Hartmut Pollack

Laura in der Kunsthochschule

 
Laura in der Kunsthochschule
 
Die Tür hatte sich hinter Georges geschlossen. Laura hob nicht einmal ihren Kopf. Ihr Blick war in das Innerste gerichtet. Sie durchlebte das Frühstück mit Georges in ihrem Gedächtnis noch einmal.
Wellen des Glücks streichelten ihre Seele. Das Herz tanzte noch immer Tänze voller Liebe.
Mit geschlossenen Augen saß sie im Zimmer, spürte in der Luft noch die Blitze voller Leidenschaft. Die Haut kräuselte sich, als sie sich an das Streicheln erinnerte, diese berauschende Kunst, welche Georges hervorragend beherrschte.  Sie spürte ihre Haut nicht als normalen Bestandteil des Körpers, in ihr fühlte sie diese als eigenständiges Liebesorgan.
Die Erinnerung nahm Laura die Luft. Tief zog sie den Atem in ihre nachbebende Brust – einmal, zweimal, mehrmals. Laura kam langsam wieder zu sich.
Sie schaute auf die Uhr und erhob sich. Sie musste zum Dienst.
Dienst nannte Laura ihre Arbeit an der Kunsthochschule. Sie war dort dank ihres makellosen Körpers ein begehrtes Aktmodel.
Ihr Professor achtete stets auf Pünktlichkeit. Um die Harmonie in der Kunstgruppe zu erhalten, bemühte sich jeder rechtzeitig im Malraum zu sein. Eine angenehme Arbeitsatmosphäre beeinflusste die Leistungen der ganzen Gruppe positiv.
Laura sah, dass ihr nur wenig Zeit blieb, bis ihre Aktstunde begann. Zum Duschen blieb keine Zeit mehr. Sie zog schnell etwas über und eilte dann zur Kunsthochschule.
Eilen ist eine schlechte Beschreibung ihres Ganges. Laura fühlte den Erdboden kaum, ihr schien es zeitweilig, als ob sie schwebte. Mit den Gedanken bei Georges flog sie fast über die Gehwege.
Kaum sah sie die Menschen um sich herum, bemerkte nicht die bewundernden Blicke der jungen Männer, hörte nicht das leise Pfeifen der Jugendlichen. Laura war selbst jetzt noch in der Welt ihres Erlebnisses.
Leichtfüßig überwand sie die Treppe zur Hochschule und erreichte den Kunstsaal sogar früher als gewohnt.
Etwa 15 Stühle standen in einem mittelgroßen Raum. In der Mitte des Raumes stand heute ein weicher Sessel. Weitere Sitzmöglichkeiten befanden sich an der linken Wand und in einem Nebenraum.
An den Wänden hingen Kunstwerke, welche ehemalige Künstlerinnen und Künstler der Hochschule geschenkt hatten.
Der Raum war voll besetzt. Laura grüßte die anwesenden Studentinnen und Studenten mit einem freundlichen Lächeln. Mit einem Klopfen auf die Zeichenflächen der Stühle beantworteten diese ihren Gruß. Während des Klopfens betrat Professor Romano Denier den Raum.
Geschmeichelt lächelte der Professor und sein Morgengruß klang ausgesprochen freundlich.
„Meine Damen und Herren, ein herzliches Guten Morgen an alle. Es ist ein herrlicher Tag heute. Fast hätte ich die Lehrstunde ins Freie verlegt. Doch unser bezauberndes Aktmodel hält mich hier drinnen fest.
Wir wollen heute einen sitzenden Akt zeichnen. Holen Sie bitte das notwendige Arbeitsmaterial aus ihren Taschen.
Fräulein Laura nimmt bitte ausgezogen im Sessel Platz. Danach bitte ich um konzentriertes Arbeiten.“
Knappe Anweisungen beschleunigten den geplanten Arbeitsablauf.
Laura ließ die Kleider an ihrem Körper hinunter gleiten. Sie hatte die Begrüßung des Professors seltsam unberührt zur Kenntnis genommen. Irgendwie war sie heute nicht so konzentriert wie üblich bei der Sache. Langsam zog sie ihr Höschen aus und setzte sich in den Sessel.
Der kühle Sesselstoff nahm schnell ihre Körpertemperatur an. Schnell schmeichelte der weiche Samtstoff ihrer Haut.
Laura dachte wieder an Georges. Bei diesen Gedanken schien es ihr, als ob sich der Zeichensaal mit seinen Schwingungen füllte.
Laura sah die jungen Zeichnerinnen und Zeichner im Raum nicht mehr. In ihren Gedanken sah sie den durchtrainierten Körper des geliebten Mannes, welcher sie in einen Glückstaumel versetzt hatte.
Durch ihre erotischen Fantasien veränderte sich Lauras Ausstrahlung. Ihre Brustspitzen wurden hart. Leichte Schweißperlen machten den Körper weicher.
Laura war nicht mehr neutrales Aktmodel. Sie lebte richtig auf, plötzlich saß eine verführerische Frau im Sessel. Von ihr ging eine solche erotische Ausstrahlung aus, dass die Luft im Zeichensaal zu flimmern schien.
Die Studentinnen und Studenten schauten sie völlig überrascht an. Ihre Zeichenstifte flogen über das Papier. Die Bilder malten sich von selbst.
Überrascht sah der Professor in ihre Richtung. Für ihn war Laura bisher eins der vielen Aktmodels gewesen. Jetzt sah er dort eine faszinierende Frau voller innerer Spannung in einem Sessel.
Neugier lag plötzlich in seinen Augen. In sich spürte er eine gewisse Erregung. Doch er kämpfte dagegen an. Irgendetwas an dieser jungen Frau zog in dennoch an.
Der Professor beschloss, sich nach ihr zu erkundigen. Verlegen durch diesen Gedanken strich er sich über seine Stirn.
Als er die Bilder der heutigen Stunde begutachtete, konnte er nicht umhin, die große Qualität der Zeichnungen zu loben. Die Bilder dieses Models lebten.
©pk 02 / 07

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.02.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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