stimme hatte dennoch den Glockenklang, welchen Phillip über alles liebte.
Phillip spürte wie ihm eine Schamröte ins Gesicht stieg.
Na klar, an wissenschaftliche Formeln, den Zeitraum gewisser Erfindungen, an solche Dinge konnte er sich messerscharf erinnern. Aufsätze seiner Kollegen kannte er fast auswendig, besonders dann, wenn sie seinen Erkenntnissen widersprachen.
Doch an diesen für Claudia so wichtigen Hochzeitstag hatte er nicht gedacht. Er war nicht in seinem naturwissenschaftlichen Gedächtnis gespeichert.
"Du brauchst gar nicht rot zu werden," lachte Claudia.
"Immerhin hast du letztes Jahr daran gedacht. das war doch schon eine Meisterleistung. Also der erste Hochzeitstag geht zu deinen Gunsten."
Phillip löste sich mit einem gekünstelten Lächeln aus seiner inneren Erstarrung. Er drückte Claudia noch einmal fest an sich und drückte ihr den zweiten Kuss als Erwiderung auf ihre verlangenden Lippen.
"Schatz," sagte er, "ich wusste ja immer, dass du mir überlegen bist. Warte bitte einen Moment."
Seine Augen hatten trotz seiner Überraschung den Blumenladen auf der anderen Straßenseite entdeckt. Er hatte etwas verlegen über den Kopf seiner kleineren Gattin geschaut und so das Geschäft mit frischen Blumen sehen können.
Mit schnellen Schritten überquerte er die Straße, überhörte dabei das Hupen einiger Autofahrer, stieß fast mit einem anderen Passanten zusammen und war in Windeseile im Blumenladen angelangt.
Schon beim Betreten des Ladens suchten seine Augen nach den schönsten Rosen im Geschäft. Er kannte die Lieblingsblumen seiner Frau.
Ein Strauß herrlicher, dunkelroter Edelrosen stand in einem Kübel inmitten anderer prachtvoller Rosensträuße. Dieser musste es sein.
Für Phillip war der Fall glasklar.
Er wandte sich zu der Verkäuferin, einer netten Frau im mittleren Alter.
"Ich möchte eine dieser wunderschönen Rosen eingepackt. Nur eine einzige, bitte. Doch es muss die schönste von allen sein."
Die Verkäuferin lächelte.
"Ich empfehle Ihnen diese," sagte sie.
Phillip schaute hin und stimmte sofort zu.
"Ich bitte Sie, machen Sie schnell. Meine Frau wartet draußen."
"Aber natürlich, ich verstehe Sie gut."
"Den Rest des wunderbaren Straußes packen Sie bitte in ein sehr schönes Gesteck und schicken ihn in der nächsten Stunde in unsere Wohnung im Maistieg. Ich möchte damit meine Frau ein zweites Mal überraschen."
"Aber mit großer Freude mache ich Ihnen ein wunderschönes Gesteck fertig," erwiderte die Verkäuferin.
"Möchte Sie eine Karte dazu legen?"
Phillip überlegte nicht lange.
"Es sollen zwei Herzen darauf sein und in die Karte möchte ich nur drei Worte schreiben und meinen Namen dazu."
Die Karte war schnell zur Hand.
Phillip schrieb die drei Worte der Liebe hinein: "Ich liebe dich, Phillip."
Er bezahlte seine Käufe und bedankte sich.
Dann eilte er mit der schönsten Rose aus dem Strauß hinaus zu seiner geliebten Frau.
Claudias sah ihn kommen und musste laut loslachen.
"Du vergesslicher Professor, denkst du etwa, du kannst dies mit einer Rose wieder gutmachen? Ich denke mal, du wirst mich jetzt zu einem Essen einladen."
"Aber natürlich, mein Liebling," antwortete Phillip.
Im besten Restaurant der Stadt bekamen sie noch einen Tisch und bestellten sich ein herrliches Essen.
Phillip ließ eine Flasche Champagner kommen und stieß mit Claudia auf weitere Jahre des Glückes an.
Sie aßen und tranken mit großem Genuss und die Zeit verging wie im Fluge. Die dunkelrote Rose stand in einer passenden Vase mitten auf dem Tisch und verlieh dem Essen ein besonderes Flair.
Voller Zufriedenheit verließen sie die Gaststätte und wanderten nach Hause zurück.
Phillip fühlte in sich eine große Vorfreude. Er war neugierig, wie Claudia auf die Überraschung reagieren würde.
Der Heimweg war nicht zu lang und so erreichten sie bald ihr gemeinsames Zuhause.
Phillip sagte zu Claudia:" Mach du die Tür auf, ich habe etwas mehr von dem Champagner getrunken und hätte Schwierigkeiten, das Schlüsselloch schnell zu finden."
Claudia lachte sofort auf und antwortete: "Mach ich doch, mein Liebster."
Sie öffnete die Tür des Hauses und stieg die eine Treppe zu ihrer Wohnung hinauf.
Dabei war sie etwas schneller als ihr Ehemann.
Phillip hörte plötzlich einen leisen Schrei der Überraschung.
Dann flog der Körper seiner Frau fast durch die Luft drei Stufen zurück und sie hing ihm am Hals. Sie bedeckte sein Gesicht mit Küssen und sagte beim Luftholen: "Du Spitzbube, hast es doch wirklich geschafft, mich zu überraschen."
Danach nahm sie die Karte von dem wunderbaren Strauß dunkelroter Rosen und las sie.
Nun stieg ihr die Röte ins Gesicht. Die Röte des Glückes färbte sie und ließ sie wunderschön aussehen.
"Ich liebe dich auch", war ihre geflüsterte Antwort.
Sie nahmen den Rosenstrauß ins ihre gemeinsame Wohnung und stellten die Blumen in eine schöne Vase.
Doch sehr lange hielten sie sich nicht bei dem Rosenstrauß aus.
Claudia flüsterte Phillip etwas ganz Liebes ins Ohr.
Er nickte und beide verschwanden schnell im Schlafzimmer.
Sie feierten ihren zweiten Hochzeitstag wie ihre damalige Hochzeitsnacht.
©pk 09 / 06

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.09.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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