Joana Angelides

BEWERBUNGSGESPRÄCH

 
Personalchef : Sie wollen bei uns arbeiten?
Bewerberin: Naja, irgendwas muss ich ja tun
Personalchef : Also, ich finde schon, dass sie mehr Enthusiasmus haben sollten.
Bewerberin: Nein sowas habe ich nicht, der Arzt sagte ich bin völlig gesund. Da brauchen sie keine Angst zu haben
Personalchef :Ihnen sind wohl Fremdwörter nicht so geläufig?
Bewerberin: Also, sagt man denn das nicht nur bei Hunden oder Katzen? Ich bin diniert!
Personalchef :Wie bitte? Oh, sie meinen "indigniert" und "läufig"! Da haben sie Recht. Aber lassen wir das.
Bewerberin: Ich wollte eigentlich wissen, was sie genau suchen?
Personalchef : Also, wir suchen eine Bürokraft mit guten Deutschkenntnissen und gewissenhafter Auffassung von Rechten und Pflichten
Bewerberin: Ja, also Kraft habe ich nicht viel, aber Deutsch kann ich natürlich und ein reines Gewissen habe ich auch.
Personalchef :Naja, das alleine wird nicht genügen.
Bewerberin: Nicht genügend? Sie sind aber streng! Und was meinen sie denn mit Pflichten?
Personalchef :Naja, es gibt eben Dinge die einfach selbstverständlich sind, die zu den Pflichten der Angestellten bei uns gehören.
Bewerberin: Ich bin eine anständige Frau, das muss ich hier betonen! Wenn ich hier arbeite, dann muss alles mit rechten Dingen zu gehen.
Personalchef : Mit Vergnügen
Bewerberin: Da sagen sie es schon wieder sowas! Mit Vergnügen verlange ich das doppelte Gehalt.
Personalchef : Was denken sie denn, was wir hier für ein Unternehmen sind? Bei uns geht alles nur mit rechten Dingen zu, das sind die nackten Tatsachen.
Bewerberin: Nackt? Kommt nicht in Frage. Mindestens einen Tanga und Pumps muss ich schon anhaben.
Personalchef : Da werden aber die männlichen Kollegen außer Rand und Band geraten, das steht nicht in unseren Betriebsvereinbarungen.
Bewerberin: Sie haben eine Betriebsvereinbarung, wann und wo bei den männlichen Kollegen was steht? Sehr Obskur.
Personalchef : Sie meinen sicher absurd. Aber sie haben auch das falsch verstanden. Vielleicht sind sie doch nicht die Richtige für uns.
Bewerberin: Sie werden lange suchen müssen, bis sie jemand finden, der bei ihnen in Tanga-Höschen und Stöckelschuhen zwischen den männlichen Kollegen Kraftübungen macht und läufig ihren Pflichten nachkommt. Was passiert denn, wenn die männlichen Kollegen dann ihren Pflichten nicht nachkommen? Und ob alles zum Vergnügen aller sein wird, sei dahingestellt, so wahr ich Deutsch kann!
Personalchef : Um Gottes Willen, sie haben alles falsch verstanden! Könnten wir noch einmal von vorne beginnen? Darf ich ihnen einen Brief diktieren und sie tippen ihn dann in den PC?
Bewerberin: Ja natürlich.
Ist das der PeeCee? Ohja, und wo ist da der Wagen zum rüberschieben, wenn die Zeilen aus sind? Und wo gibt man denn das neue Farbband rein? Und wo das Firmenpapier mit dem Kohlepapier?
Oh, was suchen sie denn am Fußboden mit verdrehten Augen und offenem Mund?
Also das ist schon eine seltsame Firma, hier werde ich nicht arbeiten.
Bewerberin verläßt fluchtartig das Zimmer.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.03.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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