Jessica Idczak

Sehnsucht

Spontane Zeilen, die mich eben überrannten. Inspiriert durch ein Gefühl. Gewidmet einem jungen Mann, der nicht weiß, wie besonders er für mich ist...

Sehnsucht

Ein beklemmendes Gefühl, dich nicht neben mir zu wissen. Die Kälte hinter mir zu spüren, wo noch bis vor wenigen Stunden dein Körper mir Wärme spendete. Die Decke schmiegt sich an mich, doch sie ist kein Ersatz für deine Arme. Sie riecht nicht nach dir, umfängt mich nicht zärtlich, zieht mich nicht näher an sich heran, wenn ich mich bewege und unbewusst etwas Abstand zwischen uns bringe.
Trotzdem ziehe ich sie enger um meine Schultern, während ich am Fenster stehe und in die Nacht hinausblicke. Die Luft ist klar und Sterne funkeln, der leise Wind rüttelt sanft an den Zweigen des Baumes, der die ersten Knospen des Jahres trägt. Der Frühling hält Einzug, alles beginnt langsam zu blühen, zu knospen und zu grünen. Erste Krokusse und Schneeglöckchen zieren die Rasenfläche vor dem Haus, die Sonne kommt früher und geht später als noch vor einigen Wochen, Vögel singen schon in den frühen Morgenstunden ihre verschiedensten Lieder. Alles scheint zu neuem Leben zu erwachen, heller, wärmer und freundlicher zu sein.

Ich reiße meinen Blick von den Sternen los, die doch immer nur dein Gesicht wiederspiegelten, und drehe mich um. Meine Augen wandern hinüber zum Bett, das so leer scheint. Längst schon sollte ich darin liegen und schlafen, von dir träumen. Je schneller ich schliefe, desto schneller verginge die Zeit, bis wir wieder zusammen wären. Ich mich wieder in deine Arme, an deine Brust schmiegen und das leise Schlagen deines Herzens hören und fühlen könnte. Deine Hände einmal mehr meinen Körper zärtlich erforschten, auf’s Neue entdeckten. Ich einfach bei dir wäre.
Doch Schlaf ist genau das, wonach mir der Sinn jetzt nicht steht. Du fehlst mir, obwohl du erst wenige Stunden weg bist. Ich will zu dir, weil die Sehnsucht schon jetzt so stark ist, dass sie mich fast ohnmächtig macht. Meine Hände tasten nach etwas Greifbaren, etwas Halt Bietendem, während ich spüre, dass sich meine Augen mit Tränen füllen. Nur wenige Stunden, die wir nicht zusammen sind, und es fühlt sich an, als wäre ein Teil von mir selbst gegangen.

Das Bett umfängt mich mit deinem Geruch, als ich mich hinein fallen lasse. Das Gesicht tief im Kissen vergraben lasse ich meinen Tränen freien Lauf, gebe mich dem Schmerz hin, der mein Herz zu zerreißen droht. Alles hier erinnert an dich, selbst das Glas auf dem Nachttisch, in dem sich ein letzter Rest Wasser befindet. Auf der Suche nach einem Taschentuch stocke ich, greife danach, suche die Stelle, an der deine Lippen den kalten Gegenstand berührten, als du deinen Durst löschen wolltest. Forme einen Kussmund und presse meine Lippen auf eben diese Stelle, schicke dir einen Kuss in Gedanken. Doch es ist kein Ersatz. Das Glas ist kalt, widerständig, schmeckt nicht nach dir.
Meine Gedanken sind taub, fühlen sich schwerelos an, tragen mich zu dir. Nur wenige Stunden, die wir ein um’s andere Mal verbringen dürfen, Zeit für einander haben, nach denen ich mich immer mehr nach dir verzehre, bei dir sein will, bei dir sein muss. Das Gefühl, dich bei mir haben oder bei dir sein zu müssen, wird mit jeder Sekunde, die ich an dich denke, stärker. Verlangender. Schmerzender.

Mein Entschluss ist schnell gefasst. Es wird nichts geben, das mich aufhalten kann. Ich muss zu dir, muss bei dir sein. Der Griff nach einer Jeans und einem Pullover passieren wie von allein. Ein weiteres Kleidungsset findet den Weg in die Reisetasche. Handy, Portemonaie, Schlüssel wandern hinterher.
Ich brauche nicht viel. Nur dich. Und Zeit mit dir.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 27.02.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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