Hans Pürstner

Handyfreie Zone

Meine Kindheit verbrachte ich ohne i-pod, Gameboy und Yahoo-Messenger.
Obwohl die manchmal schon ganz nützlich gewesen wären. Das Geschimpfe von Mutter: „Mach endlich deine Hausaufgaben“, „räum dein Zimmer auf“, oder “wasch dir die Hände!“
Einfach Kopfhörer aufsetzen, und weg wären sie gewesen, die ewigen Ermahnungen.
Aber besonders ein Gegenstand fehlte damals, für heutige Kinder unvorstellbar: Das Handy
Zwar waren wir den ganzen Tag zusammen, ich und meine Freunde aus der Schule oder aus unserem großen Mietshaus.
Doch meist viel zu früh hieß es: „Hans, komm nach oben, das Abendessen ist fertig!“ Und vorbei war es mit Spielen, raufen oder einfach nur Blödsinn machen.
Wenn man dann abends noch jemand eine lebenswichtige Neuigkeit mitzuteilen hatte, da nützte alles nichts, das musste eben bis morgen warten.
Wie viele andere Kinder auch, bastelten wir uns deshalb ein „Nivea Telefon“
In die eine Dosenhälfte mit einem Nagel ein Loch gebohrt, eine Schnur durchgesteckt und mit einem Knoten befestigt. Die Schnur wurde mit einem großen Aufwand per Leiter im Nachbarhaus zum Fenster von Erwin, meinem Freund hochgehievt.
Der machte mit der anderen Hälfte der Dose dasselbe, flugs war die Schnur gespannt und schon diente die Dose abwechselnd als Mikrofon bzw. Hörer.
Wahrscheinlich haben wir in der Aufregung sowieso derart laut gesprochen, dass wir uns auch ohne das Nivea Telefon hätten hören können. Aber was solls, wir waren stolz auf unsere Erfindung.
Irgendwann genügte uns das „Telefon“ aber nicht mehr. Wir wollten auch mal schriftliche Dinge austauschen. Also wurde noch eine Schnur gespannt. Diesmal eine etwas kräftigere.
Aus unserem Holzspielzeugkasten holten wir jeder ein Laufrad, um das die Schnur gewickelt und an der Fensterbank befestigt wurde und zurück zur anderen Wohnung führte. Daran befestigten wir eine Art Gondel für unsere selbstgebaute Seilbahn. Einer drehte das Rad und schon fuhr die Gondel von einer Wohnung zur anderen.
An der Gondel konnten wir nun, in Ermangelung von „SMS“, unsere wichtigen Mitteilungen anbringen. So freuten wir uns über unsere neueste technische Errungenschaft, und die Nachbarn staunten. Bis einer von uns beiden die unselige Idee hatte, unsere Seilbahn müsste auch beleuchtet sein. Vom letzten Laternenfest eines kleineren Nachbarkindes war noch eine Papierlaterne übrig, flugs eine Kerze hineingestellt und an der Gondel befestigt.
Lange währte der Traum nicht, die Kerze fiel um, der Lampion brannte und mit ihm auch bald das Seil, bis die ganze Konstruktion zusammenstürzte. Schade
Aber schön war sie, unsere Seilbahn!

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.09.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Epilepsie – was ist das eigentlich? Gute Frage... denn wie ich immer wieder mit Entsetzen feststellen musste, wussten selbst ein Großteil der von mir und anderen Betroffenen konsultierten Neurologen keine vernünftige Antwort darauf, geschweige denn Allgemeinmediziner jedweder Art und erst recht nicht Otto – Normalverbraucher. Völlig außer Frage steht, dass Epilepsien oft mit geistigen Behinderungen einhergehen, was aber nicht heißt, dass das eine mit dem anderen gleichzusetzen ist. Dieses Buch soll deshalb auch nicht als medizinisches Handbuch dienen, sondern lediglich als ein Beweismittel, dass es auch anders geht, wenn man nur will oder allenfalls eine Art Gebrauchsanleitung für den Umgang mit solchen und ähnlichen Problemen. Es sind, wenn man so will, Geschichten aus dem wahren Leben, die ich hier beschreibe und Konfliktsituationen, für deren Bewältigung sich mal eine mehr, mal eine weniger elegante Lösung findet.

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