Aleksandra Bilcane

keine hochzeit Teil 4

1. Juli.
Zwei Wochen sind schon vergangen seit ich Patrick das letzte Mal gesehen habe. Ist schon merkwürdig.
 
Am nächsten Morgen brachte ein Kurier seine Sachen zum Haus seiner Eltern, damit sie ihm alles übergeben können und ich sie und ihn nicht sehen muss. Helen rief mich mehrmals an, auch Hans, aber ich ging nicht ran. Ich wollte alles, was mich an ihn errinert löschen, zerstören und vernichten. Alles.
Die erste Woche war schwer; ganz besonders weil meine Eltern und Amelie&Florian geschockt und erstaunt waren, nur Petra und Lisa hörten mir zu und machten mir keine Vorwürfe usw. Sie besuchten mich zu Hause und wir redeten und tranken Tee oder Kaffee. Sie versuchten mich aufzumuntern, was ihnen auch sehr gut gelang.
Danach fühle ich mich gut, na ja, nicht gut, aber besser als vorher. Sie rufen auch öffters bei mir an und am zweiten Juli, morgen, gehen wir aus. Wohin? Das weiß ich nicht, ist angeblich ein Geheimnis. Ich freue mich schon darauf.
Das Unangenehmste war wohl allen zu erzählen, dass die Hochzeit abgesagt wurde. Blöde Fragen wurden gestellt, die ich einfach ignorierte.
Das Merkwürdigste an der ganzen Sache war wohl das, dass ich nicht geweint habe, abgesehen von der einer Träne, die mir über die rechte Wange lief.
Die Zeit war schwer und ist kein bisschen leichter geworden. Dieses Gefühl der Leere ist noch da. Lisa und Petra meinten, dass ich mich mit etwas beschäftigen und ablenken sollte, darum arbeite ich auch viel mehr nicht nur in der Botschaft sondern auch in der Redaktion. Meine Redakteurin hat mir erlaubt ein freies Thema auszuwählen und darüber zu schreiben. Diese Möglichkeit habe ich genuzt und ihr gestern einen Artikel A wie Anorexia Nervosa abgegeben und warte gespannt auf das Urteil. Mein Terminkalender ist auch voll.
Heute treffe ich mich mit Henrich und seinen Kindern zum Bowling. Sie haben mich wohl nur darum eingeladen, um mich abzulenken, aber ich wehre mich nicht und habe auch nichts dagegen.
 
Warum verschwindet diese Leere nicht? Warum?!
 
Um 18 Uhr treffe ich Henrich mit seinen vier Kindern. Die fünfjährige Nadja läuft zu mir und umarmt mich, Tom und Tim, die sieben Jahre alt sind, folgen ihr, die fünfzehnjährige Nadine und Henrich grüßen und umarmen mich.
"Tut dir dein Bauch weh? Oder ist das der Kopf?", fragt Nadja und zeigt auf ihren Kopf. Ich lächle verwirrt und schüttle den Kopf. "Aber du siehst schlecht aus, als ob dir etwas weh tun würde", erklärt Nadja.
"Ja, schon mir tut etwas weh, aber weder der Bauch, noch der Kopf."
"Wo tut es denn weh?", gibt Nadja nicht nach und ich zeige auf mich. "Aber das ist fast der Bauch!"
"Du hast recht", sage ich, "darum lade ich euch nach dem Bowling zum Eisessen ein, okay?"
Nadja nickt fröhlich und Tim und Tom jubeln, Nadine zeigt keine Reaktion.
"Gehen wir?", fragt Henrich und wir gehen los.
Nadja nimmt meine rechte Hand und erzählt mir über ein Buch, das ihr Papa gekauft hat. Tom und Tim beginnen über den Hundewelpen zu erzählen, den sie Zuhause seit kurzer Zeit haben. Die einzige Person, die kein Wort sagt, ist Nadine. Alle haben beim Bowling viel Spaß, sogar ich. Nach einer Stunde bekommen die Kinder das versprochene Eis im Cafe des Bowling-Centers. Die Kinder spielen weiter, während ich mich mit Henrich im Cafe unterhalte. Er hat sich äußerlich ziemlich verändert - er ist muskulöser und sieht entspannter aus, weil er angeblich öfters das Fittness-Center besuche und nicht mehr mit seiner Ex-Frau streitete, erklärt er mir. Henrich ist viel sympathischer und atraktiver, als vor zwei Jahren. Je älter, desto atraktiver ist ein Mann - na ja, auf ihn trifft es zu. Er ist auch viel charmanter und sein Blick ist ruhig und warm.
"Du hast nicht versucht mit Patrick darüber noch ein Mal zu reden? Warum?", fragt Henrich verwundert.
"Es hat doch keinen Sinn. Er hat doch recht damit, was er gesagt hat - es hat keinen Sinn, solange wir einander gegenseitig nicht vertrauen", ich seufze.
"Vertraust du ihm denn wirklich nicht? Ich glaube - du solltest dich mit ihm trotzdem treffen und reden", meint Henrich.
Ich schaue mich um. Das Cafe ist halb-voll. Viele Leute essen Eis und sind fröhlich; ich beneide sie so sehr! Ich nehme ein Schluck vom Orangensaft, das ich vorher bestellte, und spreche: "Ich vertraue ihm... Sogar mehr als mir selbst, aber ich bin nicht überzeugt über mich, über meine Gefühle. Ich verstehe nicht, wie ich Sven küssen konnte, wenn ich Patrick angeblich liebte und liebe. Was soll ich machen? Es ist doch vorbei, aber ich hatte noch nie eine Beziehung, die so lange dauerte und so ernst zu nehmen war... Wie soll ich mich mit ihm treffen, wenn ich nicht mal weiß, wo er ist?"
"Ich verstehe dich, ich verstehe, dass du Angst hast", Henrich legt seine Hand auf meine und drückt sie aufmunternd. "Nach der Trennung hast du sofort so gehandelt, wie du es für richtg gehalten hast - du hast dich von seinen Sachen befreit. Hat er dasselbe getan? Hast du deine Sachen von ihm zurück bekommen?"
"Nein", ich schüttele meinen Kopf. "Ich würde sie gern zurück bekommen, weil ein Teil von ihnen mir sehr viel bedeutet. Wie kriege ich sie zurück? Ich will ihn nicht treffen! Das will ich nicht."
"Du hast Angst zurück gewiesen zu werden, aber vielleicht ist es wert mal zu riskieren. Was glaubst du?"
"Weißt du - ich riskierte viel, als ich seine Freundin wurde; nicht nur verlezt zu werden, sondern auch ihn zu verlieren. Das klingt blöd, aber ich hatte das Gefühl, dass alles, früher oder später, schief gehen wird, aber ich dachte nie darüber nach. Das fiel mir gerade ein," sage ich.
Henrich drückt leicht meine Hand und ich reiche ihm die Andere. Wir sitzen für eine Weile so - meine Hände in seinen. Ich schaue in seine Augen und atme tief durch. Jemand hustet laut neben uns und sezt sich an den Tisch. Wir lassen einander los und unsere Blicke wandern zu Nadine. Sie schweigt und guckt mich böse an.
"Warum spielst du nicht mehr?", fragt Henrich.
Nadine guckt zu ihrem Vater und spricht: "Ich hatte keine Lust." Dann dreht sie sich zu mir und fügt giftig hinzu: "Jetzt weiß ich warum ihr nicht mitspielt."
"Nadine! Benimm dich!", sagt Henrich.
"Noch irgendwelche Wünsche, Papa?", fragt sie sarkastisch.
Henrich sagt nichts, aber schaut sie wütend an.
"Sag mal, Nadine", sage ich ruhig, "was bedrückt dich? Du siehst nun mal nicht sehr glücklich aus."
"Was geht das dich an?", zischt sie gereizt. Sie will noch etwas sagen, aber bleibt stehen, als sie Henrichs Blick bemerkt. Nadine streicht nervös durch ihr langes Haar und murmelt leise: "Entschuldigung, aber ich habe einen Grund so zu sein wie ich bin und das ist nicht deine Sache."
"Du hast recht, aber der Grund interessiert mich", gebe ich zu.
"Ich belästige dich nicht mit blöden Fragen, denn du siehst nun mal nicht oberglücklich aus", meint Nadine.
"Wenn du mir deinen Grund verrätst, dann verrate ich meinen", sage ich und warte auf ihre Reaktion.
Henrich und Nadine gucken mich sprachlos an, dann spricht sie: "Wir hatten einen Neuen in der Schule. Er heißt Max und landete in der Paralelklasse. Wir freundeten uns an und wurden zum Paar und gestern hab ich gesehen, wie er mit einer Anderer knutsch. Warum hat er das getan? Ich hasse ihn!"
"Also, mein Verlobter hat sich von mir getrennt, weil er gesehen hat, dass ich einen Anderen küsse. Ich bereue das sehr und verstehe nicht, warum ich ihm erlaubte mich zu küssen, aber es ist schon zu spät. Seit zwei Wochen hab ich ihn weder gesehen, noch gesprochen", spreche ich und seufze.
Nadine schaut mich erstaunt an und fragt: "Du hast ihn betrogen?"
Ich schüttele den Kopf. Sie schaut zu ihren Vater und spricht: "Warum triffst du dich nicht mit ihm und erklärst ihm nicht, dass du das alles bereust? Dann könntet ihr alles noch ein Mal von Anfang anfangen."
"Unmöglich. Ich hab schon deinem Vater gesagt, dass ich nicht weiß, wo er ist, und dass ich ihn nicht sehen will", antworte ich und drehe das Glas in meinen Händen. "Ich wollte gerade deinen Vater um einen Gefallen bitten, nämlich, noch andere Sachen meines Ex-Verlobters zu seinem Elternhaus zu bringen. Ach, nein doch! Ich schicke sie einfach per Post."
"Nein", sagt Nadine, "mein Papa und ich werden die Sachen bringen. Sag nur die Addresse und gib die Sachen her!"
Ich schüttele den Kopf lächelnd: "Ist nicht nötig."
"Doch!", widerspricht Nadine.
"Nadine hat recht.Wir können morgen zu dir kommen und alles abholen", meint Henrich lächelnd.
"Okay, ich gebe auf", sage ich und hebe meine Hände hoch.
 
13. Juli.
Das Klingeln meines Handys unterbricht mich in der Mitte eines Satzes, den ich in den PC tippe. Ich antworte auf den Anruf und höre eine laute, aufgeregte Stimme: "Hallo? Du must mir helfen! Bitte!"
"Nadine? Bist du's?"
"Ja, bitte hole mich ab! Ich wollte in Ruhe mit Max reden und er lud mich auch zu sich nach Hause ein", sie begann zu weinen.
"Was ist passiert, Nadine?", langsam beginne ich mir Sorgen zu machen.
"Wir haben ein bisschen geredet und er wollte mich küssen, obwohl er sich nicht mal entschuldigte und als ich ihn zurückschob, wurde er sauer, begann auf mich zu schreien und warf verschiedene Sachen um sich rum. Ich hab Angst, darum habe ich mich auch im Badezimmer eingeschlossen. Ich hab ihn noch nie so erlebt. Bitte, hilf mir!", sagte Nadine weinerlich und putzte sich laut die Nase.
"Wo ist Maxs Zuhause?"
"Sommerstraße 17, wenn ich mich nicht irre. Das Haus ist groß und hell. Hilfst du mir?"
"Sicher. Ich bin gleich da."
 
Ich fahre langsam die Straße entlang und bemerke das haus mit der Nummer 17. Es ist groß, hat zwei Stockwerke, und hell, wie es Nadine beschrieben hat, und als ich näher komme, bemerke ich, dass die helle Farbe einem Pfirsich ähnlich ist. Die Tür und die Fenster sind weiß. Es gibt keine Gardinen und drinnen scheint es es dunkel zu sein und das macht mich mistrauisch, aber ich errinere mich an Nadines weinerliche Stimme und klingele. Ich atme tief durch und höre langsame Schritte und die Tür wird geöffnet.
"Du? Was machst du hier?"
Ich bin sprachlos. Ich mache meine Augen zu und mache sie nach einer Weile auf. Ein Fake! Sie hat mich verarscht, begreife ich. Vor mir steht Patrick, leicht gebräunt, in blauen Jeans und einem Hemd, das offen ist. Mein Blick wandert von ihm in das Innere des Hauses. Es ist dunkel und leer, also hat mich Nadine belogen. Ich drehe mich blitzschnell um und gehe zurück zum Auto. Als ich ihn aufschließen will, bleibe ich stehen. Ich kehre zurück zu Patrick, werfe ihm die Schlüssel zu und gehe zurück die Straße entlang. Nach cirka 700 m habe ich das Gefühl, dass ich in meiner Kleidung ersticke, darum ziehe ich meine Jacke aus und wische damit den Schweiß von meiner Stirn. Ich stopfe sie in meine Tasche und ziehe das Handy raus, um ein Taxi zu rufen. Nach dem Anruf merke ich, dass die Hitze unerträglich geworden ist. Ich setze mich auf den grünen, kühlen Rasen und hoffe, dass der Besitzer auf mich nicht sauer sein wird. Mein Top klebt an mir und ich bereue, dass ich etwas weniger enges nicht ausgewählt habe. Ich lege mich hin und blicke auf den blauen, strahlenden Himmel, dann auf die Bäume. Der Himmel ist wolkenlos, die grünen Blätter der Bäume bewegen sich leicht im Wind. Alles scheint so friedlich zu sein und ich schließe die Augen. Der Wind  spielt mit meinen Haarstränen und ich fühle mich besser, denn die Hitze scheint sich zu reduzieren.
Plötzlich werde ich hochgerissen und energisch geschüttelt. Ich öffne erstaunt die Augen und sehe ihn vor mir. Mit einer Bewegung befreie ich mich von ihm und streiche die Haare aus dem Gesicht.
"Was soll das?", murmele ich und stehe auf.
"Geht es dir gut?", der Schwarzhaarige legt seine Hand auf meine Stirn. "Ich dachte dir wär's schlecht und du hättest das Bewusstsein verloren. Du  weißt schon, dass es vielen Menschen schlecht geht wegen der Hitze", erklärt er.
"Mir geht's gut, aber ich bezweifle, dass es dich was angeht. War das alles, was du wolltest?", frage ich und schaue an ihm vorbei.
"Natürlich, interessiert mich das! Du bist mir wichtig", sagt er. "Ich liebe dich schließlig und kann es kaum fassen, dass du dich von allem, was uns verbindet so schnell befreit hast. Ich verstehe auch nicht, warum du mir alles, was ich dir geschenkt habe, zurückgibst. Ich hab es dir geschenkt, weil ich dich liebe. Komm!" Er nimmt mich an die Hand und zieht die Straße entlang bis wir am Haus Nr. 17 stehen. "Dieses Haus ist ein Hochzeitsgeschenk für uns von meinen Eltern."
"Na und? Mir doch egal!"
"Ist es dir wirklich egal?", er drückt meine Hand wütend zusammen so, dass es wehtut.
"Klar! Die Hochzeit ist doch abgesagt und warum sollte es mich interessieren?"
"Warum machst du nicht den ersten Schritt? Warum kämpfst du nicht für unser Glück? Unsere Liebe?"
"Ich respektiere deinen Entschluss."
Patrick küsst mich auf die Lippen. "Dafür hasse ich dich. Weißt du was? Ich weiß, dass du uns nie aufgegeben hast", er hebt meine Hand und zeigt mir den Ring auf meinem Finger. "Willst du mich noch heiraten? Am 17. Juli, wie geplant?"
"Darum hat das Haus die Nummer 17?"
Patrick lächelt und nickt: "Ja, damit ich den Hochzeitstag nicht vergesse."
Ich küsse ihn und nicke: "Ja, wenn wir uns gegenseitig einander vertrauen."
Er zieht mich näher zu sich an und küsst mich zärtlich.
 
"Also, wenn ich richtig verstehe, dann ist deine Freundin Nadine, Henrichs Tochter, dafür verantwortlich, dass du plötzlich vor mir standest?" Ich nicke und Patrick lacht. "Meine Mutter wird sich freuen, wenn sie dich sieht", sagt er und wir gehen durch das riesige Haus seiner Eltern zum Pool.
"Sie sind nicht da", stelle ich fest.
Patrick hebt mich völlig unerwartet hoch und, ohne zu zögern, springt mit mir in den Pool. Das Wasser ist warm. Ich steige wütend aus dem Pool und gehe sofort mich umzuziehen, doch er bleibt, um ein paar Runden zu schwimmen. Nichts scheint sich verändert zu haben - das Haus ist so, wie es war, mein Zimmer liegt an derselben Stelle und meine Sachen liegen an ihrem üblichen Platz. Ich ziehe mich um und gehe zurück zum Pool, auf den Weg dahin gucke ich noch in der Küche vorbei, wo ich auf das Dienstmädchen und die Haushalstführerin stoße. Sie schauen mich erstaunt an, doch sagen nichts. Ich grüße sie und nehme ein paar Sachen, eine Packung Orangensaft und Milch aus dem Kühlschrank, dann mache ich noch ein paar Butterbrote und sehe mich nach Früchten um, als jemand mir die Augen von Hinten schließt.
"Patrick, hör auf!", ich nehme seine Hände von meinen Augen.
Er küsst mich rasch auf die Wange und nimmt sich ein Butterbrot. "Schwimmen macht hungrig", erklärt er und streichelt mit den Fingerspitzen der freien Hand meine Schulter. "Du bist wunderschön."
"So plötzlich? Vielleicht, weil ich dir etwas zu essen gemacht habe? War ja nichts besonderes."
"Nein, weil du in einem Bikini rumläufst."
Ich runzele meine Stirn und mustere Patrick. Er trägt eine Badehose - wann hat er es geschafft sich umzuziehen? - und zieht mich an sich ran. Seine Hand wandert meinen Rücken hoch und runter.
"Hast du keinen Hunger?", fragt er und bietet mir von seinem Butterbrot abzubeißen.
Ich schüttele den Kopf und wische einen Brotkrümel aus seinem Mundwinkel: "Du weißt ganz genau, dass ich Brot nicht mag."
"Laura, haben meine Eltern gesagt, wann sie zurückkehren?", fragt er die Haushaltsführerin.
"Frau Helena sagte, dass sie zum Essen sein würden, d.h., in einer halben Stunde", spricht sie höflich.
"Okay, wir essen auch", sagt Patrick und führt mich aus der Küche heraus zum Pool, wo er sofort in den Pool springt.
Ich setze mich an dessen Rand und beobachte ihn. Ich lasse meine Beine ins leicht kühle Wasser und versinke in meinen Gedanken. Dieser Augenblick soll eine Ewigkeit dauern, er soll schön und ruhig sein. Ich lege mich auf den Marmorfliesen-Boden und schließe meine Augen. Vielen gefällt die Hitze nicht, aber ich mag sie. Vor einem Jahr war es kühler. Ich verstehe nicht, warum alle sich über die Hitze aufregen. Der Winter ist doch eiskalt, dann muss der Sommer auch heiß sein, oder? Ich spüre wie Patrick vorbeischwimmend meinen Fuß berührt und kriege eine Gänsehaut. Was bedeutet diese Reaktion? Ist das nur die Überraschung, der Schrecken oder trotzdem etwas mehr? Ich schlaf ein.
Ich träume von gar nichts. Das ist einfach ein traumloses Nickerchen. In der Ferne höre ich Stimme, bekannte Stimmen, aber ich kann mich nicht an die Besitzer dieser Stimmen errinern. Völlig unerwartet spüre ich, wie ich langsam ins Wasser gezogen werde und wache auf, wenn ich unter Wasser bin. Patrick taucht mit mir auf und sagt lächelnd: "Schön, dass du aufgewacht bist. Jemand ist da. Rate wer?"
Ich runzele meine Stirn und streiche mir Haare aus dem Gesicht: "Du hast mich erschreckt. Tu das nie wieder!"
"Sie wollten dich unbedingt sprechen", flüstert Patrick und dreht mich um.
Vor uns, am Rand des Pools, stehen Helena und Hans. Ich grüße sie und steige aus dem Pool. Sofort ziehe ich mich mit Helena zurück. Wir gehen direkt ins Esszimmer, wo wir uns am Tisch hinsetzen und reden. Die Haushaltsführerin bringt uns Tee und Helena erzählt, wie glücklich sie über meine Versöhnung mit Patrick sei. Dann reden wir über die Hochzeitsvorbereitungen und über die Hochzeit, die, wie geplant, am 17. Juli stattfinden wird. Ich erkundige mich, ob sie Zweifel vor der Hochzeit hatte. Sie lacht nickend und erzählt, dass sie Panik vor der Hochzeit hatte und darum sich mit vielen Männern traf, um sicher zu sein, dass sie den Richtigen heiratet.
Plötzlich, in der Mitte eines anderen Satzes, stellt sie mir eine Frage: "Wie lange bist du schon schwanger?"
Ich trinke Tee und beginne laut zu husten. Ich bin sprachlos.
"Warum hast du das uns nichts gesagt? Na ja, Patrick weiß es jetzt", sagt sie ruhig.
"Was?! Ich bin doch nicht schwanger!"
"Wie? Aber deine Freundin Nadine hat mir gesagt, dass du schwanger wärst..."
"Sie hat offensichtlich gelogen. Ich muss das wohl jetzt auch Patrick sagen", sage ich und seufze.
Damit hört unser Gespräch auf und ich gehe in mein Zimmer, wo ich mich umziehe. Dabei wage ich einen Blick in den großen Spiegel, der neben dem Kleiderschrank steht. Ich bin schon 25 Jahre alt, doch habe keine Minute gedacht, dass ich Kinder haben könnte. Ja, ich habe ein bisschen zugenommen, aber das merkt man kaum. Ich frage mich, ob Patrick je an Kinder gedacht hat. Er ist viel reifer als ich anfangs gedacht hatte und entscheide mich nach ihm zu suchen, um ihn das zu fragen. Ich kann ihn nicht finden, darum will ich die Haushalstführerin oder das Dienstmädchen fragen, ob sie wüssten, wo mein Verlobter sei und begebe mich in die Küche. Vor der Tür höre ich eine aufgeregte Frauenstimme und mache einen Schritt zurück.
"Du kannst mir das nicht antun. Ich liebe doch dich. Warum kämpfst du nicht für unsere Liebe?", spricht die Frau.
"Ines, das habe ich dir doch gerade erklärt! Ich liebe meine Verlobte und werde sie in vier Tagen heiraten", das ist Patricks Stimme.
"Aber ich liebe dich! Sie liebt dich nicht, sie wird dich nie so lieben, wie ich. Du weißt ganz genau, dass sie dich nur heiratet wegen des Geldes."
"Sie ist schwanger", sagt Patrick.
"Siehst du! Sie ist schwanger geworden, damit du sie heiratest!"
"Hör damit auf, Ines! Ich muss mir das nicht mehr anhören. Ich liebe sie und unser Kind und werde sie nicht verlassen", schreit er und schlägt auf die Arbeitsplatte zu.
"Nein, mach das nicht. Ich werde dir viele Kinder schenken, wenn du willst. Wir werden glücklich zusammen sein", schreit sie.
"Lass mich los!"
"Ich liebe dich!"
Nach diesem Schrei fällt etwas runter und zerbricht, danach ist Stille. Ich atme tief durch und gucke in die Küche. Mein Herz bleibt stehen. Das Dienstmädchen küsst meinen Verlobten. Ich erstarre. Ich will weglaufen, schreien, mich in der Luft auflösen, sterben. Patrick löst sich von ihr und sie bemerken mich. Er ist blitzschnell bei mir, umarmt mich und bei mir löst sich ein Knoten - bittere Tränen laufen mir über das Gesicht. Mit jeder Träne werde ich schwächer und schwächer.
Schließlig bringe ich über meine Lippen: "Ich bin nicht schwanger. Nadine hat gelogen."
Patrick küsst mich zärtlich auf die Stirn, nimmt mich auf die Arme und bringt mich in sein Zimmer, wo er sich mit mir auf das Bett hinlegt. Er wischt mir die Tränen vom Gesicht und sagt: "Ich hätte dir über mich und Ines erzählen sollen, aber das schien mir nicht so wichtig zu sein. Es tut mir leid. Ich liebe ich und brauche keine Andere." Er küsst mich zärtlich auf die Lippen. "Übrigens, ich hab mich schon auf ein Baby gefreut", grinst er und streichelt meinen Bauch.
"Erzähl mir bitte über dich und Ines. Ich will keine Überraschungen erleben", sage ich vorsichtig.
"Vertraust du mir?", fragt er.
Ich nicke.
Er seufzt und beginnt mir zu erzählen. Er kannte Ines schon seit der Kindheit und als er 15 Jahre alt war, wurden sie ein Paar. Seine Eltern wussten nichts davon, aber sie fanden es trotzdem heraus. Das geschah nach zwei Jahren der Beziehung, als Ines schwanger wurde, und er es ihnen erzählte. Sie verboten ihm sie zu treffen und zwangen Ines das Kind abzutreiben.
Ich höre ihm vorsichtig zu, als er fertig ist, küsse ich und umarme ihn. Er lächelt müde, legt seinen Kopf auf meinen Bauch und umarmt mich. Nach 2-3 Minuten schläft er ein. Ich habe ein merkwürdiges Gefühl - einen Augenblick spüre ich den Drang ihn zu beschützen, fast wie eine Mutter. Ich streiche mehrmals durch seine Haare und schließe meine Augen, doch kann nicht schlafen. Nach einer langen Weile schaukeln seine ruhigen, gleichmässigen Atemzüge mich doch in das Reich der Träume.

fuer Bilabo, weil du ja den naechsten Teil wolltest:))
.... to be continued
wuerde mich ueber kritik und meinungen zur story freuen:))
Aleksandra Bilcane, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.03.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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