Wolfgang Scholmanns

Leuchtendes Herz

Ein früher Herbstmorgen hatte mir den Duft des nahen Waldes gebracht, und ein wunderbares Glücksgefühl erfüllte meinen Geist. Ich stand auf, stellte mich ans Fenster und atmete den friedlichen, stillen Duft des Herbstes. Durch dünne Schleierwolken blinzelte ab und an die aufgehende Sonne und warf ein zartrotes Seidentuch auf die noch schlafenden Felder. Oben, auf  dem sich lichtenden Dach des alten, knorrigen Walnussbaumes, suchten die Krähen vergeblich nach den köstlichen Nüssen, von denen es in diesem Jahr reichlich zu ernten gab. Vor zwei Wochen hatten heftige Nachtstürme die letzten hinuntergeweht und in den frühen Morgenstunden hatte meine Nachbarin, eine alte Bauersfrau, sie schon aufgesammelt.

 

Dieser Morgen lud zu einem Ausflug an den großen Fluss ein und ich machte mich schon bald auf den Weg dorthin. Bizarre Gebilde, die Spinnen in Gräser, Bäume und Sträucher gewebt hatten, waren mit kleinen Perlchen geschmückt, die, wenn sie einen Sonnenstrahl einfingen, ein farbenfrohes Lachen in die Welt schickten. Der feine Atem des Flusses war an diesem Morgen nur ein zarter Nebelhauch, der das leise Plätschern seiner Wellen begleitete.

 

Ich setzte mich auf die rote Holzbank, die mich schon ganz oft zu einer Rast eingeladen hatte und spürte ganz deutlich, wie mein Blick, magisch von der anderen Seite des Flusses, angezogen wurde.  Mir war, als beginne die Luft um mich zu kreisen, und vor meinen Augen glühte ein flammendes Rot. Der Fluss erzitterte leise, und auftauchende, zarte, liebliche Klänge spielten zu einem freudigen Wellentanz auf. Immer kräftiger zeichnete das Rot die Konturen eines Gebildes, das sich mir plötzlich als ein, mit Liebe gefülltes, heftig klopfendes Herz zu erkennen gab und ich wusste, dass wir uns nie so weit von einander entfernen, dass wir nicht beisammen wären.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.11.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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