Margarete Hennicke

Die schöne Prinzessin

Der Hof war in heller Aufregung. Wo war die Prinzessin?Plötzlich, nach dem Frühstück war sie verschwunden. Der Hofmarschall will sie gesehen haben, als sie, in einen weiten Mantel gehüllt, mit Kapuze auf dem Kopf, zum Ausgang lief.
Die Zofe aber sagte, solch ein Kleidungsstück besäße die Prinzessin nicht. Übrigens habe sie sie ruhend auf der Ottomane in ihrem Gemach gesehen.

Nur die Prinzessin kannte die Wahrheit. Seit vielen Tagen, fast Wochen, hatte sie einen Plan geschmiedet. Sie wollte ausbrechen aus dem goldenen Käfig, wollte frei sein, tun und lassen dürfen was sie wollte.
Ein kleiner Vogel hatte ihr gezwitschert wie lebendig und aufregend das Leben außerhalb des Schlosses ist. "Ja aber was muss ich tun, ich komme doch unbemerkt hier nicht hinaus!" - "Folge mir nur, ich werde dafür sorgen, dass dich niemand bemerkt."
Sie vertraute dem kleinen Vogel, der seit einiger Zeit immer in ihrer Nähe war. Es war nach dem Frühstück, als er sie aufforderte in die bereitliegenden Kleider zu schlüpfen, die langen, goldenen Haare zu 2 Zöpfen zu flechten und ihm zu folgen. Sie staunte, denn noch nie hatte sie sich selbst frisiert, aber es war ganz einfach.

Draußen ging es durch kleine enge Gassen, die nicht ganz sauber waren. Aber die Menschen, die ihr begegneten, waren freundlich und fröhlich. Sie lächelte sie an und fühlte sich frei und leicht. Sie hörte Klänge die ihr unbekannt waren und lief ihnen entgegen. Immer flog ihr das kleine Vögelchen voraus. Sie kam zu einem Mann, der an der Kurbel eines großen Kastens drehte und damit die schönen warmen Töne entlockte.
Schüchtern wiegte sie ihren Körper, doch dann begann sie zu tanzen. Sie tanzte so anmutig, dass alle stehen blieben. Die Zöpfe lösten sich und das goldene Haar umschmeichelte sie. Erst wagte sich nur einer der Umstehenden in die Mitte und begann mit ihr zu tanzen. Dann wurden es mehr. Die Kutscher ließen ihre Wagen mit den Pferden stehen und es war nicht nur ein toller Spaß, es war ein Augenschmaus.
Sie blühte auf und wurde noch schöner, als sie ohnehin schon war.

Im Schloss war man nicht untätig. Häscher wurden ausgeschickt die Prinzessin zu suchen. Sie wurde auch gefunden. Ein Häscher nach dem anderen fand sie, aber niemand konnte die Tanzende unterbrechen. Sie standen da und gafften. Reihenweise fielen sie in Ohnmacht, geblendet von der Schönheit der Prinzessin.

Nur einem gelang es in das Schloss zurückzukehren.

Die Prinzessin tanzte und tanzte und das Vögelchen flatterte über ihr und sang ganz wunderschön dazu.

Eine goldene Kutsche fuhr vor. Der kleine Vogel zupfte die Prinzessin am Ärmel und sie legte behutsam ihre heiße Wange an sein kleines Köpfchen.
Da geschah es. Ein paar bunte Federn fielen zu Boden und ein stattlicher Prinz stand vor ihr.
Sie stiegen in die Kutsche und fuhren zum Schloss der schönen Prinzessin.

Dort erwachten sie nach und nach aus der Ohnmacht in die sie gefallen waren, bei der Nachricht, dass sie mit Kutschern zu Drehorgelmusik tanzte.

Bald danach wurde prunkvoll Hochzeit gefeiert.
Der Drehorgelmann durfte zum Tanz aufspielen, denn er hatte Anteil an dem Glück der Prinzessin.

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