Georges Ettlin

Der unheimliche Greis

 
 
Der moderne 60 jährige "alte Mann", der es für normal hällt, mit
ca. 67 Jahren zu sterben, der "gut gelebt" hat und
der sich mit seiner Sterblichkeit abgefunden hat....und dann trotzdem
100 Jahre alt wird.... der ist unheimlich, ja, sogar gefährlich...:
 
Denn ihm steht seine leidenschaftsbefreite Denkarbeit und die Vernunft des
Lebens-Erfahrenen zur Seite, der die Probleme der Welt begriffen hat,
selber aber keine Ansprüche mehr an die Zukunft stellen muss.
 
Das Unheimliche am Greis ist seine Freiheit und Unabhängigkeit
im Aeusseren und Inneren seines Wesens
und in seinem täglichen Leben zu finden,
muss er doch weder eine Karriere aufbauen
(die liegt hinter ihm), noch sein tägliches Sozialprestige
aufs neue aufbauen,  ja, ...er muss es nicht einmal
erhalten und verwalten!
 
Dadurch entzieht sich der alte Mensch der Erpressbarkeit, den
Korruptionsanreizen und dem unbedingten Zwang, sich den
Kontrollen durch Nachbarn und den fremden Meinungen zu unterziehen.
 
Sogar der blöde, sklavische Drang, hie und da eine Frau zu begatten... entfällt,
weil sein Sexualtrieb nun auf Augenhöhe der Weiblichkeit latent
meandriert und dadurch seine Wahlfreiheit gegenüber dem Objiekt seiner
abgeschwächten sexuellen Begierden genau so gross ist ,
wie bisher nur bei den Frauen.
 
 - :  Er kann, aber er muss nicht mehr ...Ist das nicht unheimlich ?
 
Gefährlich ist der Greis besonders in Bezug zur Kriminalität und der politischen
Kriegsentscheidungen des Staates und der Bevölkerung, denn
nach ihm kann die "Sündflut" kommen, der Weltuntergang und was auch immer...
...er wird es nicht mehr erleben und er weiss das !

Wenn ihm der eigene Haushalt zuviel Mühe macht,
 kann er zwischen Altersheim, Tod oder Gefängnis wählen.
 
Der Greis wird das Gefängnis wählen, wenn er in der Schweiz
lebt, denn Gefängisse sind moderner und sozialer konzipiert
als Altersheime. (In Altersheimen in der Schweiz wurden viele Greise umgebracht,
ermordet...in den Gefängissen aber nicht).

Im Gefängnis hat der Greis Fernsehen, Radio, Computer,
Bücher, eigenes WC und soziale Kontakte mit jüngeren Menschen , die ihn geistig
anregen und ihn mit ihren kriminalistischen Denkfehlern und Irrtümer köstlich unterhalten....Im Altersheim ist das nicht der Fall.
Zudem steht er im Gefängnis unter direktem polizeilichen und juristischen Schutz.
 
Der Greis :
 
Er muss keine Prüfungen mehr ablegen
Er muss niemandem mehr "etwas beweisen"
Seine Feinde sind gestorben
Seine Verwandten sind gestorben
Er hat keine Angst vor dem Tod
Er ist unabhängig von törichten sozialen Kontakten
und lästigen Verwandten...
 
Er hat Rente und Vermögen
Er hat Wohnung, Auto, Kleider, Cigarre, Hund, Möbel, Besteck und Geschirr
Er muss nichts mehr kaufen
Er braucht keine Kreditverträge
 
Er hat keine Verpflichtungen
Er muss nicht arbeiten
Er braucht keine Gewinnoptimierung....
 
Da er nur mit  Hilfe eines von ihm verübten grösseren Verbrechens in
den Genuss eines Schweizer Gefängnisses kommt, muss er natürlich
ein grösseres Verbrechen planen und ausführen...
und sich dabei erwischen lassen...
 
ist das nicht unheimlich ?
 
Das alles macht -glaube ich- jeden alten Mann ....zum unheimlichen Greisen !
 
 
***
 
c/G.E.
 
 
 
 

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