Jabl Williams

Ein Gefühl ändert sich


Gestern erst habe ich mit ihm gesprochen, ihm Gute Nacht gewünscht. Gestern war alles in Ordnung. Heute ist er gestresst, hat keine Zeit... keine Lust. Kein Gute Nacht – nur Arbeit. Ich bin traurig und zugleich sauer. Auf mich – auf ihn... ich warte ab, denn ich kann nichts tun.
 
Heute haben wir Freitag. Gestern war ich sauer und traurig, heute bin ich nur noch böse und... traurig. Nicht mehr auf mich – nur noch auf ihn. Ich kann nicht mit ihm reden, meine Stimme würde versagen, Tränen würden fließen. Doch ich habe kein Recht ihn anzuklagen.
Also gehe ich, nachdem ich gesehen habe, dass es ihm gut geht... wie er arbeitet... dass er lebt. Ich will mich ablenken, doch ich muss erkennen, dass es keinen Sinn hat, denn er bleibt.
 
Es ist Samstag, ich bleibe lange liegen, um nicht sehen zu müssen, dass er nicht da ist – wie er keine Zeit für mich hat. Als ich es sehe, bin ich noch immer traurig, doch nicht mehr böse. Einfach nur traurig. Langsam ist dieses Gefühl zu Normalität geworden. Ich schließe die Augen, denke an glückliche Momente, aber die Stimmung schlägt einfach nicht um! Sie bleibt traurig – normal.
 
Ich wache auf. Wieder ein Tag rum. Noch immer bin ich traurig, aber nicht mehr, weil er alles andere im Kopf hat als mich, sondern weil ich ihn vermisse. Ganz schrecklich vermisse... so stark, dass es mir reicht, zu sehen, dass es ihm gut geht. Zu sehen, wie er wieder arbeitet. Zu sehen, dass er lebt. Der Wunsch ihn endlich voll und ganz wieder zu haben ist da, aber er ist nicht erfüllbar. Denke ich an ihn, an Donnerstag, tut es weh. Es sticht in meiner Brust. Ich bin erschrocken von der Kraft meiner Gefühle.
Ich will zu ihm.
Ich beobachte ihn eine Zeitlang. Mir entgeht nicht eine seiner Bewegungen, nicht ein Atemzug. Ich will ihn so sehr, dass ich Angst habe, ihn zu erdrücken, wenn ich ihm heute begegne! Ich endlich wieder mit ihm sprechen kann... Die Angst ist zu groß, also muss ich warten, bis die Gefahr für ihn vorbei ist. In dieser Zeit bleibt mit nichts anderes übrig, als mich damit zufrieden zu geben, zu sehen, dass es ihm gut geht... wie er arbeitet... dass er lebt.    
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.01.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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