Judith Beiten

The Song IV

Er schüttelte den Kopf und sah noch einmal hin. Sarah lag friedlich schlafend im Bett. Er kuschelte sich an sie und nahm sie fest in die Arme. Es machte ihm Angst, dass er es so deutlich vor sich gesehen hatte. Bevor seine Mutter bei einem Verkehrsunfall gestorben war, hatte er die Nacht zuvor davon geträumt. Seit dem hatte er immer wieder mal seine „Visionen“, wie er es nannte, allerdings wusste auch niemand was davon. Er hatte immer das Gefühl, es würde ihm sowieso keiner glauben. Sollte er es Sarah erzählen? Er hatte Angst, dass sie es lächerlich finden würde, aber andererseits war sie auch sehr einfühlsam. Er lag wach neben ihr, drückte sie an sich und grübelte. Schließlich kam er zu dem Entschluß ihr nichts davon zu sagen, es würde sie nur ängstigen und er wäre schon in der Lage um auf sie Acht zu geben, außerdem hatte er es sich diesmal doch vielleicht nur eingebildet, sein Alkoholpegel war nicht ganz unbeträchtlich. Irgendwann fielen ihm doch die Augen zu.

Am nächsten Morgen weckte Sarah ihn zärtlich mit sanften Küssen. Ein Lächeln umspielte seine Lippen, während er sie zu sich zog und fast unter seinen Küssen erstickte. „Was sollen wir heute machen, mein Engel? Es geht erst morgen weiter und ich habe mal den ganzen Tag Zeit, die anderen Jungens fahren heute mal ihre Familie besuchen.“ „Eigentlich hatte ich mich mit Becky verabredet. Wir haben gestern lange gequatscht und ich glaube, wir können gute Freundinnen werden und du weißt, wie schwer es mir fällt andere wirklich an mich ran zu lassen.“ Jay spielte liebevoll mit einer ihrer langen Strähnen. „Ach komm, ich habe im Moment genug Stress und habe extra heute alles abgesagt.“ „Na gut, aber nur weil du es bist.“ Sie gab ihm einen Kuss auf die Nase. „Ist dir eigentlich gestern abend irgendwas komisch vorgekommen?“, fragte er und versuchte nicht verdächtig dabei aus zu sehen. „Nein, wieso?“ „Hmm, wollte nur mal fragen.“ Sein Handy klingelte und Sarah verdrehte spielerisch die Augen. „Das war unser Produzent! Wir kriegen ne goldene Platte!! Ist das nicht super?! Ich hätte nie gedacht, dass wir so erfolgreich sein könnten!“ Jay nahm sie in die Arme und wirbelte sie einmal quer durchs Zimmer. Sie gab ihm einen langen Kuss. „Ich bin so stolz und ich werde die schönste aller Frauen dabei an meiner Seite haben!“ „Aber nicht, wenn ich nichts zum Anziehen habe.“ „Ich bin heute großzügig, sollen wir shoppen gehen?“ Natürlich freute sie sich.

In der Stadt angekommen führte er sie direkt in eine kleine, teure Boutique. Er machte es sich in einem Sessel bequem, weil er sich innerlich schon auf eine lange Ankleideprobe eingestellt hatte. Sarah gab ihm einen Kuss auf die Nase und schaute sich dann um. Ihr Blick fiel direkt auf ein langes schwarzes Kleid. Es war im Barock-Stil und der Rock war mit einem Reifrock ausgestellt, das Oberteil mit einer Corsage. Sie verschwand damit in einer Kabine und zog sich um. Als sie sich ihm Spiegel betrachtete, dachte sie sich, dass es ihr stand. Sie beschloss, dass sie es Jay zeigen wollte, sie wusste nicht warum, aber sie war ein bisschen nervös raus zu gehen und sich ihm zu zeigen. Als Sarah aus der Kabine trat, traf Jay fast der Schlag. Sarah sah für ihn so schön aus, wie eine Frau nur aussehen kann, ihre Haut, weiß wie Schnee, die sich vom schwarzen Kleid abhob, ihr langen Haaren umrahmten ihr zartes Gesicht und ihre Augen schienen wie zwei vielversprechende Geheimnisse. Er ging wie hypnotisiert auf sie zu und streichelte über ihre Wange. „Du bist wirklich mein süsser Engel.“ Er schaute sie verträumt an. Er hätte nie gedacht, dass Einkaufen so schön sein kann. „Glaubst du, dass ich das Kleid bei der Verleihung tragen kann?“ Jay druckste rum, schließlich stand sein Entschluss fest. „Ich will nicht, dass alle Welt dich so sehen kann, du bist mein süsser Engel!“ Sarah war verwirrt, aber sie akkzeptierte Jays Entschluss. Sie umarmte ihn und sie küssten sich so innig, das alle im Geschäft sie anstarrten. Für die Verleihung fand Sarah ziemlich schnell ein anderes Kleid, dass ihr auch sehr gut stand. Sie hatte einen sicheren Geschmack, deshalb verwirrte es sie um so mehr, warum sie diese Scheu gehabt hatte, sich Jay zu zeigen. Nachdem sie die Kleider ins Auto gelegt hatten und danach Hand in Hand ein Eis essen gehen wollten, kam auf einmal ein Mädchen auf sie zu gerannt. „Hi Jay, kennste mich noch? Wir haben diese Woche viel Spass miteinander gehabt.“ Sie packte Jays Arm und klimperte mit den Augen. Sarah guckte Jay erstaunt an. „Du bist wohl das kleine Flittchen an Jays Seite? Glaub mir, bei mir ist er besser dran als bei dir Püppchen.“ Sarah blieb stehen. Jay wurde langsam richtig wütend. Er fragte sich selbst wer diese unverschämte Person war, bis ihm plötzlich einfiel, dass es der Fan gewesen sein musste, mit dem er am abend geflirtet hatte. Was bildete sich diese Göre nur ein! „Sarah, glaub dieser Person kein Wort, du weißt doch, dass du die einzigste für mich bist!“, flehte Jay seine Geliebte an und gab ihr einen Kuss. Dann packte er das dreiste Mädchen am Kragen. „Stephanie, bei dir muss ich wohl so einiges klar stellen.“ Sarah schlenderte ein Stück weit weg, weil sie in Ruhe nachdenken wollte. Eigentlich vertraute sie Jay und sie wollte ihm auch gerne glauben, nur warum zur Hölle wusste er wie das Mädchen heißt? Warum musste er etwas mit ihr regeln? „Ich liebe ihn doch! Und schon wird wieder nur mit mir gespielt.“, dachte sie sich verzweifelt. Sie setzte sich auf eine Mauerecke und legte den Kopf auf den Schoss.

Währenddessen machte Jay Stephanie deutlich das Sarah seine Freundin war und er nie etwas von ihr gewollt hatte und es auch nie etwas geben würde. Am Ende fragte sie kleinlaut für ein Autogramm auf der neuen CD und verschwand. Jay fing grade an Sarah zu suchen, um ihr zu sagen, dass ihm keine andere etwas bedeutet, als plötzlich Reporter mit Kameras und eine Horde Fans auf ihn zugestürmt kamen.

Sarah sass noch immer auf der Mauerecke und hoffte innerlich das Jay bald zu ihr kommen würde und eine gute Erklärung für die Situation hatte, damit sie glücklich den Rest des Tages verbringen konnten. Als er nach über einer halben Stunde noch immer nicht da war, fragte sie sich, ob er sie sitzen lassen hatte. Das andere Mädchen war auch hübsch und er hatte ihr noch nie gesagt, dass er sie lieben würde. Wie naiv war sie eigentlich? Früher waren sie gute Freunde gewesen und dann hätten sie vielleicht auch eine Chance gehabt, aber jetzt war Jay ein Star und sie ein Niemand. Sie würde ihm nie genügen. Plötzlich spürte sie, dass jemand hinter ihr stand. Ihr Herz machte einen Sprung, sie hoffte natürlich, dass es Jay war. Langsam drehte sie sich um und sah Mike. Er setzte sich neben sie. „Na, meine Kleine du scheinst deinem Superstarlover wohl nicht zu genügen. Hättest doch mal lieber bei mir bleiben sollen.“ Mike erzählte ihr nicht, dass er Stephanie angestachelt hatte sich nochmal an Jay ran zu machen und ihr dazu noch berichtet hatte das Sarah nur eine von vielen wäre und sie deshalb vielleicht sogar noch eine Chance bei ihm haben würde. „Lass mich in Ruhe Mike, ich glaube ich gehe jetzt besser zurück ins Hotel.“ „Nana, wirst doch nun nicht alleine bleiben wollen. Ein bisschen Gesellschaft würde dir doch bestimmt gut tun.“ Während er die Worte sprach riss er sie am Arm zu sich und hielt ihr mit einer Hand den Mund zu. „Verdammt, warum musste ich mich in so eine menschenleere Seitenstrasse setzen!“, dachte sie sich. Mike verdehte ihr den Arm und zwang sie in sein Auto.

Finde es ja schon sehr schön, wenn ihr bis zu diesem Teil meiner Geschichte durchgehalten habt. Würde mich sehr über weitere Kommentare freuen. Werde mich bemühen den nächsten Teil etwas flotter hinzukriegen.
Alles Liebe!
Judith Beiten, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.09.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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