Jabl Williams

Ein Tag ohne Dich

 
Ich drehe mich im Bett herum. Mir ist kalt. Meine Hände suchen nach Dir, doch Du bist nicht da. Ich öffne die Augen, um zu gucken, ob Du schon aufgestanden bist, als mir einfällt, Du bist gestern nach Hause gefahren. Traurig stehe ich auf, stelle mich unter die Dusche und lasse 10 Minuten warmes Wasser über meinen Körper laufen. Ich stelle das Wasser aus und trockne zuerst meine Haare, dann wickle ich mir mein Handtuch um. Angestrengt versuche ich ein Rufen von Dir wahrzunehmen, aber es ist still. Niemand beschwert sich, dass ich schon seit 20 Minuten im Bad bin. Mein Magen meldet sich und ich stehe ratlos vor dem Kühlschrank. Ich decke den Tisch und setze mich. Ich bekomme einen Schreck als ich merke, dass ich schon wieder Deine Kirschmarmelade vergessen habe, weil ich sie die ganze Woche, wo Du nicht hier bist, nicht brauche. Ich springe auf, reiße den Kühlschrank auf, doch als ich das Glas ergreife, fällt mir ein... Du bist nicht da. Nachdem ich abgeräumt habe, setze ich mich an den Schreibtisch und versuche zu arbeiten. Doch meine Gedanken sind nur bei Dir. Ich beschließe, meine Sehnsucht zu stillen und zu gucken, was Du machst. Ich betrete das Wohnzimmer, doch der Tisch ist leer. Du bist nicht da. Ich überlege, ob ich Dich anrufe, doch würde ich Dich vermutlich bei der Arbeit stören und Du warst schon das ganze Wochenende hier und hast Dir Zeit für mich genommen. Ich gehe also wieder arbeiten. In meiner Schreibtischschublade suche ich nach der angefangenen Tafel Schokolade vom letzten Sonntag. Ich vermisse Dich so sehr. Ich quäle mich, um etwas zu schaffen, aber es geht nur stockend voran. Ich tröste mich damit, dass Du jetzt auch arbeitest und es geht etwas leichter. Du würdest den Stift jetzt nicht so locker halten wie ich. Du hältst ihn stets fest und sicher in der Hand, gehst etwas näher an das Papier heran, um ganz genau zu arbeiten. Ich schließe die Augen und sehe Dir beim Arbeiten zu. Es entspannt mich, weil es so vertraut ist.
Das Telefon reißt mich aus meinen Gedanken. Doch Du bist es nicht und ich kann die Enttäuschung in meiner Stimme kaum verbergen. Aber ich muss das auch nicht, ich erzähle meiner Freundin von meiner Sehnsucht, obwohl Du gestern Abend erst gefahren bist. Sie versucht mich etwas aufzumuntern, doch es fehlt das richtige Heilmittel. Ich gehe in die Küche und mache mir einen Kakao. Automatisch hole ich zwei Tassen aus dem Schrank. Natürlich steht Deine Lieblingstasse schon wieder sauber und einsatzbereit im Schrank. Doch ich stelle sie wieder zurück, denn ich bin allein. Ich gieße die Tasse mit heißer Milch nur halbvoll und fülle den Rest mit kalter Milch auf. Du würdest Dich jetzt wieder über mich amüsieren, weil ich den Kakao nicht gerne so heiß trinke. Ein Lächeln gleitet über meine Lippen, als ich an Dich denke. Ich gehe zurück an meinen Tisch und versinke in Arbeit. Nach zwei Stunden brauche ich eine Pause. Langsam werde ich traurig so ganz allein. Ich schreibe meine Gedanken nieder, um sie loszuwerden. Schon wieder ist mir kalt. Die Sehnsucht wird beim Schreiben beinahe unerträglich. Ich kann nicht mehr. Ich flitze ins Schlafzimmer. Ich brauche Dich. Ich wühle auf dem Stuhl nach Deiner Jacke. Ich bin glücklich, als ich sie finde und auf einmal Deinen Geruch um mich habe. Ich bin wieder okay. Ich kuschele mich ein und starre aus dem Fenster. Ich bin einfach nicht mehr normal. Ich liebe Dich viel zu sehr und ich frage mich, wie Du es mit mir aushältst. Ich erinnere mich, wie Du am Freitag aus dem Auto gestiegen bist und ich zufällig aus dem Fenster schaute. Wie ich mich riesig freute, weil Du vorher nicht wusstest, ob Du kommen kannst. Es war ein schönes Wochenende.
Langsam wird es dunkel draußen. Ich kann nicht arbeiten, es gibt nur Dich und die Sehnsucht nach Dir. Würde diese Sehnsucht nicht wollen, dass ich mich ihr widme, wäre sie nicht ständig da. Also gehe ich ins Wohnzimmer, mache leise Musik an und stelle Kerzen auf. Ich hole Dein Bild und denke an Dich. An dieses unbeschreibliche Gefühl, was ich jedes Mal habe, wenn Du mich nach langer Zeit wieder in Deine Arme schließt. Diese Welle aus Glück, Erleichterung und Freude, die vom Herz durch den Bauch geht und ein Kribbeln im ganzen Körper verursacht. Ich denke daran, wie Du mich ansiehst. An Deine Augen, die manchmal viel zu kalt sind, aber durch dein Lächeln unglaublich warm werden. An das Gefühl, wie sie mich durchbohren, aber es mir nichts ausmacht. Ich liebe einfach alles an Dir und zwar ohne eine Ausnahme. Sogar Deine Arbeitssucht, die mich täglich in den Wahnsinn treibt. Deine verletzenddirekte Art. Deinen übertriebenen Ordnungssinn. Deine ständige Zähneputzerei, damit Deine Zähne ja nicht ihr weiß verlieren.
Bei diesem Gedanken erhebe ich mich und gehe ins Bad, um auch mal etwas für das weiß meiner Zähne zu tun. Obwohl für mich zweimal am Tag völlig ausreichend ist. Ich schaue lange in den Spiegel. Natürlich sehe ich traurig aus, ich vermisse schließlich den Menschen, den ich liebe. Das Telefon klingelt wieder, ich hebe ab. Da ist es wieder, diese Welle des Glücks die durch meinen Körper strömt, die sogar die Fingerspitzen erfasst. Dabei höre ich nur Deine Stimme. Aber es reicht mir, um glücklich zu sein. Du wünschst mir Gute Nacht. Wir sagen uns, dass wir uns lieben. Danach legen wir auf. Ich lege mich hin und schließe die Augen. Genau das tust Du auch gerade. Ich sehe Dich vor mir... Du schläfst schon tief und fest. Ich stelle mir vor, wie ich jetzt sanft Deine Lippen küsse und zärtlich über Deine Wange streichle. Bald werde ich es wieder tun können... bei dem Gedanken an Dich, schlafe ich glücklich ein.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.01.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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