Nadine Richters

Ein Wiedersehen in München (Teil 2)

Ein Wiedersehen in München (Teil 2)
 
Ich schaute wieder auf meine silbern funkelnde Uhr, sie zeigte halb sechs an. Dann blickte ich wieder in Marcs Augen und mir wurde klar. dass er nicht nur für eine Nacht gekommen war.
Ich steckte leise den Wohnungsschlüssel in die alte Eichenholztür am Eingang. Mit einem Klack öffnete sie und ich nahm Marc vorsichtig an die Hand und führte ihn langsam durch den dunklen Flur in Richtung meiner Haustür. Wieder spürte ich seine Lippen in meinem Nacken. Es war ein wundervolles Gefühl. So zart und doch so prickelnd.
Dann standen wir in meinem kleinen Flur ich Griff um die Ecke nach dem Lichtschalter, als Marc meine Hand ergriff und sie kräftig zusammen mit meinem Körper an die Wand presste.
Er öffnete meinen Mantel und ließ ihn langsam auf den Boden gleiten. Vorsichtig nahm er mich auf den Arm und trug mich durch die dunkle Wohnung in mein Schlafzimmer.
Ich liebkoste sein Ohr und auf dem Weg verlor ich meine Pumps, die mit einem lauten Knall auf den Steinfußboden landeten.
Marc legte mich vorsichtig auf´s Bett ab und zog sich seinen Anorak aus. Ich konnte seine leicht muskulösen Arme wieder sehen, als er sich langsam über mich kniete. Ich blickte erneut in sein Gesicht, in seine blauen Augen, die mich mit voller Erotik anstrahlten.
Ein wenig zögernd küsste Marc mein Dekoltee und öffnete die Knöpfe meiner Bluse. Mein schwarzer Spitzen BH blitzte hervor. Auch ich zog Marc langsam das Polo-Shirt aus und ich konnte seinen straffen Bauch sehen. Ganz achtsam knabberte Marc mich voller Leidenschaft an meinem ganzen Körper.
Ich hatte es nicht bereut ihn mit hochgenommen zu haben, dachte ich einen kurzen Augenblick bevor ich einschlief, denn es war der wundervollste Sex in meinem Leben.
Am nächsten Morgen war ich schon früh wach, Marc schlief noch neben mir ganz eingekuschelt und mit total zerzaustem Haar. Doch irgendwie sah er süß. Ich grinste ihn an und erstreckte mich fürchterlich als er sich leicht bewegte. Dann stand ich leise aus dem Bett auf; eine Diele aus meinem Holzfußboden knarrte als ich sie betrat. Doch Marc schlief, wie ein Engel weiter.
Im Badezimmer blickte ich in meinen kleinen, runden Spiegel. Meine blonden, schulterlangen Haare hatten sich irgendwie wild gelockt. Mein Gesicht sah müde aus doch irgendwie glücklich. Ich konnte es nicht lassen das Spiegelbild anzugrinsen und es lächelte glücklich zurück. Was hatte ich Glück gehabt Marc hier in München noch einmal zu sehen, ging mir durch den Kopf, als ich mein Nachthemd über den Kopf auszog. Ich ging unter die lauwarme Dusche und roch erneut Marcs Geruch in meinen Haaren.
Als ich fertig mit dem Duschen war band ich mir nur ein Handtuch um und kehrte zurück ins Schlafzimmer. Komischerweise lag Marc aber nicht mehr im Bett. Ich drehte mich verwirrt um und sah ihn dann erleichtert schon in der Küche sitzen. Nur in Boxershorts bekleidet saß er da und trank ein Glas Wasser. Ich ging zu ihm und wusste irgendwie nicht genau wie ich reagieren sollte. Ich schaute ihn an und konnte nur ein G-guten M-morgen hervorstottern. Doch dann fing er an mich anzulächeln und nahm mich an meinen Hüften und setzte mich auf seinen Schoß. „Das war aber ein mieses Guten Morgen“ antwortete er mir und küsste mich auf meine Wange.  Ich blickte ihn an und musste grinsen. „Ich zieh mich nur schnell an, dann mache ich Kaffee und Brötchen antwortete ich ihm.“ und ging mit schnellen Schritten zurück ins Schlafzimmer.
Mein Kleiderschrank war leer. Mist, dachte ich, hätte ich mal gestern schon gewaschen. Ich kramte aus der letzten Ecke noch einen billigen H&M Pullover und eine Levis Jeans hervor. Dann suchte ich die Bürste vom Schreibtisch, kämmte mir die Haare und schmiss sie zurück auf´s Bett währenddessen ich zurück in die Küche ging.
Marc telefonierte mit seinem Handy und als er mich reinkommen sah drückte er nur den Finger auf seinen Mund und sagte leise Pssst! Ich drehte mich um zur Kaffeemaschine und kochte zwei Tassen Kaffee. Dann wühlte ich in meinem Eisfach nach den Aufbackbrötchen und nahm wieder zwei heraus. Dann legte Marc den Hörer auf.
„Du Chantal, das ist jetzt echt blöd, aber dir Clique wartet auf mich und ich muss ganz dringend eben dahin.“ sagte er mir mit einem traurigen Blich und hängte nur noch ein „sei mir nicht böse, Kleines“ heran.
Mit einem frustrierten Blick schaute ich ihm nach, wie er ins Schlafzimmer ging und seine Sachen zusammensuchte.
War das nicht klar, kam mir in den Kopf, wer denkt auch schon immer gleich an die große Liebe. Es ist doch immer dasselbe mit den Männern.
Ach ich versuchte diese Gedanken aus meinen Kopf zu drängen und holte Marcs Mantel von der Gaderobe. Ich gab ihn den Mantel und er verabschiedete sich mit einem schnellen Kuss von mir.
War es wirklich das Richtige ging mir durch den Kopf, als es plötzlich an der Tür klingelte.
Marc stand immer noch davor und grinste mich wieder an. „Hey, meine Süße nicht traurig sein, ok? Was hältst du davon wenn wir uns heute Mittag irgendwo zum Essen treffen? Ich hol dich so gegen zwei Uhr hier wieder ab.“ sagte er mir und zwinkerte mir zu. Dann ging er hastig die Treppe runter und ich hörte die Eingangstür laut zuknallen.
Würde er wirklich wiederkommen?
Abwarten ging mir durch den Kopf und ich ging zurück in die Küche. Der Kaffee war durchgelaufen.
Erneut klingelte es an der Tür. Ich ging hin und Louisa stand vor meiner Haustür. „Hallo meine Maus, ich habe Brötchen mitgebracht dafür möchte ich jetzt aber genau wissen wie es war“ grinste sie mich an.
Ich grinste zurück und ließ sie in meine Wohnung rein. Wir brunchten schön und ich erzählte ihr wie wundervoll die Nacht mit Marc war und das wir uns heute sogar wieder sehen würden.
Na ja wenn er kommen wird, ging mir wieder durch den Kopf.
Ach warum war ich in allem so misstrauisch. Ich hatte mich doch schon längst Hals über Kopf in ihn verliebt, das musste ich mir selber eingestehen.
 
Nach drei Stunden Brunch verabschiedete sich Louisa wieder, was mir auch irgendwie ganz Recht war denn schließlich wollte Marc in einer halben Stunde wieder da sein und ich hatte immer noch den alten H&M Pullover an.
Ich verabschiedete mich von Louisa und musste ihr wie immer versprechen sobald es irgendetwas Neues gab, musste ich sie anrufen.
Ich blickte wieder in meinen Kleiderschrank, immer noch gähnende Leere, dachte ich.
 
Wenn ich jetzt wenigstens wüsste wo wir hingehen, dann könnte ich abschätzten was ich anziehen würde. Aber wie soll das bitte gehen wenn ich nicht mal weiß, ob wir in die Pommesbude um die Ecke gehen oder ins 4-Sterne edel Restaurant?
Über meinem Bett lag noch die Röhrenjeans von Donnerstagmittag, die ich dann mit einem schwarzen Strass Top und einer Jeansjacke kombinierte.
Ich ging ins Bad und schaute auf den kleinen Wecker, der laut vor sich hin tickte.
Mhh noch 10 Minuten wird er noch kommen?
Ich legte etwas Rouge, Wimperntusche und Lipgloss auf. Meine Haare waren auch schnell hochgesteckt und ich steckte mir noch dir Ohrringe rein, welche ich letztes Jahr von meiner Mutter zu Weihnachten bekommen hatte.
Ich wartete und wieder gingen mir die Gedanken durch den Kopf.
Dann klingelte mein Telefon. Würde es Marc sein der mir jetzt absagen würde?
Und tatsächlich mein Atem stockte als ich seine Stimme am anderen Ende der Leitung hörte.
Er könnte mich nicht abholen, aber ich sollte doch gleich ins Grand Restaurant in der Weidemacherstraße kommen. Er würde da dann auf mich warten.
Ein wenig enttäuscht ließ ich den Hörer fallen. Sollte ich hinfahren? Warum konnte er nicht kommen?
Doch was hatte ich zu verlieren, vielleicht war die Stadt ja einfach zu voll, er hatte kein Taxi rechtzeitig bekommen oder musste noch was mit der Clique klären.
Ich würde es nie rauskriegen wenn ich nicht hinfahren würde. Deswegen zog ich meinen Mantel über schaute in letztes Mal in den Spiegel im Flur und lief zur nächsten Busstation um die Ecke.
Der Bus war total überfüllt, und erst nach 6 Stationen kam ich an der Weidemacherstraße an. Ich stieg aus und schaute mich nach Marc um. Doch so viele Leute hetzten über die große Straße und die Bürgersteige waren voll von Menschen. Wie sollte ich hier Mark finden?
Ich blicke nach oben und sah das große Schild des Grands Restaurant.
Ich versuchte mich durch die Menge zu quetschen und kam dann am Eingang des Grand Restaurants an.
Ein freundlich wirkender Ober nahm mir meinen Mantel ab. Er fragte dann höflich ob ich einen Tisch reserviert hatte. Ich nickte und sagte ihm, dass meine Begleitung aber noch nicht hier sei. Dann ging ich durch zur Bar und bestellte mir ein Wasser. Ich drehte mich auf den gepolsterten Lederhocker um und blickte in das Restaurant. Viele kleine Tische standen dort und fast alle waren sie besetzt. Es sah gemütlich aus, in warmen Farben gehalten und es hatte ein mediterranes Flair. Da sah ich einen großen blonden Mann, den ich nur vom Rücken sah und im ersten Augenblick dachte ich es wäre Marc.
Aber er konnte es nicht sein, denn an seinem Tisch saß eine dunkelhaarige Frau mit der der Mann heftig diskutierte. Ich blickte wieder durch den Raum. Doch Marc war nicht zu sehen.
Die dunkelhaarige Frau am Tisch stand auf und der blonde Herr mit ihr. Er drehte sich zu mit um.
Nein, das konnte doch nicht sein. Es war Marc. Was wollte er hier mit dieser Frau? Wer war denn überhaupt diese Frau?
Mir gingen so viele Fragen durch den Kopf. Marc nahm die Hand von der Unbekannten, genau wie er meine gestern gehalten hatte. Und er blickte sie an genau wie er es gestern zuvor noch mit mir getan hatte.
Langsam nahm er ihre Wange in die Hand und sie küsste sich. Sie küssten sich innig und vertraut.
Warum Marc? Warum? Tränen schossen ganz plötzlich aus meinen Augen. Sie liefen einfach ohne, dass ich sie aufhalten konnte.
Ich spürte einen bitteren Schmerz in meinem Herzen als ich die zwei so sah. Es war wahrscheinlich der schlimmste Moment in meinem Leben. Ich würde am liebsten zwischen die beiden treten und sie, die Unbekannte verscheuchen. Bittere Gedanken gingen durch meinen Kopf. Ich konnte mich nicht bewegen. Ich konnte nicht mehr atmen.
Wäre ich doch einfach nur zu Hause geblieben.
Ich liebte ihn doch, das wurde mir klar als ich ihn so mit dieser anderen Frau sah. Es wurde mir glasklar. Eigentlich hatte ich mein ganzes Leben nur auf so einen Mann wie Marc gewartet und jetzt. So etwas.
Warum?

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.12.2006. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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