Jabl Williams

Zufall oder Schicksal? (4)




Daniel
nahm den Käse aus dem Kühlschrank und raspelte ihn über den Nudelauflauf. Nudelauflauf... eines der wenigen Dingen, die Lea aß. Er dachte sogar schon beim Kochen an sie. Gut, dass er selten Zeit zum Kochen hatte. Er verlor so langsam, aber sicher die Kontrolle über die ganze Sache. Das war er nicht gewohnt und es störte ihn unheimlich. Daniel schob die Auflaufform in den Herd und setzte sich an seinen Schreibtisch, um zu arbeiten. Sie war nicht online, aber es dauerte ja auch eine Weile bis sie wieder zu Hause war. Vermutlich würde sie sich zur Krönung auch noch einmal verfahren, ging es ihm durch den Kopf. Bei dem Gedanken glitt ein Lächeln über seine Lippen. Ja, die Sache drohte ihm zu entgleiten.

Nachdem sie
den PC hochgefahren hatte, stellte sie fest, dass er bereits online war. Komisch, normalerweise kommt er immer erst gegen 8 Uhr und jetzt war es gerade mal kurz vor 7! Aber sie wollte lieber erst etwas essen gehen, wer weiß, wie das Gespräch heute Abend ablaufen würde...

Langsam
musste sie aber wirklich mal angekommen sein. Er war mit ihr ja wirklich geduldig, aber das dauerte ihm schon etwas zu lange. Den Gedanken, ihr könnte etwas passiert sein, strich er sofort wieder. Nur weil sie mal nicht gleich online kam, drehte er schon fast durch. Entschlossen stand er auf, setzte seinen Status auf „Not available“ und ging in die Küche.

Als Lea
die Statusänderung bemerkte, vermutete sie sofort, dass er essen war. So ein bisschen kannte sie ja seine Tagesabläufe nun schon. Sie ging online. Um sich abzulenken, widmete sich Lea noch ein paar Aufgaben. Das könnte ja auch nicht schaden.

Endlich war sie da... Ein sanftes Lächeln umspielte seine Lippen.

„hi“
„hallo“
„gut nach hause gekommen?“
„jo, waren relativ wenig idioten auf den straßen unterwegs.“
„erfreulich.“
„und, wie wars in der sauna? ruhiger dieses mal?“
„jo, leise wie immer.“
„du warst deine freundin besuchen?“
„ja, ich wollte gestern abend nicht mehr nach hause fahren.“
„hm“
„dein essen scheint allerdings unheimlich interessant gewesen zu sein.“
„du meinst „interessant“? na ja, zeitweise.“

Toll, und jetzt? Mal wieder herrschte Stille. Doch irgendwie war es ihr unangenehm. Sie wollte etwas schreiben, doch sie wusste beim besten Willen nicht was... doch dann nahm er ihr den nächsten Schritt ab.

„du scheinst dich aber doch recht amüsiert zu haben.“
„ja... es war ganz nett. wir sind wohl immer etwas laut.“
„musstest du deshalb auf die toilette flüchten?“
„ich war nicht die einzige, die geflüchtet ist.“
„stimmt... bist du eigentlich öfter hier? oder war das eine einmalige sache?“
„ich komme sicher noch mal irgendwann vorbei. ich muss ja den weg üben.“
„hm“

Sie
würde am liebsten an die Decke gehen. Dieses ihr zutiefst verhasste „hm“ schon wieder.

„du scheinst gerne in rätseln zu sprechen.“
„nö, wieso?“
„dieses „hm“ ist eine „denk dir doch deinen teil – antwort“.“
„hm“
„sehr lustig.“
„;-)“

Er grinste. Sie war schon süß. Über was sie sich so alles aufregen konnte. Er sollte öfter „hm“ sagen.

„wann besuchst du deine freundin mal wieder?“
„ähm, bis jetzt ist noch nix geplant.“
„ich muss dich noch einladen.“
„warum das?“
„ach, für einige gefallen, die du mir schon getan hast.“
„das musst du aber nicht.“
„aber es würde sich anbieten. sag mir bescheid, wenn du mal wieder hier bist. das wird
vermutlich eher der fall sein als umgekehrt.“
„tja...“
„das ist deine „denk dir doch den rest – antwort“.“
„jo, ich muss ja die gleichen chancen haben wie du.“
„hehe“

Heute
lief es ausgesprochen gut. Das hatte sie vorhin gar nicht für möglich gehalten. Schade nur, dass er es als seine Pflicht sah, sie einzuladen. Aber das konnte sie ja nun leider nicht ändern.

Wieso
konnte sie nicht einfach zusagen? Er fand ja nun schon einen Vorwand, um sie wiederzusehen, aber scheinbar hatte sie gar keine Lust dazu. Enttäuschung machte sich in ihm breit und er bereute es, die Sache so sehr an sich herangelassen zu haben. Er fuhr immer gut damit, sich auf der sicheren Seite zu bewegen. Lehnte er sich etwas hinaus, begegnete er Ablehnung. Am besten er ließ es einfach bleiben. Wenn sie wollte, könnte sie ihm ja Bescheid geben. Damit beschloss er abzuwarten und nichts mehr zu unternehmen, um sie besser kennen zu lernen.

Er
kam online. Ob er sie heute wohl ansprechen würde? Vermutlich nicht. Daniel hatte sie schon die ganze Woche erfolgreich ignoriert, nachdem er sie am Montagabend hat abblitzen lassen. Wieso also sollte er es sich heute gerade anders überlegen? Sie hatte eindeutig schlechte Laune. Seit Montag nach dem Chat mit ihm ging das schon so und dass er sie nicht wahrnahm, machte die Sache auch nicht besser. Ihm schien es völlig egal zu sein, ob sie die ganze Woche nicht miteinander redeten. Erst war sie unheimlich sauer auf ihn gewesen, aber das war längst verflogen. Doch Nachgeben wollte sie auch nicht. Schließlich hatte er sie das letzte Mal abgewiesen.

Sie
war online. Er wollte sie ansprechen, aber er hatte das dumpfe Gefühl, sich entschuldigen zu müssen. In Entschuldigungen war er schlecht. Lieber ließ er es bleiben. Vielleicht musste er sich dann sogar für seine Laune rechtfertigen. Aber das hieße, er müsste ihr den Grund für sein Verhalten nennen oder zumindest einen gleichwertigen finden. Nein, eigentlich müsste er nicht... er war wirklich nicht gerade freundlich zu ihr gewesen. Er ärgerte sich über seine schlechte Laune, die er selbst in ihrer Gegenwart nicht abstellen konnte. Sie konnte doch überhaupt nichts dafür...
Er wollte doch nur endlich wieder mit ihr reden.

Nein,
sie würde ihm jetzt nicht sagen, dass sie am Wochenende wieder bei Anna war. So wie er im Moment drauf war, würde er sie eh nicht sehen wollen, aus welchem Grund auch immer. Den Mann soll einer verstehen. Erst will er sie einladen und dann nix mehr mit ihr zutun haben. Welche Logik soll sich dahinter denn bitte verbergen? Sie fuhr den PC herunter und begann damit, ihre Sachen zusammenzusuchen. Wo war jetzt wieder ihr Handy? Sie sollte sich Ordnung angewöhnen. Das würde in der Tat viel Zeit sparen. Als sie doch noch alles ausgegraben hatte, schnappte sie die Tasche und stieg die Treppen hinab. Anna würde sofort merken, dass etwas mit ihr nicht stimmte. Warum konnte sie ihre schlechte Laune nur so schlecht verbergen? Lea seufzte. Sie stieg ein und startete das Auto. Seit wann spielen die im Radio dieses Lied von Muse? Das konnte doch nicht sein. Wurde sie denn überall an ihn erinnert?

Mal
wieder war sie gegangen, ohne ihn zu beachten. Jetzt war sie vermutlich das ganze Wochenende weg und er hatte seine Chance vertan, noch dazu wusste er jetzt nicht einmal, was sie vorhatte. Das gefiel ihm nicht. Für ihn war ihre Abwesenheit viel leichter zu ertragen, wenn er um ihren Aufenthaltsort wusste. Daniel setzte seinen Status auf „not available“ und ging in die Küche, um aufzuräumen.

Lea
bog in Annas Straße ein. Sie war sogar zu traurig, um sich zu verfahren. Sie drehte die Schlüssel herum und stieg aus dem Wagen. Es schien die Sonne. Aber selbst die konnte ihr kein Lächeln aufs Gesicht zaubern. Sie ging zur Haustür und klingelte. Ein Summen ertönte und Lea betrat das Haus. Schon bei der Begrüßung traf sie Annas kritischer Blick. Sie setzten sich ins Wohnzimmer und tranken warmen Tee.
„Und jetzt raus mit der Sprache... was ist los, Lea?“, forderte Anna sie zum Erzählen auf.
„Nichts...“
„Ach, das glaube ich nicht. Ich kenne dich zu gut.“
„Leider...“
„Also... was ist los?“
„Naja, selbst wenn ich es dir erzählen würde. Ändern würde es doch nix.“
„Das wollen wir erst mal sehen. Wenn es so schlimm ist, dass es deine Laune schon die ganze Woche beeinflusst, dann muss es einen triftigen Grund geben.“
„Ich will gar nicht wissen, wer dir das schon wieder mitgeteilt hat.“
„Tja, ich würde es dir auch nicht verraten.“, sagte sie lächelnd.
„Erinnerst du dich an den Typen aus dem Schwimmbad?“
„Den du von ICQ kennst und zufällig im Italiener getroffen hast?“
„Ja...“

„Tja, Lea. Ich fürchte, der nette Herr bedeutet dir mehr als du dir eingestehen möchtest.“
„Was du nicht sagst!“, antwortete diese sarkastisch.
„Und was gedenkst du zu unternehmen?“
„Wie unternehmen? Warum ich?“, wollte Lea entgeistert wissen.
„Er hat doch vorgeschlagen, dich einzuladen... wieso setzt du dich nicht an meinen PC und guckst, ob er online ist. Dann verabredet ihr euch und dann sehen wir weiter.“
„Nö! Nicht, nachdem er mich so behandelt hat.“
„Ach komm! Spiel dich nicht so auf. Du bist ihm doch gar nicht mehr böse.“
„Und ob...“

Nicht
mehr böse... die hatte nerven. Sie würde bestimmt nicht wieder ankommen. Dafür war sie viel zu stolz. Anna setzte sich an den PC und tippte Leas ICQ-Nummer in das Log in – Fenster. „Passwort?“, wollte sie von Lea wissen. „Gebe ich dir nicht!“, antwortete diese trotzig. Anna grinste und tippte weiter. Sie drehte sich zu ihrer Freundin. „Wir machen einen Deal. Wenn er online ist, machst du den ersten Schritt und wenn er nicht da ist, lässt du es bleiben. – In Ordnung?“ Lea rollte mit den Augen, was Anna als Zustimmung interpretierte. Ein breites Grinsen bedeckte ihr Gesicht als sie den Messanger hochgefahren hatte. „Nein“, sagte Lea gespielt wehleidig. Womit hatte sie das bloß verdient? Sie trat hinter Anna. Er war „not available“, war also nicht am PC. Es hätte gar keinen Sinn gehabt ihm zu schreiben, doch Anna hatte das Dialogfenster schon geöffnet. „Los!“, forderte sie Lea auf.

„hi! ich bin mal wieder bei meiner freundin. wie siehts denn aus mit deiner zeit?“

Anna
lächelte zufrieden. Hoffentlich hatte er keine Zeit. Er hatte doch sonst nie Zeit für irgendwas... sie hoffte, dass ihr Schicksal sie nicht schon wieder im Stich lassen würde.

Er
saß auf dem Sofa und las die Zeitung als er das Geräusch für eine neue Nachricht vernahm. Kurz riss er sich von seinem Artikel los, doch es lohnte nicht, aufzustehen und nachzugucken. Von Lea würde die Nachricht eh nicht sein. Er faltete die Zeitung zusammen und gähnte. Irgendwie musste er sich ablenken, darum beschloss er, ein wenig zu arbeiten. Sein Blick fiel auf das blickende Nachrichtensymbol. Er klickte es an... Lea. Sie war es doch gewesen. Und sie schien nicht sauer auf ihn zu sein. Sie war schon wieder offline. Einmal stand er nicht auf, wenn eine Nachricht kam... und dann sowas.

„ob du es glaubst oder nicht, ein paar stunden habe ich übrig! ;-) wann ist in deinem plan denn noch platz?“

„Oh, er hat geschrieben.“, rief Anna ganz erfreut aus dem Arbeitszimmer.
„Hat er abgesagt?“
„Nein, eher im Gegenteil!“ Anna wiederholte laut seine Worte. „Komm her, und antworte ihm!“
Mit gequältem Gesichtsausdruck folgte Lea den Anweisungen. Es war ja nicht so, dass sie ihn nicht sehen wollte, aber sie wusste einfach nicht, was sie erwartete. Was, wenn sie sich die ganze Zeit anschweigen würden? Ihr war nicht wohl bei der Sache.

„am besten wäre morgen späten nachmittag oder abend.“
„ok, das passt mir. ist essengehen in ordnung? ich lade dich ein. ;-)“
„ja, ist in ordnung.“
„gut, dann gebe ich dir noch mal bescheid wegen der uhrzeit und dem restaurant.“
„jupp.“

Er
hatte einen Tisch bei dem Italiener zu 19 Uhr bestellt, wo sie sich das erste Mal begegnet waren. Allerdings nannte er ihr 18:45 Uhr als Treffzeit, da Pünktlichkeit nicht gerade ihre Stärke war. Und dann auch noch eine fremde Stadt. Es war bereits 5 Minuten vor um 7. Normalerweise war er die Ruhe selbst, wenn er verabredet war, doch heute drohte er vor Aufregung fast zu zerspringen. Tausendmal hatte er sein Aussehen überprüft wie vorm ersten Date. Eigentlich machte er sich völlig umsonst verrückt. Sie waren sich doch schon zweimal begegnet.

Mist, sie war schon 10 Minuten zu spät, dabei hasste er Unpünktlichkeit. Zum Glück war sie gleich da. Sie bog um die letzte Ecke und dort sah sie ihn schon. Er wartete vor dem Restaurant, schaute aber gerade in die entgegengesetzte Richtung. Sie blieb dicht hinter ihm stehen.

„Hallo!“
Begleitet von einem erstaunten „oh“ drehte er sich herum.
„Tut mir leid, ich weiß, ich bin zu spät.“
Er schaute auf seine Uhr.
„Nein, du hast noch 3 Minuten.“
„Wie? Es ist gleich 7.“
„Ich bestellte dich extra eine Viertelstunde früher.“
„Clever“, stellte sie anerkennend fest.
Er grinste.

Sie betraten zusammen den Italiener. Der Kellner führte sie an den Tisch, wo Daniel auch mit seinen Kollegen gesessen hatte.
Sie konnte sich diese Frage nicht verkneifen: „Ist das dein Stammtisch?“
Er setzte wieder dieses Grinsen auf, was sie so sehr an ihm mochte.
„Nein, Zufall...“, antwortete er ihr augenzwinkernd.
„Ich schätze dich gar nicht so ein, als würdest du an Zufälle glauben.“
„Das tat ich bisher auch nicht.“
Sie blickte ihn fragend an, doch er war mit seinen Gedanken längst in der Speisekarte verschwunden.
„Na, findest du etwas?“, wollte er ohne aufzusehen wissen.
„Ja, ich denke schon.“
„Da bin ich aber beruhigt.
„So wählerisch bin ich gar nicht.“
Er sah auf. Wie konnte sie bei dieser Lüge nur so ernst bleiben? Und ob sie wählerisch war. Doch er wollte ihr nicht widersprechen.
„Ich weiß.“
Plötzlich hob auch sie ihren Blick. Mit dieser Antwort hatte sie nicht gerechnet.
Er schlug die Karte zu: „Hast du etwas gefunden?“
„Ja.“

Lea
fragte sich, warum sie solche Angst vor diesem Abend gehabt hatte. Es lief alles unglaublich toll. Sie hatten sich keine Minute angeschwiegen wie im Chat manchmal. Ihr Blick fiel auf ihre Uhr – es war bereits 10 Minuten nach um 11 Uhr. Plötzlich riss er sie aus ihren Gedanken.

„Musst du gehen?“
„Äh, nein, nein...“ Sie sah auf.
„Langweile ich dich?“
„Nein. Ich...“
Er blickte sie erwartungsvoll an. Was hatte sie bloß?
„Naja, ich stellte gerade fest, dass es ein schöner Abend geworden ist.“
„Ja, das finde ich auch. Und spät geworden ist es auch.“, warf er erleichtert ein.
Sie nickte.

Warum
blickte sie ihn nur immer so an? Normalerweise konnte er sich wirklich ganz gut beherrschen, aber bei diesem Blick würde er jedes Mal am liebsten sofort aufspringen und sie küssen. Er hatte sich in sie verliebt. Dabei wollte er das gar nicht. Doch jetzt wollte er sich ihr auch nicht mehr entziehen. Sein Herz schlug schneller. Das ist doch alles verrückt... Erst chatteten sie, dann trafen sie sich rein zufällig und er erkannte sie auch noch und nun sitzen sie hier gemeinsam im Italiener und er stellte fest, dass er sie liebte.

Sie
schaute ihn an. Er schien nachzudenken. Ob ihm etwas missfiel? Hatte sie etwas Falsches gesagt?
„Ist alles in Ordnung?“, fragte sie vorsichtig.
„Nein.“
Er
erwachte aus seinen Gedanken. Warum hatte er bloß „Nein.“ Gesagt? Wie konnte er sich jetzt am besten rausreden?
„Ähm... Ich meine, doch... alles okay.“

Irgendwas
war mit ihm passiert. Aber sie wusste nicht, was es war. Lea sah es ganz deutlich an seinem Gesichtsausdruck. Was hatte er bloß? Am besten sie beendete das Ganze. Wer weiß, worauf das noch hinauslief... dabei war der Abend so schön gewesen. Hatte er etwa etwas bemerkt? Ja, sie war in ihn verliebt, aber sie forderte doch nichts von ihm.

„Ich glaube, ich muss langsam.“
„Oh, ja... natürlich.“

Sofort
bestellte er die Rechnung. Vielleicht war es besser so. Wenn sie nur nicht so traurig gucken würde. Er hatte es versaut.

Der Kellner brachte die Rechnung und er zahlte. Dann standen sie auf und verließen das Lokal. Vor dem Ausgang blieben sie stehen.

„Danke für den netten Abend.“
„Netter Versuch, aber ich lasse dich nicht nachts in einer fremden Stadt durch die Gegend irren.“
Sie lächelte. „Hast du Angst, ich finde den Weg nicht?“
„Nun ja, so ganz abwegig ist das bei dir nicht.“
„Irgendwann würde ich ihn finden.“
„Ich würde dich aber gerne lebend wieder sehen...“
„Ich wusste gar nicht, dass diese Kleinstadt so viele Gefahren birgt.“

Sie gingen langsam die Straße hoch.

„Es ist so still hier.“, sprach sie leise.
„Ja, gruselig.“

Sie bogen um die Ecke. Eine drückende Stimmung beherrschte die Luft, alles was sich den Abend über aufgestaut hatte, lag nun zwischen ihnen. Sie schwiegen.

Er
konnte nichts sagen. Das einzige was ihm einfiel, war ein „Ich liebe dich.“, aber er war weder der Typ, der so etwas sagte, noch schien es ihm passend.

Sie
hasste diese Stille. Was hatte er bloß? War es, weil sie ihn ständig anstarrte? Bestimmt war es ihm unangenehm. Zog er sich deshalb zurück? Das war zum Verrücktwerden.

„So... jetzt darf ich aber, oder?“
Er lächelte und nickte. „Ja.“
„Danke für den schönen Abend und die Einladung... und fürs Heimbringen.“
„Ja, ich danke auch – für die nette Gesellschaft.“

Da standen sie nun vor Annas Haus, umhüllt vom Licht der grellen Straßenlaterne. Er sah sie an – Sie sah ihn an. Mit jeder Sekunde ihres Blickkontaktes schwanden die Barrieren zwischen ihnen. Langsam kam sie ihm näher. Kein Gedanke ging ihr durch den Kopf. Sie tat es einfach. Er wollte sich nicht mehr zurückhalten. Nachdem er den ganzen Abend gegen dieses Gefühl angekämpft hatte, war er nun machtlos. Gleichzeitig schlossen sie die Augen und nur einen Augenblick später trafen sich ihre Lippen. Schon bei der ersten zarten Berührung wurden ihre Körper von einem Kribbeln durchzogen. Er umfasste ihre Taille und zog sie näher zu sich. Ihre Hände legten sich um seinen Hals und zogen ihn tiefer hinunter. Als sich ihre Zungen endlich trafen, entluden sich alle angestauten Gefühle in diesem Kuss. Sie wusste gar nicht, dass ihr Herz so schnell schlagen konnte.
Nur langsam lösten sie sich ein wenig voneinander. Wieder sahen sie sich an.

Gab
es Worte, die diesen Moment nicht zerstörten? Daniel hätte nicht für möglich gehalten, dass er sich einmal so etwas fragen würde. Romantisch veranlagt war er nun wirklich nicht, aber sie... sie sprach etwas in ihm an, was vorher noch niemand getan hatte. Ihm kam sein Gedanke vom Weg hierher wieder in den Sinn. Er lächelte, froh darüber wohl doch die richtigen Worte sagen zu können.

„Was ist?“, fragte Lea.
„Ich liebe dich.“
Sie erwiderte sein Lächeln. „Ich liebe dich auch.“
Sie sah Daniel aufmerksam an.
„Worüber hast du vorhin nachgedacht?“
„Im Italiener?“
„Ja.“
„Du merkst auch alles, oder?“
„Das war keine Antwort auf meine Frage.“
„Ich dachte daran, wie verrückt das alles ist.“
„Tja... Zufälle gibt’s, die gibt’s gar nicht.“, griff sie das Thema von vorhin wieder auf.
Grinsend gestand er ein: „Ich glaube nicht an Zufälle.“
„Ach... und was ist mit Schicksal?“
„Vielleicht.“

Dies ist nun der letzte Teil der "Zufall oder Schicksal?"-Reihe. Ich bedanke mich hiermit ganz herzlich bei allen Lesern!Jabl Williams, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.03.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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