Dieter Kamensek

Elric

Wir hatten geheiratet, waren nun offiziell ein Paar. Voller Glück und Liebe, voller Zuwendung und Freude. Trunken  von der Schönheit der Zweisamkeit, der gemeinsamen Liebe traten wir die geplante Hochzeitsreise an.
 
Ich, Elric, der glückliche und stolze Ehemann, dachte noch, ganz geheim - nur für mich- an die vergangenen Tage, an das erlebte Glück, den Stress, die Unterhaltungen und auch die Befürchtungen. Es gab Momente und Ereignisse, die mir neu und fremd waren, mich erstaunten und mir selbst eine neue, mir bis zu diesen Zeitpunkt selbst unbekannte Seite zeigten, wie zum Beispiel der Treueschwur in der Kirche, bei dem ich -zuvor beim Standesamt noch cool und lässig- etwas unbeschreiblich Schönes und Ewiges fühlte, das mich zum Weinen zwang! Solche Art der Tränen, so voller Zufriedenheit, Harmonie und Glück, waren mir unbekannt!
Ich sah zu meiner schönen, begehrenswerten und liebenswerten  Frau, war bei ihrem Anblick voll süßer Liebe und unbändiger Leidenschaft. Vom Reiseführer auf sah sie in meine Augen, lächelte ihr unnachahmliches Lächeln und las schließlich weiter! Wir fuhren zum Flugplatz, um die Hochzeitsreise antreten zu können, welche uns Gelegenheit geben sollte, uns als Mann und als Frau - abseits des Alltags und der vertrauten Umgebung - neu vertraut zu machen.
Es lief alles wie nach einem - kitschigen -  Drehbuch, denn der Tag war warm, voll Sonne und Freude, der Parkplatz wirkte reserviert und das Einchecken verlief ruhig, ohne lange Wartezeit, freundlich und nett. Wir begaben uns zur Bar, genehmigten uns einen Drink und freuten uns auf die Reise und auf unsere Zweisamkeit. Wir redeten über unsere Zukunft, über das Haus das wir bauen wollten, über unsere zukünftigen Kinder, unseren Beruf, unserer Liebe. Was wir noch wann und wie tun wollten, was wir uns wünschten, als wir noch Kinder waren und wovon wir träumten. Wir erzählten uns viele Dinge, manchmal laut, manchmal leise, manchmal unter Lachen und manchmal ernst. Doch - so seltsam es klingen mag - seit unserer Hochzeit, seit dem Pakt, den wir unter Zeugen schlossen, war alles noch viel schöner und erfüllender, viel harmonischer als jemals zuvor.
Wir überhörten fast den Aufruf des Boardings, denn unsere Hände hielten einander und unsere Augen waren in die Augen des Anderen versunken. Wie Kinder liefen wir an Bord des Flugzeuges, setzten uns und schmunzelnden und lachten weil wir glücklich waren!
Wir starteten, hoben ab und flogen, aßen an Bord, tranken, redeten, hielten uns bei den Händen und waren einfach nur glücklich, dem Anderen so nahe zu sein!
Wir tranken gerade Kaffee, als die Maschine in eine Schlechtwetterzone geriet! Zuerst waren es nur kleinere Turbulenzen, dann größere und schließlich flogen die Becher mit und ohne Inhalt in der Kabine umher, Gepäcksstücke rollten und kugelten am Boden und in der Luft den Gang entlang.
Die Leute fingen an hysterisch zu werden, es gab sogar mehrere Leute die ohnmächtig wurden, aber meine Frau und ich blickten uns in die Augen. Es war egal was passierte und passieren würde, denn wir waren zusammen!
Wir schlossen unsere Augen und umarmten uns! Wir drückten uns und spürten so einander!
 
Ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen war, auch nicht was weiter passiert war, das Flugzeug schien aus der Schlechtwetterfront herausgekommen zu sein. Alles war ruhig, die meisten Leute schliefen.
Wir landeten. Erleichtert klatschten wir in die Hände. Ein Bus stand bereit und holte uns ab, es ging zum Hotel, das an einem fantastischen Strand lag. Wir erlebten die schönsten Tage unseres Lebens. Sonne, Wärme, ein Meer so klar und rein, wie man es sich nur vorstellen kann, Essen das nicht nur satt macht, sondern Gaumen und Augen gleichsam erfreute, Nächte voller Liebe und Zärtlichkeit machten diese Zeit unvergesslich! Die Zeit verging viel zu schnell, doch der Heimflug war schön und entspannend, genau das Gegenteil vom Hinflug!
Zu Hause angekommen erwartete uns die Arbeit und der Alltag. Freunde und Familie, Bekannte und Kollegen - alles wie immer. Unser Glück verging nicht, uns kam jeder Tag schöner und  besser wie der vorangegangene vor. Sicherlich, es gab es auch Rückschläge und Streit, es gab auch Misserfolge und Ärger, doch jedes Mal kamen wir zu den Schluss, dass diese Ereignisse uns weiterhalfen, unseren Charakter stärkten und wir uns noch näher waren als jemals zuvor!
Neun Monate nach unseren Flitterwochen wurde unser gemeinsames Kind, Alice, geboren. Entstanden in Liebe und Zärtlichkeit, voller Freude und Glück. Das Kind war nicht nur ein Zeichen der Liebe, es war unsere reine Liebe. Die Tage, so schien es, vergingen immer schneller. Alice wuchs heran, sie war genauso wie wir es uns immer vorstellten. Die Kindergartenzeit kam und ging. Meine Frau war halbtags beschäftigt und hatte daher viel Zeit für unsere Tochter aber auch für mich! Ich wechselte meine Arbeitstelle. Die Kollegen waren zum Teil großartig, die Arbeit interessant. Obgleich ich zwar weniger verdiente, hatte auch ich nun mehr Zeit für meine Familie. Die Kindergartenzeit meines Töchterchens verging, die Schule begann. Schon bevor Alice anfing, in den Kindergarten zu gehen, fuhren wir zusammen auf Urlaube, besuchten Ausstellungen und Museen, wir unternahmen Ausflüge und Wanderungen. Doch je mehr Zeit verging, umso schlechter fühlte ich mich. Ich konsultierte einen Arzt, gefunden wurde jedoch nichts! Ein seltsames Gefühl stellte sich ein. Bedrohend, aber eigentlich unerklärlich. Meiner Familie ging es gut, wir besaßen einiges, alles entwickelte sich so, wie wir es uns immer vorgestellt hatten, und doch-..
 
Ich öffnete zeitgleich mit meiner Frau die Augen, wir sahen uns tief und innig an, Tränen liefen aus unseren Augen und wir hörten das Geschrei der Leute, das Brechen des Rumpfes und der Tragflächen und wir nahmen wortlos Abschied voneinander. Wir haben uns gefunden, wir haben die Liebe und Geborgenheit erlebt!
 Es ist nicht wichtig ob es ein Leben nach dem Tode gibt, ob die Seele unsterblich ist und was nach dem körperlichen Tod kommt. Das Glück und die Liebe in diesen Moment zählt! Nun wussten wir, dass wir in Gedanken unser Leben gelebt hatten. Das Flugzeug stürzt ab und niemand wird überleben! Wir drückten uns.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.11.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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