Hartmut Pollack

Katzen lieben anders

 
Katzen lieben anders
 
Ganz geruhsam liegt Frauchen auf dem Sofa, hat ein Buch vor den Augen.  Sie ist völlig entspannt, Freizeit ist angesagt. Ein Lächeln liegt in ihrem Gesicht. Das Radio spielt, sie genießt Musik und ihr Buch.
Herrchen sitzt vor dem PC. Er hat ein Strategiespiel im Gange, seine Miene ist entspannt. Herrchen scheint zu gewinnen. Die Körperhaltung vor dem PC ist locker, auch er lächelt. Ein wenig gelangweilt scheint er, das gewonnene Spiel beginnt, ihn nicht mehr zu interessieren.
Mieze und Katerchen liegen beisammen, sie lecken sich gegenseitig ihr Fell. Mieze hat keinerlei Scheu, Katerchen auch das Hinterteil zu lecken. Auch bei den beiden Katzen ist eine völlig entspannte Stimmung zu spüren. Sie mögen sich und zeigen es.
Eine entspannende Harmonie liegt in der Wohnung. Keiner weiß warum, jeder fühlt es.
Mieze streckt sich, ihre Katzenpfoten werden lang und länger, sie streckt sich und gähnt. Kleine spitze Zähne zeigen sich, bei aufgerissenem Katzenmaul sind sie völlig ungefährlich.
Mieze reckt sich. Ihr Hinterteil schiebt sich nach oben. Sie steht auf und geht wenige Schritte. Ihre Augen richten sich auf Frauchen. Miezes Körper spannt sich und mit einem eleganten Sprung ist sie auf dem Schoß ihres Frauchens gelandet. Der weiße Punkt auf ihrem Fell leuchtet vor Freude auf.
Mieze tastet sich vorsichtig nach vorn an den Pullover von Frauchen. Ein sehr wuschliger Pullover ist das. Keine glatte Wolle sondern mehr so etwas Wuschliges. Mieze findet in Brusthöhe den Teil des Pullovers, den sie sucht.
Man meint fast, einen Schnaufer der Erleichterung zu hören. Mieze presst ihren Kopf ganz eng an den Pullover und beginnt zu nuckeln. An dem flauschigen Pullover sucht sie das Weiche eines Katzenmutterkörpers. Mieze wird zum herangewachsenen Katzenbaby. Sie nuckelt, unentwegt, so lange wie Frauchen es zulässt. Mieze taucht in das Kleinkinderstadium.
Wie sehr muss doch die ausgesetzte Katze ihre Mutter vermisst haben. Wie kalt muss die Welt ihr erschienen sein, als sie im offenen Feld kurz vor dem Katzenheim ausgesetzt wurde, neben ihr ihre Geschwister, alle jammernd und frierend.
Wie verloren waren sie alle ohne ihre Eltern. Sie wurden zum Glück ja gefunden, doch welche Schmerzen der Einsamkeit hatten sie vorher erlitten.
Mieze nuckelt auch jetzt noch, Frauchen hat schon einen speziellen Pullover dafür. Zuerst wollte Frauchen schimpfen und dagegen angehen. Doch heute sagt sie lachend: „Katzenmutter war ich noch nie. Die Brust habe ich nur meinen Zwillingen gegeben. Auch Mieze bekommt sie ja nicht, der Pullover trennt uns zum Glück.“
Dann lächelt Frauchen und meint nur noch: „Aber andere Pullover als den Flauschigen ziehe ich in meiner Freizeit hier im Hause nicht mehr an. Es reicht, wenn an einem Pullover Nuckelspuren sind. Sonst kommst du noch in den Verdacht.“
Dabei lachen ihre Augen Herrchen an.
Herrchen schaut völlig konsterniert und lächelt ein wenig gequält.
Katerchen hat Mieze in der ganzen Zeit beobachtet. Er streckt sich und wirkt irgendwie gelangweilt.
Nuckeln, er ein Mann, nee, das tut er nicht. Katerchen gähnt. Wieder zeigen sich zwei scharfe Zahnreihen mit sehr spitzen Zähnen.
Herrchen liest jetzt auch auf dem Sofa. Das Sitzen vor dem PC war ihm  unbequem geworden, er entspannte sich in der Rückenlage beim Lesen. Flink huschten seine Augen über die Zeilen der Geschichten, er war zufrieden mit sich und der Welt.
Das Buch schien gut zu sein, Herrchen hatte ein freundliches Gesicht. Er ging beim Lesen so weit mit, dass er einige Teile der Geschichte laut las. In seiner Rückenlage entspannte er dabei und war glücklich.
Katerchen wollte auch glücklich sein. Mit einem einzigen Satz sprang er auf Herrchens Brust und schaute ihn suchend an. Er versperrte den Blick auf die Buchseiten, stand vor dem Gesicht seines Herrchens und fragte anscheinend, was tust du jetzt für mich.
Katzenaugen schauten fragend in kurzsichtige Augen. Deshalb konnte Herrchen auch so deutlich die Frage in Katerchens Augen sehen. Kurzsichtig bedeutet, je näher man die Augen des anderen sieht, umso besser kann ein Kurzsichtiger sie deuten.
Katerchen war mittlerweile kurz, ganz kurz vor Herrchens Nase angelangt. Er stupste mit seiner Nase gegen Herrchens Nase. Kurz fuhr seine Zunge heraus, eine sehr raue Zunge und leckte über Herrchens Nase. Fast automatisch streichelte Herrchen ihn, so ohne Überlegung aus dem Gefühl heraus. Katerchen schaute aber auch so lieb.
Katerchen schnurrte. Es war kein richtiges Katerschnurren, eher so miezenähnlich, fein und zart. Herrchen hörte ein zartes, fast leises Miauen, kein Katzengejammer. Katerchen klang wie ein kleiner Junge, der Schutz suchte. Wer sollte dem Schutzbegehren widerstehen. Herrchen konnte es nicht. Seine Hände streichelten Katerchens Rücken, seine Stimme sang ganz leise das Wort Katerchen.
Katerchen dankte mit einem Schnurren. Sein Kopf drückte sich gegen Herrchens Hand, immer und immer wieder. Er bedankte sich auf seine Art. Katerchen war glücklich. Herrchen lag still und wagte weder zu lesen noch sich zu rühren.
Seltsam kein Aufbegehren bei dem stiergeborenen Herrchen, er schien das zu genießen. Er selbst fast hilflos auf dem Rücken, Katerchen mit einem lieben Schnurren auf seiner Brust. Herrchen Finger streichelten nicht nur Katerchens Fell, er strich alle Vorbehalte gegen Katzen weg.
Sowohl Frauchen als auch Herrchen genossen die Liebe ihrer Katzen. Diese hatten auf ihre Art gezeigt, wie sehr sie die beiden Menschen mochten. Das war schon sehr viel. Mehr war wohl nicht von ihnen zu erwarten. Katzen lieben eben anders.
© pk 03 / 07

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 20.03.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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