Eveline Dächer

Weihnachten

                                        Weihnachten

 

Sie kamen sehr spät abends in Bethlehem an.

Der Ritt auf dem Esel war anstrengend, denn die junge Frau war schwanger.

Wo der Mann auch anklopfte, alles war besetzt, keine freie Kammer gab es mehr in den Herbergen.

Als der Mann vor lauter Angst um seine junge Frau sagte, dass sie schwanger sei und dass das Kind bald kommen würde, gab man ihnen einen Platz in einer Höhle, die als Stall für die Schafe diente .Dankbar nahm der Mann diese Unterkunft an.

Da er Zimmermann war und sehr praktisch dachte, nahm er eine kleine Futterkrippe und füllte sie weich mit Heu auf. So, das ist nun schon mal geschafft. Seine junge Frau Maria legte er auf einen Stoß weichen Heu, auf das er seinen Umhang (Poncho) ausgebreitet hatte.

Maria lächelte ihn dankbar an, sie war aber zu müde um noch etwas zu sagen, sie fiel erschöpft in einen tiefen Schlaf.

Er, der Zimmermann Joseph, setzte sich auf einen Holzklotz und wachte über ihren Schlaf.

Auch er war völlig erschöpft von dem langen Weg und nickte immer wieder mal ein. Doch jedes, noch so feines Geräusch, mag es auch von einem Mäuschen sein, ließ ihn  wieder hellwach sein. Er sah seine junge Frau auf dem Heu schlafen und hatte eine Wut auf den Kaiser.

Warum musste gerade jetzt eine Zählung stattfinden, wo Maria täglich das Kind bekommen konnte?

Zuhause in Nazareth hatten sie ein ordentliches Bett und hier nur einen Heuhaufen.. Er blickte

traurig auf den Boden, den seine Laterne schwach erleuchtete und sah nun, dass um das Lager von Maria Ameisen krabbelten, er schaute sie an, doch sie krabbelten nicht auf das Lager zu,  sondern zogen ihre Straße drum herum als wollten sie sagen: wir tun ihr nichts, hab keine Angst  Joseph.

Die Magd Monika hatte indessen Feuer geschürt und Wasser aufgesetzt. Sie brachte Joseph einen heißen Tee, der er stumm aber dankbar annahm. Das heiße Getränk tat gut, denn nun wurde die Nacht doch sehr kalt. Maria stöhnte im Schlaf. Da lief Monika in die dunkle Nacht hinaus, sie musste eine Hebamme finden. Die Straßen waren immer noch voller Menschen, die keine Unterkunft, keinen Schlafplatz für die Nacht  fanden.

Sie traf eine entfernte Verwandte, erzählte ihr von Maria. Diese  kam mit ihrer Sippe um zu helfen. Die Frauen gingen sofort in die schwach erleuchtete  Höhle. Die Männer schlugen  davor ihr Zelt auf. Die Hunde kamen in den Stall, schnüffelten und liefen wieder raus um vor der Höhle auf  Wache zu liegen .Nun wurde Maria durch das wilde Raus und Rein  wach, sie erschrak, als sie all die Frauen sah, doch Joseph beruhigte sie, Monika brachte ihr heißen Tee und sagte, dass die Verwandten ihr in der schweren Geburtsstunde helfen wollen. Beruhigt ließ sie sich wieder auf ihr Lager fallen. Sie versuchte ganz ruhig zu atmen.

Sie bekam starke Schmerzen, die Geburtswehen setzten ein. Alle Frauen halfen ihr das Kind auf die Welt zu bringen, es war nicht ganz einfach.

Die Hebamme wollte nicht glauben, was sie hier erlebte.

 Da wollte  eine junge Frau ein Kind zur Welt bringen und war doch Jungfrau, wie konnte das geschehen?

Sie war doch hier, dabei, so was gibt es doch nicht !

Und doch war es so, ein Kind  kam gerade zur Welt, ein Sohn wurde durch Maria geboren.

Ein kräftiger Sohn einer Jungfrau ? Hier war gerade ein Wunder geschehen, sie fiel auf die Knie, schlug die Hände vor ihr Gesicht, sie konnte es nicht fassen.

Sie erzählte es Monika, die gerade mit viel warmen  Wasser hantierte. Diese schüttelte den Kopf, wollte es mit eigenen Augen sehen. Monika streckte ihre Hand aus in den Schoß Mariens und schrie fürchterlich. Ihre Hand wurde schwarz verbrannt, obwohl kein Feuer hier war. Maria sagte , sie solle ihren neugeborenen Sohn berühren, streicheln, erst zögerte Monika, tat es dann doch, das Kind lächelte sie an und der Brand aus der Hand ließ nach,

 sie wurde wieder weiß. Vor lauter Schreck hätte Monika das Kind fast fallengelassen, sie hüllte es in ein Schultertuch und legte es wieder in die Krippe. Nun kniete auch sie nieder,

konnte das Wunder nicht fassen, zweifelte schon selbst an sich,  weinend beteten sie Mutter und Kind an.

Joseph kam von draußen ganz aufgeregt rein, da wäre gerade ein ganz heller Stern über der Höhle aufgegangen, er erhellte die ganze Gegend, wie das Licht des Tages.

Die Sippe und die Hirten, die da draußen waren, wurden ebenfalls  unruhig, solch heller Stern, heller als der Mondenschein selbst und ganz plötzlich ? Was war geschehen?

Monika kam aus der Höhle angelaufen und erzählte aufgeregt, was sie und die Hebamme gerade erlebt haben, Diese Geburt war nicht wie andere, dies könne nur ein Wunder sein.

Es kamen immer mehr Menschen, die von dem Licht angezogen wurden, vor die Höhle, aus der nun auch ein helles Licht strahlte. Jeder wollte dies Kind sehen .

Und jeder, der es sah, fiel auf die Knie und betete.

Nun kam ein Hirtenjunge gelaufen, völlig außer Atem, er erzählte:  Da draußen auf dem Felde, wo die anderen Hirten ihre Schafe hüten, erschien ein helles Licht am Himmel und Engel sangen: EHRE SEI GOTT  IN  DER HÖHE UND FRIEDEBN DEN MENSCHEN AUF ERDEN; DIE GUTEN WILLENS SIND, DENN EUCH IST EBEN DER HEILAND GEBOREN; DER MESSIAS; DER RETTER DER WELT, DIESER STERN ZEIGT EUCH DEN WEG.

Nach und nach trafen auch die anderen Hirten mit ihren Schafen ein, Sie erzählten alle durcheinander was sie sahen und erlebten, sie suchten das Kind.

Verwirrt betraten sie ihren alten Stall und sahen, dort in der Futterkrippe das neugeborene Kind, seine Mutter auf Heu gebettet und den Zimmermann daneben sitzen.

Aber das war doch nur ein einfaches Kind !

Wo war denn der Retter, der Messias, von dem die Engel sangen?

Ein einfaches Kind, kein König, kein Gott !

Aber da war das Licht, das von dem Kind aus strahlte, von der Krippe, es erhellte den ganzen Stall, sollte es doch, ein Königskind sein?  dies Kind?

Ungläubig fielen auch sie auf die Knie, einer nach dem anderen, warum eigentlich?

Sie wussten es nicht, etwas zwang sie dazu, aber was?

War es das Erlebte auf dem Feld ?

Oder war es doch das Kind? Oder das Licht?, der Stern?

Sie wussten es nicht, konnten es nicht sagen, doch es war so. Sie liefen aus dem Stall und erzählten allen Menschen in der Stadt, was sie erlebt hatten, was dort in der Höhle, in ihrem alten Schafsstall passiert war.

Welch ein Wunder ist hier heute Nacht geschehen,  dass sie, die alten Männer, einfach knien mussten und dies lichterfüllte Kind anbeteten. Und die Menschen, die den Nazarener Zimmermann kannten, kamen um zu staunen und zu beten.

 

An diese Geburt denken wir noch heute, nach über 2000 Jahren.

Und jedes Jahr freuen sich nicht nur die Kinder, diesen Geburtstag zu feiern.

Unser Weihnachten

Und es ist noch heute ein Wunder, denn jedes Jahr um diese Zeit werden die Menschen viel liebevoller, viel freundlicher, viel………………….

Wir bereiten uns schon 4 Wochen vorher, im Advent, auf dies große Geburtstagsfest vor.

Welche Heimlichkeit, welch innere Freude schon hat man schon bei der Vorbereitung?

Da wird gemalt, gebastelt, gesungen, musiziert, geprobt, Nüsse und Bratäpfel gegessen,

Plätzchen und Stollen gebacken.

Es ist eine heimelige Zeit.

Fast jeder Erwachsene denkt an seine eigene Kindheit zurück und wird auch etwas schwermütig, ja damals freute man sich über einen Apfel, eine Handvoll Nüsse, es gab nichts, da wurde improvisiert, Spielsachen verschwanden einfach , wurden heimlich repariert.

Ein Teddy oder eine Puppe hielten einfach das halbe Leben. Ein Pulli aufgeribbelt und neu gestrickt.

Man freute sich gemeinsam Geschichten  zu erzählen, zu singen , Gedichte aufzusagen, gemeinsam zu essen und zu trinken.

Und heute?

Vielen Menschen rollen die Tränen bei der Erinnerung, weil sie zu alt oder einfach unfähig sind, etwa selbst zu tun?  Einzuladen?  Wer kommt denn?

Singles fahren, um ja keine Erinnerung aufkommen zu lassen, in südliche Gefilde, auf die Kanaren. Sie flüchten vor sich selbst.

Wer singt heut noch selbst daheim? Man lässt singen, wenn überhaupt.

 Manche lassen schreien mit x Dezibell.  Die Mikros dröhnen bei diesen  tollen Parties.

Und danach?

Wie war dein Fest ?  Hattest du schöne Weihnachten?

Aber ja, wie jedes Weekend, tolle Party.

 Das Fest der Liebe nach einer Zeit der Besinnung ?

Besinnt man sich noch auf sich selbst?

Geht man mal in sich?

Hört man auf sein Herz?

Hört man seine Seele schreien?

Will man  überhaupt  darauf hören?

Man stellt das Radio laut, sehr laut.

Man will keine leisen Töne mehr hören.
- c -
Eveline Dächer

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.12.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Buch von Eveline Dächer:

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Die Herrlichkeit des Libanon wird dir geschenkt. Jesajas von Eveline Dächer



Psalmen sind eine Zusammenstellung von 150 Gebeten, Liedern und Gedichten. Auch heute noch, über dreitausend Jahre nach ihrer Entstehung, werden Psalmen verehrt und gebetet. Schriftstellern und Musikern war und ist der Psalter eine Quelle für Inspiration. – So kann man nachlesen – Auch mich haben sie inspiriert. Ich habe versucht, hier ein paar Psalmen in meine Sprache, in meine Worte zu kleiden, oder mich einfach an sie angelehnt. Sicher werden Andere eben auch andere Worte, andere Gedanken beim Lesen haben, hier sind es meine Gedanken, meine Worte, die ich empfand. Die mir aus dem Herzen sprachen.

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