Frank Rogge

Die erste Liebe

Es war die Zeit Anfang der 80er Jahre gewesen. Ich wurde gerade 17 Jahre alt und besuchte die 9. Klasse der Hauptschule.  In meiner Freizeit ging ich gern Rollschuh laufen. Dabei begann auch alles.
In der Rollerdisco sah ich sie zum ersten Mal. Sie hatte schulterlanges, dunkelblondes leicht gewelltes Haar und drehte dort ihre Bahnen. Ich war vom ersten Augenblick von ihr begeistert und konnte nicht aufhören sie anzusehen. Die Musik Spielte den typischen 80er-Jahre Sound und dann folgte was folgen musste. In der Kurve rammte ich sie und es warf uns beide hin. Na großartig dachte ich, das fängt ja schon gut an. „Tut mir leid. Hast du dir was getan?“ fragte ich sie beschwichtigend. Zwei leuchtend blaue Augen sahen mich verdutzt an. „Nein ich glaube nicht“.  Der Sound von Real Life schallte über den Äther und die Rollschuhjunkies drehten dabei lässig ihre Runden an uns vorbei. Einige fuhren rückwärts, während manch andere es erst mal vorsichtig angingen. Ich half ihr vorsichtig auf und sagte “Kann ich mich irgendwie revanchieren, vielleicht mit 1 Glas Cola oder so?“ „Warum eigentlich nicht?“ entgegnete sie darauf. Wir setzten uns an einen der Tische und ich holte 2 Colas an der Theke. Dann stellte ich die Gläser hin, setzte mich zu ihr und meinte entschuldigend zu ihr „Tschuldige noch mal, war keine Absicht gewesen. Ich heiße übrigens Mike“. Unsere Blicke trafen sich für eine kleine Ewigkeit und sie meinte „Ja schon gut ist ja nichts passiert. Ich heiße übrigens Kerstin. Bist du öfters hier“. Fragte sie interessiert nach. „Ja jeden Samstag ab drei Uhr. Ist doch klasse hier. Die Musik und dazu dann skaten“.  Es lag eine Spannung zwischen uns in der Luft und ich fühlte irgendwie dass ich ihr auch nicht unsympathisch war. So wie vor einen Gewitter an einen heißen Sommertag. „Ich bin zum ersten Mal hier. Hab vorher in Berlin gelebt. Da gibt es auch viele coole Läden. Doch meine Mutter hat jetzt hier im Ruhrgebiet Arbeit gefunden“. Erklärte sie. Das Gespräch wurde langsam lockerer und meine Augen fixierten ihr hübsches makelloses Gesicht. Ich merkte immer deutlicher das sich zwischen uns was entwickeln könnte. Die Lautsprecher spielten eine ruhige Ballade und sie sagte enthusiastisch „Komm lass uns auf die ! Tanzfläc he gehen“.  Dann nahm sie meine Hand und wir rollten gemächlich im Takt der Musik. Sie warf mir einen leidenschaftlichen Blick zu, der mir zeigte dass sie genauso empfand wie ich. Wir schwebten über die Bahn wie in einen wunderschönen Traum. Kerstin war meine erste Liebe und die Musik führte uns an einen Ort jenseits der grauen Realität. Die Wirklichkeit holte uns wieder ein, als sich die Musik dem Ende neigte. „Und was machen wir jetzt?“ fragte sie unruhig. „Lass uns erst mal zu mir fahren. Meine Eltern sind nicht da und wir können noch ein paar Platten hören“. „Einverstanden fahren wir also zu dir“. An diesen Nachmittag hatte einfach alles gestimmt. Das schöne Sommerwetter wetteiferte mit dem Glücksgefühl in meinen Herzen und ich musste Kerstin nur ansehen, um zu merken dass sie genauso empfand. Wir glitten mit unseren Rollerskates die Strasse entlang  und  ließen uns treiben von unseren jugendlichen Emotionen. Zu Hause angekommen ruhten wir uns etwas aus von der Hitze des Sommers und ich brachte ihr was zu trinken „Schönes Zimmer hast du. Sind das alles deine Platten?“ „Ja klar ich liebe Musik“. Antwortete ich ihr. „Ich auch. Hab bloß nicht soviel Geld. Seit mein Vater tot ist hat sich alles verändert“.  „Tut mir leid. Ist sicher schwer für euch“. Sagte ich betroffen. „Ja klar. Er ist bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Auf dem Weg zur Arbeit“. Ihr fröhliches Gesicht nahm plötzlich traurige Züge an und ich merkte, dass es ihr schwer fiel darüber zu reden. Wir sahen uns dann sehnsüchtig in die Augen und man konnte die Magie dieses Moments förmlich spüren. Dann berührten sich unsere Lippen und wir waren den Himmel nah.
Kerstin und ich sahen uns dann jeden Tag und unsere Liebe wurde immer stärker. Wir gingen schwimmen, ins Kino und abends tanzten wir in der Disco. Manchmal saßen wir verliebt am See, beobachteten den Sonnenuntergang und schworen uns ewige Liebe. Doch Dinge die man sich mit 17 verspricht halten meist kein Leben lang. Sie bekam später eine Arbeit in Paris in der Gastronomie. Wir wollten uns immer schreiben, doch es entwickelte sich alles anders. Sie lernte Pierre kennen, einen Künstler der dort wohnte. Nun irgendwann haben wir uns auf unseren Weg verloren. Doch die Erinnerung an unsere erste Liebe bleibt für immer in meinen Gedächtnis haften.

 

 
ENDE        

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.11.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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