Günter Kienzle

Die größte Reise unseres Lebens (Kapitel 10)

Inhaltsangabe: Lernen Sie den achtzehnjährigen Alexander, er ist Stricher auf Moskaus Straßen. Lernen Sie den siebenjährigen Sergej kennen, der ebenfalls auf der Straße lebt. Ihnen dienen Keller und die Moskauer Kanalisation als Schlafplatz.
Lernen Sie auch Jürgen kennen, der in Moskau ist und nach Ideen für ein neues Buch sucht. Alle drei Schicksale sind miteinander verknüpft.
Eine Geschichte von Freundschaft, aber auch dem menschlichen Elend. Der Gleichgültigkeit der Gesellschaft und der Menschlichkeit einiger weniger. Eine Reise, die in Moskau beginnt und Sie bis nach Sibirien führt. Leider ohne Happy End! (DRAMA)
Bitte bei Kapitel 1 beginnen!

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Kapitel 10

Von guten und bösen Menschen

>>Alexander, bist du hier?<< Sergej lief durchs Treppenhaus. Im zweiten Stock befand sich die Küche. Da wollte er zuerst nachsehen. >>Alexander!<< ,brüllte er die Treppen hinauf.

>>Ich bin in der Küche!<<

>>Dachte ich es mir!<<

Sein Freund stand am Herd und rührte um. >>Heute gibt es Spaghetti mit Hackfleisch!<<

Sergej lief schon das Wasser im Mund zusammen.

>>Setz dich!<<

>>Ja, mein lieber Alexander!<<

Sein Freund schwenkte die Spaghetti ab und stellte das Sieb auf den Tisch. Daneben stand bereits die Soße. >>Ich wünsche dir einen guten Appetit!<<

>>Ich dir ebenfalls!<<

Das Bild verschwamm und wechselte nun mit der Kellerdecke ab.

Ein schöner Traum war das! Aber jetzt war Alexander wieder in der Realität und die war hart. Sein Freund war nicht mehr da, und nun kam wieder diese Einsamkeit zurück. Die Stille in diesem Keller war unerträglich. Sein Magen knurrte, ein Zeichen dafür, dass er Hunger hatte. Kein Geld, kein Freund!

Sein erster Weg an diesem Morgen führte ihn zum nächsten Polizeirevier. Eine Auskunft bekam er jedoch nicht. Solche Auskünfte bekamen nur die Angehörigen, und Sergej hatte ja niemanden mehr. Trotzdem fasste Alexander einen Plan, gegen Abend würde er nochmals herkommen, wenn jemand anderer Dienst haben würde. In dem Fall wollte er sich dann als sein Bruder ausgeben.

Sein zweiter Weg an diesem Tag führte ihn in ein öffentliches WC, da konnte man sich etwas frisch machen und rasieren. >>Mist!<< ,schimpfte Alexander, als er in den Spiegel sah. Dieser Einwegrasierer taugte nichts. Er war in der Regel auch für die einmalige Rasur vorgesehen und nicht für mehrmalige Anwendungen. So brauchte Alexander eine halbe Stunde bis er wieder einigermaßen vernünftig aussah.

Draußen war es kalt, bitterkalt! Trotzdem blieb ihm heute keine andere Wahl, so nahm er eine Tüte als Unterlage, setzte sich darauf und stellte eine alte Dose daneben. Vielleicht hatten manche Erbarmen und warfen etwas ein. Nein, das Geld war nicht zum Essen kaufen gedacht. Wenn genug zusammen kam, würde er ein kleines Cafe aufsuchen, wo man telefonieren konnte. Alle Kinderheime in der Gegend wollte er anrufen.

Die anderen Obdachlosen tranken immer Wodka, so war die Kälte leichter zu ertragen. Zum Glück schneite es jetzt wenigstens nicht. Die meisten Passanten beachteten ihn gar nicht. Nach einer Stunde waren es wenigstens ein paar Rubel geworden. Gerade als er aufstehen wollte, kam der Besitzer aus dem gegenüberliegenden Imbiss. In der Hand hatte er eine Tüte Pommes Frites und einen Becher warmen Tee. Beides stellte er ihm hin. Alexander schaute zu ihm hoch. >>Ich habe aber kein Geld!<<

>>Das weiß ich doch, sonst würdest du nicht hier sitzen, und ich habe nichts verlangt. Nimm ruhig! Es kommt von Herzen!<<

>>Vielen Dank!<<

Der Besitzer wollte sich schon abwenden, als Alexander etwas einfiel. >>Haben sie ein Telefon? Ich kann es bezahlen. Es ist wichtig!<<

>>Wichtig?<< ,wiederholte der Mann.

>>Ja, meinen kleinen Freund hat gestern die Miliz geschnappt. Nun muss ich herausfinden in welches Heim sie ihn gebracht haben.<<

>>Ich verstehe, das ist natürlich wichtig. Komm einfach mit, du kannst gerne telefonieren.<<

Der Mann half ihm sogar beim Suchen der Nummern. Leider erwies sich die Suche recht schwierig, da er Sergejs Familiennamen nicht kannte. Ein seltener Name war es ebenfalls nicht. In manchen Heimen gab es gleich mehrere Sergejs. Aber er wollte nicht irgendeinen, nein, er wollte seinen Sergej! Diesen kleinen, liebenswerten Kerl mit seiner einfachen Art. Nach dreißig Nummern und eine Stunden später waren alle Heime durch. Alexander legte dem Mann das Geld auf den Tisch. >>Vielen Dank für alles!<<

>>Nimm das Geld, ist ein Geschäftstelefon, es kostet mich praktisch nichts.<<

Nochmals bedankte er sich. >>Ich geh dann noch mal zum Polizeirevier, ihnen alles Gute!<<

>>Danke, ich wünsche dir, dass du deinen Freund findest. Viel Glück!<<

 

>>Ich komme!<< ,schrie Anton und fing wieder an zu Husten.

Jürgen wunderte sich. Er war immer noch Im Schlafanzug und es war erst sechzehn Uhr. Außerdem sah er kreidebleich aus. >>Kommen sie doch rein! Ich habe eine Grippe. Musste mich krank melden. Ich mache mir gerade einen Tee, wollen sie auch einen?<<

Jürgen musste lächeln. >>Da sag ich nicht nein! Gute Besserung übrigens!<< Anton wollte sich schon am Herd zu schaffen machen als sich sein Nachbar einmischte. >>Setzen sie sich auf den Stuhl ich mache schnell den Tee!<<

>>Das ist lieb von Ihnen.<<

Nach dem das Wasser aufgesetzt war, nahm Jürgen auf dem anderen Stuhl Platz. Dann zog er etwas aus seiner Einkaufstüte hervor. >>Zum Glück hat mir die Bank schnellstens telegrafisch etwas Geld überwiesen. Eine neue Karte bekomm ich auch und auf der Botschaft war ich ebenfalls, wegen neuen Papieren. In drei Wochen müsste ich wieder alles zusammen haben. Eine Brieftasche besitze ich ebenfalls wieder.<< Beide mussten lachen. >>Und das hier ist für sie!<< Er reichte Anton ein Päckchen, schön in Geschenkpapier eingewickelt.

>>Danke! Das wäre nicht nötig gewesen. Da bin ich aber jetzt gespannt!<< ,meinte er und öffnete es.

Es war ein kleiner Stoffteddy in Trachtenhose und mit Trachtenhut. >>Der sieht aber niedlich aus.<<

>>Ja, aus meiner Heimat.<<

>>Ich werde ihm im Wohnzimmer ein würdiges Plätzchen aussuchen. Leider hatte ich noch nie Gelegenheit ihr Land kennenzulernen. Ich wollte mich, als ich beim Militär war, einmal für zwei Jahre in die DDR versetzen lassen. Doch die Plätze waren begehrt. Wenn man jemand bestach konnte man hinkommen, aber das habe ich nicht eingesehen. So bin ich niemals aus Russland rausgekommen. Wenn sie verstehen.<<

Jürgen nickte.

>>Heute könnte ich raus, aber dafür verdiene ich zu wenig.<<

Jürgen überbrühte den Tee. >>Wo wollten sie denn gerne mal hin?<<

>>Lachen sie jetzt nicht!<<

>>Nein, das werde ich sicher nicht, sagen sei es ruhig!<<

>>Nach Paris würde ich gerne einmal. Aber wie gesagt, mit dem wenigen Geld ist das für mich unerschwinglich.<< Dann machte er eine kleine Pause. Nur das tropfen des Wasserhahns war zu hören. Nochmals besah er den Bären. >>Wirklich niedlich, ich bin begeistert! Ich hoffe sie werden jetzt keine Kinder mehr mit nach Hause schleppen. Ich kann mir keine weitere Grippe leisten.<<

>Tja, wie man sich in den Menschen täuschen kann. Ich bin schon ein wenig enttäuscht.<<

>>Haben sie es denn immer noch nicht verstanden, für die Kinder da draußen zählen ganz andere Werte. Sie sehen das Elend vierundzwanzig Stunden, Tag und Nacht! Für sie ist stehlen und Leute überfallen was ganz normales. Das hört sich schlimm an, ist aber nun einmal Realität! Für sie als Außenstehender ist das natürlich schwer zu verstehen, dazu als Deutscher! Sicher gibt es in ihrem Land ebenfalls Armut, aber hier ist alles ein Stück härter als bei ihnen.<<

 

Auf der Revier war wenig los. Zwei Beamte verließen es gerade als er eintrat. Alexander atmete auf, diesmal hatte eine Frau Dienst. >>Wie kann ich ihnen helfen?<< ,begrüßte sie ihn freundlich.

>>Gestern Nacht war Razzia und .. . << Jetzt erst fiel es ihm wieder ein, er konnte sich nicht als sein Bruder ausgeben, da er den Familiennamen nicht wusste. >>Auf jeden Fall haben sie meinen Freund mitgenommen. Sergej heißt er und ist sieben Jahre! Nun wollte ich wissen in welches Heim sie ihn gebracht haben? Damit ich ihn da einmal besuchen kann.<<

>>Normal darf ich nur Familienangehörige Auskunft geben!<< ,sagte sie ernst.

>>Können sie nicht einmal eine Ausnahme machen?<<

>>Nun ja, ich will einmal schauen. Normal darf ich das aber nicht. Wie heißt ihr Freund?<<

>>Sergej!<<

>>Und den Familiennamen?<<

Alexander zuckte mit der Schulter. >>Den weiß ich leider nicht.<<

Sie lief nach hinten und kam mit einem Ordner wieder zurück. >>Wir haben hier nur ein Sergej Gregorsky, Alter, sieben Jahre.<<

1>>Ja, das müsste er sein!<< Alexanders Gesicht hellte sich auf.

>>Er ist aber nicht in einem Kinderheim in der Umgebung, sondern in Ryazan. Warten sie, ich schreib ihnen schnell die Adresse auf.<<

Kein Wunder konnten sie ihn nicht finden. Wenn es außerhalb Moskaus war. >>Können sie mir sagen, wie weit es bis Ryazan ist?<<

Die Dame gab ihm den Zettel. >>Das sind gut zweihundert Kilometer! Ich habe ihnen alles aufgeschrieben, auch die Telefonnummer!<<

>>Vielen Dank, das ist sehr freundlich. Ich wünsche ihnen einen schönen Abend!<<

Die Frau lächelte. >>Den hab ich sicherlich.<<

In diesem Augenblick kamen gerade zwei Beamte mit einem Betrunken herein. >>Bruno hat Mal wieder randaliert!<< ,sagte einer der Beamten.

>>Ach je, wie immer!<< ,sagte die Dame.

Alexander verließ das Revier. Ja, dieser Alkohol war ein Problem für Russland und vor allem für die Kinder. Diese bekamen die Auswirkungen am heftigsten zu spüren. Die Eltern waren dann besoffen und schlugen sie. Ein Drama eben, für das gesamte Russland!

Aber es gab nun ein Problem, er musste irgendwie nach Ryazan kommen. Nur wie? Mit den paar Rubel kam man nicht weit. Vielleicht bis zum ende der Stadt, das war es schon. Morgen wollte er erst einmal mit Sergej telefonieren.

 

Ein neuer Morgen war angebrochen. Draußen setzte bereits der Berufsverkehr ein. Alexander konnte die ganze Nacht nicht richtig schlafen. Er konnte es nicht erwarten bis es endlich Morgen wurde. Nun stand er vor seinem Stammcafe und wartete bis es aufmachte. Endlich gingen die Lichter an und die unfreundliche Bedienung schloss auf. >>Sie sind heute aber früh dran<< ,wunderte sie sich.

>>Guten Morgen! Wo ist hier das Telefon?<< ,fragte er.

Sie wies nach hinten. >>Da ist ein Münzfernsprecher!<<

Alexander bedankte sich, lief nach hinten und holte die Münzen hervor. In der Aufregung fielen sie ihm hinab. >>Kacke!<< ,fluchte er auf. Dann holte er den Zettel heraus und wählte die Nummer. Es dauerte etwas, dann meldete sich eine Frauenstimme. >>Könnte ich bitte einmal Sergej Gregorsky sprechen, das ist ein Junge, der gestern oder vorgestern in ihr Heim kam.<<

>>Sind sie mit ihm verwandt?<< Alexander überlegte. Da er jetzt den Familiennamen wusste war eine Lüge besser, sonst würde sie ihn sicher nicht ans Telefon holen. >>Ja, ich bin sein Bruder!<< Hoffentlich würde sich Sergej nicht verplappern und sagen, dass er gar keinen Bruder hätte.

>>Warten sie einen Augenblick, ich hole ihn schnell an den Apparat!<< Man hörte wie sich die Schritte entfernten.

>>Vielen Dank!<< Es dauerte eine Weile. Alexander musste Münzen nachwerfen.

1Die Bedienung machte sich ebenfalls bemerkbar. >>Was möchten sie bestellen?<<

>>Geben sie mir bitte einen Tee!<<

>>An ihren Stammplatz?<<

>>Ja, wie immer!<< Endlich näherten sich Schritte. Stimmen waren zu vernehmen. >>Dein Bruder möchte dich sprechen!<<

Die andere Stimme kannte er, das was war Sergej! >>Mein Bruder?<< Hoffentlich machte der Kleine jetzt keinen Fehler. >>Ach ja, mein Bruder!<<

>>Mach nachher wieder die Tür zu, ich muss nach den anderen Kindern sehen!<< Schritte entfernten sich und Schritte kamen näher. >>Hallo, hier ist Sergej!<<

>>Hallo, ich bin es!<<

>>Alexander, mein lieber Alexander, wie ich mich freue!<<

Alexander hatte bereits Tränen in den Augen. >>Ich freue mich auch und wie!<< ,entgegnete er und wischte sich die Tränen aus den Augen. >>Hör zu, ich muss es kurz machen, die Münzen sind bald alle.<<

Sein Gegenüber wurde ernst. >>Ich habe so viel an dich gedacht!<<

Sein Freund unterbrach ihn. >>Warte einmal, ich muss Geld wechseln lassen!<<

Schnell lief er zur Bedienung, die hinter der Theke mit dem lackieren ihrer Fingernägel beschäftigt war. >>Können sie mir bitte diesen Schein wechseln?<<

Die Frau verzog das Gesicht. Alexander sah ihr schon an, dass ihre diese Störung nicht in den Kram passte. Trotzdem gab sie ihm wortlos die Münzen. >Danke!<<

Schnell lief er wieder zum Telefon und warf einige Münzen nach. >>Bist du noch dran Sergej?<<

>>Nein!<< ,spaßte dieser. >>Nur mein Geist!<<

>>Ha, ha, also pass auf, ich werde so schnell wie möglich nach Ryazan kommen!<<

>>Das ist schön! Ich freue mich schon, wenn wir uns Wiedersehen!<<

>>Ich mich auch. Die Münzen sind alle. Gleich werden wir getrennt, sobald ich da bin werde ich dich besuchen. Vergesse mich nicht!<< Ein Knacken war zu vernehmen, die Zeit war um!

Wieder schneite es. Da stand er nun am Straßenrand und streckte den Daumen raus. Alexander sah auf seine Uhr. Eine halbe Stunde warten und keiner hatte bisher angehalten. Blitzschnell fuhr ein Daimler an ihm vorbei und spritze ihm das Salzwasser an seinen Mantel und ins Gesicht. >>Arschloch!<< ,brüllte er dem Fahrer hinterher. In seinem Mantel musste irgendwo ein Papiertaschentuch stecken. Während er sich das Gesicht abwischte, bemerkte er einen Sattelschlepper, welcher langsam näher kam. Schnell war sein Daumen wieder im Einsatz. Wäre er eine hübsche Blondine gewesen, hätte sicher schon in der ersten Minute jemand angehalten. Aber so war es schwer! Der LKW wurde langsamer und bremste genau vor ihm. Die Beifahrertür wurde aufgerissen. Alexander schwang sich hoch. >>Guten Morgen, fahren sie nach Ryazan?<<

>>Ich muss zwanzig Kilometer davor abbiegen, aber bis dahin kann ich dich mitnehmen.<<

>>Haben sie vielen Dank!<< Mit einem Satz war er im Führerhaus und schloss die Tür. Der LKW fuhr wieder an. Trotzdem warf der Fahrer ihm hin und wieder einen Blick zu. >>So wie du aussiehst, stehst du hier schon eine Weile.<<

>>Ja, leider hat bis jetzt keiner angehalten.<<

Der Fahrer schaltete das Radio. Der Holly Dolly Song wurde gerade gespielt. Alexander konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, das Lied war ziemlich komisch, aber ganz nett.

>>Meistens hab ich ja niemand mit dem ich mich unterhalten, dann läuft das Radio. Wenn es dich aber stört mach ich aus?<<

>>Nein, lassen sie ruhig an!<<

>>Wohnst du in Ryazan?<< ,fragte der Mann, während er sich eine Zigarette anzündet.

Alexander schüttelte den Kopf. >>Nein, ich besuche da nur einen sehr guten Freund.<<

Es schneite immer stärker. Der Mann schaltet die Scheibenwischer eine Stufe höher. Der Sattelschlepper verließ nun die Stadt und bog auf eine Bundesstraße ab. Vor ihnen einige Personenwagen, die ebenfalls nicht schnell fuhren, denn man konnte kaum was sehen, und immer noch lief dieses lustiges Lied.

Es war das erste Mal, dass er aus Moskau rauskam und dann gleich so weit. Bald würde Sergej wieder bei ihm sein! Seinen besten und einzigen Freund.

>>Du denkst über etwas nach?<<

>>Ja, bald sehe ich meinen besten Freund wieder!<< ,antwortete Alexander und strahlte dabei übers ganze Gesicht. >>Sergej, ich komme!<<

>>Ich bin schon da!<<

Im ersten Moment verstand Alexander nicht was der Fahrer damit meinte. Dieser lachte auf. >>Ich heiße Sergej, wie dein Freund!<<

>>Oh, sehr erfreut sie kennenzulernen, mein Name ist Alexander.

Sergej reichte ihm die Hand, konzentrierte sich aber weiter auf die Straße. >>Mir ist es ebenfalls eine Freude dich kennenzulernen!<<

 

Die erste Stunde hatte bereits angefangen. Einsam und verlassen saß Sergej auf seinem Stuhl, während die Lehrerin und die anderen Kinder die Nationalhymne trällerten. Er kannte sie eh nicht richtig. So schaute der Kleine aus dem Fenster. Schneeflocken fielen zu Boden. Der Hausmeister war damit beschäftigt den Pausenhof freizuschaufeln. Einige ältere Schüler mussten ihm dabei helfen. Machten aber gerade mehr Blödsinn, in dem sie sich mit Schneebällen bewarfen. Sergej überlegte, wie viele Sekunden es dauerte bis der Hausmeister zu motzen anfangen würde. Bei sechzehn Stunden begann das Geschrei. Lustlos nahmen die Schüler ihre Arbeit wieder auf.

>>Sergej!<< ,mahnte die Lehrerin. Eine ältere, korpulente und energische Frau. Sofort sah er nach vorne.

>>Schlag bitte dein Buch auf und lies vor!<<

Vorlesen? Er? Da gab es nur ein winziges Problem, er konnte gar nicht lesen! Leider konnte man das nicht so einfach der Lehrerin sagen, das würde peinlich werden und zwar für ihn!

>>Würdest du bitte beginnen!<< ,forderte sie ihn noch einmal auf.

Sergej schaute sie nur an, dann auf das Buch und wieder auf sie.

>>Du willst nicht? Dann raus vor die Tür, du kommst erst wieder rein wenn ich dich rufe!<<

Fast hätte er lachen müssen. Etwas besseres konnte ihm gar nicht passieren! Er wartete natürlich nicht vor der Tür, sondern packte sich seinen Mantel und die Mütze, rannte den Flur entlang, dann durchs Treppenhaus ins Freie.

Mist! Auf dem Pausenhof schippte ja der Hausmeister und ein paar Schüler. Bisher nahmen sie keine Notiz von ihm. Leider gab es keine andere Möglichkeit um in die Freiheit zu gelangen. Er musste durch das Schultor! Da kam ihm eine Idee! Zielstrebig lief er auf das Tor zu und beachtete sie gar nicht. Kurz bevor er das Tor erreichte hatte, drang die Stimme des Hausmeister an seine Ohren. >>Halt Junge! Wo willst du denn hin?<<

Er schaute zum Hausmeister hinüber, der das Schnee schippen eingestellt hatte und auf eine Antwort wartete. >>Ich muss für Frau Pedrova etwas beim Bäcker besorgen. Sie hat ihr Pausenbrot vergessen!<< ,log er ihm ins Gesicht. Das konnte Sergej übrigens ohne rot zu werden!

>>Dann beeile dich aber und trödle nicht rum!<< ,mahnte der Mann.

>>Gewiss nicht!<< Schnell schob er das Tor auf. >>Endlich in Freiheit, scheiß Laden!<< Zu was brauchte man Schule, das war so sinnlos wie Suppe mit einer Gabel zu essen.

Jedenfalls meinte der kleine Sergej das zu diesem Zeitpunkt. Eines Tages würde er es allerdings besser wissen, aber dann würde es zu spät sein!

Er musste in der Nähe des Heims auf Alexander warten. Dieser kam mit Sicherheit dahin um ihn zu besuchen. Hoffentlich würde es nicht solange dauern, denn es war alles andere als warm. Trotzdem konnte er schnell zum Bäcker, so schnell würde sein Freund nicht hier sein. Mit der Miliz war er fast vier Stunden unterwegs.

Etwas Geld befand sich noch in seinem Mantel, für ein Brötchen konnte es reichen. Wenn nicht musste man auf das Mitleid der Verkäuferin oder des Bäckers hoffen. Zu verlieren gab es nichts.

 

>>Weiter vorne biege ich ab, da kann man billig essen. In Moskau ist mir das zu teuer.<< Meinte Sergej und setzte den Blinker. Das Fahrzeug wurde langsamer und bog von der Bundesstraße auf eine Landstraße ab. Der Mann sah durch die Windschutzscheibe nach oben. >>Endlich hört es auf zu schneien!<< Tatsächlich, nur wenige Schneeflocken fielen zu Boden. Leider befand sich die Straße nicht gerade in einem Neubauzustand. Zahlreiche Schlaglöcher untermauerten die ersten Vermutungen, welche dann zur Gewissheit wurden. >>Scheiß Straße!<< ,fluchte der Fahrer. >>Der Staat ist pleite und das sind die Folgen!<< Ein Dorf kam in Sicht. Eines jener kleiner russischen Dörfern mit ihren Holzhäusern und dem Zaun vor dem Garten. Hier gab es viel Landwirtschaft. Die Leute waren praktisch Selbstversorger. Viel Geld besaß hier keiner. Trotzdem waren die Menschen reicher als er und sein Freund Sergej. Sie konnten jeden Abend in einem warmen Haus schlafen.

Der Fahrer wandte sich an ihn und zeigte nach vorne. >>Da hinter der Kurve ist ein kleines Lokal!<<

>>Lokal!<< ,wunderte sich Alexander. In so einem kleinen Dorf und ein Lokal. Wollte ihn Sergej verarschen?

>>Mehr so improvisiert!<< ,zwinkerte er ihm zu. >>Du verstehst. Hier machen öfter LKW Fahrer Halt. Günstiger kannst du jedenfalls nirgends essen, soviel ist sicher.<<

>>Ich werde draußen warten, während sie drinnen essen, ich habe keinen Hunger.<<

Sergej schaute ihn ungläubig an. Dann lächelte er. >>Ich verstehe, du hast kein Geld, deswegen fährst du per Anhalter! Weißt du, wenn man so lange wie ich fährt, dann lernt man die Menschen einzuschätzen. Jetzt kommt mit rein, du bist eingeladen!<<

Alexander war das gar nicht recht, eher peinlich. Aber wer weiß, wann er das nächste Mal was zu essen bekommen würde. Also folgte er dem Mann ins warme. Drinnen war wirklich alles improvisiert. Ein Holztisch, welcher die Theke darstellen sollte. Dahinter sass eine alte Frau und las in der Bibel. Zwei Tische und ach Stühle zählte Alexander. Die beiden nahmen gleich am Eingang Platz.

Sergej grinste die Frau an. >>Mütterchen, wir würden gerne etwas bestellen, bring uns die Karte!<<

>>Wütend schaute die alte Frau auf. >>Du alter Strolch, du weißt genau das es bei mir nur meinen berühmten Eintopf gibt!<< Sie erhob sich und ging in einen anderen Raum. Als die Tür offen stand, konnte man den herrlichen Geruch von frisch abgebrühtem Fleisch, Gemüse und Kartoffeln riechen, welcher durch den Raum zog. Alexander bekam jetzt richtig Appetit.

Sergej stieß ihn an. >>Warte erst bis probiert hast! Maria macht einen sehr guten Eintopf.<<

>>Das glaub ich gerne!<< ,gab Alexander verlegen zurück und kratzte sich dabei am Kopf. Einige Sekunden kam die alte Maria gleich mit dem ganzen Topf herein. Sie musste zweimal laufen. Beim zweiten Mal gesellten sich Teller und Besteck dazu.

>>Wie gesagt, sie macht einen sehr guten Eintopf, fast so gut wie meine Mutter.<< ,spaßte er.

Maria erhob ihre Hand. >>Ach du! Niemand macht ihn besser in ganz Russland als ich.<< Dann schaute sie zu Alexander. >>Du musst nicht alles glauben was dieser alte Trottel verzapft!<<

Er musste nur grinsen und fand es lustig, wie die beiden sich neckten. Aber das necken war nun zu Ende, Sergej hatte Hunger. Er ebenfalls, also langten sie zu. Maria brachte noch zwei Scheiben selbst gebackenes Brot. Das musste man dieser alten Frau lassen, das Essen schmeckte prima. Fast so gut wie Ludmillas Hefezopf, von dem der Kleine immer erzählte, aber nur fast!

 

Sergej musste anstehen. Endlich war er dann an der Reihe! Er war so klein, dass er kaum über die Verkaufstheke sah.

>>Was darf es sein?<< ,fragte der Mann mit seiner weisen Bäckerschürze.

>>Bitte ein Brötchen!<<

Der Mann griff eins aus dem Korb. >>Willst du es gleich essen oder soll ich es einpacken?<< ,fragte er gleichgültig.

Der Kleine schüttelte den Kopf. >>Ich esse es gleich, sie brauchen es nicht einzupacken.<<

>>Das macht dann dreizehn Rubel!<<

Sergej holte das Geld aus seiner Tasche. Langsam zählte er es.

>>Junge kannst du dich nicht etwas beeilen!<< ,forderte eine dicke, alte Frau.

Es waren leider nur neun Rubel. >>Tut mir leid, ich habe nur neun Rubel!<<

Der Mann legte das Brötchen wieder in den Korb. >>Kann man nichts machen.<<

Etwas traurig verließ Alexanders Freund die Bäckerei. Er musste in der Nähe des Heims bleiben, damit er den Eingang überwachen konnte. Auf der gegenüberliegenden Seite befand sich ein Uhren und Schmuckgeschäft. Darüber war eine Uhr angebracht. Die Uhr zeigte genau elf Uhr an. Wann Alexander wohl ankam? Sicher nicht vor vierzehn Uhr, eher später. Auf einmal sah er zwei Leute von der Miliz, die Streife liefen. Sie kamen direkt auf ihn zu. >>Nicht schon wieder!<< ,schimpfte er. Bis jetzt hatten sie ihn nicht bemerkt. Wenn, würden sie ihn sicher fragen, warum er um diese Zeit nicht in der Schule sei. Dann würde das Theater wieder von vorne losgehen. Schnell drehte er sich um und lief etwas schneller. Doch zu spät! >>Hei Junge!<< ,erklang hinter ihm eine Männerstimme. Sergej rannte los. Hoffentlich konnte er sie abhängen. Sie waren direkt hinter ihm. Der Abstand betrug nur noch fünfzehn Meter. Da er kleinere Beine hatte, waren seine Schritte kleiner. Schnell bog er um die Ecke. Eine Garagentor stand offen. Eillig sprintete er hinein und schloss das Tor. Nun hieß es warten! Die beiden würden bestimmt die Gegend absuchen und sich dabei Zeit lassen. Außer Atem ließ er sich sinken. >>Ach Alexander, wenn du nur schon hier wärest!<<

Eine viertel Stunde später verließ Sergej die Garage. Sie waren weg! Vielleicht kam sein bester und einziger Freund früher als erwartet? So langsam kamen Zweifel in ihm auf, ob seine Berechnungen stimmten. Lieber zu früh als zu spät, hieß ein Sprichwort. Also galt es, so schnell wie möglich das Heim zu erreichen, sonst verpasste er ihn womöglich. So rannte und rannte er, nur noch diese Straße, dann war es geschafft! Kaum hatte Sergej die Hälfte der Straße überquert, sah er den Wagen auf sich zukommen. Die Bremsen quietschten! Mit voller Wucht wurde er über die Motorhaube geschleudert. Eine Frau, die vor der Ampel wartete kreischte auf. Sergej lag regungslos am Boden. Der Fahrer stieg aus. Panik überkam ihn. >>Ich durfte fahren, es war grün!<< In Windeseile kamen aus allen Himmelsrichtungen Leute herbeigelaufen. Weniger um zu helfen, sondern um zu sehen was passiert war.

>>Jemand muss den Krankenwagen rufen!<<, meinte eine Frau mit ihrem kleinen Kind. Ein Herr holte sein Handy hervor und wählte wie wild die Notrufnummer. Inzwischen war die Menschentraube vollzählig. Der Fahrer glaubte weiter, sich vor den Leuten verteidigen zu müssen. >>Die Ampel war grün!<<

>>Ja, jetzt wissen wir es!<< ,meinte ein anderer. Hinter der Menschentraube schrie einer. >>Lassen sie mich doch bitte durch, ich bin Arzt!<< Es dauerte einige Sekunden bis auch der letzte es kapiert hatte und ihn durchließ. Sofort ging er zu dem Jungen und kniete sich über ihn. Dieser blutete am Kopf. >>Hat jemand eine Decke, die wir unter den Kopf legen können und eine zum zudecken!<< Der Verkehr stand still auf der linken Seite. Von hinten kam eine Frau mit drei Decken. >>Danke!<< Nun horchte der Arzt ihn ab. >>Er lebt!<< In diesem Moment war schon die Sirene des Krankenwagens zu hören.

 

>>An der Tankstelle da vorne lass ich dich raus! Ich muss leider in die andere Richtung weiter.<<

>>Ich möchte mich bedanken, für das Essen und damit sie mich mitgenommen haben!<<

>>Keine Ursache! So konnte ich mich wenigstens wieder einmal gut unterhalten.<<

Der Sattelschlepper fuhr in die Einfahrt der Tankstelle ein und kam bei den Zapfsäulen zum Stehen. Alexander öffnete die Tür und klettere aus dem Führerhaus. >>Nochmals Danke für alles!<<

>>Richte meinem Namensvetter einen schönen Gruß von mir aus!<< ,zwinkerte ihm Sergej zu.

Alexander musste lächeln. >>Das werde ich gern tun. Ich glaub alle Sergejs sind nett.<< Mit diesen Worten ließ er die Tür in Schloss fallen. Mit einem brummen fuhr der LKW wieder an. Ein letztes hupen dann fuhr er aus der Ausfahrt wieder auf die Bundesstraße. Alexander schaute ihm noch nach, wie er die Ausfahrt rausfuhr.

Nur wie kam er jetzt weiter? Er sah sich um, kein Wagen an der Zapfsäule, alle fuhren sie vorbei.

Nach langem Warten kam endlich ein Skoda. Ein älteres Ehepaar stieg aus. Alexander beobachtete sie.

>>Ich geh nur schnell zur Toilette und mach mich etwas frisch!<< ,meinte die Frau.

>>Ja, mach das, ich tanke inzwischen.<< Er nahm den Zapfhahn und öffnete den Tankdeckel.

Alexander war nicht unbedingt der mutigste, aber er musste ja nach Ryazan kommen. Schüchtern ging er auf den alten Mann mit Anzug und Hut zu. >>Entschuldigen sie, fahren sie bis Ryazan?<<

Der Mann nickte. >>Ja, da wohnen wir!<<

>>Könnten sie mich bitte bis dahin mitnehmen?<< ,bat Alexander.

>>Du bist aber ein höflicher, junger Mann. So etwas trifft man heute leider immer seltener.<< In diesem Augenblick kam seine Frau zurück. Sie legte die Papiertaschentücher wieder in ihre Handtasche und verschloss sie. >>Diese Toilette ist vielleicht dreckig!<<

Alexander musste daran denken, in welchen dreckigen Behausungen er schon geschlafen hatte, aber er erwähnte natürlich kein Wort davon.

>>Du, dieser höfliche, junge Mann will mit in die Stadt, du hast sicher nichts dagegen oder?<< Die Frau musterte ihn kurz. >>Nein, natürlich nicht, er kann gerne mitfahren!<<

Während der Mann in das Gebäude ging um zu bezahlen, stieg seine Frau ein. Alexander stand immer noch neben dem Wagen. >>Steig ruhig hinten ein, mein Mann kommt ja gleich!<<

Wenige Sekunden später er auch wieder. >>So, dann können wir, ich bin froh wenn wir wieder Zuhause sind.<< Seine Frau nickte. Dann sah er in den Rückspiegel. >>Studierst du?<<

>>Studieren, ich?<< ,das sollte jetzt aber ein Witz sein. Wenn die wissen würden was er macht, würden sie ihn wohl eher aus dem Wagen werfen. Sicher studierte er, aber nicht so, wie der alte Mann sich das vorstellte. Er studierte seine Kunden. Wir dreckig sie waren! Wie reich und bestechlich und wie arrogant! Wie versoffen! >>Nein, ich studiere nicht!<< ,antwortete er.

>>Das ist schade, das solltest du, am besten Lehrer oder Arzt!<<

Seine Frau mischte sich nun ein. >>Zahnarzt wäre nicht schlecht. Unser Kinder haben beide studiert.<<

>>Der eine ist Arzt und der andere Lehrer.<<

Wie stolz die beiden auf ihre Kinder waren. Seine Eltern konnten nicht stolz auf ihn sein, er auch nicht auf seine Eltern, so glich sich das wieder aus. Dieses alte Ehepaar hatte andere Ansichten, nicht seine Welt! Die beiden waren ja so naiv, das wirkliche Leben kannten sie gar nicht. Sie glaubten es zu kennen. Kannten sie Moskaus Kanalisation. Ein vorzüglicher Ort zum Schlafen! Kannten sie das Essen aus dem Müllcontainer. Nein! Die Welten in denen sie lebten waren einfach zu verschieden. Überhaupt nicht zu vergleichen.

>>Was machst du, gehst du zur Schule oder arbeitest du schon?<<

Alexander musste lachen. Die beiden sahen ihn verwundert an. Ich gehe anschaffen, müsste er jetzt sagen. Da würden sie aber blöd aus der Wäsche schauen. >>Ich gehe zur Schule!<< ,log er.

>>Was willst du denn später werden?<< ,wollte seine Frau wissen.

Das war wirklich eine gute Frage. Da es den Beruf des Alkoholikers nicht gab, nahm er Verkäufer. So ging die Fragerei bis sie in Ryazan angekommen waren. Als er ausstieg und sich bedankte, musste er feststellen, dass er an keinem Tag so viel gelogen hatte wie heute.

 

Das Kinderheim war nicht leicht zu finden. Es lag am Rande der Stadt. Ein alter Backsteinbau, der sicher schon bessere Zeiten gesehen hatte. Aber der Staat gab nicht unnötig Geld aus, welches ohnehin nicht vorhanden war. Zuerst wurde an solchen Dingen gespart. Abgesehen davon, dass ein Heim nur eine Notlösung auf Zeit sein konnte. In Wirklichkeit war es eine Notlösung auf Dauer! Er lief die paar Steinstufen hoch und drückte den Klingelknopf.

>>Wer ist da?<< ,klang aus der Wechselsprechanlage eine weibliche Stimme. Die Qualität der Anlage war mit einem Mülleimer zu vergleichen, wenn man in hineinsprach klang es genauso.

>>Ich möchte gerne Sergej sprechen!<< ,brüllte Alexander hinein. >>Ich bin extra aus Moskau gekommen!<<

>>Moment, es kommt gleich jemand!<<

>>Wollen wir es hoffen!<< ,meinte er spöttisch, letzteren Satz hörte zum Glück niemand.

Nach einigen Sekunden des Wartens wurde endlich geöffnet. Ein Schlüssel wurde eingesteckt und im Schloss rumgedreht. Eine nicht gerade sympathische Frau stand ihm gegenüber. Sie machte auf ihn einen kalten Eindruck und war mit Sicherheit die Leiterin dieser freundlichen Einrichtung. Sie kam auch gleich zur Sache. >>Sergej ist nicht mehr hier. Dieser Kerl ist schon wieder ausgerissen. Soll er auf der Straße schlafen, wenn ihm das besser gefällt.<<

>>Dann war der Weg umsonst.<<

>>Sind sie froh, solche Kinder können sich an geordnete Verhältnisse nicht gewöhnen. Sie entschuldigen mich, ich habe viel Arbeit vor mir!<<

Alexander gab sich Mühe freundlich zu bleiben, was ihm allerdings schwer fiel. >>Vielen Dank für die Auskunft!<<

Die Tür fiel wieder ins Schloss und es wurde abgeschlossen. Wenn Sergej nicht mehr im Heim war, befand er sich bestimmt schon auf dem Rückweg. Alexander sah zum Himmel hoch, bald würde es dunkel werden! Langsam atmete er einmal durch. In Moskau würden sie sich wieder sehen, davon war er in diesem Augenblick fest überzeugt.

Eine halbe Stunde später stand er wieder an der Bundesstraße und hielt den Daumen raus, in der Hoffnung, dass jemand Erbarmen zeigen würde und ihn mitnahm.

Er würde den kleinen Sergej nie mehr wieder sehen, aber das wusste er zu diesem Zeitpunkt nicht, und das war gut so!

 

Kapitel 11 Frühjahr am Freitag

Kapitel 12 Die Reise

Kapitel 13 Sibirien 1

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.03.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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Sonnenfinsternis: Im Hinterhof der Politik von Ulrich Pätzold



Ein Roman als Zeitgeschichte
Protagonist ist ein fiktiver Bundestagsabgeordneter, M genannt. Er setzt viel daran, politische Karriere zu machen, obgleich er nicht das Zeug zu einem großen Politiker hat. Ihn verfolgt eine schillernde Vergangenheit. Um mit obskuren und unzureichenden Informationen über seine Herkunft und Geburt ins Reine zu kommen, liefert er sich den Hilfestellungen einer Wahrsagerin aus ...

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