Aleksandra Bilcane

keine hochzeit Teil 3

18. Juni.
Sonntag. Mein Wecker weckt mich um neun Uhr auf und ich gehe ins Badezimmer. Es ist sonnig und warm draußen. Ich öffne einen Fenster nach dem Anderen, damit die Hitze in der Wohnung sinkt, aber das hilft fast gar nicht. Ich krame in meinen Sachen und stelle fest, dass der Aku meines Handys leer ist. Das Handy wird zum Aufladen zur Seite gelegt und ich laufe in die Küche, wo ich frühstücke. Um zwölf Uhr kommt mein Verlobter im Flughafen an und ich habe vor ihn zu treffen. Die Fahrt bis zum Flughafen dauert meistens 20 Minuten. Ich laufe in der Wohnung hin und her bis ich die Stereoanlage einschalte und mir auf meiner Couch gemütlich mache. In den letzten zwei Jahren ist viel passiert, es war nicht immer leicht, aber seit ich Patrick an meiner Seite habe, ist alles viel leichter.
Immer wenn ich faul, unglücklich oder deprimiert bin, hilft und unterstüzt mich mein Verlobter. Wir leben nicht zusammen; jeder von uns hat seine eigene Wohnung. Ich weiß nicht warum, aber wir haben nie besonders daran gedacht zusammen zu ziehen. Manchmal übernachte ich bei ihm, machmal - er bei mir. Meine Mutter findet das komisch und glaubt, dass wir zusammen leben sollten, damit wir einander besser kennenlernen. Ich hab nichts dagegen mit Patrick zusammen zu leben, aber er reist doch so viel rum und es würde sich gar nichts ändern, oder? Na ja, was soll's!
Die Zeit vergeht schnell und ich bin schon bald im Flughafen. Eigentlich treffe ich Patrick nicht immer, wenn er zurückkehrt, weil ich meistens beschäftigt bin. Im Flughafen-Cafe kaufe ich eine Flasche Orangensaft (plötzlicher Durstanfall) und schaue auf die Ankommsliste nachdenklich, als jemand seine Hand auf meine Schulter legt und mir auf die Wange einen Kuss gibt. Ich drehe mich um und treffe auf lächelnden Sven.
"Was machst du hier?", fragt er.
Ich zucke mit den Achseln: "Und du?"
"Bin mit Iris hier", er zeigt auf eine schlanke Frau, die schwarze Haare mit feuerroten Stränchen hat, und aus dem Fenster schaut. Sie dreht sich zu uns um und kommt auf uns zu. "Na, und du?"
"Sven, wer ist sie?", fragt Iris in einer quietschiger, hohen Stimme. Ich mustere sie und stelle fest, dass sie über dreißig ist.
"Ich hab zu tun", antworte ich ausweichlich, dann stellt Sven uns vor.
Iris guckt mich voll mit Wider an und spricht: "Komm! Wir gehen, Sven!"
Ich runzele meine Stirn. Ich verstehe nicht, was an mir so widerlich sein sollte. Ich trage eine 3/4 Jeans, ein gelbes Top mit der Inschrift Marine und silberne Sandalen. Na ja, mit ihr kann ich mich kaum messen. Sie trägt ein kurzes, rotes, enges Kleid mit einem großen Ausschnitt und rote High-Heels. Für ihren Alter sieht sie verdammt gut aus, das ist offensichtlich, denn ich merke, dass sie viel älter ist als ich es bin.
Sie schaut Sven auffordernt an, doch er bewegt sich nicht vom Fleck und sagt: "Wir müssen nicht gehen, oder? Komm schon, Iris! Warum könnten wir dieser jungen Lady nicht Gesellschaft leisten?"
Sie bleibt stehen, doch dreht sich nicht um. Dann zündet sie eine Zigarette an.
"Wie geht's?", Sven legt seinen Arm um mich und zieht mich näher zu sich an.
"Gut. Und selbst? Was treibst du so? Hast Lisa oder Tom in der letzten Zeit getroffen?", frage ich und schubse ihn ein bisschen weg von mir.
Er ignoriert das, dreht mein Gesicht zu sich und küsst mich auf die Lippen. Schockiert befreihe ich mich von ihm und gebe ihm eine saftige Ohrfeige. "Idiot!", zische ich.
"Tut mir leid, aber deine Lippen sind hervorragend zum Küssen geeignet", meint er und reibt die rotgelaufene Wange.
"Ja, und darum sollte jeder mich abknutschen, wenn er mich trifft, oder?", zische ich wütend und nehme einen Schluck Saft aus der Flasche. Dann blicke ich zu Iris, die mich mit einem bösen Blick anschaut. Wenn Blicke töten könnten, dann wäre ich schon längst tot, fällt mir ein.
Sven lacht genüsslich: "Jedenfalls war's wert."
Ich zeige ihm die Zunge und gucke auf die Uhr. Schon zwölf Uhr. Jetzt werde ich ungeduldig. Lisa hatte mir erzählt, dass Sven ein Weiberheld ist und jede bekommt, die er will, dass er Herausvorderungen mag, ganz besonders, wenn sie eine Frau ist und dass er vermutlich seine sogenannte Freundin Iris mit jeder betrügt, die ihm über den Weg läuft. Da hat Lisa wohl recht. Ich seufze und setze mich auf einen freien Platz.
Sven macht sich sofort neben mir gemütlich und sagt: "Ich liebe Iris nicht, ich lebe nur mit ihr zusammen. Und wenn sie will, dass das auch so weitergeht, dann muss sie dulden, dass ich mit schöneren und jüngeren Frauen flirte."
"Das wolle ich nicht wissen", meine ich, "aber danke trotzdem für die Info. Du hast mich beruhigt, dass du nicht mit mir flirten wirst."
"Warum?"
"Weil ich nun mal nicht eine schöne und junge Frau bin", erkläre ich.
"Da irrst du dich", er widerspricht mir, "und du bist zu bescheiden."
 
Ich stehe auf und gehe auf das Tor zu, aus dem die Reisenden kommen. In der Menge merke ich eine rote Wilson Sporttasche und da sehe ich auch Patrick, der ein weißes T-Shirt und eine weiße Hose mit weißen Sneakers trägt. Er kommt auf mich zu und küsst mich. Ich spüre ein leichtes Kribbeln im Bauch und umarme Patrick. Er lächelt und sagt, dass der Flug nicht so gut war und er durstig sei. Ich gebe ihm die Flasche Saft und kriege einen weiteren Kuss auf die Lippen. Er jammert, dass ich ihm gar nichts übrig gelassen habe und ich gehe zum Cafe, um eine Flasche Mineralwasser zu kaufen, weil er es sich wünschte. Nach einer Weile bin ich zurück und reiche ihm das Mineralwasser.
"Was hast du mit dieser Kuh zu tun?", fragt eine quietschige, hohe Stimme und ich drehe mich um zu dem Sprecher.
"Sie ist meine Verlobte", antwortet Patrick und umarmt mich.
"Sie?!", schreit Iris entsetzt.
"Mh", nickt der Schwarzhaarige und küsst mich auf die Wange.
"Ich wusste das nicht, ich dachte - du heiratest Inga...", spricht Iris nachdenklich.
Ich zucke zusammen und befreihe mich aus seiner Umarmung: "Woher kennst du sie?"
"Sie ist die Geschäftspartnerin von der Firma und das ist ihr Freund Sven", erklärt Patrick.
"Wir kennen uns schon. Er ist der Ex von meiner Freundin Lisa. Können wir gehen?", frage ich.
"Ach so", sagt Patrick erstaunt, "los gehen wir. Sag mal, du hast bestimmt die Mazda genommen, oder?" Wir gehen langsam auf den Ausgang zu und mit dem Augenwinkel bemerke ich, dass Iris und Sven uns folgen.
Ich nicke: "Mh, frisch aus der Werkstatt."
"Da gibt's ein Problem."
"Wie? Warum?", will ich wissen.
"Weißt du", Patrick lächelt und scheint nach den richtigen Wörtern zu suchen, "ich hab mit Iris etwas geschäftliches zu besprechen und darum dachte ich, dass wir sie zum Essen einladen könnten. So ein kleines Geschäftsessen... bei dir... Na?"
Wir sind schon beim Auto angekommen und ich bleibe stumm stehen. Patrick nimmt mir den Autoschlüssel aus der Hand und packt sein Gepäck in den Kofferraum. Dann stellt er sich neben mir und legt sein Arm um meine Taille: "Wir bestellen etwas aus dem Restaurant, damit du jetzt nicht kochen brauchst. Stimmst du zu?"
Ich schüttele den Kopf energisch: "Nein, nicht bei mir. Ich hab aufgeräumt und -"
"Das ist ja hervorragend", Patrick unterbrecht mich. "Bei mir sieht es schrecklich aus." Ich seufze und nicke. "Toll!", er hebt mich hoch und dreht sich im Kreis. "Ich liebe dich", sagt er und öffnet für mich die Autotür von der Seite des Nebenfahrers. "Ich will mal testen, was die Mazda noch drauf hat", erklärt er mir. Er geht zu Iris, redet eine Weile und steigt in das Auto.
 
Während der Fahrt nach Hause erzählt er mir über die Geschäftsreise und über Iris. Die Firma hat einen Vertrag mit ihrem Unternehmen abgeschlossen und ich erfahre, dass sie mit ihrem Freund kommen wird. Ich stöhne unglucklich und verstecke mein Gesicht in den Händen.
"Iris ist unglaublich! Sie hat sich ja einen jungen Kerl geschnappt! Na ja, von ihrem Mann hat sie sich ja geschieden und dabei die Hälfte des Unternehmens bekommen", sagt Patrick und gibt Gas.
"Ja, da hast du recht. Wie alt ist sie denn?"
"So zwischen 30 und 40. Warum?"
"Ich frag nur, aber Liebe ist nicht das, was sie verbindet. Ist offensichtlich", sage ich nachdenklich.
"Warum? Sie sind doch ein schönes Paar."
"Da spielt nur das Geld die Hauptrolle", stelle ich fest.
"Wie bitte?"
"Sven hat mir das gesagt, Lisa auch", erkläre ich.
"Ach ja? Sag mal, wann darf ich Lisa kennenlernen?", fragt Patrick und das Auto bleibt stehen.
"Spätestens auf der Hochzeit. Ich habe sie und Tom eingeladen."
"Wer ist Tom?"
"Ihr Ehemann. Früher war ich in ihn verknallt, ein bisschen", gestehe ich und öffne die Eingangstür für Patrick, der mir folgt.
"Ach so, muss ich mir Sorgen machen?", will Patrick wissen.
"Vielleicht. Ich habe Tom schon viele Jahre nicht gesehen." Wir sind im Fahrstuhl und fahren hoch.
Patrick wirft mir einen forschenden Blick und sagt: "Du wirst doch die Hochzeit wegen einem verheirateten Mann, den du schon viele Jahre nicht gesehen hast und der schon bestimmt dick und hässlich ist, nicht absagen, oder?"
Ich lächele und schweige. Solche Gespräche gehören bei uns zum Alltag, weil wir schon oft genug ernst sein müssen. Der Schwarzhaarige grinst und küsst mich hastig auf die Lippen, bevor ich etwas sagen kann.
 
Mein Verlobter bestellt irgendein Essen aus einem Restaurant, das ziemlich schnell geliefert wird, während ich meine Sachen wegräume und den Tisch decke. Ich sitze vor dem Fernseher, als Patrick sich entscheidet zu duschen. Eine solche Erfrischung wurde mir auch gut tuhen, weil es sehr heiß ist, aber ich bin zu faul dazu und habe keine Lust. Noch dazu bin ich ein bisschen verärgert darüber, dass er Iris und Sven eingeladet hat, weil ich den Abend gemütlich mit meinem Verlobten verbringen will. Ich merke nur jetzt wie stark ich Patrick vermisst habe, und will mit ihm sein, aber er plant ein langweiliges Geschäftsessen. Meine Wut wächst langsam und ich schalte einen Sender nach dem anderen um, als er nass, mit einem Handtuch um die Hüften gewickelt und nassen, tropfenden Haaren das Wohnzimmer betretet. Er macht sich neben mir nieder und scheint meine meine Wut zu bemerken, weil er einen Blick zu mir wirft und seine Hand auf mein Knie legt. Ich bleibe mit meiner Suche bei MTV stehen, wo ein Special über Boybands gezeigt und im Augenblick über Backstreetboys erzählt wird. Patrick greift nach der Fernbedienung in meiner Hand, aber ich lege sie so weit weg, dass er sie nicht erreichen kann.
"Ich hasse Boybands", murmelt er und lehnt sich über mich um die Fernbedienung zu erreichen.
"Und ich hasse Geschäftsessen", erwidere ich und schiebe die Fernbedienung unter die Couch.
"Du wolltest doch mehr über meine Arbeit erfahren, oder?", fragt er, packt mich am rechten Handgelenken und zieht mich zu sich. Er ist nass und kalt, darum zucke ich zusammen und kriege Gänsehaut.
"Das nicht und weißt du was?", ich versuche mich aus Patricks Umarmung zu befreien. "Du hast zugenommen", sage ich ernst.
Das ist die reinste Lüge und er weiß das, doch er lacht und antwortet: "Aufgeregtheit und Nervosität vor der Hochzeit."
Sein Griff lockert sich nur dann, als plötzlich das Lied I never break your heart erklingt und ich beginne lachend laut mitzusingen. Patrick presst mich gegen die Couch und drückt mir einen Kuss auf die Lippen. Ein Schauder nach dem Anderen läuft mir den Rücken runter. Er zieht mir das Unterhemd aus und küsst mich zärtlich auf den Hals, dann auf die Brust. Ich streiche durch seine nassen Haare und küsse seinen Nacken. Ein Lächeln schmückt sein Gesicht und ich küsse ihn auf die Lippen, dabei schlinge ich meine Arme um seinen Hals.
"Ich habe dich so sehr vermisst", flüstert er mir ins Ohr. "Ich liebe dich." Ein Kuss.
"Ich liebe dich auch." Ein weiterer Kuss. Plötzlich fällt mir etwas ein und ich ziehe ihn weg von mir und gucke ihn fragend und schockiert an: "Was meinte Iris damit, als sie sagte, dass sie gedacht hätte, du würdest Inga heiraten?" Patricks Blick versteinert sich. "Was bedeutet das? Hast du etwas mit dieser Inga?", ich werde lauter. "Patrick?", ich ringe nach Luft.
"Ich weiß nicht, was Iris damit gemeint hat", antwortet er nach einer langen - für mich zu langen - Pause.
"Grundlos ist diese Bemerkung nicht", sage ich. "Hast du mit dieser Inga etwas zu tun? Du hast mir erzählt, dass du nichts mit ihr am Hut hast. Hast du mich belogen?"
"Nein", Patrick will mich umarmen, doch ich springe hoch und ziehe mich schnell an.
"Lüge mich nicht an!", schreie ich. Er wendet die Augen von mir ab und ich spreche schon ruhiger: "Ich verzeihe dir das nie. Hörst du? Nie!"
"Das ist nicht so wie du glaubst -", fängt er an.
"Weißt du was ich glaube?", ich unterbreche ihn. "Ich glaube, dass Iris dich und Inga auf einer Party getroffen hat oder sowas in der Art und dann glaube ich, dass du sie auch nach Hause begleitet hast. Na? Liege ich weit von der Wahrheit entfernt? Hast du mit ihr geschlafen? Hast du sie geküsst? Schweige nicht! Ich kann das nicht mehr aushalten!"
"Lass mich erklären", sagt Patrick, nimmt meine Hand und zieht mich runter auf die Couch, doch ich reiße meine Hand raus. "Ich... ich liebe dich -"
"Hör auf!", schreie ich aus.
"Iris hat ihren Geburtstag in Paris gefeiert und mich eingeladen. Das war vor drei Monaten, im März. Du bist damals mit deinen Freundinnen in die Ferien gefahren - nach Griechenland. Ich hab dich vermisst." Ich setze mich auf einen Sessel weit von Patrick entfernt. "Darum hab ich mich auch entschieden nach Paris zu Iris' Geburtstagsparty zu fliegen. Das hab ich auch getan und dort traf ich Inga. Ich wusste nicht, dass sie da sein wird. Na ja, wir redeten eine Runde und dann muss auch Iris uns gesehen haben. Da geschah gar nichts. Ich schwör's dir!" Er reicht mir seine Hand.
Ich ignoriere das, stehe auf und gehe ins Badezimmer, wo ich den Kahn mit warmen Wasser aufdrehe und mich unter das Wasser stelle so wie ich bin - im Unterhemd, Unterhose und langen, schwarz-rosa gestreiften Socken. Mein Kopf wird schwer und ich binde meine Haare vom Pferdeschwanz los und gucke nach oben. Mich umgibt ein Reich vom Wasser, denke ich und streiche alle Haare zurück. Plötzlich legt Patrick seine Arme um meinen Bauch und erschreckt mich. Ich drehe mich zu ihm und er küsst mich auf die Stirn. Ich schmiege mich an ihn und schließe die Augen. Patrick zieht mich langsam aus und umarmt mich. Ich weiß nicht wie lange wir so stehen. Er macht das Wasser langsam kälter und kälter und streicht sich die Haare aus dem Gesicht.
Und dann kommt der Schock. Es klingelt an der Tür. Wir schauen uns erstaunt an und errinern uns gleichzeitig an das Geschäftsessen. Sofort ziehe ich mir meinen Bademantel an und Patrick - seinen. Auf dem Weg zur Tür streiten wir uns, wer aufmachen wird, was wir machen sollen usw. Schließlig macht er die Tür auf und vor uns stehen Sven und Iris. Sie starren uns an und wir beginnen zu lachen. Sie werden reingeboten und wir ziehen uns schnell um. Das Umziehen wird zu einem Kampf, wir albern uns rum und in einer halben Stunde haben wir nur Unterwäsche angezogen. Dann ziehen wir uns schnell an und können unseren Gästen Gesellschaft leisten. Das Essen ist nicht schlecht. Patrick und Iris reden über Geschäfte und andere Sachen, während ich Svens Gesellschaft genießen muss. Unter dem Esstisch berührt Sven immer mein Bein und streichelt es mit seinem; bei jeder seiner Berührung kriege ich Gänsehaut und zucke ein bisschen zusammen. Als wir fertig gegessen haben, räume ich den Tisch und mache den Abwasch in der Küche, damit das Geschirr keine Ewigkeit da rumsteht - ich habe mich mit Patrick geeinigt, dass wir einige Zeit in seiner Wohnung wohnen können. Ich bin schnell fertig und lege meine Haushaltshandschuhe zur Seite, als Sven die Küche betretet. Er mustert mich und stellt sich vor mir hin. Ich versuche an ihm vorbeizukommen, doch er lässt mich nicht durch.
"Kann ich fragen, was das soll?", frage ich verärgert.
"Ja", antwortet er. "Ich wollte nur nach dir schauen."
"Mir geht's gut. Lässt du mich jetzt vorbei?", spreche ich und mir fällt Iris' Geburtstag ein. Ich will Sven ein paar Fragen darüber stellen - nicht das ich Patrick nicht vertraue, nur zur Sicherheit! "Sven?", sage ich nach kurzen Nachdenken. "Kannst du mir ehrlich auf zwei oder drei Fragen antworten?"
"Schon, aber du schuldest mir dann etwas", antwortet Sven und bückt sich zu mir und gibt mir einen Kuss auf die Lippen. "Verstehst du?"
"Du spinnst", ich schubse ihn zurück. "Ich werde nicht mit dir schlafen. So wichtig ist das auch nicht."
"Du musst nicht mit mir schlafen. Für jede Antwort will ich einen Kuss von dir."
"Du benimmst dich wie ein Kind, aber ich stimme zu nur unter Bedingung, dass ich dich nur einmal küssen werde, okay?", sage ich nachdenklich.
"Ich bin nicht so dumm."
"Das denke ich auch, aber ich habe nur eine Frage", ich setze mich.
"Die Frage bitte", spricht Sven und wendet seine Augen nicht von mir ab.
"Errinere dich an Iris' Geburtstag im März. Was hat Patrick mit Inga gemacht?"
Sven überlegt ein oder zwei Minuten und sagt: "Inga... Er hat mit ihr geredet, dann haben sie zusammen getrunken und sie gab ihm einen Kuss auf die Wange. Vielleicht flüsterte sie ihm dabei auch etwas zu, das weiß ich nicht."
Ich atme tief durch und lächle. Ich fühle mich bescheuert, weil ich Patrick nicht vertraut habe. Sven nimmt mich am Arm und ich stehe auf, dann legt er beide seine Hände auf meine Schulter, nimmt mein Gesicht in die Hände und küsst mich. Ich wehre mich nicht, denn abgemacht ist eben abgemacht. Der Kuss scheint länger zu dauern, als ich mir gewünscht hätte. Sven ist ein sehr guter Küsser, aber sein Kuss ist mir unangenehm. Meine Augen sind die ganze Zeit offen, darum schaue ich auch auf die Decke um mich abzulenken, als plötzlich ich einen Schrei höre und Sven sich endlich von mir löst.
In der Tür stehen Iris und Patrick. Der Schrei ikam von Iris. Eine Minute herrscht Totenstille. Dann dreht sich Parick schnell um und verschwindet. Ich folge ihm und kann ihn nur im Treppenhaus zwischen dem zweiten und dritten Stock erreichen. Ich schnappe seinen Ärmel, halte ihn fest und versuche ihn zu mir umzudrehen - ich muss sein Gesicht sehen, in seine Augen blicken, ich muss mit ihm reden, alles erklären, doch Patrick dreht sich nicht um und wendet sich von mir weg.
"Patrick! Bitte hör mir zu!", flehe ich ihn an, doch er reißt sich von mir aus. Ich greife nach seinem Arm und halte ihn krampfhaft fest. "Da war nichts. Glaub mir! Ja, ich habe ihn geküsst, aber das hat nichts zu bedeuten! Patrick, schau mich an!" Ich lege die Arme um seinen Bauch und lehne mich an seinen Rücken. Er ist sehr angespannt, das merke ich, aber er scheint langsam sich zu beruhigen, denn sein Atem wird ruhiger mit jedem Atemzug. Nach einer Weile ist er entspannt und völlig unerwartet befreit er sich von mir und dreht sich um.
Wut, Hass, Verabscheulichung, Wider, Enttäuschung - kann ich in seinem Gesicht lesen und erstarre.
"Patrick... hör mir zu... bitte", eine Träne läuft mir über die rechte Wange, die ich sofort abwische. "Ich weiß, dass es blöd klingt, aber Sven hat mir eine Frage beantwortet und darum durfte er mich küssen. Ich bin so eine Idiotin, aber -"
"Du hast nie gedacht, dass ich es mitkriege, oder?"
Erst nicke ich, doch dann schüttele ich mein Kopf und sage: "Ich weiß nicht, was ich gedacht hab. Ich hab wohl gar nicht nachgedacht. Ich verstehe nicht, warum ich mich da einließ..." Ich atme tief durch und frage: "Was jetzt? Wie geht es weiter? Geht es überhaupt weiter?"
Er starrt mich stumm für eine Ewigkeit an. "Welche Frage hast du ihm gestellt?", fragt er schließlig.
"Was du mit Inga auf Iris' Geburtstagsparty gemacht hast", antworte ich und senke meinen Kopf. Er kommt einen Schritt auf mich zu und küsst mich zärtlich auf die Lippen, dann spricht er: "Die Hochzeit wird nicht statfinden. Es hat keinen Sinn, wenn wir uns gegenseitig nicht vertrauen." Patrick dreht sich um und geht die Treppe runter.
Irgendwo in mir, ganz tief in mir spüre ich, dass etwas zerbricht. Meine Knie werden weich und ich kann mich nicht mehr auf den Beinen halten, darum setze ich mich auf die Treppe. Ich kann keinen klaren Gedanken fassen und fühle mich wie eine leere Hülle. Das Gefühl, dass ein schwarzes Loch alles aus mir aussaugt, verlässt mich nicht. Ich scheine gefühllos zu sein - ich spüre nicht den Schmerz von dem meine Schwester immer geklagt hatte, als sie sich von einem Freund trennte, ich spüre nicht die kalte Treppe, auf der ich sitze, ich spüre nur diese Leere und sonst gar nichts. Nach einer halben Stunde stehe ich auf gehe zurück zu der Wohnung. Iris und Sven sind nicht mehr da und die Eingangstür steht halb-offen. Ich betrete die Wohnung Wohnung und schaue mich um - nichts scheint sich verändert zu haben. Ich gehe in mein Schlafzimmer, wo ich Patricks offene Sporttasche auf meinem Bett finde. Seine Sachen liegen verstreut in der Gegend rum und ich beginne mit dem Aufräumen. Ein Kleidungsstück nach dem anderen hebe ich auf, falte es zusammen und lege in Stapel auf das Bett. Danach öffne ich den Kleiderschrank, räume alle seine Sachen raus und lege sie auf das Bett zu den anderen Sachen. Ich hole große, schwarze Beutel, die für Müll benutzt werden, und packe seine Sachen in sie. Dann fange ich aufzuräumen und packe nebenbei seine Sachen zusammen. Das Handy klingelt, aber ich gehe nicht ran. Ich packe alle meine Sachen - Handtücher, den Bademantel, Bettwäsche u.a. - in die Waschmaschine. Ich bin erstaunt darüber, wie viele seine Sachen er bei mir gelassen hat. Ich packe alles in die Tüten und stelle es im Flur ab. Um Mitternacht bin ich fertig und schlafe ein.

....to be continued
freue mich auf meinung und kritik zur story:))
Aleksandra Bilcane, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.01.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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