Aleksandra Bilcane

keine hochzeit Teil 2

17. Juni.
Ich wache auf. Die Sonne scheint durch das französische Fenster rein und blendet mich. Vor dem Einschlafen hab ich wohl vergessen die dunklen Gardinen zuzuziehen. Ich fühle mich schrecklich. Ich bin verschwitzt und meine Haare kleben an meinem Nacken, mein Nachthemd klebt an mir und ich ziehe es sofort aus. Ich errinere mich, dass ich das Fenster nicht geöffnet hatte. Ich stehe auf und gehe sofort in das Badezimmer, wo ich mich unter eine kalte Dusche stelle. Eine Angewohnheit, die ich von Patrick lernte. Er duscht immer mit kaltem Wasser. Mein Handy klingelt und ich laufe schnell zu ihm und antworte auf den Anruf. Das ist meine Mutter, die über den gestrigen Streit erfuhr. Sie macht sich Sorgen um Amelie, sie ist ja schwanger, und will, dass ich sie, Amelie und Mutter, heute besuche. Ich stimme zu. Ich streiche durch meine Haare und seufze. Ich weiß nicht warum, aber ich will sie nicht besuchen.
Dieses ungute Gefühl in meinem Bauch könnte Hunger oder eine Warnung sein. Ich entscheide mich für den Hunger und gehe in die Küche, wo ich Frühstück machen will, doch ich komm nicht dazu - das Handy klingelt. Diesmal ist es Lisa, die mit mir heute sparzierengehen will. Ich freue mich und stimme zu. Um 13 Uhr im Stadtpark mit Lisa, notiere ich's mir. Ich schaue aus dem Fenster - der Tag verspricht heiß zu sein. Lisa will mit mir wohl über die Hochzeit reden, aber es ist nicht mehr nötig. Ich fühle mich hervorragend! In der Küche trinke ich Milch und esse schnell eine Gallette mit Frischkäse. Dann beginne ich mit dem Aufräumen. Heute ist dieser Tag der Tagen, an dem ich putzen will. Patrick lachte sich tot, als er erfuhr, dass ich sogenannte Putztage hab. Mir war es egal. In zwei Stunden war meine 180 m² Wohnung sauber; bestimm mein neuer Rekord.
Zufrieden bin ich und gehe in mein Zimmer um mich anzuziehen. Draußen ist es heiß und ich muss lange vor meinem Kleiderschrank stehen um mich zu entscheiden, was ich anziehen soll. In meinem Kleiderschrank gibt es viele Kostüme, klassische Kleidung - Ball-Kleider, Blusen usw. - eben für meine Arbeit; es gibt viele T-Shirts, Tops und Jeans, aber nichts was ich anziehen könnte. Meine Mutter hat dasselbe Problem - sie hat viele Kleidungsstücke, aber nichts um anzuziehen, wie sie immer lachend sagt.
Schließlig wähle ich einen blauen rückenfreien Top mit weißen daraufgemalten Blumen, den langen, braunen Roch, den ich kürzlich erst gekauft hab und meine ganz neuen goldenen Schuhen, die ich über alles auf der Welt liebe; übertrieben, aber die Schuhe sind sehr schön, bequem und sehen immer gut aus. Ich bin überzeugt, dass Lisa diese Schuhe auch lieben wird, sie ist, nämlich, verrückt nach Schuhen. Ich weiß nicht wie viele Paare sie jetzt hat, aber früher hat sie ein Paar Schuhe jede Woche gekauft; sie bezahlte für die Schuhe nur sehr, sehr selten, weil immer ihr derzeitige Freund für die Schuhe bezahlte - eben ein Geschenk für das geliebte Mädchen. Das war eine lustige Zeit.
Ich bin fertig und verlasse die Wohnung. Ich nehme den Aufzug. Ich weiß nicht warum, aber ich mag Aufzüge. Ich wohne in dem vierten Stock, doch die Fahrt nach unten dauert nur ein paar Sekunden. Heute entscheide ich mich mit dem Auto zu fahren, darum fahre ich auch nach unten in ins Parkplatz. Dort steige ich in die grüne Mazda MX5, dessen Dach runtergeklappt wurde. Ganz neu aus der Werkstatt; da musste etwas getan werden, wovon ich keine Ahnung habe, darum hat das für mich mein Schwiegervater Hans erledigt. Ich bin ihm dafür dankbar, sehr dankbar. Ich stecke den Schlüssel in die Zündung und drehe ihn, das Auto springt an, ich atme erleichtert auf und fahre los. Auf den Straßen gibt es Staus. Na ja, heute ist Samstag, was anderes kann man erwarten? Bis zu der Wohnung meiner Eltern ist es nicht weit, bis zu Amelies und Florians Wohnung muss man schon ein größeres Stück fahren. Ich entscheide mich zu meinen Eltern zu fahren. Angekommen an dem alten vierstöckigen Haus, steige ich auf den zweiten Stock.
Mein Vater empfängt mich herzlich und wir reden eine Weile. Er will erfahren, warum ich mich mit Amelie gestritten habe und ob ich hungrig bin. Hungrig bin ich nur ein bisschen, darum gehen wir in die Küche, wo ich mir einen grünen Tee mache und ihm alles erzähle, was gestern bei Amelie und Florian geschah. Er schüttelt den Kopf und meint, dass wir uns vertragen sollen. Ich nicke und schaue aus dem Fenster. Ich sage ihm, dass ich große Angst vor der Hochzeit habe, dass die Anderen mich nervös machen und dass ich nicht weiß, was ich tun solle. Er hört mir zu und sagt nichts. Leise überlegt er sich, wie er mir helfen kann. Mein Vater fragt, ob ich noch heiraten wolle. Jetzt bin ich sprachlos. So eine Frage habe ich nicht erwartet. Zu direkt, eine Frage, auf die es nur zwei Antworten gibt: ja und nein. Mein Tee ist schon warm und ich nehme einen Schluck. Ich klammere mich in meine Tasse, als ob es meine letzte Rettung wäre. Dann errinere ich mich an Gestern, an das Foto, an Amelies Beschuldigungen und vorwurfsvollen Blick, an Florians Wut; so kenne ich Florian nicht, mindestens hat er mir auch seine andere Seite gezeigt - das ist positiv.
Ich atme tief durch und antworte: "Ja, ich will heiraten, Papa. Schon ein ganzes Jahr bin ich mit Patrick verlobt und nie vorher hatte ich Zweifel. Vielleicht bin ich einfach aufgeregt vor der Hochzeit, oder?"
Mein Vater nickt und schaut auf die Uhr an der Wand. Es ist zwölf Uhr. Nach eine Stunde muss ich im Stadtpark sein, nicht sehr weit, aber ich werde das Auto nehmen, damit ich später zu Amelie und Florian fahren kann, wo meine Mutter gerade ist.
Ich höre die Stimme meines Vaters: "Vergiss nicht das Hochzeitskleid abzuholen."
Hochzeitskleid! Ich habe es fast vergessen. Ich verabschede mich von meinem Vater, küsse ihn auf die Wange und weg bin ich. Ich steige ins Auto und fahre los. Das Geschäft, in dem ich mein Hochzeitskleid mit meiner Mutter und Schwiegermutter ausgesucht habe, liegt am Rand der Stadt. Der Verkehr scheint geregelt zu sein und ich muss nicht in Staus stehen. Bald bin ich da und hole mein Kleid ab, dass schon fertig ist. Es musste gekürzt und ein bisschen verändert werden. Die Verkäuferin ist sehr nett und sagt scherzend, dass sie hoffe, dass ich in das Kleid reinpasse. Ha-ha! Hoffentlich...
Ich werfe einen Blick auf meine Armbanduhr - zwölf Uhr 30. Wie erwartet bin ich pünktlich am südwestlichen Tor, des Stadtparks. Mein Auto habe ich nicht weit auf einem Parkplatz abgestellt. Lisa lässt sich nicht zehn Minuten blicken und ich werde nervös. Plötzlich klingelt mein Handy und ich erschrecke mich. Ich antworte auf den Anruf: "Ja?"
Nach einer Pause antwortet eine fremde Stimme mit einem britischen Akzent: "Hello? Excuse me, are you Patricks fiancee?"
"Ehm... Yes, I am. Who's calling?", stottere ich erstaunt.
"Oh! My name's David and I'm a good friend of Pat. You know I need your help. Actually, I need your permission. Could we meet this evening? Pat's in London, right?", spricht David.
"Yes, that's right, David. We could meet later 'cause I'`m meeting a friend of mine, now. Are in the city?"
"Yes, I am. Call me 'Dave'! Well, we could meet for a dinner tonight. At Frankie's. Do you know where it is?", fragt Dave.
Ich überlege eine Weile und antworte: "I'll find out. How will I be able to recognize you?"
"Don't worry. I know you. Well, I know how you look like - I saw a photo of you. So, at eight o'clock, is it allright?"
"No, I can't. Maybe at nine?"
"Okay. See you later!"
"Bye", ich lege auf und sehe, dass Lisa vor mir steht.
Ich gehe schon aufs Tor zu, aber sie hällt mich auf und schlägt vor etwas zu essen, sie sei hungrig. Ich stimme zu und wir gehen die Straße entlang. Sie erzählt mir, dass sie auf Tom warten musste, damit er mit den Kindern sparzieren geht. Wir gehen in ein Restaurant, der gar nicht wie einer aussieht. Lisa erklärt, dass die Atmosphere hier sehr locker sei und dass das Essen hier sehr lecker schmecke. Lisa bemerkt wirklich meine Schuhe und will wissen, wo ich sie mir gekauft habe. Wir machen eine Bestellung und setzen wir uns an einen Tisch, der nicht am Fenster steht. Wir müssen nicht lange auf unsere Bestellung warten und können essen. Das Essen schmeckt gut, da hat sie nicht gelogen.
Nach dem Essen atme ich tief durch und gebe ihr einen Umschlag, in dem eine Einladung zu meiner Hochzeit ist. Sie öffnet langsam den Umschlag und sagt: "Oh! Wie schön! Ich werde auf jeden Fall kommen, aber ich weiß nicht, was ich anziehen könnte. Dein Verlobter heißt also Patrick. Ist er nett?" Ich nicke und sie spricht weiter: "Ich freue mich schon! Die Hochzeit ist ja am 17. Juli! In einem Monat. Wow!"
"Die anderen Einladungen werden heute abgeschickt, hat mir meine Schwiegermutter versichert", füge ich hinzu.
"Verstehst du dich mit seinen Eltern gut? Ich hab Probleme mit Toms Mutter. Die behauptet, dass ich eine Zicke bin. Na ja, ist auch egal. Erzähl mir besser, wie du deinen Verlobten kennengelernt hast!"
"Wie ich Patrick kennengelernt habe? Dann bestell dir ein Kaffee und hör zu...", sprach ich.
22. Dezember. Ein kalter Tag (-28°C), viel Schnee, starker Wind. Am 21. Dezember hatte ich mit Amelie ihre Freundin Lena aus der Schulzeit besucht, die in einem kleinen Dorf wohnte, das sich 253 km weit vom unseren Zuhause befand. Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von allen und fuhr los (meine Schwester blieb noch dort - sie wollte den Zug oder den Bus nehmen), weil ich zurück zum Flughafen fahren musste um mit dem Botschafter nach Russland zu fliegen. Das war sowas wie ein Test für mich. Er wollte sehen, wie gut ich mit allem in einer mir völlig fremden Umgebung klarkommen werde. Ich war aufgeregt.
Das Wetter wurde allmählig schlechter - der Wind wurde stärker und es schneite. Ich war damals eine gute Fahrerin, aber ich hatte keine große Erfahrung mit dem Fahren, wenn es ein schlechtes Wetter gab, darum stieg auch mein Nervösheitspegel an ins unermessliche. Die Sicht verschlechterte sich. Ich schaute auf den Kilometerstand - 103 km - hatte ich hinter mir gelassen und das beruhigte mich.
Ich versuchte mich zu beruhigen, wie es mir meine Mutter geraten hatte, als sie erfuhr, dass ich verreisen muss. Sie wusste sehr gut, dass ich nervös werden könnte, und schneidete mir einen Artikel aus einer Zeitung, der angeblich mir helfen sollte. Den las ich mehrmals durch. Ich warf einen Blick auf meinen Nebensitz, wo meine Tasche lag. Da waren alle meine Dokumente. Ich schaute mich um. Der Tank war voll. Meine Reisetaschen waren im Kofferraum. Ich sah schrecklich aus, aber das war unwichtig. Meine Schwester wollte mich noch vor dem Wegfahren schminken, damit ich nicht wie eine Vogelscheuche aussehe, wenn ich im Flughafen ankomme. Ich versprach ihr, dass ich im Flughafen mich in Ordnung bringen werde und sie ließ mich los. Ich musste ja schließlig pünktlich sein. Der Botschafter war selbst ein sehr pünktlicher Mensch und ich konnte nicht zulassen, dass er auf mich ewig wartet. Florian hatte mir versprochen mein Auto vom Flughafen abzuholen. Das war geklärt. Florian wird meine Honda Civic sedan abholen, dachte ich um mich zu beruhigen. Ich schaltete die Stereoanlage an und suchte nach einem Radiosender, aber konnte keinen empfangen, darum schob ich eine Kassette rein. Im Auto erklang 'Frankie goes to Hollywood's' The Power of Love. Die Kassette meiner Schwester mit Weihnachtsliedern. Weihnachten war ihr Lieblingsfest und sie konnte es kaum erwarten. Na ja, ich feierte Weihnachten sowieso nicht und mir war es recht, dass ich nach Russland fahren musste. Die Russen feierten Weihnachten am 6.-7. Januar.
Ich guckte nochmals auf den Kilometerstand - 167 km. Also, musste ich noch 86 km fahren. Doch dann passierte es. Ich hörte einen Knall und das Auto verlangsamte seine Geschwindigkeit, darum fuhr ich an den Straßenrand. Ich war geschockt und bekam Panik. Allein, auf einer unbekannten Straße, das Auto offensichtlich kaputt und das Wetter ist scheußlich. Langsam schaltete sich mein Gehirn ein und ich griff nach meiner Tasche, aus der ich mein Handy zog und die Nummer meines Vaters wählte. Nichts geschah, kein Empfang. Ich fluchte und mir war nach weinen zumute - ich musste in den Flughafen, ich kannte mich nicht so gut in Autos aus wie mein Vater (meine Mutter kannte sich sogar besser in Autos aus als ich) und ich wusste nicht, was ich machen sollte. Ich reiste mich zusammen und stieg aus dem Wagen. Es war kalt, aber das störte mich nicht viel. Ich musste auf die Hilfe der Fahrer, die an mir vorbeifuhren hoffen, darum versuchte ich ein Auto zu stoppen, aber ergebnislos. Eine halbe Stunde stand ich so.
Meine Verzweiflung wuchs zur Wut auf - meine Karriere war auf dem Spiel. Schon neben dem Studium fing ich mit der Arbeit in der Botschaft an. Anfangs war ich die Assistentin einer Sekretärin. Nach vier Monaten wurde ich zur Hauptsekretärin befördert. Die Arbeit machte mir sehr viel Spaß, weil ich dabei auch sehr viel lernte über die Kultur, das allgemeine Leben in Russland und über die Organisation verschiedener Events. Damals verstand ich, dass ich auch eine Botschafterin werden will. Der Botschafter hatte mich bemerkt und da er eine neue Assistentin suchte, fragte er mich, ob ich Interesse hätte. Was für eine Frage! Natürlich! Aber ich musste diesen Test bestehen: fremdes Land, fremde Kultur und eine qualitative Arbeit liefern. Ich stimmte sofort zu ohne nachzudenken. So eine Chance kriegte man nur einmal im Leben, aber ich... ich vermasselte alles.
Ich lehnte mich zurück an meine Honda und begann nachzudenken. Einen Ausweg gab's doch aus jeder Situation, man musste ihn nur suchen und finden. Das Handy konnte ich nicht benutzen, das Auto reparieren auch nicht, kein Wagen hielt an und zu Fuß gehen war es auch sinnlos. Meine Hände und meine Füße frohen schon. Ich konnte ja ins Auto steigen, aber da war es bestimmt genauso kalt wie draußen. In meinem Kopf tauchte ein verrückter Gedanke auf - Tod durchs erfrieren. Ich lachte und hob meine Hand als ich sah, dass ein Jeep sich mir näherte. Der Jeep hielt vor meiner Honda an und ich blieb sprachlos stehen. Ich war außer mich vor Freude und lachte.
Ein jünger Mann in einem schwarzen Anorak kam auf mich zu und fragte, was los sei. Ich erklärte ihm alles, was passiert war und fragte, ob er helfen könnte. Er schüttelte den Kopf und sagte, dass man lieber eine Werkstatt anrufen sollte, damit sie meinen Wagen abholen. Er griff nach seinem Handy und ging vor das Auto. Ich erklärte ihm, dass es keinen Empfang gäbe, aber bei ihm schien das Handy in Ordnung zu sein. Ich wischte mir die Schneeflocken aus dem Gesicht und konnte sein Gespräch teilweise verfolgen: "Guten Tag, verbinden Sie mich bitte mit einer Honda-Werkstatt. ... Ja, eine Autopanne. ... Der Weg ... 23 km von ... Dankesehr. ... Ja. ...Wann werden sie da sein? Gut, aufwiedersehen."
In meinem Kopf hörte ich noch seine Stimme. Eine Honda-Werkstatt? Das wird ja teuer. Meine Eltern werden mich umbringen, auf jeden Fall werden sie unzufrieden sein. Mir wurde langsam schwindlig und ich lehnte mich zurück ans Auto. Der Mann begann mir alles zu erklären, aber ich hörte kein Wort. Ich war verloren. Von meinem Lohn als Hauptsekretärin ging die Hälfte an die Botschaft für die Wohnung und von der anderen Hälfte musste ich leben. Einen Teil gab ich meinen Eltern. Da zerrumpfte meine Lebens-Geld vor meinen Augen. Ich wusste sehr gut, dass es hart sein wird.
"Hey, hörst du mir zu?", eine fremde linke Hand fasste mich an und ich kehrte in die Realität zurück. Ich entschuldigte mich für die Unaufmerksamkeit und dann sah ich's.
Ich griff nach seiner Hand und zog den Ärmel höher. Eine Uhr. Ich hatte nur eine Stunde um in dem Flughafen aufzutauchen. Der Mann schaute mich erstaunt an und ich ließ ihn los. Ich entschuldigte mich nochmals und er lachte. Meine Karriere war im Arsch. Bye, bye! Er fragte, was los sei und ich erklärte ihm, dass ich zum Flughafen musste und dass mein Flug in einer Stunde sei. Er lachte und erklärte mir, dass er auch zum flughafen fuhr und schlug vor mich mitzunehmen. Was für ein Glück! Ich sagte zu und lief zum Kofferraum, aus dem ich meine drei Reisetaschen holte (Ja, drei Reisetaschen mit allen Sachen, die ich brauchte), dann meine Tasche und diese blöde Kassette, falls ich doch in Weihanchtsstimmung käme, man weiß ja nie. Er half mir mit den Taschen. Ich blieb auf dem Weg zum Jeep stehen. Er erklärte mir, dass man das Auto abholen würde und öffnete die Beifahrertür für mich. Ich stieg ein und nachdem er sich angeschnallt hatte fuhren wir los.
Das Wetter hatte sich nicht geändert, aber er fuhr sicher weiter. Ich riskierte einen kurzen Blick auf den Kilometer-per-Stunde-Anzeiger und wendete meinen Blick sofort ab. So eine Geschwindigkeit bei solchem Wetter - ein Mord! Aber den jungen Mann schien das nicht zu stören.
"Ziehen Sie doch Ihre Jacke aus. es ist doch warm", sprach der Fahrer. Ich schaute mich um. Warm? Ich spürte nun mal keine Wärme. Meine Hände waren nicht mal warm. Ich ignorierte seine Frage und schaute aus dem Fenster. "Was ist denn los?", fragte er. Was sollte denn los sein? Plötzlich griff er nach meiner Hand und und drückte auf die Bremse. Das Auto blieb stehen. Er guckte zu mir rüber: "Sie sind ja fast erfroren! Wie lange haben Sie da gestanden?" Ich zuckte mit den Achseln. Etwa 45 Minuten, aber ich sagte nichts. "Kommen Sie!", er begann mir das Anorak auszuziehen.
"Hey, was soll das?", sprach ich aufgeregt, doch er reagierte nicht. Als mein Anorak ausgezogen war, begann er mir meine Winterstiefel auszuziehen. Was wolte der von mir?, fragte ich mich. Bestehlen? Umbringen? Das Anorak und die Stiefel legte er hinter meinem Sitz und stieg aus. Ich verfluchte mich und überlegte mir, was ich machen sollte, aber mir fiel nichts ein. Die Tür an meiner Seite öffnete sich und der junge Mann legte eine warme, braune Decke um mich. Er kehrte zu sienem Platz zurück und wir fuhren weiter. Ich entschuldigte mich für mein Benehmen und bedankte mich.
"Drei."
"Wie bitte?", fragte ich.
"Drei Mal haben Sie sich schon bei mir entschuldigt. Wir sind bald da, wenn Sie sich Sorgen machen", sprach er.
Das war das erste Mal, an dem ich ihn auch anschaute. Er blickte zu mir, lächelte und schaute weiter auf den Weg. Seine Haare waren fast schwarz, ein bisschen länger, die Haarspitzen waren lockig und ich grinste. Er hatte sich wohl ein paar Tage nicht rasiert, aber sah gut aus. Auf dem Zeigefinger seiner rechten Hand bemerkte ich einen großen goldenen Ring mit einem Diamanten. Vielleicht war er auch unecht, wer weiß, ich kannte mich in solchen Sachen nicht aus.
"Übrigens ich heiße -"
"Lassen Sie es!", unterbrach ich ihn. "Sie müssen nicht mit mir ein Gespräch führen. Ich will nur zum Flughafen und bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie mich mitgenommen haben. Ja, ich weiß - vier." Nachdem schwiegen wir den ganzen Weg bis zum Flughafen. Ich bedankte mich für alles (fünf) und verschwand aus seiner Sicht so schnell es ging.
Ich ging aufs Klo, wo ich Florian anrufte nachdem ich mich in Ordnung gebracht hatte. Ich erklärte ihm alles und bat meinen Wagen in einer Honda-Werkstatt zu finden. Das war geklärt und ich ging zur Rezeption, wo ich den Botschafter traf. Der Flug wurde nicht verschoben und wir konnten fliegen. Er erklärte mir noch ein paar Sachen vor dem Abreisen. Er sagte, dass ich von denjenigen Moment seine Assistentin sei und mich auch so verhalten sollte. Ich atmete tief durch und nickte entschlossen diesen Test zu bestehen.
Ich hatte geplant am zweiten Januar zurückzukehren, aber ich schaffte es nicht, weil der Botschafter andere Pläne hatte. Schließlig kehrte ich mit dem Botschafter am 13. Januar zurück, als die Feiertage in Russland zuende waren und der Botschafter auch geschäftliche Sachen geregelt hatte. Der Flughafen war überfüllt, was mich sehr wunderte. Der Botschafter verabschiedete sich von mir und errinerte mich pünktlich auf meinem neuen Arbeitsplatz zu erscheinen. Ich war befördert worden! Die persöhnliche Assistentin des Botschafters - das klang toll und ich verließ den Flughafen, um ein Taxi zu kriegen.
Ich stellte mich an die Seite - da waren zu viele Leute, die ein Taxi brauchten, darum entschloss ich mich meine Familie anzurufen, damit jemand mich abholt. Doch bis zum Anrufen kam ich nicht, weil sich jemand neben mir stellte, der genüsslich eine Zigarette rauchte und mit jemanden anders redete. Ich drehte mich und und meinte, dass er könnte so freundlich sein und seine Zigarette nicht unter meine Nase reiben. Die Antwort des Mannes war nicht die freundlichste. Natürlich, ich hatte auch nichts anderes erwartet. Ich packte meine Taschen und ging weg, doch dann spürte ich, dass ich am Arm festgehalten wurde. Ich entwand meine Hand und ging weiter ohne zurüchzusehen.Was für ein Blödsinn. Warum musste ich den Mund aufmachen?, dachte ich und stellte meine Taschen ein paar Meter von allen entfernt, damit keiner mich beim Telefonieren störte. Ich wählte die Nummer von meinem Zuhause und drückte den Knopf. Russland hatte mir sehr gut getan, das konnte man sofort bemerken. Das neue Jahr und die Weihnachten auf russische Art zu feiern gefiel mir sehr gut. Keiner antwortete. Vielleicht waren sie auch bei Amelie und Florian. Dann musste ich sie anrufen und suchte Amelies Nummer.
"Was soll das, Pat?", hörte ich wie jemand schrie, darum drehte ich mich zu der Fassade des Flughafens, damit ich in Ruhe sprechen könnte. Jemand legte Hände auf meine Schultern und drehte mich um. Vor mir stand ein Mann und lächelte, hinter ihm stand derselbe rauchender, unhöflicher Mann von vorher.
"Hallo?", hörte ich Amelies Stimme. Der Mann nahm mir das Handy ab und beendete das Gespräch. Wie unverschämt! Ein lauter Krach. Meine Hand tat weh, ich nahm mein Handy zu mir und schubste den Mann zurück, auf dessen Wange ein roter Abdruck meiner Hand brennte.
"Idiot!", murmelte ich und wählte Amelies Nummer. Sie antwortete und ich erklärte ihr, dass ich zurück bin und jemand mich vom Flughafen abholen sollte. Sie war nicht bei der besten Laune und brummte, dass ich mir ein Taxi holen soll. "Idiotin!", kam von mir und sie meinte, dass Florian mich in einer halben Stunde abholen wird.
Eine halbe Stunde. Was sollte ich in dieser Zeit anfangen? Ich wollte schon gehen, aber der Mann, den ich vorher eine gehauen hatte, versperrte mir den Weg. Jetzt war meine Gedult zuende - ich wollte ihn zur Seite schubsen, aber er bewegte sich nicht vom Fleck. Er nahm meine Hand und zog sie zurück, nicht grob sondern zärtlich.
"Hallo! Schön dich wiederzusehen", sagte der Mann. Diese Stimme kam mir bekannt vor, aber ich konnte mich nicht errinern, wo ich sie gehört hatte. "Soll ich dich mitnehmen?"
"Pat, vergiss diese Tussi!", meinte der andere Mann. Ich und Tussi? Der spinnt ja wohl!
"Weißt du was?", sprach ich und zog meine Hand zurück. "Wenn ich eine Tussi bin, dann bist du Gabriel, der Erzengel, und da ich keine Tussi bin, dann bist du ein arrogantes, eingebildetes Arschloch und das ist noch nett ausgedrückt!"
Der rauchende Mann schaute mich mit einem giftigen Blick an und legte die Hand auf die Schulter des anderen Mannes, der schwarze Haare hatte: "Komm, wir gehen, Pat!"
"Du schuldest mir noch was", sagte der Schwarzhaarige.
"Ich schulde dir nichts, nicht das ich wüsste", war meine Antwort.
"22. Dezember letztes Jahres, eine silberne Honda, ein brauner Anorak mit einer Kapuze, der Weg zum Flughafen. Sagt dir das was?"
"Ja, na und?"
"Ich sag doch - du schuldest mir was", grinste er.
"Was willst du?"
"Du könntest mich zum Essen einladen", schlug er vor.
"Nein."
"Warum?"
"Weil ich mich nicht mit fremden Leuten verabrede, verstanden? Das Einzige, was ich für dich tun kann, ist dir einen Kaffee im Cafe anbieten", ich ging an ihm vorbei in den Flughafen. Er war nun mal nicht derjenige, der einen Kaffee trinken geht, und ich war ihn los. Ich setzte mich am Tisch und mein Handy klingelte. Das war meine Schwester, die mir erklärte, dass ich das Taxi nehmen muss, weil der Wagen nicht anspringt. Ich seufzte und steckte das Handy zurück in meine Tasche. Der Flughafen wurde allmählich leer.
"Na, krieg ich meinen versprochenen Kaffee?", der Schwarzhaarige setzte sich neben mir. Ich errinerte mich wirklich nicht an ihn, weil ich mich einfach schlecht an die Gesichter anderer Leute errinern kann, wenn ich sie nur ein Mal gesehen habe. Aber an Stimmen doch und darum kam mir auch seine Stimme so bekannt.
Ich nickte: "Bestell dir doch einen." Ich dachte nach, ob ich auch einen Kaffee nehmen sollte, aber überlegte es mir anders nach dem ich seine Brühe sah. Wenn es um Kaffee ging, dann war ich sehr verwöhnt und konnte nicht alles trinken.
"Ich heiße Patrick und du?" Ich nannte ihm meinen Namen und er meinte, dass er sehr schön sei.
"Was willst du von mir? Was soll das alles?", wollte ich wissen.
"Nichts. Ich hab dich nur erkannt und wollte ein bisschen reden." Ich setzte ein künstliches Lächeln auf und trank meinen Orangensaft aus und stand auf. Dann ging ich zur Kasse und bezahlte.
"Alles Gute", murmelte ich. "Ich muss ein Taxi bekommen."
"Hey! Warte doch!", er stand auf und lief zu mir. "Soll ich dich mitnehmen? Ich hab einen Wagen hier auf dem Parkplatz."
Ich blieb stehen und schaute zu ihm rüber. Das klang sehr verlockend. Ich nickte zustimmend und wir gingen auf den Parkplatz. Da stand der schwarze Jeep. Er half mir mit meinen Taschen und wir stiegen rein. Ich nannte die Adresse und wir fuhren los. Nach 20 Minuten waren wir bei mir angekommen. Ich stieg aus und er holte meine Taschen aus dem Kofferraum. Ich bedankte mich bei ihm (sechs) und ging auf das Gebäude zu. An der Eingangstür wählte ich die Kombination und merkte, dass Patrick neben mir steht. Er drehte mich zu sich und zog mich an sich.
"Was schulde ich dir jetzt?", fragte ich.
"Nichts", flüsterte er und lehnte sich näher zu mir.
"Dann - tschüss!", ich öffnete die Tür.
"Warte", er griff nach meinem Arm. "Ich... Ich wollte dich ins Kino einladen. Hast du Lust mit mir ins Kino zu gehen?" Ich schüttelte den Kopf und wollte gehen, doch er ließ meinen Arm nicht los. "Okay, dann wie wär's mit einem gemütlichen Essen oder einem Konzert, Theater?"
Ich schaute ihn stüzig an und sprach: "Das Essen klingt gut, aber ich kenne dich doch kaum. Ich weiß nicht..."
"Morgen um 20 Uhr hole ich dich ab, okay?"
"Gut", gab ich auf.
"Kann ich deine Handynummer bekommen?", fragte der Schwarzhaarige. Ich nannte ihm die Nummer und ging rein, ein bisschen benebelt davon, was gerade passiert war.
"Und weiter?", Lisa war ungeduldig.
"Weiter? Wie immer!"
"Was meinst du? Erzähl doch!"
"Ja, ja, lass mich errinern..."
Am nächsten Tag musste ich in die Botschaft, wo ich erfuhr, dass ich mehr als nur die Funktionen einer Assistentin erledigen musste. Nichts schlimmes, ich musste mit einem Arbeiter, Herrn Foster, aus der Botschaft ein Projekt, Kulturprojekt, ausarbeiten. Mir fiel kein Thema ein und das, was mir einfiel, wurde sofort von Herrn Foster abgelehnt. Nach Hause kam ich auch aus diesem Grund aufgeregt und wütend. Er war auch nicht nett im Laufe des Tages, hielt mich für eine Idiotin und Gott weiß noch für was. Alle meine Vorschläge wurden unterdrückt, er wollte alles nach seinen Vorstellungen machen. Ich hatte Angst, dass ich bald meinen Job los sein werde, wenn ich mich nicht durchsetzte, darum entschied ich mich an einen eigenen Projekt Zuhause zu arbeiten. Ich hatte leider keine Erfahrung und wusste nicht, wie man alles macht. Diese meine Entscheidung konnte das Ende oder der Anfang sein. Während des Studiums, als Lisa Journalistik studierte, musste sie sich durchsetzen, darum machte sie auch vieles auf eigene Hand. Ich entschied mich ein Beispiel von ihr zu nehmen.
Ich errinere mich sehr gut, wie deprimiert ich war, doch ich verließ meine Wohnung um Punkt 20 Uhr. Der junge Mann wartete schon auf mich an der Eingangstür mit einem Blumenstrauß in seinen Händen, den er mir sofort gab. Gelbe Fresien. Da taute mein Herz ein bisschen auf. Er führte mich zu einem großen Wagen - Mitsubishi - ich bemerkte das Logo. Der Wagen war riesig auf den ersten Blick. Ich stieg ein, als der Schwarzhaarige die Autotür an meiner Seite öffnete und schaute mich um.
Er bemerkte meinen forschenden Blick und sprach voller Stolz: "Mitsubischi Pajero III. Eine Augenweide, oder?" Seine Augen strahlten und ich musste lächeln.
Wir fuhren los. Draußen war schon dunkel und der Schnee glänzte in der Dunkelheit. Keine Ahnung, wie lange es dauerte bis wir bei einem Nobel-Restaurant ankamen, aber für mich war das der kürzeste Augenblick, den ich je erlebt hatte. Die Autotür an meiner Seite wurde geöffnet und ich stieg aus. Die gelben Fresien hatte ich immernoch in der Hand und, als ich's bemerkte, schaute, ich ihn verwirrt an. Er sagte nichts und wir gingen ins Restaurant. Dort wurden mir mein Mantel und die Fresien abgenommen. Sein Blick blieb bei mir und ich schaute mich nervös an. War etwas zerknittert, dreckig oder zerrissen? Ich konnte nichts finden, was mich blamieren könnte. Na gut, mein Rock war nicht gerade très à la mode, aber sehr schön, wie ich fand, und meine Bluse hatte ich in Russland bei einer bekannten Designerin gekauft, weil ich sie sofort mochte und sie an mir gut aussah, die Schuhe waren doch auch in Ordnung. Er reichte sich nach meiner Hand und flüsterte zu mir: "Du siehst göttlich aus! Aphrodite und Venera wurden vor Neid sterben und ich als Parid wurde dir sofort den goldenen Apfel geben."
Wir betraten einen hellerleuchteten Saal und wurden zu einem freien Tisch am großen Fenster geführt, auf jeden Fall wurde er schon vorher reserviert. Der Saal war riesig, mit hoher Decke und hellen Wänden, dessen Farbe zwischen braun und orange schwankte. Meine Beobachtungen unterbrach der Ofiziant, der mir die Speisekarte reichte. Als ich sie öffnete, bedankte ich mich in meinen Gedanken bei Gott für meine Sprachkentnisse, denn alles auf der Karte war in einer Fremdsprache geschrieben. Die französische und spanische Sprachen dominierten. Escargots, war da geschrieben. Schnecken! Ich würde gern jemanden treffen, der diese Viecher isst, dachte ich und guckte zu den eleganten Mann, der mir gegenüber saß. Er hatte einen schwarzen Anzug mit einem weißen Hemd angezogen, aber ohne Krawatte, seine Haare waren zurückgekämmt und er war rasiert. Er hob seinen Kopf und unsere Blicke trafen sich. Ein leichtes Lächeln schmückte seine Lippen und er fragte, ob ich schon weiß, was ich bestellen wollte. Ich nickte und der Ofiziant tauchte plötzlich neben mir auf. Ich bestellte Coq au vin und das Lächeln im Gesicht meines Begleiters wurde breiter. "Dasselbe, bitte", sagte er. Nach einer Weile wurde Wein für uns gebracht, von dem ich nur einen Schkluck trank - der Wein schmeckte mir gar nicht. Während wir auf das Essen warteten redeten wir ein wenig. Er erzählte über sich und ich erfuhr, dass er am 22. Dezember in die französischen Alpen mit Freunden flog. "Wohin bist du denn in den Ferien geflogen? In die schweizischen Alpen?"
Ich schüttelte den Kopf: "Ferien? Ich hatte keine Ferien. Das war sowas wie eine Geschäftsreise, so ähnlich."
"Was wirklich? Hast du keine Weihnachten gefeiert? Und das Neujahr?"
"Ach, das Neujahr wurde, natürlich, schön auf russische Art und Weise gefeiert und die Weihnachten dieses Jahr waren auch ganz anders und sehr schön."
"Auf russische Art und Weise? Du wolltest bestimmt sagen - Weihnachten im vergangenen Jahr, oder?", überfragte er.
"Ja, ich war doch in Russland und ich Russland feiert man doch die Weihnachten nach dem Neujahr, am 6. und 7. Januar", erklärte ich.
"Wirklich? Das wusste ich aber nicht. Wie gefiel dir Russland?"
"Sehr gut. Moskau und Sankt-Peterburg sind wunderschön. Wir waren noch in Nowgorod, in Kaliningrad, Jaroslawl und Woronezh. Na ja, Ferien hatte ich vom 1.- 4. Januar, in Russland gab es dann auch Ferien", ich wurde langsam gesprächiger.
Das Essen wurde gebracht, doch die Gespräche hörten nicht auf. Er sprach sehr viel, erzählte lustige Geschichten und ich fühlte mich pudelwohl. Ich merkte, dass er ganz normal aß ohne sich strickt an die Etikette zu halten. Am Mitternacht verließen wir das Restaurant und gingen zum Wagen. Dieses Mal setzte ich mich ans Steuer und durfte den Mitsubishi Pajero III fahren. Der elegante Mann, der mich abgeholt hatte, hatte sein Gesicht im laufe des Abends geändert und war jetzt der junge, freundliche Mann, der seinen Jeep anhielt um mir zu helfen. Als erstes fuhr ich zu mir, wo ich im Auto sitzend blieb. Wie solle er nach Hause gelangen?, überlegte ich mir. Er schaute mich an und drehte sich um, um etwas vom Hintersitz zu holen.
"Vergiss sie nicht", er reichte mir die Fresien.
"Ruf jemanden an, damit man dich abholt oder so", meinte ich.
Er nickte und schaute mich an, dann sagte er: "Du bist wunderschön." Ich runzelte die Stirn und wiederholte, dass er jemanden anrufen sollte. Er nahm aus seiner Tasche das Handy und wählte eine Nummer, dann sprach er mit jemanden und legte auf. "Mein Kumpel wird mich abholen", sprach er.
"Gut, dann gehe ich", ich stieg aus dem Auto. Die Luft war eisig und der Schnee knirschte unter meinen hastigen Schritten. An der Eingangstür holte er mich wohl nach kurzem Überlegen ein und, ohne zu zögern, küsste mich. Er umarmte mich und zog mich näher heran. Ich spürte seine Hände, die meinen Rücken streichelten. Nach dem Kuss blickte er mir in die Augen und umarmte mich. Ein Auto blieb beim Mitsubishi stehen und ich löste mich von ihm. Eine laute Stimme brach die Stille: "Hey, Pat! Lass das Mädel schlafengehen!"
"Danke für alles. Sieben, ich weiß", sagte ich und öffnete die Eingangstür.
"Nein, dieses Mal muss ich mich bedanken. Ich ruf dich morgen an, okay?" Ich nickte und er lächelte. "Gute Nacht!"
"Ja, dir auch eine gute Nacht", ich ging rein und die Tür fiel hinter mir zu.
"Rief er dich am nächsten Morgen an?", wollte Lisa wissen.
"Was glaubst du denn?"
"Weiß nicht...", antwortete Lisa nachdenklich und schaute in ihre leere Kaffeetasse.
"Um acht Uhr."
"Was?"
"Um acht Uhr rief er mich an. Er sagte mir, dass er meine Stimme hören und sich überzeugen wollte, dass der vorherige Abend kein Traum sei."
"Echt?" Ich nickte. "Na, du hast den perfekten Mann abbekommen. Und wie ging's weiter?"
"Wie üblich."
"Lügnerin."
"Na, es war eben nicht sehr üblich, ich stimme zu, aber..."
Ich saß im Vorderzimmer vor dem Kabinett des Botschafters und sah seine Post durch, als das Handy in weißen Tasche klingelte. Ich war zu früh auf meinem Arbeitsplatz, weil ich noch am Projekt arbeiten wollte bevor Herr Foster kam. Ohne nachzusehen, wer anruft, antwortete ich: "Ja?"
"Guten Morgen! Wie geht's der schönsten Frau in dieser Stadt?", hörte ich und nahm die Stimme des Anrufers nicht wahr.
"Wie bitte? Florian hör auf mit dem Quatsch! Was willst du?", ich las eine Einladung für ein Konzert der klassischen Musik.
"Florian? Ist das dein Freund oder ein Verehrer? Es sieht so aus, als ob ich Konkurrenz hätte."
"Wer spricht da?", ich legte die Briefe zur Seite.
"Ich bin's, Patrick."
"Oh, hallo! Hab dich wohl verwechselt. Wie kann ich dir helfen?"
"Du könntest mit mir in der Mittagspause einen Kaffee trinken", meinte er.
"Ich weiß nicht, ob ich kann, weil ich am Projekt mit einem Arbeitskollegen arbeiten muss", sprach ich.
"Lässt er dich denn nicht essen?"
"Wohl kaum. Er... er mag mich nicht. Ich muss aufhören. Tschüss!", ich schaute auf die Tür und wünschte mir, dass jemand reinkommt.
"Nimm dir frei um 13 Uhr. Ich hol dich ab. Tschüss!", sagte er schnell und legte auf. Ich blieb mit einem offenen Mund da und schaute wütend aufs Handy. Ärger! Das bedeutete Ärger. Egal mit welchem Mann ich etwas anfing, es ging immer in die Hose. Ich legte das Handy zur Seite und kehrte zu meiner Arbeit zurück.
Um sechs Uhr bin war aufgewacht und konnte nicht mehr schlafen. Nach langen Überlegen fuhr ich mit dem offentlichen Transport in die Botschaft. Meine Honda war noch in der Werkstatt und wurde repariert. ich erfuhr, dass die Kosten ziemlich hoch sein werden, aber meine Eltern versprachen mir mit dem Geld zu helfen. Das beruhigte mich und ich konnte in Ruhe arbeiten. Um acht Uhr 30 tauchten auch andere Mitarbeiter auf.
Nach einer Stunde, um neun Uhr, erschien der Botschafter zur Arbeit. Er war gut gelaunt und nachdem er die Post in seinem Kabinett durchschaute, kam er zu mir und legte die Einladung zum Konzert der klassischen Musik mir auf den Tisch und meinte, dass ich unbedingt hingehen sollte. Er erklärte mir, dass er am 20. Februar beschäftigt sein wird. Ich bedankte mich und er fragte, wie es mit dem Projekt voranginge. Ich erzählte, dass die Zusammenarbeit mit Herrn Foster nicht sehr gut gewesen sei, aber dass ich hoffte, dass sie besser würde. Ich nutzte diese Möglichkeit mit dem Botschafter zu reden und fragte ihn, ob ich in die Mittagspause und 13 Uhr gehen könnte. Er sagte, dass er nichts dagegen hatte und nichts wichtiges geplant hatte. Ich atmete auf - Foster konnte mir also nicht verbieten um 13 Uhr die Mittagspause zu nehmen falls ihm sowas in der Art einfallen könnte.
Foster traf ich um zwölf Uhr, um das Thema zu besprechen, doch wir wurden uns nicht einig. Die Atmosphäre im freien Besprechungssaal war aufgedreht. Politik mochte ich noch nie, aber diesmal sah ich wie unerfahren ich war. Ich wurde von Foster in die Ecke gedrängt und sah keinen Ausweg. Seine Argumente waren gut und meine - schlecht. Er wollte den Kulturprojekt über den Kreml machen, doch ich war dagegen, weil ich begeistert von der Kultur der Bevölkerung war: die Lieder, die Kleidung, die Folklore. Ich fand das viel wichtiger und leichter an andere Menschen zu bringen. Foster wollte den Kreml unter die Lupe nehmen. Ein heikles Thema und davon verstand ich gar nichts - mein einziges Argument. Lächerlich, erniedricht, blöd - so fühlte ich mich, als im Gesicht meines Kontrahentens ein schiefes Lächeln auftauchte. Ich schwitzte und fluchte in meinen Gedanken über meine Dummheit und diese Situation, in der ich war.
"Na, ich vermute mal, dass Sie keine Argumente gegen meinen Vorschlag haben. Ist das richtig?", sprach Herr Foster in seiner tiefen Stimme und grinste.
Ich knibberte an meinen Jakett-Ärmeln und sprach: "Ich... Da haben Sie recht, Herr Foster, aber ich bin trotzdem der Meinug, dass ich leider nicht mit diesem Projekt klarkommen werde. Ich hab keine Idee, wie wir ihn vorbereiten und der Öffentlichkeit präsentieren könnten." Meine Stimme zitterte leicht bei letzten Worten.
"Und wie hoffen Sie Ihren Vorschlag der Öffentlichkeit zu überbringen?", er legte beide seine Unterarme auf den glänzenden Tisch aus undurchsichtbaren Glas.
"Mit Filmen, Musik, Tänzen, alles, natürlich, national. Wenn wir Tanz- und Gesangsgruppen, Theatergruppen, die mythologische Geschichte aufführen, einladen könnten, dann könnten die Menschen alles sehen, hören und davon gäbe es dann viel mehr Sinn. Äh... Wir könnten eine Ausstellung machen. Etwa so habe ich mir alles vorgestellt", meine Hände zitterten und ich versteckte sie unter dem Tisch.
"Schön, aber naiv", war das einzige, was Herr Foster sagte. Wir schwiegen.
Plötzlich öffnete sich die Tür und Kerstin aus dem Sekretäriat kam rein und sagte: "Etschuldigung für die Störung, aber dich erwartet ein junger Mann."
Ich stand auf und meinte, dass wir die Entscheidung später treffen könnten, und verließ den Besprechungssaal mit Kerstin. Sie fragte mich, wer er sei und ich murmelte - nichts besonderes.
Als ich den Aufenthaltsraum betrat, stand ein junger Mann in einem grauen Anzug und blauen Hemd und betrachtete ein Bild von Peterhof in Sankt-Peterburg. Ich grüßte ihn und er grüßte mich zurück. Wir verließen die Botschaft und gingen die kleine und enge Straße entlang. Er schwieg und ich fragte, ob er etwas essen wollte. Er nickte. In dem moment fühlte ich mich um vieles schlechter als vorher im Besprechungssaal mit Herrn Foster. Ich hatte das Gefühl, dass er mit offenen Augen träumt und drehte rasch nach links. Er reagierte nicht und ging ein paar Schritte weiter, dann schaute er sich um und rieb verwirrt mit der linken Hand am Hinterkopf. Ich lehnte mich zurück an die weiße Fassade eines Gebäudes und begann zu lachen.
Er kehrte blitzschnell zurück und sprach entsetzt: "Das ist nicht lustig. Das ist gar nicht lustig!"
"Doch", widersprach ich ihm, "das ich sehr lustig!"
"Komm! Ich lad dich zu einem ordentlichen Essen ein."
"Willst du damit sagen, dass ich schlecht esse?", wollte ich wissen.
"Ich hab nichts derartiges gesagt", sprach er und legte seinen Arm um mich.
Er führte mich zu einem kleinen Cafe, den ich noch nie zuvor bemerkt hatte, obwohl ich oft an ihm vorbeiging. Wir setzten uns an einem kleinen Tisch in der Tiefe des Cafes, der viel größer war, als ich dachte. Er ging zur Bar und bestellte für uns beide. Er sagte, dass es eine Überraschung für mich sei. Die Atmosphere war gemütlich und leise Musik strömte aus den Lauthörern, die in den vier oberen Ecken des Raumes befästigt waren. Ich wünschte mir, dass er nicht Eier oder etwas was mit Eiern zu tun hat bestellt hatte, weil ich Eier nicht mochte. Endlich wurde die Bestellung gebracht und ich konnte aufatmen - keine Eier in Sicht.
"Le salade de Ceaser", sprach er und grinste. "Guten Appetit!"
"Danke, dir auch guten Appetit", sagte ich und begann zu essen. Es schmeckte ziemlich gut.
Dieses Mal war er anders, er war irgendwo anders, ganz weit weg vom Cafe, von mir. Sein Blick schien fern und fremd zu sein und ich fragte mich, was das verursacht hatte. Langsam wurde das Cafe ungemütlich, die leise Musik wirkte störend und mir gegenüber sitzende Mann schien völlig fremd zu sein, was er auch eigentlich war.
"Ich muss zurück", sagte ich und stand auf.
"Was?! Warum?", er stand auch auf.
"Ich geh lieber", murmelte ich.
"Nein", er griff nach meiner Hand und zog mich nach unten bis ich saß, "geh nicht. Ich weiß nicht mal wie es dir geht. Du warst ein bisschen aufgeregt, als wir uns trafen. Was war denn los?" Ich erzählte über die Situation mit Herrn Foster im Besprechungssaal. "Darf ich eine Frage stellen?", wollte er wissen und ich nickte. "Wer ist Florian?"
"Florian? Er ist der Freund meiner Schwester. Warum fragst du?"
"Einfach so, ich war nur neugierig."
"Aber dich scheint nun mal auch etwas zu bedrücken, oder? Erzähl mal!", ich legte meine Hand auf seine doch zog sie sofort zurück, als er mich ansah.
"Ich hab Stress mit meinen Eltern", sagte er unwillig.
"Warum?"
"Weil... Weißt du, das ist eine Familienangelegenheit."
"Okay, wenn du nicht magst", meinte ich und schaute auf meinen halbleeren Teller. Ich hatte keinen Hunger mehr.
"Hättest du Lust heute mal wegzugehen?", fragte er und nahm meine Hand in seine.
"Ich weiß nicht. Ich bin nicht der Typ, der gern weggeht", antwortete ich und zog meine Hand langsam aus seiner. Zu viel, zu schnell, Ärger, nur Ärger, kam mir ein Gedanke.
"Komm schon!"
Ich schaute ihn erstaunt an. Wollte er mich überreden? Nie im Leben. Ich lächelte und stand auf. Weg, weg, vom Feuer fernhalten, weg!, eine Stimme klang in meinem Kopf.
"Heute um 20 Uhr, okay?", er stand mit mir auf.
"Das ist keine gute Idee", meinte ich. Probleme im Arbeitsplatz, finanzielle Probleme. Brauche ich jetzt Probleme im Privatleben?, fragte ich mich selbst. Ich schüttelte den Kopf und ging.
Um 14 Uhr setzte ich an meinen Schreibtisch und Kerstin lief zu mir, um zu sagen, dass Foster mit dem Botschafter gerade über etwas redet. Ich klopfte an der Kabinettür und ging rein. Foster saß dem Botschafter gegenüber und blieb in der Mitte des Satzes stehen. Ich wurde reingebeten - es ginge um das Projekt - und wurde gebeten Platz zu nehmen. Foster erzählte dem Botschafter über die Pläne des Projektes und unterstreichte die ganze Zeit, dass er diese Idee hatte. Und dann wurde die Idee erklärt und mir blieb der Mund vor erstaunen offen. Wort wörtlich erzählte er meinen Vorschlag nach. Betrogen, benutzt, weggeworfen - so fühlte ich mich, doch ich riss mich zusammen und blieb bis zum Ende ruhig sitzend. In mir kohte die Wut, der Schmerz und die Verzweiflung.
Der Botschafter freute sich sehr und mir war nach weinen, schreien zumute. Dann sprach er: "Ich hätte nie gedacht, dass Ihnen sowas einfallen wird, Herr Foster. Sie werden bestimmt sehr gut mit meiner Assistentin klarkommen. Wissen Sie, sie hat dieselbe Idee mir im Flugzeug, als wir von Russland wegflogen geschildert, als ich ihr vom Projekt erzählte. Das freut mich."
Der Emotions-Chaos verschwand und ich lächelte. Foster hatte kein Lächeln im Gesicht. Ich stand auf, entschuldigte mich und ging zurück zu meiner Arbeit. Meine Laune stieg und ich ärgerte mich nicht mehr über Kerstins Neugierde gegenüber Patrick, doch erzählte ihr trotzdem nichts. Um 17 Uhr verließ ich die Botschaft um meinen Schwager Florian zu treffen, der mir versprochen hatte mich nach Hause zu fahren. So erfuhr ich auch, wie es meiner Schwester geht. Nebenbei bat er mich für ihn etwas zu übersetzen. Als ich nach Hause kam, fing ich sofort mit dem Übersetzen an. Das war nicht so schwer wie es mir anfangs schien. Zwei A4 Format-blätter auf Französisch. Es ging um eine Diät. Entweder war es für Amelie oder Petra, doch die beiden waren doch schlank. Vielleicht für jemand anders?
Mein Nachdenken wurde von meiner Türklingel unterbrochen. Ich ging zur Tür und öffnete sie. Vor mir stand ein Mann in einer schwarzen Lederjacke, weißen T-Shirt, zerrissenen Jeans und Sportschuhen Nike - Patrick. Er grüßte mich und sparzierte herein. Die Kleidung schien nicht sehr angemessen für die Jahreszeit zu sein. Er zeigte auf die Uhr und bat mich anzuziehen. Er sagte, dass ich mich nicht warm anziehen sollte, weil wir mit dem Jeep fahren werden. Ich bewegte mich nicht vom Fleck. Ich wollte es mir am Fernseher gemütlich machen und warme Milch trinken und nicht irgendwo weggehen. Er setzte sich auf die Couch und sagte, dass ich auch so gehen könnte, weil ich immer toll aussehe. Ich schmiss einen Kissen nach ihm und verschwand in meinem Zimmer. Nach kurzen Nachgrübeln entschied ich mich nach ihm zu richten und zog alte, blaue Jeans, auf dessen rechten Pohälfte ein Schmetterling aus Jeans mit Kristallen draufgenäht war (das hatte meine Mutter getan, als ich nach Hause kam und an der Stelle ein großes Loch hatte), dunkel-grünes Top mit einer goldenen Inschrift Heaven, schwarz-weiße Lederjacke, schwarze Stiefel mit Absätzen und schwarzen, massiven Gürtel aus Leder an. Ein paar Stränen hatte ich zurückgesteckt, damit sie mir nicht ins Gesicht fallen und stören könnten. Nach 15 Minuten erschien ich vor ihm. Er kam auf mich zu und meinte, dass ich nicht Zuhause bleiben dürfte. Und schon waren wir weg.
Laute Musik, grüne Laser, Lichter in allen Regebogenfarben, Dunkelheit, tanzende junge Leute - das sah ich nach dem Betreten des Clubs KM3. Alle schienen gut gelaunt zu sein und amüsierten sich prächtig. Es war schon 21 Uhr, ich hatte auf die Autouhr geguckt. Ich hatte keine Erfahrung mit wilden Diskos und Partys wie Lisa oder Amelie. Irgendwie wurde ich nie eingeladen, weil manche mich für eingebildet hielten, die anderen - für brav. Er nahm mich an die Hand und zog auf die Tanzfläche, die überfüllt war, doch irgendwie, auf eine mir unbekannte Weise, fanden wir ein freies Fleckchen. Die Musik war nicht immer nach meinem Geschmack, aber ich hatte trotzdem viel Spaß. Er war ein sehr guter Tänzer, das merkte ich sofort. Langsam wurden wir müde und setzten uns an die Bar. Er erzählte mir etwas lustiges und ich lachte. Der Barman kam zu uns und er bestellte einen Drink mit einem merkwürdigen Namen, an dem ich mich nicht errinere, und ich fragte nach Orangensaft.
"Saft? Hey, Kleine, du bist doch hier nicht im Kindergarten!", sagte der Barman und grinste.
"Lass sie, wenn sie will", antwortete der Schwarzhaarige ernst.
"Ich will Orangensaft. Mein Arzt hat mir strickt verboten Alkochol zu trinken. Ich könne angeblich rückfällig werden. Ich bezweifle das, aber wenn er das sagt...", sprach ich und zuckte mit den Achseln.
"So jung schon? Verstehe. Kommt gleich", nickte er verständnisvoll und verschwand.
Meine Begleitung guckte mich erstaunt an und ich zuckte mit den Achseln lächelnd. Dann wurden die Drinks serviert und ich schaute voll mit Wider auf seinen Drink, der neon-blau war. Er fragte mich, warum ich kein Alkochol trinke, und erklärte ihm, dass ich morgen arbeiten musste. Er hob seine beiden Augenbrauen, doch schwieg und trank weiter. Ich fragte mich, wie spät es schon sei. Der Club war voll, obwohl es Mittwoch war und man am nächsten Morgen zur Arbeit gehen musste. Na ja, vielleicht war ich da auch die Einzige, die am nächsten Morgen um acht Uhr morgens am Schreibtisch sitzen und die Post durchsehen wird. Alle andere sahen nicht so aus, wie ich oder meine Bekannten. Sie betranken sich wie Schweine, Hüllen fielen und andere Paare knutschten rum. So eine wilde Zeit hatte ich noch nie auf meiner eigenen Haut erlebt und Lust darauf hatte ich auch nicht. Vielleicht war es hier so ein Club für die sehr reichen Leute. Was mache ich hier?, dachte ich.
"Hey, Pat! Was geht ab?", hörte ich eine bekannte Stimme. Das war derselbe rauchende Mann vom Flughafen. Was für ein Wunder - jetzt hatte er auch eine Kippe im Mund! Sie schüttelten die Hände und sprachen über etwas, wovon ich nichts mitkriegte, weil es mich nicht interessierte und weil sie sehr leise redeten.
Ich bemerkte ein Grüppchen, das meine Aufmerksamheit auf sich lenkte. Fünf Leute, zwei Mädels und drei Jungs, meines Alters oder älter, sie tranken Getränke die glühend neon-rosa waren, redeten und lachten laut, dazu waren sie gleich gekleidet - blaue Jeans, Stiefel und rote T-Shirts. Ein blonder Typ mit einer Mütze erzählte etwas und alle lachten außer einem Mädel mit einem Pferdeschwanz, das den Blonden offensichtlich korrigierte. Ich stand auf, weiß nicht mehr warum, und wurde so stark gestoßen, dass ich mit großem Krach umfiel. Der Boden war dreckig und ich stand schnell auf. Vor mir stand die Schuldige - eine ca. 1.80 m große, schlanke, blonde Frau, sie trug einen Minirock, der jeden Paris Hiltons Minirock toppte, eine Jeansjacke und einen winzigen, rosa Top. Ich schaute sie wütend an, aber sie hatte gar nicht vor sich zu entschuldigen.
"Hallo, Pat! Wie geht's so?", sprach sie.
Ich wendete mich von ihnen ab - fremde Gespräche gingen mich nichts an. Plötzlich wurde ich am Arm gezogen und war auf der Tanzfläche mit dem Blonden, den ich vorher geobachtet hatte. Er grüßte mich und entschuldigte sich für sein Verhalten, aber er wollte unbedingt mit mir tanzen. Ich tanzte drei oder vier Lieder mit ihm und das Mädel mit dem Pferdeschwanz löste mich ab. Ich erfuhr viel vom Blonden, zum Beispiel, dass ich mich in einem exclusiven Club für reichen Nachwuchs befand. Ich ging zurück zur Bar und bestellte mir Mineralwasser mit Eis, weil mir nach dem Tanzen heiß war.
"Wo warst du?", fragte der Schwarzhaarige und blickte zu mir rüber. Seine Frage klang für mich aufdringlich und grob, darum sagte ich nichts. Was glaubte er, wer er war? Mein Vater oder meine Mutter? Doch er wiederholte seine Frage.
Die blonde Frau neben ihm runzelte ihre Nase als ob ich etwas widerliches wäre und sagte: "Sie ist schon taub geworden. Warum bringst du sollche Naivchen hierher?"
"Hey, Inga, sei nicht so gemein, sonst wird die Kleine noch weinen!", lachte der Rauchende laut.
Naivchen, Kleine? Das musste ich nicht dulden, doch ich zählte langsam bis zehn und ignorierte das Gesagte.
"Lass uns tanzen", sagte der Blonde, der plötzlich vor mich aufgetaucht war, und zog mich auf die Tanzfläche. Der Blonde war sogar besser im Tanzen als meine Begleitung. Wir tanzten so lange bis wir beide uns kaum auf den Beinen halten könnten. Nur dank ihm schrieb ich den Abend nicht unter das Etikett langweilig, scheußlich, schrecklich, abscheulich ab. Wir gingen zusammen an die Bar und ich bekam mein Mineralwasser. Der Barman schien sich an mich sehr gut zu errinern und guckte mich mit einem mitfühlenden Blick an.
Die Diskussion zwischen der Blonden und dem Schwarzhaarigen war sehr laut und wir kriegten alles mit.
"Nur wegen dir hab ich Ärger mit meinen Eltern. Was für einen Scheiß hast du ihnen erzählt? Du bist doch selbst Schuld an allem!", schrie der Schwarzhaarige.
"Ach ja? Na und! Mir ist doch egal und geht dich nichts an!", sie schrie zurück.
"Du bist eine Schlampe! Hast du mindestens jemanden gefunden, der viel mehr Kohle hat als ich?"
"Natürlich! Und er ist ein Mann und nicht so ein Milchbubi wie du!", zischte sie.
"Beruhigt euch!", der Rauchende ging dazwischen.
"Weißt du was, mein Lieber?", sprach sie und lehnte sich zu ihm näher bis ihre Gesichter ganz nah bei einander waren. "Du liebst nur mich und wirst mich immer lieben. Du willst mich, oder?" Sie küsste ihn, er zog sie an sich und sie küssten sich lang und leidenschaftlich. Der Blonde neben mir pfiff überrascht. Ich starrte nur auf sie. Der Kuss dauerte eine Ewigkeit und als ihre Lippen sich lösten blieb sie in seinem Arm und setzte sich auf seinen Schoß.
"Hat er dich zum Teufel geschickt, dass du zu mir zurückkriechst?", fragte er grinsend und strich eine blonde Sträne ihr aus dem Gesicht.
"Ich liebe nur dich", sagte sie und küsste ihn. Dieser Kuss dauerte nicht so lange, aber war nicht weniger leidenschaftlich.
"Wirklich? Oder sind das nur Lügen, Inga?"
"Schau mir in die Augen. Pat, ich liebe dich und will dich. Nur dich", ihre Lippen berührten sich schon wieder und ich wendete meinen Blick ab. Ich schaute mich um. Viele verfolgten diese Szene mit Interesse. Ich schaute zu Patrick und Inga. Ihre Hand befand sich unter seinem T-Shirt und streichelte seine Brust und seinen Bauch. Mir war es peinlich zu gucken, aber andere empfanden es so nicht. Sein Gesicht blieb ernst. Sie zog ihm seine Lederjacke aus und warf sie zum Boden, dann landete ihre Jeansjacke auf den Boden und sein T-Shirt. Jetzt beobachteten viel mehr Leute die Szene. Sie küsste ihn zärtlich auf den Hals, dann mehrmals auf die Brust. Ich konnte mir das nicht mehr anschauen. Der Blonde bemerkte meine Unruhe und erklärte, dass solche Szenen in diesem Club zum Programm gehörten, darum nannte man ihn auch manchmal Szenenclub (wegen der Szenen). Es war schrecklich anzusehen, wie er mit seiner linken Hand ihre rechte Brust streichelte, leicht zusammenpresste und küsste. Sowas macht man doch nicht in der Öffentlichkeit! Mir reichte es und ich stand auf um zu gehen doch der Blondschopp zog mich am Arm zurück. Der Schwarzhaarige schaute mich an. Sein Blick war leer.
Sie lehnte sich zu Patrick um ihn zu küssen, doch er wich ihr aus und sagte: "Entschuldige dich bei ihr. Du hast sie ja schließlig vorher umgestoßen." Mit einer Kopfbewegung zeigte er auf mich.
Inga lächelte und sagte: "Tut mir leid für die Sache vorher. Das war nicht absichtlich."
Ich nickte und versuchte mich vom Griff des Blondschopps zu befreien, aber ergebnislos. Vielleicht wollte ich das auch nicht so sehr, vielleicht wollte ich wie jeder anderer wissen, was weiter geschehen wird.
"Inga", der Schwarzhaarige drehte sich zu ihr, "ich liebte dich, aber du hast mich betrogen." Er umarmte sie und küsste sie auf die Lippen. Ich spürte einen Stich und zuckte zusammen. Ich wusste es, ich wusste ganz genau, dass er mich nur benuzt hatte, um sie eifersüchtig zu machen und zurück zu bekommen. Ich fühlte mich blöd. Dann hörte ich seine Stimme: "Eigentlich hab ich dir nichts zu sagen. Wir hatten uns schon letztes Jahr getrennt und das bleibt so."
"Ja, aber ich liebe dich!", schrie Inga.
"Ich liebe dich aber nicht! Du hast mich betrogen!", war die Antwort.
"Es tut mir leid, Pat! Ich... Es tut mir leid. Ich hatte dich vermisst und... ", stotterte Inga.
"Hör lieber auf. Weißt du - dank dir hab ich etwas gutes gemacht, denn als ich wütend zum Flughafen fuhr, um die Weihnachten nicht bei dir sondern in den französischen Alpen zu verbringen, traf ich ein nettes Mädchen, das Hilfe brauchte. Ich half ihr. Dafür bin ich dir dankbar. Alles Gute dir, Inga. Ich bin geheilt", er stand auf, hob seine Sachen vom Boden und kam auf mich zu. Dann griff er nach meiner Hand und zog mich aus dem Club. Draußen löste ich mich von seinem Griff. Ich war sprachlos und verwirrt.
Ich hatte mir einmal in der 11. Klasse einen Flirt mit einem Jungen erlaubt. Der Resultat: drei schlecht geschriebenen Kontrollarbeiten und viel Mühe und Kraft um die Noten zu verbessern, dabei dauerte dieser Flirt nur zwei Tage. Bescheuert. Nach dem schickte ich alle Jungs zum Teufel - meine Lektion hatte ich schließlig gelernt.
Er schaute mich erstaunt an und ich fragte mich, was mit mir los war. War ich eifersüchtig oder verletzt? Warum hatte ich auf meine innere Stimme nicht gehört? Sie hatte mich doch gewarnt. Zu schwach, zu schwach, kam es mir in den Kopf und ich ging weg. Seine Gegenwart war mir wider.
Ich ging die Sraße entlang. Sie war mir bekannt, aber ich konnte mich nicht errinern woher. Ich fragte mich wie spät es war. Es war dunkel und die Laternen warfen ein gelbes Licht auf die leere Straße. Ich fror. Es war ja Winter, Januar. Wie nannte man diesen Monat nochmal? Ich überlegte es mir und errinerte mich. Eismond, Hartmond, Hartung, Jänner, Schneemond, Wintermonat - so stand es in dem Großen Duden, den ich Zuhause hatte. 1943 wurde er herausgegeben. Und dann begann ich nachzudenken wie die anderen Monate hießen. Ich errinerte mich nur an Dezember - Christmond, Julmond, Wintermonat. Ich zitterte. Was hab ich mir gedacht, als ich in solcher Kälte (-20°C!) meine warme Wohnung mit diesem Idioten verließ!, ich schimpfte mit mir selbst und blieb wie angewachsen stehen. Ich errinerte mich an diese Straße. Nicht weit von hier wohnte doch Petra, Florians Schwester. Ich war drei Mal bei ihr zu Gast und verstand mich mit ihr sehr gut. Es war mitten in der Nacht und ich war nicht überzeugt, dass es richtig wäre, wenn ich sie aufwecken würde. Wenn hier, nicht weit weg, Petra lebte, dann war ich am anderen Ende der Stadt. Ich bereute, dass ich das Handy nicht mitgenommen hatte. Ich stand vor einer Entscheidung: Petra aufwecken oder nach Hause gehen und sich dabei eine Erkältung holen.
Ich wählte die erste Möglichkeit. Mir war alles sehr peinlich und ich weiß nicht wie ich es schaffte an ihre Tür zu klopfen (die Klingel war kaputt). Sie schlief noch nicht, weil sie nicht müde war. Petra fragte nicht viel, schob mich unter die Dusche, gab mir warme Kleidung und bereitete mir einen heißen Kakao. Ich setzte mich auf den weichen Teppichboden in ihrem Wohnzimmer und trank Kakao. Er war angenehm warm und süß. Sie setzte sich mir gegenüber und begann zu zeichnen. Sie war eine Visagistin und in ihrer Freizeit zeichnete sie. Ihre Bilder waren wunderschön. Ich guckte auf die Uhr - zwei Uhr. Ich seufzte und warf meinen Kopf nach hinten. In sechs Stunden hatte ich geplant am Schreibtisch zu sitzen. Zur Arbeit musste ich um neun Uhr erscheinen, aber ich kam doch gern früher und ich war nicht die Einzige - ein paar Mädels erschienen auch früher um die Arbeit, die sie gestern nicht beendet hatten, zu Ende zu führen.
"Was ist passiert?", fragte Petra. "Wenn du nicht erzählen willst, dann mach das nicht, aber meiner Meinung nach solltest du mit jemanden reden."
"Das ist sehr kompliziert und eine sehr lange Geschichte. Auf jeden Fall bin ich selbst schuld daran", antwortete ich und stellte die leere Tasse auf den kleinen Glastisch zwischen uns.
"Wir haben Zeit." Ich erzählte ihr über den 22. Dezember, über das Treffen im Flughafen, über das Essen und über den Clubbesuch. Sie hörte aufmerksam zu. "Ruf ihn an", kam es von ihr. "Errinerst du dich an seine Nummer?"
"Nein und ja", war meine Antwort. Sie zog ein Blatt aus ihrem Skizenbuch und schob es zu mir mit einem Bleistift rüber. Ich schrieb die Nummer. Ziffern konnte ich mir immer gut merken.
"Warum?", Petra zeichnete weiter und hob nicht ihren Blick zu mir. Ich erklärte ihr, dass ich das nicht wollte. "Übrigens, du bist nicht an allem Schuld. Er ist der Schuldige", fügte sie hinzu, "in dieser Geschichte. Dann werde ich ihn anrufen!" Sie nahm das Blatt Papier, auf dem die Nummer stand, ihr Handy und wählte die Nummer. Ich protestierte nicht und blieb ruhig sitzend, denn sie war genauso stur wie ich, und ich war müde. "Hallo? Ist das Patrick? ... Gut, ich suche meine Freundin. Sie war heute mit dir verabredet, aber sie ist nicht nach Hause gekommen. Wo ist sie? ... Wie du weißt das nicht? Dui hast sie doch nach Hause gebracht, oder? ... Warum nicht? ... Okay, wo wart ihr? ... Im Club KM3? Aber das liegt doch am anderen Ende der Stadt! Wie konntest du sie allein gehen lassen in solcher Kälte! Ich hoffe - sie war warm angezogen. ... War sie nicht? Du bist ein Idiot! Wenn sie irgendwo erfroren rumliegt... Ich bring dich dann um!", schrie sie und legte auf. Sie lächelte und meinte, dass sie eine wundervolle Schauspielerin sei.
Ich nickte und legte mich auf den weichen, langfeder Teppich. Nach 30 Minuten klingelte ihr Handy. Sie hob ab und ging in die Küche, wo ich hörte, wie sie leise spricht. Ich wurde müde, nahm zwei Kissen vom Sessel, den Einen legte ich mir unter dem Kopf und den Anderen umarmte ich um schneller einzuschlafen. Irgendwann schlief ich ein.
Das Licht bländete mich und ich öffnete meine Augen. Ich sprang hoch und guckte schnell auf die Uhr - sieben Uhr. Petra stand vor mir in ihrem blauen Bademantel und fönte sich die Haare. Sie lächelte mir zu und sagte, dass das Badezimmer frei sei. Im Badezimmer stellte ich mich vor den Spiegel. Meine Haare waren dreckig und klebten an meinem Gesicht, und ich verstand, dass ich mich erst duschen muss. Ich zog Petras blauen Pullover und ihre graue Hose aus und öffnete den Wasserkahn. Ich schaute mich kurz um und fand Shampoo, den Petra offensichtlich benuzt hatte, weil der Deckel offen war. Er duftete nach Pfirsichen. Nach etwa fünf Minuten stand ich schon wieder vor dem Spiegel. Diesmal gefiel mir mein Gegenbild und ich bemerkte, dass für mich ein großes Handtuch vorbereitet war. Ich trocknete mich, zog den zweiten Bademantel an und verließ das Badezimmer.
Petra hatte sich schon umgezogen, brachte mich in ihr Zimmer und sagte: "Hier - mein Kleiderschrank! Wir haben ja verschiedene Größen, aber versuch hier mal etwas für sich selbst zu finden." Es klingelte an der Tür. "Bestimmt mein Nachbar", erklärte sie und lief zur Tür. Petra war schlanker als ich, größer auch, darum war es sehr unwarscheinlich, dass ich etwas finden würde, dass mir wie angegossen passt. Ich began rumzukramen und konnte am Ende etwas vernünftiges zusammenstellen. Ich fand einen gelben Pullover, der aus synthetischen Material war und an mir gut aussah, einen schwarzen Rock, der ihr über dem Knie endete, mir - unter dem Knie, doch es sah ordentlich aus. Ich zog mich an und schaute in den Spiegel. Ich sah anders als sonst aus, aber man konnte sowas anziehen ohne sich den ganzen Tag zu verstecken. Über Schuhe machte ich mir keine Sorgen, weil ich in der Botschaft sie immer umzog und die schwarzen Halbstiefel, die ich gestern anhatte, würden bestimmt gut passen, hoffte ich. Zwischendurch brachte mir Petra braune Strumpfhosen. Ich hörte wie sie mit jemanden in der Küche sprach. Dann kam sie zu mir und fragte wie ich geschlafen habe.
"Gut, ziemlich gut eigentlich. Nur ich hab so sehr geschwizt. Das passiert mir selten, nur wenn's heiß ist. Ja, und das Kissen -"
"Vergiss es! Sag mal, was würdest du sagen, wenn ich dir erzählen würde, dass du nicht allein geschlafen hast?", sprach Petra.
"Du spinnst! Mit wem denn?", lachte ich. Eine Antwort auf diese Frage bekam ich nicht. Sie zog mich schnell in die Küche.
"Mit ihm", war die Antwort und Petra ließ uns allein.
Er. Ihn hatte ich nicht erwartet zu treffen, nicht so früh. Er stand am Küchentisch vor dem Fenster und schaute mich an. Mein Herz erstarrte am denselben Augenblick, an dem ich ihn sah, und schlug nicht mehr. Ich konnte kein Wort sagen und mein Kopf war so leer wie damals bei Physik-Kontrollarbeiten. Sein Blick war nicht leer wie gestern, da war etwas, ich wusste nur nicht was. Er schwieg und diese Stille war für mich eine Qual, weil mir verschiedene Gedanken in dem Kopf kamen: ich wusste es, selbst schuld, was will er usw. Was sollte ich sagen? Ich konnte ja fragen, was das alles sollte, aber sah keinen Grund dafür. Ich errinerte mich, dass Petra mir gesagt hatte, dass ich nicht allein geschlafen hätte. Hatte sie da gelogen? Wohl kaum oder doch? Ich fühlte mich unwohl.
"Was willst du? Ist das wahr, was Petra gesagt hat? Hast du hier übernachtet? Wie kommt's? Warum? Was soll das alles?", kam von mir und ich wunderte mich selbst über diese Worte, die von mir kamen. Patrick schwieg, er hatte wohl nicht vor mir zu antworten. Er machte einen Schritt auf mich zu und ich machte zwei zurück.
"Ich machte mir Sorgen", sagte er. "Deine Freundin rufte mich an und warf mir vieles vor, danach konnte ich keine Ruhe finden. Ich weiß, was du denkst. Es waren keine Schuldgefühle, es war etwas mehr. Ich rief sie zurück und sie verriet mir die Addresse. Als ich ankam, dann hast du schon geschlafen. Ich wollte nur eine Weile bei dir bleiben, aber ich schlief ein. Ich wachte sehr früh auf und fuhr nach Hause, um mich umzuziehen. Ich... Es tut mir alles leid, aber du hast das misverstanden. Ich habe mich von Inga getrennt bevor ich dich kennenlernte. Ich wollte dich nicht benutzen, bitte, glaub mir! Ich... Ich mag doch dich und würde mich sehr freuen, wenn wir Freunde bleiben könnten. Geht das?!", er hob seine Hand und legte sie auf meine Schulter.
"Das geht nicht", sagte ich und befreite mich von seiner Hand. "Zu weit bin ich gegangen. Alles ist einfach aus der Kontrolle geraten, mindestens für mich."
"Aus der Kontrolle? Du übertreibst ein bisschen", auf seinen Lippen merkte ich nur einen Schatten vom Lächeln. "Wir verstehen uns doch ziemlich gut und ich mag dich sehr. Du bist wichtig für mich."
Du bist mir auch sehr wichtig, dachte ich und sprach: "Ich mag dich auch aber anders. Das kannst du nicht verstehen, weil ich's selbst nicht verstehe. Das ist zu kompliziert."
"Alles wird schon gut. Tut mir leid für die Szene von gestern", er machte einen großen Schritt und und schon war ich in seinem Arm. Er wickelte eine Sträne von meinen Haaren um seinen Finger und summte ein Lied vor sich hin. Ich merkte, dass meine Hände sich langsam um seine Taille schlungen und ich versteckte mein Gesicht in seinem grauen Pullover. Ich begriff selbst nicht, was ich machte, aber ich brauchte seine Nähe, das wusste ich. Er duftete frisch, nach Meer vielleicht.
"Ich will ja euch nicht stören", sagte Petra, "aber ich wollte meine Freundin schminken, damit sie nicht so schrecklich aussieht wie jetzt." Ich folgte ihr in das Wohnzimmer, wo alle ihre Utensilien ausgepackt waren, wie sie sagte. Es war schon ein Viertel nach acht und Petra versprach mich nicht weit vor der Botschaft abzusetzten. Als sie mit meinem Gesicht fertig war, begann sie mit meinen Haaren zu kämpfen. Sie waren lang, lockig und ein bisschen noch nass, darum wurden sie gefönt. Das Resultat sah gut aus und ich war zufrieden. Ich sah noch besser aus als meistens.
Die Zusammenarbeit am Projekt mit Herrn Foster war erfolgreich und interessant und ich freute mich, dass ich nicht Zuhause an einem anderen Projekt arbeiten muss, wie ich's mir vergenommen hatte. An dem Abend, nach der Arbeit, sprach ich mit der Concierge darüber, dass sie einen Unbekannten einließ (den Tag zuvor - Patrick). Es war 19 Uhr und ich machte den Abwasch, als das Telefon an der Tür klingelte. Ich hob den Telefonhörer und fragte wer das sei.
"Ich bin's. Wir müssen reden", hörte ich Patricks Stimme.
Ich legte auf und ging in die Küche. Ich wollte ihn nicht sehen - ich brauchte Ruhe und musste wieder zu sich kommen. Patrick störte mich nicht mehr. Gott sei Dank, dachte ich damals.
Ich hatte einen ernsten Grund, warum ich Patrick nicht mehr treffen wollte. Und Petra kannte diesen Grund, aber sie versprach zu schweigen. Sie war meine Vertrauensperson in der Zeit.
Meine Schwester Amelie und mein Schwager Florian hatten sich in den Kopf gesetzt mich mit jemanden zu verkuppeln. So wurde ich gezwungen mit einen Arbeitskollegen von Florian namens Henrich, der sich gerade in der Zeit sich von seiner Frau getrennt hatte, ins Museum zu gehen. Diese Verabredung hatte ich mir langweilig vorgestellt, aber es war sehr interessant, weil er mir sehr viel zu erzählen wusste. Dieser Samstag war schön. Später sparzierten wir durch die Altstadt. Henrich war um einiges älter als ich, konkreter - um zehn Jahre, doch das merkte ich kaum. Sein Äußeres hatte daran nicht sehr gelitten. Viele Frauen bevorzugten ältere Männer und nach dieser Verabredung verstand ich warum. Er war aufmerksam, intelligent, nett und interessant. Als wir in der Kälte einen Platz in der Altstadt beobachteten, küsste er mich auf die Wange und dann sanft auf die Lippen. Der Kuss war wie eine Berührung von einer Feder. Nach dem Kuss legte er seine Hand um meine Taille, als wir weitergingen. Ich ließ das zu, denn es war ein schönes Gefühl von Geborgenheit.
Danach traf ich mich mit Henrich regelmäsig. Eine neue Freundschaft war geboren, aber ernste Gefühle gab's weder von meiner, noch von seiner Seite. Die mit ihm verbrachte Zeit war entspannend für mich. Wir küssten uns manchmal, doch da wurde nichts mehr. Mir gefiel es mit ihm seine Kinder zu besuchen und mit ihnen sparzieren oder ins Eiscafe zu gehen, obwohl seine Frau eine unzufriedene Miene zeigte. Mit seinen Kindern verstand ich mich bländend, worüber ich mich wunderte. Für Henrich war die Zeit sehr schwer, weil der Scheidungsprozess lief. Ich freute mich, dass ich ihn unterstüzen konnte.
In der Zeit war ich ein wenig verwirrt über die ungeteilte Aufmerksamkeit, die mir fremde Männer erteilten, zum Beispiel, wenn ich nach dem üblichen Einkaufen nach Hause ging und die Schweren Tüten tragen musste, gab es immer jemanden, der mir seine Hilfe anbot, oder wenn ich im öffentlichen Transport fuhr, wurde mir immer der freie Platz angeboten, sogar wenn ich mich fünf Meter entfernt von ihm befand. Petra erklärte dieses Verhalten der Männer mit ihrer Theorie, die etwa so lautete: wenn du vergeben bist, dann spüren das die Männer, sehen dich als eine Trophee oder Beute und versuchen dich zu erobern; wenn du solo bist, dann wissen das die Männer und sind nicht eininteressiert, weil du den Wert in ihren Augen verloren hast. Sie versuchte mir diese Theorie zu beweisen und ging mit mir mehrmals in die Disko, ins Cafe und zum Bouling. ich war das Versuchskanninchen. Eigentlich war ich's gewöhnt, dass andere das Versuchskanninchen spielen, aber jetzt musste ich einfach Klappe halten und mitgehen. Sie hatte recht. Überall, wo wir waren, gab's mindestens drei Männer, die mit mir geflirtet, getanzt oder geredet hatten.
Am 20. Februar ging ich mit Henrich zum Konzert der klassischen Musik. Petra ging auch mit ihrem gutaussehenden Nachbarn mit. Es war sowas wie ein Doppeldate, wie wir uns geeinigt hatten. Das Konzert war wundervoll. In der Pause erzählte mir Henrich über die Musiker und die Werke, die sie spielten. Petra, Markus, ihr Nachbar und ich hörten aufmerksam zu. An diesem Abend fühlte ich mich so gut wie lange schon nicht. Henrichs Hand um meine Taille, Petras Lachen und Markus, der seine Eindrücke uns schilderte, machten diesen Abend besonders. Bevor der zweite Teil begann, gingen Petra und ich in den Damenraum. Auf den Weg dorthin wurden wir mehrmals angesprochen und ich musste Petras Theorie recht geben. Der zweite Teil noch schöner als der Erste. Das sowas möglich war, hätte ich nie geahnt. In der zweiten Pause wollten wir, Petra und ich, nach draußen gehen, um frische Luft einzuatmen. Henrich und Markus versprachen später zu uns zu kommen.
Die kalte Abendluft war angenehm nach der Hitze, die drin herrschte. So meinten auch andere, ins besondere - Raucher. Wir gingen in den Theaterpark und setzten uns auf eine Bank, von der wir die Eingangstür im Wisier hatten. Nach einer kurzen Weile wollten zwei Männer sich zu uns setzten, aber wir sagten, dass wir schon eine Verabredung haben. In Petras Augen konnte ich nur Triumph sehen - sie hatte recht. Langsam wurde es kälter und wir setzten unsere Kapuzen auf, mit denen wir lustig aussahen. Plötzlich setzte sich neben mir ein Mann und legte seinen Arm um meine Schultern. Ich erstarrte und Petra sagte, dass wir schon Verabredungen haben und er uns in Ruhe lassen soll. Er schien nicht zuzuhören und ich befreite mich schnell von ihm. Wir wollten gehen, doch dann griff er nach Petras Arm. Zum Glück, tauchten Markus und Henrich auf und befreiten uns von ihm. Markus hatte ihm eine reingehauen und der Mann lag im Schnee. Dann geschah alles wie im verlangsamten Film.
Zwei andere Männer liefen ihm zu Hilfe. Einer half ihm aufzustehen und der andere schlug Markus. Petra ging wütend auf ihn los, doch er hielt sie mit einer blitzschnelllen Bewegung auf und sie fiel zum Boden neben Markus. Keine Ahnung woher in mir diese Wut aufflackerte und ich schubste den anderen Mann so stark, dass er rückwerts auf den Boden fiel. Er sprang hoch und wollte mich schlagen, als Henrich seine Faust nur Milimeter vor meinem Gesicht aufhielt. Mein Herz raste wie wild. Henrichs Faust traf ihn und er ging zum Boden. Dann tauchte eine junge Frau auf, die zu dem niederkniete, der Henrichs Treffer abbekam.
"Derek, bist du in Ordnung?", fragte sie. "Was glauben Sie überhaupt, wer Sie sind?", schrie sie auf Henrich.
Henrich blieb ruhig und ich bewunderte seine Ruhe. Petra und Markus waren schon auf den Beinen hinter mir.
"Erst schlagen sie meinen Bruder Leo und jetzt noch meinen Freund. Was glauben Sie, wer Sie sind? Idiot!", schrie sie wie verrückt.
"Lea, beruhige dich!", sprach Derek. "Ich mach ihn alle. Geh zur Seite!"
Ich stellte mich vor Henrich. Mich zerreiste Wut und in solchen Momenten war ich auf alles fähig. In meiner Manteltasche befand sich ein Messer, den mir mein Vater vor vielen Jahren zum Geburtstag geschenkt hatte.
"Geh zur Seite, du Schlampe!", er schob mich zur Seite und schlug auf Henrich ein, der dem Schlag auswich. Lea und Petra gaben einen Schrei von sich. Mein Herz zuckte zusammen.
"Lea, was ist hier los?!", schrie jemand.
"Keine Sorgen, Daniel! Derek macht ihn alle!", schrie sie zurück.
"Max, Reiner, kommt hier! Und du hol die Anderen", schrie er und Lea lief zum Theater.
Was haben sie vor?, schoss mir durch den Kopf. Markus stellte sich vor mir und Petra. Sie presste meine Hand zusammen. Sie zitterte und das war nicht die Kälte. Sie flüsterte zu Markus, dass er nichts machen sollte und wir Hilfe holen mussten. Uns näherten sich mehrere Männer, die nicht freundlich aussahen. Um mich drehte sich alles und mir wurde schwindlig. Ich fühlte mich wie in einem Karussel. Henrich hatte allen Schlägen ausgewichen. Wie ein Profi, dachte ich. Der Mann, der anscheinend Daniel hieß, mischte sich in den Kampf und schlug auf Henrich ein. Markus wollte schon zu Hilfe eilen, aber Petra klammerte sich in seine Hand. Er schlug mit dem Bein in sein Bauch und ich griff völlig automatisch nach dem Messer in meiner Tasche und stich in sein Bauch ein. Blut sprizte auf meine Hand und ich zog sie zurück mit dem Messer, der jetzt blutig war. Tausend Mal hatte ich mit Amelie und unseren Vater Selbstverteidigung trainiert, aber ich hätte nie gedacht, dass ich je auf jemanden einstechen werde. Alle machten erstaunt einen Schritt zurück. Petra schrie mich an, aber ich verstand gar nichts. Sie schien mir eine völlig fremde Sprache zu sprechen. Dann fiel sie in Ohnmacht. Ich hörte einen Schrei, der kam von Lea, denn der Mann auf den ich eingestochen hatte, war Derek. Sie fiel neben ihm auf die Knie und weinte. Plötzlich spürte ich, dass jemand hinter mir stand - es war Daniel. Meine Wut hatte sich in der Luft aufgelöst und ich war leer. Henrich lag noch auf den Boden und kam zu sich.
, schoss mir durch den Kopf. Markus stellte sich vor mir und Petra. Sie presste meine Hand zusammen. Sie zitterte und das war nicht die Kälte. Sie flüsterte zu Markus, dass er nichts machen sollte und wir Hilfe holen mussten. Uns näherten sich mehrere Männer, die nicht freundlich aussahen. Um mich drehte sich alles und mir wurde schwindlig. Ich fühlte mich wie in einem Karussel. Henrich hatte allen Schlägen ausgewichen. , dachte ich. Der Mann, der anscheinend Daniel hieß, mischte sich in den Kampf und schlug auf Henrich ein. Markus wollte schon zu Hilfe eilen, aber Petra klammerte sich in seine Hand. Er schlug mit dem Bein in sein Bauch und ich griff völlig automatisch nach dem Messer in meiner Tasche und stich in sein Bauch ein. Blut sprizte auf meine Hand und ich zog sie zurück mit dem Messer, der jetzt blutig war. Tausend Mal hatte ich mit Amelie und unseren Vater Selbstverteidigung trainiert, aber ich hätte nie gedacht, dass ich je auf jemanden einstechen werde. Alle machten erstaunt einen Schritt zurück. Petra schrie mich an, aber ich verstand gar nichts. Sie schien mir eine völlig fremde Sprache zu sprechen. Dann fiel sie in Ohnmacht. Ich hörte einen Schrei, der kam von Lea, denn der Mann auf den ich eingestochen hatte, war Derek. Sie fiel neben ihm auf die Knie und weinte. Plötzlich spürte ich, dass jemand hinter mir stand - es war Daniel. Meine Wut hatte sich in der Luft aufgelöst und ich war leer. Henrich lag noch auf den Boden und kam zu sich.
"Fass sie nicht an", schrie Markus, der versuchte Petra aufzuwecken, doch sie blieb bewusstlos. Florian wird mich umbringen, dachte ich. Henrich stand hinter mir auf und rieb am Hinterkopf. Dann sah er meine rechte blutige Hand mit dem Messer und schaute mich erstaunt an.
"Liebevoller Vater, der sich Sorgen um seine zwei Töchter macht", erklärte ich.
"Daniel, hör auf!", schrie Max oder Reiner und griff nach seinem Arm. Er zog ihn langsam zurück.
"Lass ihn doch", hörte ich.
Henrich stellte sich vor Daniel und sagte: "Wir wollen keinen Ärger. Lasst uns alles vergessen!"
"Träum weiter", sagte Daniel und traf seinen Bauch. Henrich ließ sich nichts anmerken und schlug zurück. Er lief zu Markus und Petra, die schon auf den Beinen war.
Ich hatte mich nicht von Fleck bewegt. Petra lief zu mir und nahm mich an die Hand und flüsterte bittend: "Los! Verschwinden wir!"
"Sie wird nicht gehen!", sagte Leo.
"Spinnst du? Hast du vor eine Frau zu schlagen?", fragte Petra entsetzt. "Idiot!"
Er machte einen Schritt zu Petra und ich stellte mich vor ihr. "Florian wird mich umbringen, wenn mit dir etwas passiert", erklärte ich. "Wir gehen", ich ging langsam mit Petra zu Henrich und Markus. Leo stieß mich von den Beinen und ich fiel in den weißen Schnee, der vor einer halben Stunde aufgeschneit war.
"Lass sie in Ruhe!", schrie jemand und stieß Leo von den Beinen. Die Beiden landeten auf dem beschneiten Boden und kämpften. Während dessen half mir Henrich hoch und fragte, ob ich verletzt sei. Ich steckte das Messer zurück in die Manteltasche.
"Du? Du bist doch mein Kumpel!", hörte ich Leos Schrei.
"Was machen sie da? Spinnt er jetzt total? Löst doch sie von einander", schrie Lea und die Anderen machten, was sie gesagt hatte.
"Komm", sagte Henrich und führte mich weg.
"Hey!", das war Lea. Ich drehte mich um zu ihr und sie sprach: "Du hast meinen Freund erstochen, Idiotin!" Sie kochte vor Wut, ich merkte das. Ich blieb ruhig; vielleicht war Henrich dafür verantwortlich, der mich umarmt hatte. "Du wirst noch von mir hören!", drohte sie.
"Ach ja?", kam es von mir. "Das werden wir noch sehen! Und überhaupt, solltest du nicht im Bett sein? Ist schon spät", sagte ich sarkastisch und zeigte auf die Uhr.
"Lea, lass das!", sagte er und trat vor mir. Ich hörte wie Petra hinter mir einen Oh! von sich gab. "Hallo! Wie geht's dir?", fragte Patrick und versuchte zu lächeln, was ihm nicht gelang.
"Bist du blind?", antwortete ich.
"Du hast, also, einen Freund", er deutete auf Henrich.
"Was geht dich das an?", fragte ich gereizt.
"Nichts. Ich fragte nur. Warst du auch auf dem Konzert?"
"Ja, ich war. Willst du noch irgendetwas wissen? Vielleicht ob ich mit ihm schlafe?", meine Wut kehrte zurück, doch in der selben Zeit spürte ich Tränen die hoch kamen..
"Äh... Okay, lassen wir das so. Vielleicht könnten wir ja das später besprechen?"
"Nein!"
"Doch!", mischte sich Petra ein. "Oh, hallo!"
"Petra!", sagte ich vorwurfsvoll.
"War schön dich wieder zu treffen, Patrick", Petra schüttelte seine Hand. "Sie will mit dir reden, sie ist nur einfach aufgeregt und so."
Krach! Ich haute Petra eine rein und sagte: "Wir gehen! Und du... Dich will ich nie wieder sehen. Ich hasse dich!"
"Sie liebt dich!", schrie Petra laut.
"Du Lügnerin!", schrie ich zurück.
"Nein, du bist diejenige, die hier lügt!", verteidigte sich Petra.
"Ich bringf dich um", ich ging auf Petra los, aber Henrich hielt mich auf und zog zu sich.
"Hsch! Beruhige dich! Hsch", flüsterte er mir ins Ohr bis ich mich beruhigte.
Das Klingeln meines Handys unterbricht mich und Lisa wirft einen bösen Blick auf meine Tasche, während ich in ihr rumkrame. Der Anrufer ist mein Verlobter und er sagt mir, dass er morgen aus London zurück kehrt. Ich bin froh. Sehr.
Patrick griff nach meinem Arm und riss mich aus Henrichs Umarmung, schüttelte mich wütend und ich spürte Schmerz in meinem Arm. "Was soll das? Warum willst du nicht, dass wir Freunde sind?", schrie er wütend. Er sah den schmerzvollen Ausdruck in meinem Gesicht und ließ mich los sagend: "Warum hasst du mich? Was ist los?"
Mir fiel kein Grund ein. "Ich kann nicht dein Freund sein, weil... weil... I-ich würde dich gern hassen, aber... aber ich kann's nicht. I-ich... ich...", stotterte ich und fiel kraftlos auf die Knie und senkte meinen Kopf. Ich kriegte keine Luft und atmete schwer. Der Schnee unter meinen Knien begann zu schmelzen und mein langer, schwarzer Rock wurde nass. Heiße Tränen liefen mir über die Wangen. Patrick wusch mir die Tränen weg und hob meinen Kopf am Kinn. Ich traf seine dunklen Augen und es kam leise aus mir raus: "Ich liebe dich."
Indem ich das gesagt hatte, löste sich der Knoten in meinem Hals und ich machte einen tiefen Atemzug. Patricks Augen weiterten sich erstaunt. Im nächsten Augenblick berührten sich unsere Lippen. Ein Schauder nach dem anderen lief mir über den Rücken. Nach dem Kuss umarmte er mich und lachte. Ich murmelte, dass Leo ärztliche Hilfe braucht, dass ich noch nie diesen Messer benutzt hatte, doch dieses Mal wurde ein Freund angegriffen; er antwortete nichts. Der Schwarzhaarige küsste mich auf die Stirn: "Ich liebe dich auch."
Damit wurde mir ein Stromschlag gegeben und ich stand auf. Langsam begriff ich auch die Bedeutung von seinen Wörtern. Ich hörte wie Petra etwas sagte, doch verstand gar nichts. Mir wurde übel. Die Welt schien sich sehr schnell zu drehen um mich. Im Weiten hörte ich Petras Stimme und dann war ich weg.
Ich verlor das Bewusstsein, wie ich später erfuhr. Ich wachte in meinem Bett auf. Das Zimmer war dunkel, weil die dunklen Gardinen vor den Fenstern zugezogen waren. Ich hörte Stimmen, mehrere Stimmen: Petra, eindeutig, Henrich. Sie kamen aus der Küche, vermutete ich. Ich lag blickend auf die Decke und bewegte mich nicht. Ich fragte mich, was ich machen sollte. Leider ergebnislos. Ich hatte auf meine innere Stimme nicht gehört und mich in Patrick verliebt. Zu schnell geschah alles. Ich wünschte mir - ich hätte mich in Henrich verliebt, doch ich ließ meinen Gefühlen freien Lauf und verliebte mich in Patrick, der gar nicht zu mir passte. Patrick und ich waren sehr verschieden. Ich schloss meine Augen und versank in meinen Errinerungen - 22. Dezember, 13. Januar, das Abendessen mit Patrick am 14. Januar, der Club am 15. Januar und der 16. Januar und der 20. Februar...
Die Tür öffnete sich und jemand betrat das Zimmer. Ich stand auf und blickte auf meinen Besucher. Das Blut in meinen Adern fror ein. Patrick legte einen Blumenstrauß von langen, roten Rosen auf meinen Schoß und setzte sich auf das Bett. Er schwieg. Seine Augen hatte er von mir abgewendet. Dann blickte er zu mir und fragte, ob es mir gut ginge. Seine Stimme klang merkwürdig, bemerkte ich. Die Rosen auf meinem Schoß verbreiteten einen süßen Duft. Das Papier, in dem die Rosen eingepackt waren, knirschte, als ich die Rosen in die Hände nahm und sie zum Gesicht hob. Der Duft war wunderbar. Irgendwie errinerte er mich an das Leben; ich hob meine Augen und traf Patricks Blick.
"Sie sind wunderschön. Danke", sagte ich leise.
Er lächelte: "Du bist schöner." Ich spürte seine warme Hand auf meiner, die eiskalt war.
"Danke für das Kompliment, aber du übertreibst", ich spürte eine leichte Verwirrheit und senkte meinen Kopf.
"Nein, du bist zu schüchtern. Ich wollte mit dir reden. Ich weiß nicht, was dich mit diesem Mann verbindet, aber ich wollte dich fragen, ob du bereit wärst... Willst du meine Freundin sein?"
"Deine Freundin?", überfragte ich. Er nickte. "Ich weiß nicht. Irgendwie geht alles schief, wenn ich nur daran denke eine Beziehung anzufangen. Es ist sinnlos", sprach ich und zog meine Hand zurück, doch Patrick hielt sie im letzten Augenblick fest.
Er lehnte sich zu mir und küsste mich. Vor Überraschung fiel ich zurück auf das Kissen und er lehnte sich über mich. Unsere Lippen berührten sich und er küsste mich leidenschaftlich. Der Schwarzhaarige knöpfte mein Hemd langsam auf und küsste zärtlich meinen Hals. Ich schlang die Arme um seinen Hals und schaute in sein Gesicht. Er lächelte und strich durch sein Haar: "Ich bin bereit zu riskieren und du?" Dann fügte er nach einer Weile noch hinzu: "Das ist es wert. Du bist es wert."
Ich zuckte mit den Achseln und nickte: "Du auch."
Patrick übersehte mein Gesicht mit Küssen und legte sich auf den Rücken neben mir. "Eine schöne und interessante Decke", meinte er und wir lachten.
Lisa seufzt und lächelt. Wir stehen auf und verlassen den Restaurant. Es ist schon spät und Lisa scherzt, dass sie schon wieder hungrig ist, und wir gehen die Straße entlang in die Richtung vom südwestlichen Tor des Stadtparks. Sie erzählt über ihre Schwiegermutter, die Lisa verflucht und der Meinung ist, dass die Ehefrau von ihrem Sohn eine Harpie ist und Toms Leben zerstören will. Ich muss lachen, denn Lisa ist nun mal eine reine Seele und könnte keinem etwas Böses antun. Sie jammert darüber, dass Toms Mutter noch zwei Wochen bei ihnen leben wird, weil in ihrer Wohnung etwas repariert wird. Ich frage mich, was man so lange reparieren muss, aber sage das nicht laut. Wir gehen in den Stadtpark sparzieren, wo wir über verschiedene Sachen reden. Um 18 Uhr verabschieden wir uns und ich fahre zu meiner Schwester.
Sie ist Zuhause mit unserer Mutter und Florian. Sie verhällt sich zu mir reserviert, doch Florian umarmt mich sofort - er vergisst Streite und Meinungsverschiedenheiten sehr schnell. Meine Mutter spricht mit mir über die Hochzeit und erwähnt die Gästeliste. Da erzähle ich ihr darüber, dass Patricks Mutter schon Einladungen am morgen verschickt hat. Sie ist erstaunt, doch wechselt sofort das Thema.
Langsam läuft alles schief, doch ich versuche das zu ignorieren. Bis jetzt - erfolgreich. Meine Schwester ist wütend und ich entschuldige mich bei ihr, damit sie sich beruhigt, aber das tut sie nicht. Sie beginnt zu schreien, dass ich nichts für die Hochzeit mache und nur wegen mir alles schief läufe. Sie nennt mich verantwortungslos und setzt sich auf das Sofa. Meine Mutter schiebt alles auf die Schwangerschaft und will wissen, was Patricks Eltern für die Hochzeit machen. Ich weiß gar nichts darüber und kann ihr auch nichts erzählen. Ich merke, dass es schon spät ist (fast 20 Uhr), übergebe das Hochzeitskleid meiner Mutter, damit Patrick es nicht sieht und fahre nach Hause.
Ich ziehe mich um und fahre zu Frankies, wo ich ein Treffen mit Dave habe.
Frankies ist ein Restaurant der einfachen Art und sehr gemütlich. Das braune Holz und helle Licht lässt meine Stimmung höher steigen. Ich werde zu einem Tisch ganz in die Mitte des Saals gebracht und bestelle mir ein Glas Wasser, weil ich nach der Fahrt durstig bin.
Pünktlich um 21 Uhr setzt sich zu mir ein in eine schwarze Hose und ein schwazes Hemd gekleideter Mann mit braunen Haare, die blonde Stränchen haben, und mit hellen, grauen Augen. Er grüßt mich und fragt wie es mir ginge auf Englisch und bestellt etwas für sich. Ich bestelle Coq au vin und er lachte, denn dasselbe bestelle immer auch Patrick. Na ja, in dieser Sache sind unsere Geschmäcke gleich.
Dann kommt er zur Sache, als das Essen gebracht wird: "Well, you look better than on the photo."
"Thank you", bedanke ich mich. "So, why do you need my permission?"
"It's simple. We want to throw a stag party for Pat. I'm sure that someone is planning a hen party for you", lacht er.
"And you need my permission for that?", ich bin erstaunt.
"Actually, we need your permission to use your flat", sagt Dave.
"I don't know. Why?"
"We need it just for a small stop, okay?"
"I don't mind. When do you need the keys from the flat?", frage ich.
"On the 15th July", antwortet Dave. Ich nicke und Dave spricht: "The wedding's gonna be be huge, right? Pat has a lot of friends."
"Yes, it will. So, do you live in London?"
Der Abend ist schön und nach Hause kommme ich um 23 Uhr und freue mich, dass morgen Sonntag ist.

das ist der längste teil von der story. hoffentlich gefällt er euch :)Aleksandra Bilcane, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.01.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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