Frank Rogge

Ferien am Fluss (Teil 1)

Die Äste bogen sich leicht im Wind und die Sonne strahlte von einem azurblauen Himmel, während das Grün der Bäume hell erstrahlte. Auf dem Wasser tänzelte ein kleines Blatt  und trieb mit der Strömung den Fluss entlang. Laura saß auf einen altersschwachen Baumstamm und träumte vor sich hin.

Sie hatte sich gerade von ihren Freund getrennt und versuchte hier in der Natur wieder zu sich selbst zu finden.

Wie leid war sie diese rasenden Eifersuchtsanfälle, das Misstrauen, was ihr die Luft zum Atmen nahm. Dabei begann alles so wunderbar, als sie sich damals auf der Arbeit kennen lernten und ineinander verliebten.

Sven war damals ihr Arbeitskollege in der Finanzbuchhaltung eines großen Unternehmens und sie redeten und lachten viel zusammen.

Mit der Zeit erwuchs aus ihrer Freundschaft eine echte Liebe und sie verbrachten jede freie Minute miteinander. Sven spielte Saxophon in einer Band  und er nahm sie abends oft mit zu seinen Auftritten.

Danach spazierten sie durch die nächtlichen Lichter der Großstadt und küssten sich im Antlitz des funkelnden Sternenhimmels. Sehnsuchtsvoll nahm er  sie in den Arm und streichelte zärtlich durch ihr weiches Haar.

Sie waren so unendlich glücklich und sogen das Gefühl der Romantik in sich auf. Die Jahre mit Sven bedeuteten soviel Liebe und Wärme für Laura. Diese Geborgenheit und Zärtlichkeit, die sie noch für keinen anderen Mann empfand.

Wo hatten sie das alles bloß verloren?  Wie konnte dieses Gefühl denn bloß auf einmal verschwinden?

Laura blickte gedankenverloren auf das leise Plätschern des Flusses und ließ die Zeit noch einmal vor ihrem geistigen Auge ablaufen.

Da passierte plötzlich dieser tragische Unfall und nichts sollte mehr so wie früher sein. Eines Morgens im Winter, die Luft war flirrend kalt und der Raureif bedeckte zärtlich das Gras, wie ein Hauch von Zuckerwatte. Sven wollte auf die andere Straßenseite gehen, dort wo sein Auto stand.

Doch dann verlor er den Halt unter den Füßen und das nächste woran er sich erinnerte waren die gleißenden Lichter eines Pkws, die ihn wie zwei Augen furcht einflößend anstarrten. Es wurde dunkel um ihn herum und er erwachte erst im Krankenhaus, als die Ärzte hektisch an seinem Bett standen.

Laura verbrachte danach jede freie Minute bei ihm und ihr war krank vor Sorge. „Was willst du denn von einem Mann der nicht mehr laufen kann?“ Sagte er mit Resignation in der Stimme. Laura wollte dies nicht gelten lassen und blickte ihn sehnsüchtig an. „Ich liebe dich und mein Gefühl zu dir, lässt uns jede Hürde überwinden. Verstehst du das das denn nicht?“

 

Sie war völlig verzweifelt und sie weinte hemmungslos und Tropfen von Tränen benetzten ihr Gesicht. Er trocknete sie ihr zärtlich. „Schon gut meine Kleine, es kommt alles wieder in Ordnung“. Er versuchte sich Zuversicht einzureden, doch tief in seinen Innern wusste er wie schwer es werden würde.

Die Diagnose traf beide wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Querschnittslähmung. Sie hatten beide gehofft, dass ihm dieses Schicksal erspart bliebe. Trotzdem dachte Laura, dass mit ihrer Liebe alles gut werden würde.

Sie fuhr ihn überall hin und richtete die Wohnung Rollstuhlgerecht ein. Da er seine Arbeit verlor, nahm sie noch eine Stelle als Kellnerin an, nur um über die Runden zu kommen.

Laura hätte alles für ihn getan.

Als sie dann abends erschöpft nach Hause kam sagte er beschuldigend. „Wo warst du denn so lange? Schau mal auf die Uhr. Hast du etwa einen Liebhaber?“ Laura schaute ihn völlig fassungslos und gekränkt an. „Sven, wie kannst du nur so was von mir denken? Die Kneipe war voll und ich konnte nicht eher gehen.“ Er schaute sie mit einem Blick an, den sie noch nie an ihm gesehen hatte. „Komm, gib es doch zu. Da ist ein anderer Mann.“

Laura brach in Tränen aus. „Du gemeiner Kerl. Ich mache doch alles für dich, warum misstraust du mir denn so?“

Die Krankheit hatte Sven sehr verändert. Aus den einst so liebevollen und warmherzigen Menschen wurde ein gefühlskalter Egoist. Laura wollte um ihre Liebe kämpfen, bis nichts mehr davon übrig blieb.

Nun sitzt sie hier einsam am Fluss und erinnert sich wehmütig an vergangene Zeiten. Traurig blickte sie in das Spiegelbild, des Flusses dessen Wasser dahin floss, wie die schönen Jahre mit Sven.

Dann stieg sie wieder in ihr Auto und folgte weiter den Lauf des Flusses. Als sie von Sven gegangen war, packte sie einfach ihre Sachen und fuhr ziellos durch die Gegend. Sie hatte kein Auge für die Naturschönheiten dieses Sommers sondern wollte einfach nur weg.

Sie kam dann ihn ein malerisches, kleines Dorf  mit Fachwerkhäusern.

„Hier werde ich mal Halt machen.“ Dachte sie leise vor sich hin. Sie ging ihn die Dorfgaststätte und bestellte eine Cola und was zu Essen. Laura nahm sich dort dann auch ein Zimmer für eine Nacht.

Die Sonne strahlte noch immer hell vom Himmel aber das alles half ihr nicht die Trauer aus ihren Herzen zu nehmen. Zu tief saß der Schmerz, der ihre Lebensfreude raubte.

Auf der Wiese im Dorf war ein Fest mit allerlei Buden und Bänken zum sitzen. Eine Band spielte verschiedene Hits von gestern und Heute.

Laura wollte sich ablenken und setzte sich auf einen freien Platz. Sie trank ein großes Glas Bier und versuchte etwas zu relaxen.

Ein etwa 25jähriger Mann setzte sich zu ihr. „Ich darf doch? Sie sitzen hier so alleine.“ Fragte er höflich und mit einen Lächeln in seinen Augen.

„Ja, sicher.“ Sagte Laura etwas gelangweilt.

„Warum denn so traurig?“ Fragte er etwas indiskret. Laura war schon klar, dass er sie anmachen wollte. Sie wusste bloß nicht, ob ihr der Sinn nach einen flüchtigen Abenteuer stand.

„Also, wenn sie es genau wissen wollen, ich habe meinen Freund verlassen und bin deprimiert. Zufrieden?“ Sagte sie trotzig, weil sie endlich ihre Ruhe haben wollte.

 

 

 

 

 

Fortsetzung folgt

 

 

 

 

 

   

  

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.11.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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