Saskia Gölz

Herbstnacht

Stille beherrscht den Raum. Nur das leise Atmen meiner schlafenden Schwester ist zu hören. Ich schleiche mich zur Tür und öffne sie fast geräuschlos.
Gestern hat mich jemand gefragt, ob wir uns treffen wollen. Ich habe natürlich gleich mit Freuden eingewilligt und genau deshalb bin ich jetzt unterwegs.
Ich verlasse das Haus und stehe nun in einer Allee. Die Blätter rascheln und der Wind erzählt in seiner eigenen Sprache seine ganz persönliche Geschichte. Für einen Augenblick genieße ich die Ruhe, den Frieden, und versuche zu verstehen, was die Nacht mir erzählen möchte, bevor ich weitergehe.
Die reine Nachtluft macht mich nervös und mein schlechtes Gewissen gegenüber meinen Eltern macht sich wiedereinmal in mir breit. Meine Gedanken drehen sich nur noch darum, ob meine Eltern wohl die Polizei rufen würden, um das Verschwinden ihrer Tochter zu melden, oder ob sie es überhaupt mitbekommen werden. Dennoch drehe ich nicht um, um meinen Eltern die Sorgen, die entstehen werden, zu ersparen.
Ich laufe inzwischen die Hauptstraße entlang und nähere mich dem großen Glasgebäude, an dem ich mich mit dem Typen aus meiner Schule verabredet habe. Ich gehe am Gebäude entlang zum Bahnhofskiosk, wo der große, schwarzhaarige Typ aus der Zehnten steht. Er lächelt mich an und ich lächle zurück, als ich mein Ziel erreiche. Er sagt zu mir, dass er sich freue mich zu sehen.
Mein Herz schlägt schneller und ich weiß nicht, was ich antworten soll. Schon am Vortag habe ich alleine von seinem Anblick weiche Knie bekommen und mein Herz hat gerast wie verrückt. Von da an habe ich gewusst, dass es Liebe ist.
Wir machen einen Spaziergang im Stadtpark. Wir setzen uns, als wir eine Bank entdecken. Neben der Bank steht eine alte Linde, deren buntes Blätterdach langsam auf uns herabschwebt. Noch nie habe ich mich so frei und sorglos in der Nähe eines anderen gefühlt. Ich sehe ihm in die Augen, wie ich es noch nie bei jemand anderes getan habe und er sieht zurück. Wir verstehen uns scheinbar ohne Worte.
Nach einer Weile machen wir uns auf den Rückweg zum Bahnhof. Mein Herz bleibt fast stehen, als er meine Hand nimmt und wir nebeneinander hergehen. So schweigen wir uns weiter an. Ich bin glücklicher als je zuvor und kann mir gar nicht vorstellen, wie ich es ohne dieses Gefühl jemals aushalten konnte. Es kommt mir so vor, als fühle ich mich freier, beschwingter und fröhlicher als jeder andere Mensch auf der Welt.
Nach ein paar Minuten sind wir wieder am Bahnhof und mein Gefühl veschwindet langsam. Es ist Wochenende und es dauert bis Montag, bis wir uns wiedersehen. Als ich mich verabschieden möchte sieht er mich traurig mit leicht gekipptem Kopf an, so als würde er mich nur sehr ungerne gehen lassen würde. Wenn er wüsste, wie sehr ich in diesem Augenblick mit mir zu kämpfen habe.
Um meine Tränen zu verbergen drehe ich mich um und möchte wegrennen, doch er hält mich am Arm fest, dreht mich um und küsst mich. Es war nur ein kurzer Kuss, aber es war, als löse er eine Art Feuerwerk in meinem Bauch aus. Ein bisher unbekanntes Glücksgefühl überkommt mich. Als ich zu ihm hochschaue, sehe ich ihn lächeln. Ich möchte dieses Gefühl in Erinnerung behalten und versuche ihn von meiner Seite aus zu küssen, doch da klingelt sein Handy. Er schaut ein wenig verzweifelt, dreht sich dann aber doch um, um an sein Handy zu gehen.
Ich wache auf. Das Klingeln des Handys symbolisiert meinen Wecker. In diesem Augenblick merke ich traurig, dass alles nur ein Traum war.

Also, nur mal nebenbei, diese Geschichte ist meine erste gewesen und ich hoffe, dass sie auch ein wenig kommentiert wird. Die Geschichte entstand als ich an einem Wettbewerb teilnahm.
Saskia Gölz, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.10.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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