Andreas Wienpahl

20;10


Es war ein verregneter Novemberabend. Ich war in Panik und wollte so schnell wie möglich zu meiner Frau. Meine schnellen Schritte hallten durch die Straßen.
Heute wäre mein monatlicher Kegelabend, doch leider ist er ausgefallen und nach 2 Bier mit meinen Freunden beschloss ich mich auf den Heimweg zu machen. Wir machen immer am 3. Montag des Monats einen Kegelabend. Mir war übel und schlecht vom Rennen, doch ich rannte weiter. Bei dem Versuch meine Gedanken zu sortieren um herauszufinden, was mir solche Angst machte, scheiterte ich jedes Mal.
Wir waren nun mehr als 7 Jahre verheiratet und seit einiger Zeit war der Wurm drin. Im Bett lief es auch nicht mehr so richtig rund.

Es lag an mir, aber ich wollte auch bald zum Arzt gehen und uns verbindet doch mehr als nur Sex, oder? Wir lieben uns doch.
Im Grunde haben wir viel gemeinsam, nur in Sachen Glaube unterscheiden wir uns. Sie sieht das mit der Kirche und der Bibel ein wenig locker und ab und an macht sie sich auch darüber lustig. Ich dagegen bin ein sehr gläubiger Mensch. Wenn mir jemand sagt, ich lebe falsch, weil ich nach der Bibel lebe, frage ich mich, wonach soll ich dann leben?

Jeder sollte so leben, wie er glücklich ist, oder? Und ein Mensch, der den Glauben ernst nimmt, kann doch kein schlechter Mensch sein...im Gegenteil.
Ich lief schneller und verlor mich wieder in Gedanken. Sie geht sonntags mir zuliebe mit in die Kirche und sie hat sich schon daran gewöhnt, dass ich abends immer in der Bibel lese.
All diese Gedanken kamen über mich, ohne dass sie eine Antwort lieferten, warum ich solche Panik verspürte.
Ich atmete schwer und musste eine kleine Pause machen. Mit meinen Händen in den Hüften gestützt, fiel mir ein Mann auf, der mich zu beobachten schien. Er stand mir gegenüber und erschien viel größer als ich. Der Drang zur Flucht machte sich in mir breit und ich spührte auf eine gewisse Weise Angst vor ihm , aber ich konnte einfach nicht mehr. Ich fühlte mich hilflos, aber versuchte mir nichts anmerken zu lassen und überlegte mir einen Umweg, um nicht an ihm vorbeigehen zu müssen. Während ich noch darüber nachdachte, schaute er mich an und rief:
„ Es ist genau 20:10 Uhr und genau jetzt stirbt sie gerade. Ihr Untergang ist festgeschrieben!"
Meine Beine waren plötzlich wie gelähmt und wollten nicht weiter gehen, so sehr ich mich auch anstrengte. Wie von höheren Mächten gesteuert drehte ich mich um und stand nun mit offenem Mund vor dieser merkwürdigen Person
"Ja, ich habe sie umgebracht! So sollte es sein", schrie er noch genau so laut
"Wer zum Teufel sind Sie und wen haben Sie umgebracht? Ich habe für solche Scherze keine Zeit" sagte ich ängstlich.
"Ich habe deine Frau umgebracht, hörst du? Du hast alle Zeit der Welt!" Ich schaute ihn an und erkannte mich selber in seinen Augen.
Wütend stürmte ich auf ihn zu und schlug so fest ich konnte zu. Schmerz machte sich in meiner Hand breit und ich schaute auf sie herab.
Glassplitter steckten tief im Fleisch und ich bemerkte, dass ich in ein Fenster geschlagen hatte.
Verwirrt zog ich die Spliter heraus.
Was hatte das alles zu bedeuten? Ich liebte meine Frau und fühlte mich in meiner anfangs unbegründeten Panik nun bestätigt und rannte nach Haus. Meine Hand blutete, doch das war mir jetzt egal.
Schnell stieg ich die Treppenstufen zur Tür hinauf. Mein Herz pochte und ich hatte das Gefühl, als würde man es die ganze Straße hinauf hören können.
Ich schloss die Tür auf und ging hinein. Ein Stöhnen war zu hören und für mich brach eine Welt zusammen.
Ich ging in die Küche, holte ein Messer und nach einem kurzen Blick auf die Bibel, tat ich, was festgeschrieben war;
3 Mose 20;10 (Luther Bibel 1545)

10Wer die Ehe bricht mit jemandes Weibe, der soll des Todes sterben, beide, Ehebrecher und Ehebrecherin, darum dass er mit seines Nächsten Weibe die Ehe gebrochen hat.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.11.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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