Elfie Nadolny

Der Einbruch

Der Einbruch

Sie war sehr lustig drauf den ganzen Morgen, scherzte und alberte herum und arbeitete dabei sehr viel. Sie kauften eine Menge ein und dann brachte ihre Freundin sie nach Hause und ließ sie unten vor der Haustüre aussteigen. Sie winkte fröhlich und ging ins Haus.

Zu Hause fiel der Freundin nach einiger Zeit auf, dass sie eine Einkaufstüte zu viel hatte und rief bei der Freundin an. Sie konnte sie kaum verstehen, weil sie schluchzte und weinte. Also fuhr sie rüber zu ihr und sah sie völlig aufgelöst vor sich, es war eingebrochen worden. Das Kind ihrer Schwester kam und sagte, seine Spardose sei leer und die Computerspiele waren weg. Und sie sprach immer von dem Schmuck ihrer Mutter, immer hatte sie von ihrer Mutter geschwärmt. Und nun war der Schmuck weg. Niemals zuvor hatte die Freundin sie in einem solchen Zustand gesehen, völlig fertig. Nun ja, sie versuchte dann später wieder sich aufzurappeln, machte die nötigen Behördenwege usw. und versuchte wieder zum Alltag zurückzufinden, aber sie brauchte bei den Arbeiten immer mehr Pausen.
Eines Tages waren sie verabredet, aber die Freundin kam nicht. Merkwürdig, na, sie wird sicher schon kommen. Nach einiger Zeit wurde dann doch zum Hörer gegriffen und am Apparat war die völlig aufgelöste Schwester. Sie erklärte, dass ihre Schwester plötzlich einen Schwächeanfall bekommen hatte und nun im Koma liegt, die Beiden fuhren ins Krankenhaus und warteten ewig, bis die Schwester endlich reinkonnte.
Der Zustand hielt Tage an, an einem Tag kam dann eine kleine Reaktion, alle freuten sich, aber am nächsten Tag lag sie wieder völlig apathisch dort. Der Arzt nahm die Verwandten und die Freundin der Kranken beiseite und erklärte, man habe sie wieder in einen Betäubungszustand versetzen müssen, weil man festgestellt hätte, dass ein Hirnschlag erfolgt ist und dieser müsse schon Tage vor dem Zusammenbruch gewesen sein. Er befürchtet einen weiteren Hirnschlag und so müsse er sie weiterhin ruhig stellen. Er fragte, ob sie sich über irgendetwas besonders aufgeregt hatte. Ja, das hatte sie. Sie lag nun da, völlig ruhig und fremd aussehend. Wie eine schlafende Puppe.
Auf der Rückfahrt sagte die Schwester, dass sie nun wohl ihre Arbeit aufgeben oder reduzieren müsse, denn die Schwester sei nicht mehr da um wie immer auf die Kinder aufzupassen. Die Sprache kam auf den Einbruch und auf weitere aufregende Ereignisse in letzter Zeit. Ob sich ein Mensch überhaupt im Klaren sei, was so ein Diebstahl bedeutet, ob ein Dieb darüber schon mal nachgedacht hat, dass er nicht nur etwas materiell Wertvolles stiehlt? Ob es nicht moralisch gesehen an Körperverletzung grenzt? Aber solche Gedanken machen sich Menschen wohl nicht, wenn es darum geht, etwas unrechtmäßig zu erwerben.
Die Kranke schläft nun und schläft. Da bleibt nur der Satz, den ein guter Freund kürzlich sagte: „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“

(c) Elfie Nadololny, Dezember 2004

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