Günter Kienzle

Die größte Reise unseres Lebens (Kapitel 12)

Inhaltsangabe: Lernen Sie den achtzehnjährigen Alexander, er ist Stricher auf Moskaus Straßen. Lernen Sie den siebenjährigen Sergej kennen, der ebenfalls auf der Straße lebt. Ihnen dienen Keller und die Moskauer Kanalisation als Schlafplatz.
Lernen Sie auch Jürgen kennen, der in Moskau ist und nach Ideen für ein neues Buch sucht. Alle drei Schicksale sind miteinander verknüpft.
Eine Geschichte von Freundschaft, aber auch dem menschlichen Elend. Der Gleichgültigkeit der Gesellschaft und der Menschlichkeit einiger weniger. Eine Reise, die in Moskau beginnt und Sie bis nach Sibirien führt. Leider ohne Happy End! (DRAMA)
Bitte bei Kapitel 1 beginnen!

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Kapitel 12

Die Reise

Es wurde hell. Wo war er? Er schaute nach rechts, ein leeres Krankenhausbett. Also konnte er nur im Krankenhaus sein! >>Mist!<< ,schimpfe Sergej. Seine Hand fasste nach oben, ein Verband war um seinen Kopf gewickelt und der rechte Fuß war in Gips. Im linken Arm hing eine Infusionsnadel, der Schlauch führte hoch zu einem Ständer, wo eine Tüte mit irgendeinem durchsichtigen Inhalt gefüllt war. Jetzt kam wieder die Erinnerung zurück. Das Auto wo auf ihn zukam und dann wurde alles schwarz.

Eine Tür ging auf und eine Krankenschwester kam herein. Sie schaute kurz zu ihm herüber, um dann aus dem Zimmer zu rennen. >>Herr Doktor, er ist wacht!<<

Was war daran so besonderes? Sergej verstand das nicht.

Ein Mann in weisem Kittel, gefolgt von der Krankenschwester traten ein und kamen zu seinem Bett. >>Wie geht es dir, Sergej?<< ,fragte der Mann.

>>Danke gut. Wann kann ich wieder raus, ich muss zu Alexander?<<

Der Mann winkte ab. >>Alles mit der Ruhe. Erst muss einmal der Gips runter. Du hast schweres Glück gehabt. Schädelbasisbruch und ein komplizierter Beinbruch. Das eine Bein mussten wir operieren. Es ist jetzt etwas kürzer, das heißt, du wirst kleine Einschränkungen beim Laufen haben, aber besser als bei anderen, wo wir das ganze oder einen Teil abnehmen mussten. Du lagst seit deiner Einlieferung im Koma. Ich denke aber in einer Woche können wir den Gips abnehmen und am Kopf ist ja fast alles verheilt. Wie gesagt, du hast großes Glück gehabt. Ich komme morgen noch mal, dann untersuchen wir dich ein letztes Mal.<< Dann wandte er sich an die Schwester. >>Sie können ihm den Infusionsschlauch abmachen, essen kann er ja jetzt wieder selber.<<

Während der Arzt das Zimmer verließ, nahm ihm die Frau die Infusionsnadel ab und tupfte irgendeine Flüssigkeit auf seinen Arm. >>Du hast wirklich großes Glück gehabt, nächste Woche werden wir das Heim verständigen, dass jemand dich abholen kommt.<<

>>War Alexander da?<< ,wollte er wissen.

>>Wer ist Alexander?<<

>>Er ist größer als ich und schon etwas älter, aber sehr nett.<<

Die Schwester musste lächeln. >>Das ist eine gute Beschreibung! Aber soviel ich weiß, war niemand hier!<<

>>Schade!<< ,seufzte der Kleine.

>>Ich bring dir gleich was zu essen.<<

Sergej überlegte, hatte Alexander nicht im Heim nachgefragt. Bestimmt! Vielleicht belog man ihn dort, deswegen kam er nicht. Eins stand jedenfalls fest, er würde nicht warten bis jemand vom Heim kam. So bald wie möglich musste er wieder in Moskau sein.

>>Du bist wach!<<

Es war ein alter Mann, ein paar Betten weiter, der das erst jetzt feststellte. Sie waren die beiden einzigen in dem Zimmer, die anderen vier Betten waren nicht belegt.

>>Ja, ich lag im Koma, sagte mir der Arzt.<<

>>Und ganz schön lange, alles von unseren Steuergeldern, für so Leute wie euch!<< Der Mann nahm sich einen Apfel. >>Die hat mir meine Frau gebracht, sie kommt jeden Tag und besucht mich.<<

Die Schwester kam wieder ins Zimmer. In der Hand ein Tablett, mit einem Teller Suppe. >>So hier, damit du wieder zu Kräften kommst!<< Sie stellte das Tablett auf dem Nachtkästchen ab.

>>Sie sind gleich mit röntgen dran!<< ,wandte sie sich an den Mann.

>>Meine Geldbörse muss ich ja jetzt immer mitnehmen.<<

>>Kannst du alleine essen?<< ,fragte sie ihn.

Sergej nickte. >>Es wird schon gehen!<<

Als der Mann das Zimmer verlassen wollte, meine Sergej: >>Ich nehme niemanden was weg!<<

>>Weiß man es, sagen könnt ihr viel.<<

Arschloch, dachte der Kleine.

 

Alexander humpelte wieder in die Küche zurück. Holte ein Brot aus dem kleinen Küchenschrank und bestrich die Scheiben mit Butter und Marmelade.

>>Du bist schon wach?<< ,wunderte sich Jürgen, der schlaftrunken den Kopf in die Küche steckte.

>>Ich konnte nicht mehr schlafen! Der Tee ist gleich fertig!<<

>>Ich gehe dann ins Bad und mache mich frisch, fühle mich irgendwie nicht richtig wach.<<

Alexander strich weiter Brote, während Jürgen ins Bad schlurfte. Trotzdem waren seine Gedanken wieder bei seinem kleinen Freund Sergej. Wie er ihn vermisste. Sicher, Jürgen war nett, aber Sergej war er gewohnt. Einen Moment lang war er wieder den Tränen nahe. Wie war sein Freund wohl umgekommen. Halt!, Nein! Es war besser es nicht zu wissen, sonst wurde sein Schmerz womöglich noch größer als er ohnehin schon war.

Der Autor machte heute nur eine Katzenwäsche. Zwei Minuten Wäsche, um ganz genau zu sein. Als er an der Küche vorbei kam bemerkte er Alexanders Traurigkeit. >>Komm ins Zimmer und lass uns reden!<< ,meinte er.

Alexander kam und nahm wieder auf seinem Stammsofa Platz. Jürgen wartete darauf, dass er erzählte was ihn bedrückte, aber dieser brachte keine Silbe heraus.

>>Ist es wegen deinem Freund?<<

Alexander nickte. >>Ich muss immer an ihn denken.<<

>>Das kann ich verstehen. Freunde hat man vielleicht viele im Leben, aber richtig gute Freunde hat man selten.<<

>>Hast du einen guten Freund?<<

Jürgen war auf die Frage nicht gefasst. >>Weißt du, ich habe für Freundschaften nicht viel Zeit. Ich arbeite jeden Tag zwölf Stunden und mehr.<<

>>Ich denke aber jeder braucht einmal Gesellschaft. Als ich Sergej nicht kannte, war ich immer allein. Toll war es jedenfalls nicht. Deswegen habe ich mich gefreut, als er da war. Seine einfache Art. Er sagte immer, mein lieber Alexander.<< Nun musste er selbst darüber grinsen.

>>Weißt du, das Leben geht weiter, auch jetzt, wo er nicht mehr da ist.<<

>>Ich weiß, aber ich kann ihn trotzdem nicht vergessen.<<

>>Ich wollte dir heute etwas vorschlagen, weil ich morgen weiter ziehe.<<

>>Weiter ziehe?<< ,wiederholte Alexander.

>>Ja, ich will nach Sibirien.<<

Das traf ihn jetzt wie ein Schlag. Toll, dann war er ja wieder auf der Straße. Bestimmt wollte er ihm etwas Geld geben und ihn so abspeisen. Wütend lief er aus dem Zimmer.

>>Warte, ich wollte dich fragen ob du nicht mitkommen willst?<<

Alexander hatte schon die Klinke der Wohnungstür in der Hand. Nun ließ er von ihr ab. >>Du willst, dass ich mit dir komme?<<

Jürgen stand bereits im Flur und wurde fast ein wenig verlegen. >>Ich würde mich sehr freuen, wenn du ja sagst.<<

>>Wenn du mich dabei haben möchtest, würde ich gerne mitkommen. Ich habe hier ja nichts zu verlieren.<<

>>Ich wollte niemand lieber dabei haben als dich!<< Eine Pause entstand. >>Ich werde den Mist löschen und was ganz anderes schreiben.<<

>>Was denn?<< ,wollte Alexander wissen.

>>Ich werde ein Buch über dich und Sergej schreiben.<<

Das überraschte ihn jetzt. >>Über mich und Sergej?<<

>>Genau! Was ihr so erlebt habt. Es wird die Leser sicher interessieren.<<

 

Jürgen schaute sich um. >>Wo finden wir denn hier die Bekleidungsabteilung?<<

>>Im zweiten Stock!<< ,antwortete Alexander.

>>Warst du schon einmal hier?<<

>>Einmal ist gut. Ich war recht oft hier. Besonders an kalten Wintertagen, weil es hier so schön warm ist.<<

Er führte den Autor zielsicher zu einem Ständer an dem Jacken und Mäntel hingen.

>>Suche dir aus was du haben möchtest, du brauchst ja Sachen zum wechseln.<<

Alexander schaute zu Boden, das war ihm nun gar nicht recht.

>>Was ist?<< ,wunderte sich Jürgen.

>>Es ist mir gar nicht recht, dass du jetzt ein Haufen Geld für mich ausgibst. Ich kann dir das nie zurückzahlen.<<

>>Willst du im Winter frieren? Nun suche dir schon etwas aus!<<

>>Gut, aber nur das billigste!<<

Der Autor wollte etwas sagen, ließ es dann lieber, sonst würden die Diskussion von vorne los gehen.

 

Anton öffnete die Tür. Ein Zettel lag auf dem Boden. Jürgen hatte ihm also eine Nachricht hinterlassen.

Wir sind beim Einkaufen, könntest du heute Abend zu uns rüberkommen, wir haben dir etwas wichtiges mitzuteilen. Danke, Jürgen!

>>Die beiden werden doch nicht etwa heiraten!<< scherzte der Lokführer mit sich selbst. Weitere Gedanken konnte er sich nicht machen, denn in einer halben Stunde hatte er Rangierdienst.

 

Alexander probierte die neuen Jeans an. >>Die sieht schön aus!<< ,meinte er als er in den Spiegel sah.

>>Gleich wird unser Nachbar da sein. Dann muss ich mit den Broten fertig sein.<< Der Autor bestrich so eben die zweite Brotscheibe mit Butter. Einige Käse und Wurstbrote würde es geben, dazu eine Kanne Tee. In diesem Augenblick klingelte es an der Tür. >>Himmel, das wird er sein und ich bin noch nicht fertig!<<

Alexander öffnete inzwischen die Tür. >>Kommen sie herein! Jürgen macht schnell ein paar Brote.<<

>>Er braucht sich wegen mir keine Umstände zu machen, so wichtig bin ich nicht.<<

So nahmen die beiden im Wohnzimmer Platz. >>Was gibt es nun so wichtiges, das ihr mir mitteilen müsst?<< ,fragte Anton neugierig.

In dem Moment kam Jürgen mit einem Tablett Brote und einer Kanne heißen Tee herein. >>So, bedient euch! Ich mache nachher noch mehr Brote!<< Dann wandte er sich Anton zu. >>Wir werden morgen nach Sibirien reisen. Heute ist unser letzter Abend hier, wir feiern also jetzt Abschied.<<

Anton machte den Mund auf, brachte aber vor lauter Überraschung kein Wort hervor.

>>Ich weiß, das kommt jetzt überraschend, aber den Plan hatte ich bereits länger. Können sie mir noch einen letzte Gefallen tun?<<

>>Kann ich ihnen denn einen abschlagen.<< Alle drei mussten lachen.

>>Hier in dem Umschlag ist die Miete, können sie das der Vermieterin geben. Ich wollte das heute schon tun, aber sie ist ja eine Woche bei ihrer Schwester, steht jedenfalls so an der Tafel unten.<<

>>Natürlich, das mach ich gerne für sie.<<

>>Bevor wir morgen fahren, werfe ich die Schlüssel bei ihr in den Briefkasten. So brauche ich sie nicht so früh zu wecken. Im Kühlschrank sind ein paar Lebensmittel, die packe ich ihnen ebenfalls ein, es wäre schade wenn sie kaputt gehen.<<

Anton war nun etwas traurig gestimmt. >>Es ist schade damit sie gehen. Ich habe ihre abendlichen Unterhaltungen immer genossen und mich daran gewöhnt.<<

>>Ja, mir werden sie ebenfalls fehlen. Aber es war immer mein Traum, einmal Sibirien zu sehen.<<

>>Das kann ich verstehen. Alexander, freust du dich darauf?<<

Bis jetzt hatte er geschwiegen und den beiden aufmerksam zugehört. Ob er sich darauf freute? Ja, er war nicht mehr allein. Es war wieder jemand in seinem Leben, der ihm einen Sinn gab. >>Ich freue mich sehr, einmal was neues zu sehen. Allein bin ich nicht mehr, Jürgen ist ja dabei.<<

Anton lächelte. >>Siehst du, das habe ich damals gemeint!<<

Der Autor verstand nicht ganz. >>Was gemeint?<< ,fragte er während er sich nochmals einschenkte.

Sein Nachbar grinste und sah dabei erst zu Alexander, dann zu ihm. >>Das ist eine Sachen zwischen uns beiden, es war ein persönliches Gespräch.<<

>>Ich verstehe!<<

So plauderten die drei den ganzen Abend. Es war der letzte Abend in diesem Haus!

 

Gestern hatte man ihm den Verband abgenommen, und morgen sollte jemand kommen und ihn abholen. Wenn die glaubten, er wäre so blöd und würde hier warten, hatten sie sich bitter getäuscht.

Es war mitten in der Nacht, als Sergej sich aus dem Zimmer schlich. Im Flur brannte Licht. Er schaute durch die Scheibe, die Schwester, welche Nachtdienst hatte, saß da und lass einen Roman. Schnell duckte sich Sergej und schlich am Fenster vorbei. Den Haupteingang konnte er jedenfalls nicht benutzen, der war ab acht Uhr immer abgeschlossen. Außerdem war immer jemand an der Rezeption. Gestern Nacht gab es Gelegenheit alles auszukundschaften. Die beste Möglichkeit hier raus zu kommen, war der kleine Abstellraum, welcher im Erdgeschoss untergebracht war. Schnell humpelte er die Treppen hinunter. Zum Glück war der Raum gleich neben der Treppe. Die Tür war nicht verschlossen. Das Zimmer wurde als Wäscheraum genutzt. Hier holten sich Ärzte und Pflegepersonal ihre Kittel und Schürzen ab. Vorsichtig öffnete der Kleine das Fenster. Wichtig war, kein Geräusch zu verursachen. Nur wenige Sekunden, dann war er im Freien. Erleichtert über das geschaffte, atmete Sergej die frische Nachtluft ein. Nun hieß es, so schnell wie möglich zur Bundesstraße zu gelangen!

 

Genau wie sein Freund, stand er nun an der Bundesstraße und wartete darauf, dass ein Autofahrer ihm mitnahm. Zum Glück musste Sergej nicht so lange warten wie sein Freund, ein VW Golf hielt. Der Kleine öffnete die Tür. >>Fahren sie nach Moskau?<<

1Die junge Frau musterte ihn von oben bis unten. >>Was machst du denn so spät noch auf der Straße?<< ,wunderte sie sich.

>>Ich muss nach Moskau! Fahren sie dahin?<<

>>Wissen deine Eltern was du da machst?<< ,stellte sie eine Gegenfrage.

>>Ich habe keine Eltern mehr, nur meinen guten Freund Alexander, und zu dem möchte ich jetzt!<<

>>Und der wohnt in Moskau?<<

>>Er lebt da, eine Wohnung hat er nicht.<<

>>Ach so, ihr seid Straßenkinder.<<

>>Ja, fahren sie denn nun dahin?<<

Die junge Frau nickte. >>Steig schon ein, ich kann dich ja nicht hier stehen lassen!<<

>>Danke, das ist nett von ihnen!<< ,bedankte er sich und nahm auf dem Beifahrersitz Platz.

>>Schnall dich bitte an!<<

Diese Frau nahm es mit der Sicherheit sehr genau, dachte sich Sergej.

>>Ich fahre jetzt in der Nacht, habe nur meine Eltern besucht. Morgen muss ich wieder an der Uni sein.<<

>>Ach so!<< ,meinte der Kleine. >>Und da studiert man?<<

>>Ja genau!<<

>>Und was studieren sie da?<<

>>Kunstgeschichte.<<

>>Kunstgeschichte, kenne ich nicht. Das ist bestimmt sehr langweilig.<<

Die Frau musste lächeln. >>Für dich sicherlich!<< Sie fand den kleinen Jungen einfach süß. >>Was macht ihr dann den ganzen Tag?<<

>>Das ist verschieden, meist unterhalten wir uns. Wenn wir Geld haben gehen wir immer ins Cafe. Wenn wir keins haben durchsuchen wir die Container und Mülltonnen nach Essen.<<

Die Frau sah des öfteren solche Kinder vor irgendwelchen Imbissbuden und Supermärkten der Stadt. Doch bisher hatte sie sich nie Gedanken über sie gemacht. Sie waren eben einfach da. Die meisten von ihnen waren zudem sehr dreckig. Nicht eben ein schöner Anblick.

>>Und wo schlaft ihr?<<

>>Ist auch verschieden. Manchmal in Kellern oder der Kanalisation, wenn es sehr kalt ist, aber da stinkt es immer so!<<

>>Oh Gott, in der Kanalisation. Ich versteh nicht, warum die Stadt nichts macht. Willst du denn nicht lieber in ein Heim?<<

>>Nein, da ist es scheiße. Nicht schön da!<<

Der Wagen wurde langsamer. >>Was ist jetzt los?<< ,wunderte sich die Studentin. Ein Blick auf die Tankuhr gab ihr gleich die Antwort. >>Mist, das Benzin ist alle. Heute Mittags wollte ich tanken, dann kam etwas dazwischen. Bleib im Wagen, ich stell nur das Warndreieck auf!<<

Das war in der Tat Mist, nun würde er später in Moskau ankommen. Sein Freund war sicher traurig und hatte ihn überall gesucht. >>Ich bin bald wieder bei dir, mein lieber Alexander!<<

>>Hast du etwas gesagt?<< Die Frau war wieder da.

>>Nein, ich dachte nur laut.<<

>>Die nächste Tankstelle ist zehn Kilometer von hier.<<

>>Wir können ja jemanden anhalten, der uns Benzin gibt.<<

>>Wenn jemand hält schon, aber du siehst ja selbst, kaum jemand unterwegs, es ist drei Uhr nachts.<<

So verließen beide den Wagen und machten sich auf den Weg zur nächsten Tankstelle. Jetzt bemerkte die junge Frau auch sein humpeln. >>Wie ist das denn passiert?<<

>>Ich wurde von einem Auto angefahren. Deswegen war ich ja hier im Krankenhaus.<<

Die Studentin wollte noch mehr wissen. So erzählte der kleine Sergej ihr alles. Wie er Alexander kennen gelernt hatte, von der Bande, über Weihnachten und, und, und.

 

Gegen fünf Uhr war endlich die Tankstelle erreicht, aber leider geschlossen!

Die Studentin lief hinters Haus. >>Du, da ist eine Klingel, die müssen über der Tankstelle wohnen.<<

>>Die werden sich aber nicht freuen, wenn sie die jetzt aus dem Bett holen.<<

>>Wir können hier nicht ewig warten, ich muss um neun Uhr bei einer Vorlesung sein.<<

Oben streckte bereist ein Mann seinen Kopf heraus. >>Wissen sie wie spät es ist!<<

Sergej schaute nach oben. >>Wir haben kein Benzin mehr!<<

Die Frau war nun ebenfalls wieder vorne angelangt. >>Mein Wagen steht auf der Bundesstraße!<<

Erfreut war der Mann wirklich nicht. >>Gut, ich komme runter!<<

Es dauerte allerdings fünf Minuten, dann stand er angekleidet vor ihnen. >>Musste mir etwas anziehen. Ich fahre sie dann bis zu ihrem Wagen, wenn es weiter ist.<<

>>Ja, zehn Kilometer von hier.<<

 

Jürgen und Alexander stiegen aus dem Taxi. Der Fahrer holte ihre zwei kleinen Koffer aus dem Kofferraum. Später würden sie das alles in Rucksäcke umpacken und ein Zelt kaufen. Während Jürgen bezahlte, nahm Alexander einen der Koffer. Da beide gleich aussahen, wusste er nicht, ob er jetzt den richtigen hatte, aber das war im Moment auch egal. >>Ich freue mich schon auf die Zugfahrt.<<

>>Ja, der Transsibirien Express ist sehr bekannt. Auch das erste mal wo ich mit ihm fahre.<< So liefen die beiden in die Bahnhofshalle.

 

Einige Sekunden später hielt ein VW Golf vor der Halle. Sergej stieg aus. >>Vielen Dank fürs mitnehmen!<<

>>Nicht zu danken, lächelte die Studentin. Pass auf dich auf! Weißt du wo dein Freund ist?<<

>>Nein, aber ich werde ihn schon finden!<<

>>Ja bestimmt! Ich wünsch dir viel Glück und alles Gute!<<

 

Der Transsibirien Express stand bereits auf dem Gleis, als die beiden den Bahnsteig betraten. >>Nur gut, dass wir es geschafft haben. Lieber zu früh als zu spät. Wir werden ein paar Tage mit dem Zug unterwegs sein.<< ,meinte der Autor.

>>Ein paar Tage?<<

>>Ja, Sibirien ist etwas größer als Moskau.<< ,scherzte er.

>>Hallo ihr zwei!<< Die Stimme war die seines Nachbarn. Beide strahlten ihn an. >>Ich wollte mich nur von euch verabschieden und eine gute Reise wünschen.<<

>>Das ist aber lieb.<< ,freute sich Jürgen.

>>Nun ja, das bin ich meinem besten Nachbarn doch schuldig. Ich glaube es wird Zeit!<< Er reichte beiden die Hände. >>Ich wünsche euch alles Glück der Welt!<<

>>Wir ihnen auch!<< ,entgegnete Alexander.

>>Beinah hätte ich es vergessen!<< Er kramte in seiner Manteltasche und holte ein Päckchen hervor. >>Ein kleines Abschiedsgeschenk von mir, damit ihr mich nicht vergesst, aber erst im Zug aufmachen!<<

>>Danke!<< entgegneten beide gleichzeitig und gingen dann zur Schaffnerin. Diese kontrollierte ihre Fahrscheine und wies ihnen die Plätze zu. Alexander schaute zum Fenster. >>Sieh, dein Nachbar steht immer noch da!<<

>>Ja, er wird warten bis der Zug abfährt.<<

Alexander machte das Fenster auf. Auf dem anderen Gleis fuhr eine Lok an ihnen vorbei.

Anton schrie zu ihm hinauf. >>Ihr bekommt noch eine zweite Lok, der Zug ist ja sehr lange, daher!<<

>>Aha!<< ,meinte er nur.

Jürgen der die Koffer verstaut hatte, sah nun ebenfalls hinaus. Der Wagen rüttelte kurz. Da sie sich im ersten Wagen befanden, konnte man den Motor bei offenem Fenster hören. >>Mal sehen ob der Zug pünktlich ist.<<

>>Machen sie sich keine Sorgen, er ist immer pünktlich!<< ,brüllte sein Nachbar herauf.

>>Noch eine Minute!<< ,meine Jürgen gespannt.

>>Das ihr Deutschen immer so genau sein müsst.<<

Jürgen lächelte. >>Das haben wir nun mal im Blut!<<

Der Zeiger der Bahnhofsuhr sprang weiter und der Motor, der Lok vor ihnen, lief nun ebenfalls an. Wenige Sekunden später setzte sich der lange Zug in Bewegung.

>>Hab ich es nicht gesagt!<< Anton winkte ihnen nochmals zu.

Jürgen und Alexander winkten ebenfalls, bis sie ihn Anton nicht mehr sehen konnten. Und irgendwo in Moskau lief ein kleiner Junge humpelnd umher und suchte verzweifelt seinen besten Freund.

Ach ja, für Jürgen wird es die letzte Reise sein, aber das würde in wenigen Stunden nur eine Frau, namens Galina, wissen!

 

Kapitel 13 Sibirien (Teil 1)

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.03.2007. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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