Kathi Schmidt

Manchmal muss man es erfahren...


08.März 2007
 

 
Liebes Tagebuch, heute habe ich es geschafft und ich erzähle es dir noch mal in Kurzform, obwohl du es ja schon weißt….
 

 
Es begann an einem Freitag…..
 

 
Ich war seit langer Zeit unglücklich in meiner Ehe, und ich lebte mit ihm nur noch unter einem Dach. Wir wollten alles gemeinsam und reibungslos regeln, doch dies erwies sich als Fehler, denn es war schwerer als zuvor gedacht. Mein Mann ist ein toller Mann, doch es war etwas verloren gegangen, die Liebe…Durch eine berufliche Veränderungen und durch Veränderung meines Typs waren nur noch Eifersuchtsszenen angesagt und was dazu gehört…Mir fehlte etwas, doch was war es…In vielen Dingen war ich gewachsen und Gespräche mit meinem Mann, die gab es schon lange nicht mehr…Mein Job erfüllte mich mit neuen Herausforderungen, doch privat hatte ich ein riesengroßes Loch…Meine Freundin sagte eines Tages zu mir, schau doch mal im Internet, man kann dort tolle Gespräche führen, auch mit netten Leuten. Zuerst war ich etwas vorsichtig, denn ich hatte kurz vorher eine Erfahrung dort gemacht, die mir noch zu schaffen machte.
 
Doch da nun mal die Neugier siegte und ich ja nichts zu verlieren hatte, setzte ich mich an den PC und loggte mich ein…Es kamen so einige an meinen Bildschirm und es war ein wunderschöner Zeitvertreib. Da ich niemals daheim chaten konnte, war ich immer im Internetcafe, doch an diesem besagten Tag war ich daheim, meine Familie war nicht da. Es war schon ziemlich spät und plötzlich schrieb mich jemand aus dem Süden an und wir schrieben uns unser Leben. Ein fremder Mann und doch war da gleich etwas Gemeinsames. Es war wunderschön und Natürlich kam der Punkt
 
 -wollen wir telefonieren-  und wir taten es…Was hatte ich zu verlieren und 700km, die uns trennten, waren doch der Punkt, er kann mir gar nicht gefährlich werden. Endlich war da jemand, der mich verstand und ähnliche Situationen kannte. Es war einfach schön….
 

 
Da meine Tochter in den Urlaub fliegen wollte und ich vorhatte, sie nach Frankfurt zum Flughafen zu bringen, war da ein Lichtblick diesen Menschen persönlich zu begegnen, doch wollte ich das??? Also packte ich meine Sachen und fuhr  Richtung Frankfurt und als ich dann meine Tochter verabschiedet hatte, fuhr ich weiter zu Verwandten, wie es geplant war….Ja, wir wollten uns treffen, im Cafe…..Nein, bei ihm Daheim, da schon eine gewisse Zuneigung entstanden war. Natürlich fragte ich mich – es ist ein fremder Mann, was ist, wenn er einer von den schlimmen ist – nein, nicht dieser, da war ich mir ziemlich sicher!!!!
 

 
Als der Tag X nahte, konnte ich es kaum vor Neugier ertragen und als ich mich dann um halb sieben auf dem Weg zu ihm machte, ach, was gingen wir Gedanken durch den Kopf…Ich kannte ihn noch nicht mal vom Foto, wer war er? Doch dies sollte sich gleich rausstellen….
 

 
Endlich angekommen, an einem Schönen Ort und einem Haus, welches Ruhe ausstrahlte, warf ich noch einen letzten Blick in den Spiegel und dann sagte ich mir – los, du schaffst das!!!! –
 
Als ich den Klingelkopf drückte, ach was ging mir alles durch den Kopf…..doch was sollte passieren, es wusste meine Freundin und ein Freund davon und auch die Adresse, obwohl, wenn er mich fesseln, knebeln usw. wollte, dann wäre alles umsonst gewesen, bis die es erfahren ;-)
 
Doch es war ganz anders, als vorher geahnt. Es war einfach schön …und alles dies lässt mich nach vorne schauen….denn diese Erfahrung und die Erinnerungen nimmt mir niemand, auch nicht er, der mich wohl schon vergessen hat, wie alle anderen, die sein Leben bewegten.
 

 
Die Tür ging auf und was sah ich da – ein Mann, er strahlte mich an und ich war einfach froh, ihm begegnet zu sein – Es war ein wunderschöner Abend, wir redeten und redeten, tranken Wein und es war toll….Der Abschied fiel mir schwer und ob wir uns jemals wieder sehen sollten, dass wusste ich damals noch nicht….Wir schrieben uns von diesem Tag an viele SMS’en und telefonierten und natürlich trafen wir uns…..Er war meine Tankstelle, die mich erfüllte von Glück und Geborgenheit, wir freuten uns auf unsere Treffen und konnten es kaum abwarten uns zu sehen…Wir verbrachten wunderschöne Stunden. Durch diese Stunden konnte ich anderes ertragen und es gab mir die Kraft etwas zu bewegen, wozu mir die Kraft immer gefehlt hatte. Ich vernachlässigte meine Kinder und vieles mehr, weil er für mich das Wichtigste war.
 
Ich lernte seine Familie kennen und wir genossen unsere Stunden, Tage einfach alles…Er vertraute mir sein ganzes Leben an und ich sah ganz viel ein und wollte es mit ihm gemeinsam meistern, doch er lies es nicht zu.
 

 
Doch es kam anders, ich versuchte diesen Mann zu ändern, was heißt zu ändern, er war auf einmal anders…vieles kam mir wie Gewohnheit vor, es fehlte einfach seine Freude auf mich…ich spürte seine Abwesenheit und ich fragte mich: Was ist los, warum nur….Kann man nach nur kurzer Zeit so werden? Es kamen Vorwürfe von mir und oftmals ging es mir durch den Kopf –Nein, es geht so nicht weiter - ! Doch dem Ganzen auf den Grund zu gehen, nein wieso…..Ich war bockig und zickig und er entwickelte eine gewisse Entfremdung zu mir…Doch was sollte ich auch erwarten, ich habe ihm oftmals wehgetan und er ist kein Mann, der lange bittet. Er litt, dass war mir klar, aber auch ich…Durfte ich ihn an mich binden, wenn er doch anderes wollte….Wenn wir nicht mehr das erlebten, was wir uns erhofften?
 

 
Also wollte ich ihn loslassen, frei für andere Welten, dass er endlich glücklich werden kann…Er ist ein wundervoller Mensch und ich liebe ihn mehr, als alles andere….doch seine Liebe zu mir war nicht da…
 
Er hat es verdient glücklich zu sein…und kämpft man nicht für etwas was man meint zu lieben? Ja, ich kämpfte, doch von seiner Seite kam nichts, warum auch, heute ist es mir klar.
 
Für mich waren viele  Vorhaben zu meistern und damit konnte ich ihn nicht belasten, denn beruflich musste er alles geben, hatte da er überhaupt Zeit für mich?!
 
700km Entfernung sind nicht einfach, doch wenn man liebt, kann man Berge versetzen und auch einen Weg finden….Doch es müssen auch Gefühle den Verstand überzeugen….und wenn diese es nicht tun, dann haben wir verloren….Langsam kam ich immer mehr allem auf die Schliche und als ich 3mal ganz allein wieder um Verzeihung bat und Worte gefallen sind wie:
 

verlasse niemals deinen Mann wegen mir
 
meinst du etwa, ich komme zu dir zurück, wenn ich hier eine andere kennen lerne
 
du bist etwas korpulent und ich liebe dich trotzdem (obwohl er mich mit dieser Figur kennen gelernt hat)
 
das glaube ich, dass du gerne zu mir kommen würdest
 
wenn du eine Wohnung hast, haben wir vielleicht eine Chance
 
ich habe mich immer zurückgezogen, wenn ich Verantwortung tragen sollte
 
haben mir diese gesagt, was und wie er mich wirklich liebt….
 

 
Man leidet, weil man viel investiert hat, sein ganzes Leben und ganz ganz viel mehr….doch durch diese Worte war mir viel klar geworden und niemals darf man sich jemanden so geben, dass hat man nicht verdient. Kein Mensch ist es wert um ihn zu weinen und sollte es der Mensch sein, bringt er dich niemals dazu….
 

 
Eins kann ich heute nur immer und immer wieder sagen
 

Man soll immer ehrlich bleiben und sagen, wenn man den Partner nicht mehr lieb hat, denn es so zu erfahren, wie ich es tat, tut einfach nur weh….
 

 
Doch die Schönen Erinnerungen lassen mich alles ertragen…und ich habe einen wundervollen Mann kennen gelernt, doch er fand nicht die Liebe in mir, die er sich erhoffte…..
 
Einige Gedichte, die ich in dieser Zeit an ihn schrieb:
 
Liebe Gedanken,
über viele Kilometer zu Dir geschickt
 
Freude über alltägliche Erlebnisse

Allein zu Haus und doch nicht einsam
Spaß bei der Arbeit, Freude über Erfolg
 
Glücksgefühl Deine Stimme zu hören
Verständnis für Deinen Alltag
Kleine Liebenswürdigkeiten
Lachen, und keine Tränen mehr
 
Das alles, nur durch Dich!!!
 

 
Wie wäre ein Winter zu ertragen,

ohne Hoffnung auf den Frühling,

wie ein Abschied auszuhalten,

ohne Hoffnung auf ein Wiedersehen?
 

 
Da saß er, der Engel mit dem
 
gebrochenen Flügel,
 
und weinte.
 
Ein Engel mit nur einem Flügel
 
gesellte sich zu ihm.
 
Sie schauten sich lange an,
 
dann umarmten sie sich und hoben ab.
 

 
Gedanken an dich sind zu einer Brücke zwischen unseren Welten geworden. Ich fliege mit den Flügeln des Lichtes, ich sehe den Regenbogen um den Mond, in der Sonne, im Wasserfall. die Welt erstrahlt in allen Farben. Doch alles verblasst in deiner Schönheit. kühles klares Wasser, Wärme des Feuers, Weichheit des Sommerwindes - alles erinnert mich an dich. -

Gedanken und Gefühle wachsen über meine Wahrnehmung hinaus. In diesen Augenblicken bin ich bei dir, in diesen Augenblicken atme ich den göttlichen Frieden und die Freude vergangener Tage durchflutet mich und so überwinde ich die Schwere. Doch Augenblicke später holt mich die Gegenwart wieder ein und ich wach auf.
 

 
Ach, wäre ich nur...

...der Baum vor Deinem Haus
so könnte ich Dich immer grüßen...
...früh morgens wenn Du's Haus verlässt
am späten Nachmittag wenn Du's betrittst...

Ach, wäre ich nur dieser Baum...
mit sanftem Rauschen meiner Blätter könnte ich zu Dir flüstern...
im Frühling könnte ich lautlos Knospen platzen lassen...für Dich...
und die zartesten Blüten würde ich hervorbringen...nur für Dich...

Ach, wäre ich nur der Baum vor Deinem Haus...
ich würde Dir beim Vorbeigehen einen kühlen Schatten spenden...
wenn im Sommer die Hitze zu sehr drückt...
würde ich mit meinen Blättern einen kurzen frischen Wind zaubern...nur für Dich...

Ach, wäre ich nur dieser Baum...
wenn der Regenschauer Dich überrascht...
würde ich mit meinen Blättern ein dichtes Dach bilden...
um Dich für ein paar Minuten zu schützen...
und vielleicht würdest Du sogar meine Rinde berühren...
dann würde ich gern zu Dir flüstern...
wie sehr ich Dich vermisse...

Ach, wäre ich nur der Baum vor Deinem Haus...
ich würde sanft schwebend meine Blätter fallen lassen...im Herbst...
vielleicht würde sogar ein Blatt leicht über Dein Haar streifen...
somit hätte ich Dich gestreichelt...
ach, wäre das schön...

Ach, wäre ich nur dieser Baum...
ich würde ein paar Schneeflocken durch meine Äste rieseln lassen...nur für Dich...
und auf einem meiner Zweige würde sich vielleicht eine Amsel niederlassen...
die nur darauf wartet...ein paar verstreute Körnchen aufzupicken...
und wenn alles ganz still ist singt sie vielleicht ein Lied...nur für Dich...

Ach, wäre ich nur der Baum vor Deinem Haus...
ich könnte Dich sehen...
und auf meine Weise
Dir vermitteln...
wie sehr ich Dich liebe...
 

 
In Gedanken gehe ich
immer wieder die alten Wege.
Ich hole mir ein Lächeln
von damals zurück, eine Handbewegung, ein Gespräch,
und doch wird mir deutlich,
dass ich bald wieder den Weg ins heutige Leben gehen muss.
Das Leben wartet auf mich.
Auch wenn es mir ein wenig wie Verrat oder endgültiger Abschied vorkommt- das Leben hat noch einiges mit mir vor.
Und die vielen gemeinsamen Erfahrungen, das Lächeln
und das Vertrauen von damals?
Ich werde alles mitnehmen, denn es hat mich zutiefst geprägt.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.03.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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