Wolfgang Scholmanns

Herbstspaziergang

Nach langem Sommer hat nun der Herbst, mit seinen oft stürmischen und regnerischen Stunden, Einzug gehalten.  Mit Kälte kommt er in diesem Jahr nicht, eher lind sind die Tage und lassen, auch ohne dicke Jacke, noch lange Spaziergänge zu. Die einst in der warmen Sommersonne leuchtenden, grünen Blätterdächer beginnen sich langsam zu verfärben und auch die noch vor ein paar Wochen goldgelb glänzenden Kornfelder liegen nach der Ernte ausgelaugt im milden Wind. Nur ein paar Stoppeln ragen noch aus der, vom Regen der letzten Nacht, aufgeweichten Erde. Der Wald duftet nach Pilzen, Laub und moderndem Holz. Nur manchmal noch mischt sich in die Mischung dieser Düfte das Lied eines Singvogels. Es wird finster. Windstöße und  rasch herbeieilende Wolken kündigen baldige Regengüssen an. Das Gewitter zögert noch, doch in der Ferne vernehme ich schon leises Donnergrollen. Nach einigen Minuten jedoch hat es mich erreicht. Unter laut rauschendem Regen jagen Blitze herab und lassen gespenstische Figuren wachsen. Ich fühle wie der Regen durch meine Kleidung dringt und schlage die Richtung ein, die zu einer nahegelegenen Holzhütte führt. Als ich die Hütte nach ca. einer halben Stunde  erreiche, lässt der Regen nach und durch einige Lücken in den Wolkenfeldern ist das Blau des Himmelszeltes zu erkennen. Völlig durchnässt ist meine Kleidung und ich mache mir in dem alten Kanonenofen erst einmal ein gutes Feuer. Das in der Hütte aufgestapelte, pulvertrockene Buchenholz knistert schon bald und erfüllt die Luft mit wohliger Wärme. Ich lege mich auf die alte, breite Holzbank und spüre ganz deutlich, wie freudige Munterkeit und zufriedene Lebenslust mein Herz erfüllen. Ob nun die milden Strahlen der Frühlingssonne die Wälder und Wiesen mit ihren Frühjahrsboten schmücken, die helläugigen Sommerblumen die Wiesenränder zieren, der Herbst uns seine duftenden Früchte und wilden Sturmlieder schenkt oder wenn der Winter seine Eisblumen an die Fensterscheiben malt und der Schnee manch bizarre Gestalt in die Wälder und Wiesen stellt, wünsche ich, dass mir dieser unschuldige Liebreiz und Duft, den uns die Jahreszeiten schenken, nie verloren gehen wird und bin voller Bewunderung, Verehrung und Dankbarkeit, für die Geschenke der Natur und dafür, dass ich sie erleben darf.

 

 

 

Copyright by Wolfgang Scholmanns  

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Wolfgang Scholmanns).
Der Beitrag wurde von Wolfgang Scholmanns auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.10.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Buch von Wolfgang Scholmanns:

cover

Gedankenreisen (Anthologie) von Wolfgang Scholmanns



von Mona Seifert, Markus P. Baumeler und 16 weiteren Autorinnen und Autoren,

Worte rund um das Leben und die Liebe mit wunderschönen handgezeichneten Skizzen zu Texten, Gedichten und Gedanken. Werke von 18 Autoren und Künstlern des Forums Gedankenreisen (http://31693.rapidforum.com) in einer zauberhaften Anthologie.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (0)


Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Impressionen" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Wolfgang Scholmanns

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Am Fluss der Wiederkehr von Wolfgang Scholmanns (Spirituelles)
Abend an der Lagune von Adalbert Nagele (Impressionen)
Manitoba - Erster Teil Winnipeg von Karl-Heinz Fricke (Autobiografisches)