Hans Pürstner

Der Lokomotivführer

Der Traum fast eines  jeden kleinen Jungen damals war es wohl, einmal Lokomotivführer zu werden.
Hinauszufahren in „die große weite Welt“, ja das war´s doch. Mit rußgeschwärztem Gesicht, ohne dass Mutti gleich mit etwas Spucke ins Taschentuch (igitt, mich ekelt es heute noch) daherkam, und mich sauberwischte.
Aber bis dahin würde es wohl noch etwas dauern. Also wünschte ich mir wenigstens eine Modelleisenbahn. Zum Üben.
Doch das war leichter gesagt als getan. Der Fußboden in unserer Wohnküche bestand noch aus Holzdielen, und war nicht gerade eben. Daher  lagen auch die Schienen nicht so perfekt gerade und es gab öfters einen Wackelkontakt wegen der Unebenheiten.
Da saß ich nun, wütend und verzweifelt. Und heulte und schimpfte.
„Was soll ich mit einer Eisenbahn, die nicht fährt?“
Meine Mutter war gekränkt, hatte sie schließlich eine ganze Menge von ihren sauer verdienten Groschen dafür ausgegeben.
Irgendwann ertrug sie meine ewige Nörgelei nicht länger und bat einen Nachbarn, die ganze Anlage auf einem Sperrholzbrett zu befestigen.
Nun fuhren die Züge endlich ohne die lästigen Unterbrechungen.
Doch leider waren inzwischen einige Jahre ins Land gezogen und meine Begeisterung fürs Eisenbahnspielen hatte dramatisch nachgelassen.
So stellte meine Mutter die Anlage in den Keller „für ihre Enkelkinder“
Und dort stand sie noch jahrelang, die Enkel ließen leider auf sich warten.
Schließlich gab sie die Eisenbahn seufzend an eine Freundin weiter.
Die hebt sie wahrscheinlich auch auf.
Für ihre Enkelkinder.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.09.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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