Dieter Kamensek

Freitag

Sie waren schon lange zusammen; als Liebespaar, danach als Paar, dann als Ehepaar.

Die Jahreszeiten wechselten im steten Verlauf, die Arbeit war gut und alles eigentlich bestens. Sie lebten miteinander, teilten ihre Zeit und ihren Raum. Sie teilten das Essen und sie teilten das Leben. Sie vereisten, sie gingen aus, lachten und weinten, sie teilten die Freude und das Leid. Jeden Tag.

Sie sieht in die Augen ihres Partners,  sie sieht in seine blauen Augen die sie so mochte, denn manchmal kam es ihr vor als seien diese Augen der unergründliche Ozean, mit seinen unendlich scheinenden Tiefen, mit all der berauschenden Leidenschaft. Doch  schon lange konnte sie diesen Ozean nicht mehr sehen.

Sie spürt seine Umarmung, die Umarmung die sie immer so genoss, wenn er mit seinen starken Armen sie festhielt, mit Kraft, aber ohne das es ihr wehtat. Sie spürte dabei seine Energie der Liebe, seiner stürmischen Zärtlichkeit. Doch schon lange spürte sie diese Energie nicht mehr.

Sie hört seine Stimme. Sie erinnerte sie immer an ihre Jugendhaften Vorstellungen der Abenteurer. Männlich, geheimnisvoll, mitreißend und doch voller Sanftheit und Geborgenheit! Schon lange hörte sie nur mehr Worte, einfach und banal.

Sie sieht in sein Gesicht. Sie fand ihn immer hübsch, schön und interessant. Seine dunklen Haare, sein Oberlippenbart. Irgendwie kam er ihr immer so vor wie ein waghalsiger Pirat. Schön und stolz! Sie spürte sonst immer soviel Zärtlichkeit und Verlangen bei dem Blick in sein Gesicht. Nun aber spürte sie schon lange kein wirkliches Verlangen mehr nach ihm, nach seiner Zärtlichkeit!

Sie nimmt seinen Geruch in sich auf. Der Geruch war es auch, der in ihr schon beim ersten Kuss das Gefühl der Vertrautheit und der Erotik entfachte. Nicht das Rasierwasser, der Duft darunter. Heute lässt sie der Geruch kalt.

Sie liest sehr viele Zeitschriften und Romane, versenkt ihre Gedanken in den Träumereien, in ihren Träumereien. Sie trifft sich immer öfters mit Freundinnen und Kolleginnen, geht aus. Sie fühlt eine Unrast, ein Verlangen, sie fühlt eine Glut in ihr die sie nochmals zu einem Wildflammendes Feuer entfachen will.

Er nimmt sie in den Arm und drückt sie an sich. Wie er diese Frau liebt. Er liebt sie mehr als sein Leben, mehr als alles andere auf dieser Welt. Er spürt sie gerne, ihren Körper, ihre Bewegungen. Doch schon lange getraut er sie nicht mehr so zu drücken wie damals, als sie noch voller Albernheiten waren. Er nimmt Rücksicht.

Er sieht in ihre Augen. Diese Augen in denen er versinkt, wobei er Zeit und Raum vergisst. Ihre Augen, mit denen sie, so kommt ihm vor, tief in sein Innerstes blickt. Doch er getraut sich nicht mehr sooft direkt in diese liebevollen Augen zu sehen, denn einmal sagte sie, ganz beiläufig, das es manchmal ein wenig unangenehm sei so betrachtet zu werden. Sicher, damals war sie gereizt, doch er liebte sie, deshalb tat er was sie von ihm wollte.

Er spricht zu ihr, doch er passt auf das er nicht zu laut wird und das er nicht zu viele Worte macht. Er hörte einmal, ganz zufällig, wie sie mit ihrer Freundin am Telefon sprach und ihr gegenüber bemerkte das er immer so viele Worte machte und so laut ist, auch das ihr das einige Male unangenehm war.

Er wäscht sich auch mindestens zwei Mal am Tag. Denn sie sagte ihm schon öfters – und das besonders in letzter Zeit- wie wichtig ihr Hygiene sei.

Er schläft auch nicht mehr sooft mit ihr. Obwohl er sie doch immer sehr begehrte und begehrt. Sie ist die Frau seiner Träume, seiner Liebe. Doch anscheinend liest und schmökert sie lieber. Er liebt sie, deshalb bedrängt er sie nicht!

Ihr Körper ist für ihn vollkommen. Er ist nicht der Körper eines Mannequins, oder eines Models, doch für ihn ist dieser Körper, so sehr er sich auch verändert, der schönste Körper der Welt.

Er liebt ihre Stimme, er liebt ihre Art, er liebt ihre Ausstrahlung – er liebt alles an ihr, jeden Tag mehr.

Doch auch er geht immer öfters alleine aus! Er trifft sich öfters mit seinen besten Freund – ohne sie! Er klagt ihm seine Not; der Freund will ihn auf andere Gedanken bringen, sie gehen ins Kino, in den Billardclub, sie gehen einfach spazieren. Er rät ihm einfach einmal für zumindest eine Woche alleine irgendwo hin zu fahren, abzuschalten, einfach etwas Zeit vergehen zu lassen. Nach dieser Zeit werden sie sich sicher wieder  entdecken, sich einander wieder lieben.

 

 

Er nutzte einen Geschäftstermin im Ausland. Er fuhr weg, für mindestens eine Woche. Der Abschied war schön, der Glanz der Liebe erschien ansatzweise durch den Staub der Zeit. Die Kruste über der Schönheit der Gemeinsamkeit bröckelte wieder. Er liebte seine Frau. Die Küsse versprachen alles; Sie sah ihn so an als wie vor vielen Jahren. Liebevoll, voll Sehnsucht und Hoffnung!

Deshalb unternahm er auch alles, damit er früher fertig wurde. Seine Gedanken waren immer bei seiner Frau. Er reiste ab, er hatte alles so wunderbar hinbekommen das er schon am Freitag, fünf Tage früher als erwartet, daheim sein wird.

 

Er wollte sie überraschen, sie mit einem Kuss begrüßen, er konnte es kaum erwarten sie zu sehen, zu küssen, zu halten, zu liebkosen; Er fand sie, nackt in der gemeinsamen Wohnung, im gemeinsamen Bett,  in den Armen seines besten Freundes.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.11.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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